Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1276 (19.8.1922)
- Date
- 1922-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980356--12048-2998552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ui,«: Zorn Abholern';.n der Ixpedition, IL.Taboratr.1-3, edler in einerV ersehleisstelle [Trafik) monatlich K 70Ö0 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 7000 r«cheeh o-S l pwahei.: Mfon. K20. Ungarn : Mon.!C1$0. Jugoslawien: Mon.' Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutsehläii'd:, Mon. Mark 60, F r a akr e i e h: Monatlich Free. 6 NaehuMüiigea, bei Pr«iserU5hung:en Vorbehalten W rsciioehe*Sfo«p k * r tscheeh. K 1.80 11 a I i e n: Monatl. 6. Lire RumänienMon. 40. La? Schweiz und das ihrige Ausland monatlich Frea. S, Redaktion u. Administration Wien; II., Taborstrasse 1— Telephone: 44-0-38.4Z.3-1-. ab 6 Uhr abends 16-301- Tel.-Acfr.; .Morgenzeitung* Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.6-8 9lr. 1276 Samstag, 19. Aag 4. IaHrganx Neuorientierung? —y. Wi en, A»q,st. Das gestrigeCommunique der österreichischen Regierung ist ein Dokument, dessen Inhalt sich nicht an die österreichische. Bevölkerung wendet. Es ist. für die Ententemächte bestimmt, die dem österreichischen Staat Grenzen und Pstichtesti vorgezeichnet haben und .ihn dann -seinem ' Schicksal üBecTaffcrt* . wollten- Sie haben Heu Staat nicht geschaffen, der sich vielmehr nach dem Abgang der. nichtdeütschen Nationen der. Monarchie selbst konstituierte und nach Saint-Germain in der Meinung gegangen war, dort einen harten Friedensvertrag gemäß oer Anteilnahnie seiner Bevölkerung an dem verlorenen Kriegünterschreiben zu müssen, im ilbrigen aber sich der europäischen Staatenfamilie ernzuordnen-. Oesterreich würde von den Weltenrichtern als unabhängiger Staat anerkannt, aber gleichzeitig als . der a" * e Ebbe' der •! Monarchie mit dem Fluch der Sieger . Der Friedensvertrag-riß Oesterreich wertvolle Teile seines natürlichen-Besitzes-weg,....wandelte seine Bahnen in armselige Gebirgsbahnen um und schnitt.es. durch ein kompliziertes System finanzieller Strasbestimmungen .von.jeder Aussicht auf freie, ungehemmte Entwicklung ab.. Die Mächte erkannten selbst den Widerspruch in ihrer Haltung gegenüber Oesterreich .und ver- ' sicherten ihm in-der bekannten Mantelnote, es sei'alles nicht so böse gemeint.. Man werde, sehen,, was sich tun ließe, .um-. OesterreichsAufbau zu erleichtern. ^Oesterreich, wie -alle -übrige-' .Welt',-fqßte - -hiD- 'Zusagen als Bestandteil, des. 'Vertrages ans.- Wie -sicherwies, war diese Meinung .nnrichtigi -. Oesterreich känrpfte seither. Mit seinem 'SchiHäl--'-M> hat. eine 'derhäMnisvMr Reihe schwererMitrsther' Fehler-, begangen/ Es.hat sich durchsCWvtnMMs. nsid Frein-' denhaß/'durch' die Duldung, einer/m'Wosen antisem-ifif schon Hetze selbstschiver - geschädigt.Aber seine Fehler rechtfertigen .in keiner -Weise, daä Verhalten der/Signatarmächte, deren Wort nicht eingelöst i worden, ist^ Die politischer: Doktrinen, -ans denen der Krieg und der' Frieden hervorgegangen sind, wissen [wenig genug, von Vertragstreue mid loyaler Handhabung des internationalen Rechtes. Bier aber wartete ein verzweifeltes Volk, aus die Erfüllung von-Zusagen, die ihm keine sonderlichen Vorteile bringen -konnten, -sondern nur die Fristuyg einer ärmlichen Existenz ermöglichen sollten. Deshalb lviegt es doppelt schwer,'daß die Ententemächte das Problem,, das sich von Jahr zu Fahr verschlimmerte, immer