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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-15 · Heft 1272 (15.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1272 (15.8.1922)
Date
1922-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IIiz»Im*erK200 Wien: Zaa AUoltB in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, •der in emerVerachleisstelle (Trafik) monatlich K 7000 Mit Postversandfür Wien n. Oesterreich monatl. K 7000 Ts c h e c h c- S l ow a k e i: Mon. IC20. Ungarn: Mon. fC 150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 00. Frankreich: Monatlich F?cs. 6 ' Naehxahlungen bei Preiserhöhung-«! Vorbehalten, Nr. 1272 Polen und Ostgalizien. Von unserem Warschauer Korrespondenten. Warschau, 9. August 1922. Der neue Premier Novak hat bereits seine Amtstätigkeit begonnen, gestützt auf eine wenn auch ziffernmäßig schwache, aber doch halbwegs gesicherte Parlamentsmajorrtät. Diesmal ist es den Nationaldemokraten nicht gelungen, den. ihnen auch mißliebigen Novak zu stürzen. Um im letzten. Moment noch Schwierigkeiten zu bereiten, traten sie schärfstens gegen den sich das Justizportefeuille vorgeschlagenen Dr. Markowski auf. Man nimmt an, daß es den. Nationaldemokraten daran gelegen war, gerade dieses Ministerium von einem der ihren besetzt zu sehen. Bekanntlich liegt nach der gegenwärtigen Wahlordnung die Leitung der Wahlen mehr in den Händen des Justizministers als in denen des Innenministers. Aus diesem Grunde lag es im Interesse der Nationaldemokraten — die bei dem nächsten Wahlgange auf ihre Art die Majorität erlangen wollten —, an die Spitze dieses Ministeriums keinen ausgesprochenen Gegner — wie Dr. Makowski ist —- zu stellen. Aber auch dieser Versuch mißlang. Das neue Kabinett ist nun endlich zur Einsicht gelangt, daß die innere Konsolidierung erst nach der Erledigung der noch , in Schwebe stehenden außenpolitischen Fragen erfolgen kann. Hier steht die o ft g alizis ch e F r a g e an erster Stelle. Um. diese Frage noch vor Schluß des jetzigen Sejm erledigen zu .können, denkt Ministerpräsident Novak darauf noch Mitte dieses Mo- ' nats den Sejm zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen. um nn Zusammenhänge Wt 8er ostgalizischen Frage diie^Vexschiebung des WaWermines. zu behandeln. Sogleichmach. feinem. Amtsantritt' 'hat Premier Novak sämtliche polnische lMsandten bei den Westmächten nach Warschau berufen^ um mit ihneri die Tattrk in der oftgalizischen Frage bei den WeftMächten zu beraten. In diesem Falle handelt es. sich hauptsächlich um Englarch und Italien. .Polens Staatsmänner beginnen allmählich einzusehen, daß es auf keinen Fall genüge, bei der oftgalizischen Frage sichlediglich auf die Unterstützung Frankreichs zu verlassen. In letzter Zeit und speziell hat es Genua bewiesen — haben England und Italien Polen in der Frage Ostgaliziens aus Schritt und Tritt große Schwierigkeiten bereitet. Namentlich Italien gehört heute zu jenen Ententemächten, die sich strikte an die Ostgalizien bettesfendett Artikel des Saint- Germainer und Sevres-Bertrages' halten und zusammen mit England gegen die Vornahme von Sejmwahlen in Ostgalizien—- als derzeit internationalem und von Polen nur okkupiertem Gebiete — sind. \ Kein Wunder also, daß Professor Novak. daran, geht, dje polnische diploniattsche 'Vertretung am Quirinal zu reorganisieren, um in einend näheren Kontakt mit Italien zu. treten. An die Stelle des gegenwärtigen Gesandten August Z a.l e s k i, der, es. nicht verstanden- Hat, die scheinbar nicht ganz erfplglosen Bemühungen des Vertreters der Petruschewitsch-Politik, - Herrn S i n g a l e w i c z, bei