Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1276 (19.8.1922)
- Date
- 1922-08-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980356--12054-2998558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
#(r. 1876 _ Wien, Samstag htfott erzwingt heute Via facti eine Rayonierung, die np M. Mäßvegvl der Regierung für eine, gleichmäßige Ver-, Mung der Lebensmitel zu erträglichen Preisen begründet väre. Die Hausfrauen, die aber mit Sorge dem Winter entsegenschen, machen dieses Anstellen mit, da sie der Eutwick-. iung der Marktlage in den kommenden Herbstmonaten, noch. vemger vertrauen als den heutigen Zuständen ärgster und chrcmkenlosester Spekulation. Der Naschmarkt zeigte bei reichlicher Beschickung an Genüse und Kartoffeln keine Äenderung gegenüber Donnerstag, Uepfel waren zu 80o bis 18OO K., Birnen zu lOoO bis 1800 K. lngeboten. Dagegen ist das hier zum Verkauf gelangende Liroler Obst trotz reichlchen Angebotes nicht zu bezahlen. Gravensteiner Aepfck waren mit 4276 K., Tiroler Birnm mit iL?0 K. Pro Kilogramm angeschrleben. Eine Preisstsige-rung jei-gen auch Pflaumen, die IM bis-2000 K. pro Kilogramm rotierten. Bühne und Kunst. Ungedruckte Strindbrrg-Briese. Diese beiden Briefe zum ersten Male der ' Oeffentlichkeit bekanntgegeben, charakterisieren bei all ihrer Kürze den ganzen Strtndbevg, den . Dichter und den Menschen. Den Anlaß der Korrespondenz bot die deutsche Erstaufführung von Stvindbergs Kammerspiel „Der Pelikan" «der „Der Scheiterhaufen" im Sommer 1909. Dom damaligen Spielleiter, der sich um. das Zu- . standskommen der Aufführung sehr bemüht hatte, schrieb der Dichter in seiner mehr kernigen, .wie verbindlichen Art: Alesund, den 4. Juni 1909, Herr Ebers! ... Mein Uebersetzer. schreibt mir, daß Sie, meinen Pelikan" auMchven wollen. Sie irren, Wenn Sie. glauben, daß Sie mir damit einen großen Gefallen' tun. Ich liebe die SchaufpteUss nicht. Sie sind so eingebildet, auzunchnien, der Dichter tonne nicht ohne sie leben. Und ich muß Ihnen sagen, die Lek- '-iive des „Faust" hat mir einen stärkeren Eindruck vermittelt, denn eine gäbe Aufführung. Sie wissen vielleicht nicht, daß ich eine Zeitlang selbst Schauspieler war, also alles Handwerks- mäßige Ihrer wunderlichen Metiers kenne. Teilen Sie mir aber trotzdem mit, wie? und wann? Sie nein Stückchen spielen wollen. Dr. A. erzählte mir übrigens, Sie wären ein lustiger Narr im „Lear" gewesen. Hoffentlich ist Ihre Begabung auch meinem „Friedrich" gnädig. Meine Hochachtung . gez: August Strmdberg. * Aalesund den 12. Juli 1909. Herr Ebers! . / ' .. . Sie haben nicht unrecht. 'Die männlichen Personen meiner Stücke sind fast alle Brandstätten.. Und leider gibt es in der Wrlr' mehr frühzeitig abgebrannte Menschen als abgebrannte Häuser. Für die erste Kategorie leider aber keine Feuerversicherungsgestllschaften, um den zerstörten Tempel wieder anfzubaven. Da wandelt man an öden, traurigen Brandmauern vorüber, in denen nur noch ein Sturm die vorhandene Äsche in c.was Glut umsetzen kann. Dieses klägliche Glimmen wird c.c.nn endlich nicht durch Wasser, sondern nur durch Erde gelöscht. , Auch ich beginne durch meine Krankheit bald so etwas wie eine Brandmauer zu werden. Also, 01/24. Juli steigt mein Spielchen im Spessart? Hell! Meine Hochachtung gez.: August Strindberg. ttttft km Theater». In den K am «er s v \ t i e n gelangt heute der exotische Schwank Abenteuer in Marokko" im Rohmen der Abendvorstellung und. die Einakttr.Benur*. .Spelunke", »Lauf doch nicht immer nackt