von neuem zurückstcllteu. Nun sind die Dinge so weit, daß eine Vertagung ftmin mehr' angeht. Die Entente. hat 'den Bölkerhund . mit der Erstattung: von Vorschlägen für einen 'Kredit beauftragt. Aber selbst, wenn, diese Körperschaft? ' die weder-Geld noch Exekutive besitzt,- den Antrag Oesterreich auf 15 Millionen Pfund befürwortet, so fragt es sich, wann dieser. Vorschlag die Ohren der maßgebenden Stellen erreicht, aus Welchen-Mitteln die Gelder flüssig gemacht werden, wann.das Eruvernehmen der Beteiligten hergestellt ist. Es kann also, selbst wenn alles lückenlos sich regelt, zumindest ein Zeitraum von zwei Monaten veranschlagt werden. Sv, lange aber-kann weder die österreichische Regierung - noch das österreichische Volk warten, und eS ist keine leere Redensart, wenn der Ministerrat von der Anstellung der -mitteleuropäischen Frage spricht, die er als unmittelbar bevorstehend bezeichnen muß- - Es ist für jeden klar, was sich hinter diesen Worten birgt. Wenn Oesterreich seinen Verpflichtungen nach innen nicht mehr entsprechen kann, dann entsteht eine- Situation,/die für seine - Nachbarn die stärksten Belastungen bringen kann. Eine Austeilung würde folgenschwere. Verwicklungen zunächst für die Regierungen von Präg und Belgrad, iw.weiterer Folge aber auch für Rom und Paris herbeiführen und das gesamte Fviedenswerk in die Luft sprengen. Zudem könnte sie, nach den Usancen ^der internationalen Politik nicht so rasch erfolgen,.Wie das vielleicht gewisse Träumer in und außerhalb.Oesterreichs erhoffen, .'und in der. Zwischenzeit würden., in. Wien Ereignisse eintreten, deren Wellenschlag nicht bei. Gmünd öder,Spielfeld üufzufangen wäre. Wenn . Oesterreich versagt, dann ist das gesamte mitteleuropäische System der 'Eytente ein hilfloses Wrack. Die Märienbader . Konferenz der kleinen Enteiste, die dieser Tage zusammentritt, wird unter dem Druck "dieser Estentuautäten stehen. Sie soll, wie die tschechische -. Regietsiirg,-.- DlboMöSerklären läßt, einen „engeren Zusammenschluß mit Rücksicht auf die * Deroute der Währungen der Nachbarstaaten und der Verschärfung aller wirtschaftlichen Krisen" herdeistrhren. ES ist klar, daß diele Zweckbestimmung in: Schatten der öltetreichischen ExeMisse ' geMt'' wurden Auf dem Weg« z«» Ko«Promitz Paris, 18. August. ' (Hävus.) Die Reparationskonnnission hat in ihrer' heuWn Vollversammlung e i nstimmig beschlossen, das Kommisfionsmitglied Bradburh und den Präsidenten des Garantiekomitees M an c l e rezn. ersuchen, -sichnnach Berlin zu begeben, um von der deutschen Regierung gewisse. unerläßliche Informationen zu erhalten. Hierzu meldet, die Agence. Haväs: Die beiden Regierten wechen/Morgeen abreisen und einige Tage 'in Berlin' weilen, - wahrend welcher Zeit sie wahrscheinlich Mit dem Reichsfinanzminister Dr. H ermes und dem Staatssekretär Bergmamt zusammentreffen werden ^Dieser Vorgang wird - die Verhandlungen mit der deutschen Regierung,-die chen- Zweck haben, einen einstimMigen-Wchluß. 'der/,KWMio«. h e z ü g li ch-h er A n t wo r ta ü f das M o r a I o r ru m 8 g e s u ch zu ermöglichen, beschleunigen. . Berlin, 18. August, .Das- -Wolffsche - Bureau teilt mit: Wie wir erfahrenwerden Bradhurh, -das erste SrHlische Mitglied der. ReParationskMMission, und Maucstre, der Präsident .Garanfiekömihees urw.zweiter. französischer Delegierter. M PehavafidvWinchiffM/ anfangs Nächster Woche' zur 'Besprechung. rnst.her deutschen Regieymvg' 'über die Reparationsfräge inBerlineintreffw. > - ' ' (Ä-nMerküng ' des'' Wolfffchen.Bureäus: -Die Beschlüßsiyffung der-Mepa!mstonskonrMsswy Wex.. hgs..