der italienischen Regierung gnd bei den großen Parlamentsparteien zu durchkrmzen, soll der gewesene Außenminister S-k irmu n t treten. Seinen guten internationalen Beziehungen mutet man auch das nötige Maß diplomatischer Geschicklichkeit zu, um Italien in der oftgalizischen Frage.umstimmen zu können.. - ■ r ... - Die Gesandtenkonserenz soll die Richtlinien der neuen polnischen Außenpolitik in bezüg auf die ostgalizische Frage für Polen nur durch die Erteilung der dieser Außenpolitik zu schaffen, will Premier Novak und mit ihm der Staatschef die ostgalizrfche Fra ge wenigstens im Rahmen der polnischen AußeyPoWk durch die Erteilung einer. territo r ialen . Autonomie. regeln und auf diese Weise per Entente den guten Willen der gegenwärtigen Regierung zur endgültigen Lösung dieser seit Jahr, und Tag Polen beunruhigenden Frage zu zeigen. .Das-gegeWarfigtz.Oiabjnett. will-die in. Ostgalizien bestehendeMjwÄlMHsrnleilun^ Lusheben und die, Autonomie auf den Grundlagen . eines separaten. Territoriums äusarheiten, .das zu- Warschau, in einer wiebehauptet-Wird' —^.ähnlich losen Beziehung, wie seinerzeit Oesterreich/, zu Ungarn^ stehen soll. Schon diese Nachricht' allein genügte, um die , Kriegsstimmung derNationaldentokraten gegen Novaks Kabinett zu stärken. Ihre Presse schlägt Alarm und stellt fest, daß die Erteilung eines Statuts für Ostgalizien eine Verletzung der Verfassung bedeute, die das Losreißen von einzelnen Staatsgebieten nicht zulasse. In ihrem krankhaften Chauvinismus wollen die Nat.wMd.MokrMü^L daß Pie. oft-. rrner WWWWM>WaWWWW»WWMWWW»WW»WWnWWWWWW»WW«W Wik», Dte»»tag, 15. Augnft 1922 TichiehoeSto««Kall tschecti. K lefO 11 a.I i c a: Monatl. i. Lira Rumänien: Mon. 40. Lai Schweiz* und das qhrig• Ausländ monatlich Fräs. 3, Redaktion n. Administration r Wien, II., Taborstrassa l—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, [ ab 6. Uhr abends 16-301. L TeL- Ädr.: ,Morgehzeitnng‘, f Wien , Oosterreichisches Peatsnar* kassen* Konto Kr. 150.69J 4. Jahrgang Keine Entscheidung. Sottdott, 14. August, (tzavas.) Lloyd Geo r ge, Po i n c ä r «, T. h < tt nis, £ ch a n z e r und H a yashi sind heute vormittags zusammengetreten und haben die Mittel erwogen, um zu einem gemeinsamen Beschluß be- . zWichdes Moratoriumszu gelangen. Es konnte k e i n e Uederein st immun g erzielt werde». Die Führer der Delegationen berieten über eine Verschiebung dex Entscheidung auf. drei Monate, wobei das Moratorium schon jetzt gewähit würde. Poiricare sprach sich formell gegen ein Moratorium, "ohne Pfänder aus. Cs konnte daher keine Ueber.einsti m m u n g. Mtqnde kommen. Die Delegierten trennten sich mit der Erklärung, die Frage weiter Überlegen zu wollen. Es wurde Doch keine neue Zusammenkunft. festgesetzt. Es scheint nunmehr fast sicher, d a ß die Äöttf>renz ausoinande.rgehen werde, ohne eine gemeinsame Entscheidung hinsichtlich des Moratoriums zu treffen. Die tzUfe str Oesterreich. P a r i s, 14. August. Die Agenee HavaS meldet ans London: Lloyd George hat die Berhündete« für 8 Uhr nachmittags einberufen, um pie Hilfsmaßnahmen zu er» örtery, die Oesterreich gewährt werden könnten. Nene Schwierigkeiten in London. L au dtz», 14. Mgust. (TÄl.