herum" im Rohmen der Nachtvorflkllunzur 50. Aufführung. Lullspiiltheater. Direklor Olmiihl ist es gelungen. Lernt Angela Ltppich vom Irving Place Theoire in Rew-Vork für ein Gastspiel als Schubert im .Dreimäderlhaus" zu gewmnen. Für die Rolle de» Baron Schober wurde Lerr Kans Steilau verpflichtet. Der Spiel plan der Volksoper, Leute (7 lllrr abends) „Mda". Morgen <'/,6 Uhr nachmittags) ..Die Maifiersivger von Nürnberg", Montag den -21. d. (7,8 Uhr abend») ..Cavalleria ruftieana" — „Der Bajazzo", Dienstag den 22. d. (*/s8 Uhr abends) „Der fliegende Kolländei", Mittwoch den 23. d. (l/j8 Uhr abends) ..Der Troubadour", Donnerstag den 24. d. ('/,8 Uhr abends) „Madame Butterfly". Freitag den 2&. d. (7 Uhr abends) „Aida". Samstag den 26. d. (‘/,8 Uhr abends) „Lorca", Sonntag den' 27. &. (l/J Uhr abends) „llohengrin", Montag den 28. d. {7 Uhr abends) „Emmen". Dienstag den 29. d. ('/»8 Uhr abends) „Die Botstme", Mittwoch den 30. d. 0/48 Uhr abends) „Margarethe" (Kaust), Donnerstag den 31. d. (7.8 Uhr abends) „Cavalleria rupicana" — „Der Bajazzo". __ Gerichtssaal. Der Raubmord in der FiakergeiroffeNschast. Ein Ferialstnat des Obersten Gerichtshofes unter Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Spath verhandelte gestern über die Nichtigkeitsbeschwerde des vom Wiener Schwurgerichte wegen des Raubmordversuches an dem 63jährigen Sekretär der Fvakergenosstuschaft Franz W e i g l zu 16 Jahrerr schweren Kerkers verurteilten - ehemaligen Fiakers und stachmaligen Gastwirtes Franz Demm el, der, .wie erinnerlich, am 4. März 1921 diese Bluttat in der Kanzlei der Fiakergenossenschaft in der Veronikagasse beging. Er hatte den Weigl, bei dem er wegen Umwandlung LdMrx WLkerljzM iit .AutMoWizenz vorfUvaH» mit. Wiener MorseuMkung. einem auf der Straße anfgelesenen'Stein lebensgefährlich verletzt und'dann aus der Geldkassette e in P a k e t Banknoten geraubt, wobei ihm in der Aufregung nur der kleinere Teil des Geldes in die Hände' kam. Bei der Kassationsverhandlung machte der Verteidiger Dr. Teirich als Nichtigkeitsgrund die Ablehnung der Zeugen über den Besuch Demm eis bei seinem im Krankcnhause liegenden Freunde, kurz nachdem er den Raubmordverfuch verübt haben soll, sowie der Zeugen über die Vermögensverhältnisse Demmels geltend. Diese Zeugen, angesehene Geschäftsleute,. Gastwirte, Kaffeesieder, Fiaker usw., hätten bestätigen können, daß Demmel sich in den günstigsten Bermögensverhältnisscn - befand,- so daß es unglaublich erschien, daß ein Gastwirt und Fiaker in solchen Vermögensverhältnissen, eine Bluttat an; seinem Freunde begehen werde, bei der iitt günstigsten Falle eine Beute, von 70.000 K. winkte. Man habe sich gerade auf Demmel als den Täter festgelegt, obwohl eine Menge von Anzeigen gegen'andere Personen als Täter bei der' Polizei einlangten. Das bei der Hauptverhandlung widerrufene P 0 l i z e i l i ch e G e st ä n d n i s .D e m m e l s sei von ihm in glaubhafter Weife damit begründet worden, daß er es nur zur Herbeiführung der Enthaftung seiner Frau abgelegt habe.. : 1 Der Oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde, wM die beantragten Zeugenaussagen.nicht von ercheblicher Bedeutung gewesen waren -und über die Bermögensvechältnifse -des Augeklägten dieser selbst Angaben gemacht habe, an deren Richtigkeit zu zweifeln kein Anlaß vörlivg-e. - In nicht öffentlicher Sitzung wurde .hierauf über die gegen das Strafausmaß eingebrachte Berufung beraten, Volkswirt. Gestempelte Krone ----- —Centimes. Auszahlung Wien ---- — .vv/s Centimes. In Zürich nolierke die österreichische Kronr. . ^.00'/, (—.00'/, am 17. August) die österr. gestempette Krone. —.00". (—.01'/» am 17. August) die tschechische Krone . . . . 