-Stmrdungsgesuch der deutschen Regierung ist danäch-hinü-stsgeschoLen.) Paris, 18. August/ Eiks^^n/Äefprechunji.n Ikt Blätter über die Arbeiten..' dM! WpaNtiVnskomMstswn geht hervor, daß die Entscheidung Mer ‘ das Ansuchen Deutschlands tmr ein' Morajormm' erst -rn einem späteren Zeitpunkt zu erwarten ist. :MeMitglieder. der KommisiioN.' sM. f i« H b ~ M dem französischen Stan.dEÜnst. , Rechnung, tragen. und, eiü-i^'KonzPoistu von -küglischer Seite.Umfassen . wüM. Während/ die offiziöse-Presse, sich , npchi zsirückhältend''. ptzr-, Wh- .HDcht'eu.' hie^'linksstMnW', Blafiet, daß die' Airs-, sichten -für' eilt Kompromiß' günstig feien, >O'e u v t e"Müd' ,-CAMw g'r ä mm e"- verzeichnen - Gerüchte über "private deutsch-französische^ UntLrhändlmigen wobei sie! auf ^bie: be-' vorstehende Reise H e^r r i'v t s nach Rußland Hinweisen. ,Me .' Nouvelle" : bemerkt, die diplopratische Stellung. Fr»nkrchchK'.unb'':EnglaNds''hätt^ sich ser/24 SMnden:b ed-enck^end b^erändert^Die Bemühungen der Reparätionsklnnmisslvn, -zu einem Kompromiß, zrt gelangen, f&m'siprechand, und -chrM zwWvMmdaß.iN -etwa zehn Tagen Deutschlaüddäs verlangte Morätorium gegen Pfänder gewährt werden wird, dV Deutschland selbst anbieten würde:/Es könnte dann eint neue Bankrer.sckonferewz, stattfinden, die die Grundlagen einer internationalem Anleihe für Deutschland festlegen würde. Im 'November' -werde eine Konferenz der' alliierten Regierungschefs zusammentreten, die nach Erledigung 'betResiärätioUsftage..das' Problem' der interalliierten Schulden einer Regelung Hufühöen dürste. Line knrzfkistige Whlnnq»strr«L;mtt. . Berlin. 18: 'Mgnst. .Die ^brifiM'.'Regierung hat der deustchen Botschaft in London arn.,17. -Augilst folgende gemeinsame Antwort der Alliierten artf die. 'deutsche Note vpm 14. Juli ntitgeteilt: HirrsichMch.der'.BatzahluUg> n, die von Deutschland auf- Grrtnd der Abschnitte 3 und 4. der wirtschaftlichen Bestrmrnutrgert geschuldet werden, beabsichtigen die.alliierten Regierungen d.ke Zahlung der zwei Millionen Pfund, die antz.15. AuMt MMg. wären, binnen vrer. Wochen von diesem Tage an zu fordern. Bon diesem Älgean beabsichstgen sie,, das A-bkoinmenvow 10.. Juni . 1821 zu kündigen und Schviste. zu' tun,--um einzeln mit der deutschen Regierung Abmachungen sib^r die.. Regelung aster 'Salden zu treffen,'welche.Men äuf Hrnnd der Wirt-. schaftlichen Bestrnmrungeü 'geschuldet werden. Diese Ab-- machüngeN sotten der'. Reparationskomlniffion zur einperstqÄlHLU7MM.Lru-ng..-unterhreitet'--werdem - . >- .RM der- Note e^ibt Ach, daß auf dem Gebiete der auslaMWen ZahluHeu' .us^-. :DstLr^ Varzählüngen. von' 'dex-'dtzüsiryew."R'e^Mng.. - bi-s 'Mitte' .September nicht.gefordert'-werden.'7-5'^' - '/' > PsLweärL Will Msützer. -/ Paris, 18 ÄuWst. (.H-väsP-Der-' „Lemps" schreibt Die französische Regierung verWrt nach wir vor fest bei der Anschauung, -daß -ein'-MvatÄrmmtDeutschKoind mr unter der Bedingung gewährt werden könnte, däß dar Moratormnr nicht über Eiche 1982 -hinausreicht und daß DÄitschländ die in.' Lond'o^ von Hoincare befürworteten produktiven Pfänder-'-^ (staatliche Uergwstke und Forste) übergibt. - // ' ' Üttgitu d äs - M-sra-ty riL nr. - Brüssel, 18: August. (Havas.). „Etolle.Belge" schreibt; Der belgische Delegierte in der 'Reparationskonmnsswu weiche gegen das. Märätorlümsgesuch. stimmen,' doch glaube NM, däsi die ^.Kojh«stfiiön/»ach, Mahnung' des.Morato- Mms .Zahlnngsepleichterämgeu zuWen könnte. . ' auch-die Aükimdfgüngen' üB?v eine' pöMM'Meüo^enKirrüng-PHetpel^','damit ’in Verbindung// Di^ :MgruH)iMnff kastu nur so möglich: sein/ dH enje -Ännäherüüg an die Wne Entente.oper gn -Nngarn.geplant' wird! W .' letzter .'