14.85 (15.30 am 17. August) die Mark. ........ 0.46'/, ( 0.49 am 17. Aagust) Agram . ... ... .... 1.52'/, (1.52'/, am 17. Anglist) Sofia .......... 3.— ( 8.— am 17. AuM) Budapest . . . . : . . . . 0.33'/, ( 0.33 am'17. August) Marschau... ...... 0.07 ( 0*07 am 17. August) Die Devisenkurse. ffl»tta<r 74.6S0.-, Isch.chljch« Sitont 219B,S0. Der Tnlweriungsprozeß der Krone machte gestern weitere Fortschritte. Auszahlung Wien vermochte in Z ü r ich nicht einmal den Tieffländ' von dWWn und und sank aut . 0.00'/;, die gestempelte Krone aus 6.00Vt' Fn diesen Kursen spiegelt sich dar Urteil des Auslandes Über die trostlose finanzielle Lage Öesterreichs wider, wenn der Verfall der Krone natürlich auch durch die fortgeseßie Enlwertung der Mark beschleunigt wird, die grfiem in Zürich auf 0.46'/, gefallen ist. Die t s ch e ch i s ch e K r v n < hat sich gleichfalls abgeichwücht, doch hsile dies keinen wesentlichen Einflutz aus die Devisenkurse in Prag, wo diese entweder slotionär blieben oder sich teils befestigten. teils abschwächten. Dagegen trat in Bert in eine weitere Verteuerung der fremden Zahlungsmittel ein und er stieg en dort Kabel Rew-Bork auf H58 53, Dollar-Noten auf 12S8.50. 3n Wien war die Steigerung der Devisenkurse'besonders empfindlich. Dollar verteuerten sich um 12.250 K., Psundnoten um 56.600 K., Schweizer Franken um 2360 K., die tschechischen Zahlungrmittel überstiegen den Kurs vvn 2000 und selbst Reichsmark notierten höher. Nachstehend die offiziellen Notierungen: VeröffeüIHduing vom 18. Zahlungen) Amsterdam t. 1 holl. Gulden Agram 1 jux. Kronen . . , Belgrad 1 Dinar . Berlin 1 deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs Budapest 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Lei ...... Chrlstlanla I nonveg. Kronen Kopenhagen I dänische Krono London l Pfund Sterling . . Madrid 1 Pesetas. Mailand 1 Lire. New York I Dollar...... Paris 1 Francs. Prag 1 tschecho-slow. Kronen Soßa I Lewa . Stockholm 1 schwedlscheKronor Warschau l polnische Mark . XUrich 1 schweizerische Francs der Devisjenzentrale August 1922. ls" Zinsfuß Geld Kurs v. 16. Ware Geld Attcust War« .4 29193.- 29225.- 24315— 24345— . 6 217.85 218.15 186.10 186.40 . 6 871.40 872.60 744.40 745.60 . 6 65.85 66.15 59.85 60.15 . 4‘|s 5607,- 5613.- 4773— 4779— . 6 47.46 47.54 41.96 42.64 , 6 5'/s 13004.— 13016.- 10884.-' 10.896— r . 5 16212.— 16228.- 13482— 13493.- . 3 336400. ■? 336600.-280100.-. 280300. - . 5V, 11490.- 11510.- 9760— 9780— . 6 3391.50 3394.50 2860.50 2863.50 74975.- 75025.- 62675— 62725.- 5917.— 5953— 5031— 5037— 8 2114." 2116.- 1849.— 1851.- 6'/, , 428.50 429.56 357.50 358.50 4'/. -19720.- 19740.- 15470.- 16490.— 7 9.97 10.03 8.92 8.98 37, 14293,- 14307.- 11933.- 11947.- Noten Amcrlkan. Noten v. 5 Dollar aufw. , „ kleinere ... Belgische Noten 100 Francs . . .Bulgarische Noten zu 1000 Leva . » ». 100 » » , kleinere. . . Dänische Noten 100 Kroner . , Deutsche Noten zu ,1000 Mark, , ■ »» 100 » » » » » kleinere.... Engl. Noten von 5 Livrest. aufw, m f kleinere Französische Noten 100 Francs . Holländische Noten 100 Gulden . Italienische Noten v. 100 Lire aufw. » » kleinere . . . lugosl. Noten ungest. zu 1000 Dinar » >. » » 100. I, » » * kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 500 Mark aufw. * . . kleinere.... Rumttnische Noten zu 1000u.500Lel * * kleinere . . . Nuss. Noten (Roman.) zu 500 Rubel » ». » n 100 * kleinere Schwedische Noten 100 Kronor -. Schweizerische Noten 100 Franca Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. Not; v.-1000 aufw. kleinere » Ungar. Noten (neue Ein.) zu 1000 Kr. , su 10.000 Kr» » » « o .-s klilr»*« j am,.», 74650— 74750— 62400— 62500— 5553—, 5565— 4735!- 4745— 409— 411 — 347— 349— 399. r 40t — 337— 339— 16015— 16035— 13300— 13320— 66— '66.50 60— 60.50 335950— 335250— 279450— 279750— 335850— 336150— 279350— 279550— 5895.— 5905— 4995— 5005— 29075— 29125— 24200— 24250— 3363— 3367— 2828— 2834— 3353— 3357— 2818— 2822— 867— 8 9— 741— 743.- 863— 865— 737— 739— 12815’— 12835— 10765— 10785— 9.90 9,98 8.85 8.93 9.84 9.92 8.81 8.89 554.50 555.50 459.50 460.50 544.50 545.50 437.50 438.50 19535— 19565— 16285— 16315— 14230— 14250— 11870— 11890— 11350— 11400— 9625— 9675— 2109.50 2112.50 1845.59 1848.50 2105.50 2108.50 1842.50 1845.50 47.69 47.81 42.04 42.16 47.69 4741 41.84 41.06 . —•»* _ 19. A,z»fl 1»S»_Utile T ErhShvug des Zollavfschkages a«f das Fknftansendsache. - Die Staaiskorrespondenz meldet: Die Steigerung der Spannung zwischen der - Zoll« einhebnng nach , dem vollen Werte des entfallenden Goldkronenbetrages (für diese Woche das lv.90Vfache der Nomi» nalzollbeträge)- und jener nach dem allgemeinen Zollaufsch-lag (derzeit das 1000sache) verursacht derart große Unterschiede in der Zollbelastung, daß der Aufbau und die nach dem Zolltaris vorgesehene Abstufung der allgemein auf Gold abgestellten Zollbelastung wesentlich verschoben worden ist. Die Zollerhebung nach dem jetzigen Aufschlag stellt nicht einmal, den zehnten Teil der gesetzlichen Zollbelastung dar und kommt schon fast einer Zollfreiheit gleich. DaS Bundesministerium für Finanzen sieht sich daher veranlaßt, da auch ein so weitgehender Verzicht auf Zolleinnahmen angesichts der-heutigen-Ärge der Staatsfinanzen . nicht verantwortet, werden könnte, wenigstens halbwegs das ehemals betandene Verhältnis zwischen Goldparität und Aufschlag in der Weise herzustellen, daß der Aufschlag ab 20. d. auf daß Fünftausend fache der Nominalbeträge erhöht wird. Um aber zu vermeiden, daß für jene in der Finanzzoll, tarifnovelle angeführten Wären, bei. denen über besondere geetzliche Ermächtigung die Belastung auf den vollen Wert der Goldzollschuld nur staffelweise ' erreicht werden soll (wie Kaffee, Tee, Zucker, Marmelade, Benzin, Petroleum), eine zu hohe Belastung eintritt, werden diese Artikel nach den neuen niedrigeren Zollsätzen der Finanzzoll, tarifnovelle, und zwar nur zu 40 Prozent der jeweiligen Goldparität zu verzollen sein. Wenn in Vergleich gezogen wird, welche Zollbelastung diese Artikel, nach ihren bisherigen Zollsätzen bei Einhebnng des Zolles mit dem fünstaüsendfachen Aufschlag zu tragen hätten und welche Zollbelastung auf sie nach der nunmehrigen'Regelung entfällt, s» ergibt sich eine wesentliche Ermäßigung, wie aus den folgenden Beispielen hervorgeht: ' ' . Die. Zollbelastung für 100 Kilogramm Zucker wurde bei 'Einhebung des alten Zolles mit dem 6000fachen Aufschlag 80.000 K. betragen, während sie sich nach der nunmehrigen Regelung nur auf 26.160 K. stellt, das ist also pro Kilogramm ^261 K. 6g H. Für 100 Kilogramm Benzin wird die Zollbvlaftung 16.260 K., für 100 Kilogramm Petroleum 3052 K. betragen, während die Einhebungdes Zolles nach dem alten Zollsatz im öOOOfachen Zollaufschlag. 