-EventirMät. wäre,, ahgesehen von der moralischen - Mveausenkung,' gleichbHentend. mit dM Berlüst . des Bn'rgenlanhes,. Die chstere wäre nach der. Richtung zu bedenken, haß jede.mllitflr-pql.iti-M-' Bindung' auWschlossest > blecht.^ Oestemeich.därf°. kemän tihereilten- Schritt^ tun. Denn -daß/es. die NtMssreiheit ^zutückgewinnt, ist unrichtig. Der BerträMon Säint-Germai'n' hatin der Entente sehr scharfe.Wächter. . - :^Me/BarmherHigKeist -; .Bon Dr. I. Leibowitsq. -' Wir Juden rühmen uns der Tugend der BäW° Herzigkeit. Es -unterliegt keinem -Zweifel,'' daß unsere' Barncherzigkeik in der Zeit der- Diäspbra meistens a k Li v war.- Nicht umsonst „verdächtigen" rms'ynsere Feinde,-:datz wir stets Mfammenhalten": In der letzte« Zeit aher» aks-'so' .zahlüeicheunserer sozialen und nationalen -W-' fühle stch sonach und ngchäbgttühlt. haben, hat Euch unsere Tugend der VarMherziDtt-^üHltwe' Forme« - nömmeu; sie ist mehr und Mehr Mssiv geworden, MM- «ettd,' da sie: viele Worte Und A^stnchte macht, > «wer nicht die Kraft hat/ irgend: etwaszu schaffen. Eben-Mse Art unstrer passiven Barmherzigkeit drückt sich, besonders in der letzten Mt, in desi^^Peziehungep zahlreichevHÜdeü zu nnstren Chäluzim aus, 'H ' Tin tapferer Soldat, der Nmstg in die Schlacht Ml,. Mtt' M' tzewiß WeidM wenn er hinter M ein mitleidvolles Altwerberstöhnen vernimmt.. Aber um wieviel beleidigender ist dieses Stöhnen, wenn der Stöhnende Vergißt, dem tapferen, müden Soldaten einen'Labetrunk zü" reichen. - 'Das- Gefiihl der Barmherzigkeit auf unsere Chäluzim ällZuwenden, bederstet schon an und für sich die größte Beleidigung -- für sie und für uns. Aber noch beleidigender ist die Art, in welcher dieses Gesiihl der Barmherzigkeit zur Anwendung gelängt. „Solche junge Leute"—klagt der Jude —, solche gebildete. Menschen, Doktoren, Studenten, gesunde, kräftige Arbeiter, die überall, wohin sie sich Wenden, ihr' reichliches -Auskommen finden könnten, sie M gehen ohne einen Pfennig Reife^ld nach Palästina und leiden Rot und Entbehrungen auf dem Wegeins Läyd, das erst eMlossen werden soll, und das noch kein sicheres Auskommen für das kleine Häuflein der Auswanderer bietet.. Ach, wie bemitleidenswert sind diese jungen Leute'." - / Solche Monologe kann man oft . in der jüdischen Gaffe hören/, die. es so liebt, mit dem Nächsten „Mitleid zu hohen". Aber da wirft sich die Frage ans: was hat denn eigentlich, diese Mische - Gasse mit ihrer großen „Barniherzigkei^^^ für eben ^iäfe Chäluzim getan? . . . Hat sie chwn Weg erleichtert? Was.hat die jüdische Gaffe getan, dastiit Palästina in die Läge' käme,' Möglichkeiten reichlichen ÄMommens zu bieten? Hak . die Wische Oeffentlichkeit sich bemüht, den großen jüdischen Kolonifation'ssMchs. den K e-r e n Hajes s o d, genügend H stälcken? Hat die jüdifchtz Oeffentlichkeit getrachtet, daß/diesjährige Budget fiir Palästina, das den „armen Chäluzim" genügend Arbeit Verschaffen könnte und auch besondere, zur'Fordemng der Envwandemng von EhaWiM bestinnnte Sunrmest enthält, rechtzeitig zu decken? Wessen Schuld ist es also, wem: die . ^avmen ChalMm" uüterivegs ivarten und M vorläufig