60.000 K. und 10.000 K. ausmachen würde. Weiter muß wied?rh-itt' ausdrücklich betont werden, daß das geltende Zollsystem den größten Teil der -lebenswichtigen Artikel übrchaupt nicht trifft, da diese teils, schon nach dem. Tarif, teils nach den während des Krieges erlassenen Regierungsverfüguilgen zöllfre' sind. Es bleiben insbesondere nach wie vor zollfrei: Alle Arten von Ge- -treioe. Mehl, HülftNfrüchte, Reis, Fett, Schlachtvich, Fleisch, Fische, Eier, Gemüse, Brot, Teigwapen, Käse, Häringe, frische. Milch, Kondensmilch, Fisch-, und Fleischkonserven usw. sowie industrielle Rohstoffe, wie Holz, Drechsler-.und Schnitzstoffe-, Steine und Erze, die meisten Erden und Harze, Rohöle, Baumwolle, Wolle, Flachs, Hanf, Jute, Seide, --Papierzeug aus Lumpen, Kautschuks rohes Eisen» unedle und edle Metalle, Abfälle, Dünger und Kleie, Brennholz, Kohle und Koks. Budapester WirLschsftsbericht. ' ' - 15. August 1922. Der Monat August 'begann unter sehr ungünstigen Auspizien. Die ungarische Krone,.die am 1. d. in Zürich 0.26,8 notierte, sank unaufhaltsam uttlb erreichte am 3. d. schon 'die' Tiefe von 0.17,6, was für das wirtschaftliche Löben geradezu katastrophal war. Bei dem hiesigen Publikum nahm eine wahrhaste Panik überhand. Jedermann woMe das Geld los werden, die Verkaufsläden sowohl der Lebensmittel-, wie Kleider-, Wäsche- und Schuhbranche wurden bestürmt und die Kaufleute konnten sich im Anfang nicht wehren. Das Erhöhen der Preise nützte nichts) stoigerte vielmehr die Kauflust, die nur dann eine Hemmung erlitt, als die Verkaufslokale unter verfch-iödenen Ausflüchten, wie Schaufensterarrangierung, Urlaub, Verreisen usw.', geschloffen blieben. Diese Kopflosigkeit, die— nachdem ja die wirtschaftliche Lage Ungarns keine schlechte ist, sondern sich im Gegenteil zusehends bessert, indem auch die Ernte sowohl in Weizen, wie Kartoffeln und Hülsenfvüchten sich gut gestaltet, demzufolge für den Herbst auf bedeutenden Export gerechnet werden kann — nur auf maßlost Spekulation zurückzuführen ist, nahm schon am 4. d. ab. Da wurde nämlich der Entschluß der Regierung, nach langwierigen Beratungen endlich den Valuten- und Devisenvertehr einzustellen, bezrehungsweise der Spekulation unberufener Elemente Einhalt zu tun und, eine Devifenzentrale aufzustelleu, bekannt. Das Publikum begann besonnener zu -denken und die Beruhigung steigerte sich am Mittag, als man von der Besserung -der Züricher Notierung auf 0.22 hörte. Bon da an ging es auswärts und gestern wurden in Zürich 0.37,6 Centimes gegeben. Der heutige Stand ist zufolge des Feiertages nicht bekannt. Der Besserung der Notierung Rechnung tragend, haben auch die Kaufleute die Preise, allerdings nicht in dem Tempo, wie sie selbe erhöhten, mäßig reduziert, wozu sie sich übrigens auch dadurch gezwungen sahen, daß die rasende Kauflust bedeutend nachließ. Die Devisenzentrale konstituierte sich nach vielem Her- -umziehen am 10. d. aus der Notenanstalt, den Vertretern der Großbanken und sechs Privatbankhäustru, und die Kurse Werder auf Basis der Notievuugen der Ziiricher, Berliner, Prager tut* New-Uorker Börse festgesetzt, vorderhand sind weder Valuten noch Devisen zn haben und . sogar die sich hier aufhaltender Fremden sowie Durchreisenden können ihr Geld nicht um. wechseln, wenn sie nicht zum Winkelverkehr — natürlich zr weit höheren Kursen — Zuflucht nehmen. Allerdings verhält sich, die Polizei den unbefugten Valutenhändlern gegenüber besonders streng, die Cafes, wo dieselben ihren Sitz hatten, stehen unter Aufsicht, auch die Kauf- - jaule haben Mvas.' iwiv der. KchoMHen Obhut, zu foftm