^onrpi) Dg die Sachverstäydigenkömchifiioch VA VöwitS. gemeldet^ neuerdings zO-ÄeA e« Resultat gekommen isiMW ab MtzWÄttiÄ; 'üllt' Lloyd George wieder aufneWeu. Die Stimmung in Kon- ' Inzwischen hgbr» sich a eneDchP»ierksiUitey ein^Wt, da sich die Frckuzosen mit der von England vargeschlagenen Ausdehnung des.Moratyriums nnr einderstandD Mlaren wollen unter, der Bedingung, daß dem Garimttekomitee die K o nt t o IXe b tx: siaatkich e n B eOg w^e r k e n n d V 8 lder zügesproche« wird. Paris, 14. August. Wolfs.) Wie.die Agenee HavaS aus London berichtet, hat der italienische lNinister Schanzer gestern abends vnd heute vormAägS Vor der. Konferenz der Chefs der Delegationen mit Lloyd George verhandelt. IN italienischen Kreisen scheint man der Ansicht zu sein, daß diese Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben. . Berlin, 14. Aügust. (Wolfs.) Der italienischen Kriegs- . laftenkommissron w Paris wurde heute nachmittags von der Reparationskümmisiion folgende Note übergeben: Entgegen der in Ihrem , Schreiben vom 13. Juli 1922 ausgesprochenen Erwartung sieht sich die Kommission nicht mehr in,der Lage, Ihnen vor dem 15. August 1822 ihre Entscheidung aus Ihr Memorandum vom 12.. Juli 1922 mitzutevlen. Sie wird Sie uNverKglich davon.' in. Kenntnis setzen und gleichzeitig Bestiinmungen. über die Fälligkeit vom. 15. August treffen, die bis. zu dieser Entscheidung in Schwebe bleiben soll. Paris, 15. August 1922. Gez. Dübois, Bradburh. Schrttexn drr Konfexenz. London, 14. August. (Reuter.) Die Konferenz ist an der Reparationsfrage gescheitert. Die Vollkonferenz verhandelt jetzt über Hie Lage Oesterreichs. :LvAdytt,>; 14,/Augusts (Wolfs.) Wie gemeldet wird, werden Vorkehrungen füt die heute abends, beziehungsweise MorKen> srüh rrsMeM .AhteU der auswärtigen Dele- Ehäe«^tVMch«tzKnnzler? London, 14. August. (Tel.-Komp.) „Daily News" teilen mit, daß der Rücktritt des Schatzkanzlers Sir Robert Horne unmittelbar bevorstehe. Als fein Nachfolger wird Churchill genannt. Das Blatt erklärt, daß vor Ablauf der Ferien eine Umbildung des englischen Kabinetts zu erwarten sei. gatizische Frage stir Polen nur die Erteilung der breitesten territdrialen Atttonomie günsttg.gelöst werden konnte, irm auf diese Weise einer vielleicht peinlichen internattvnalen Lösung ' OstMiziens ' vorzubeugen. Premier Növäk scheint eben den wahren Kern dieser Frage erkannt und aus Gründen der Staatsraison das territoriale Autonomieprinzip als. das geesgneteste Mittel befunden zu haben. - ... Der oftgalizischen Fraget zuliebe will er auch , die Wahlen verschieben, weil eine, Konsolidierung der inneren^ und außenpolitischen^Verhältnisse der polnischen Republik ohne Heilung dieser eiternden Wunde an Polens- Staatskörper nicht eintretenkann. Eine andere. Frage-ist, ob , Novak trotz des Lärms der Nationaldemokraten,; deren doftrinäre Polittk Polen in den tiefsten Abgrund, stürzen kann, gelingen wird, sein Programm durchzuführen, r Der Wiedereintritt der Anden in die Weltgeschichte. Zt?r Ratifizierung des Palästina-Mandats. > . . Von DatziS Trietfch.! / ,..,-; [; . Wie . der falsche Eindruck, als ob man einer , staguie?-. reMn, oder 'untergehenden Genteinschaft angehöve, ^<mch. ans "die Bestien wttken .kgnn, Mt unter anderem : auch mrs einer MrKichen Aeußerung E i n st eins hervor: . ' \ , „Was wir Wie an der jüdischen Natron erleben,' hatte vor kürzvm riiertrand für mäglrch gehalten. Whrend. bisher die geistig hochstehende». Juden wegen Mangel s a n R e s ö n q n.z -chch. bewußt- oder unhewußt* von . der jüdischen Gosamiheit äWapdW, stcht nun unsere,Natlou p-1ö tz l.i .chs 4 e benssri sch vor uns da, und Mer verliert das Ge fü h l d e r Perei n sa mn n g, das'.so viele zu einM..Perhaltxrr' giWch'.tzät,. das, dom oherstächlichdnMrckW*, . Äußer unserer al l g e ferne n Position in der Wtzlt haben wir auch eine s p e ziel s e 'Position in Palästina gegen ' die. m^ntzkMwE 'MM^SwlW zu verieidigän. . Die Angaben, mit -enen* geyenwärtlg in der Presie und, in PersammstlNgen operittt tvird, lauten meist dahin, KMtbMLÄM IÖÖ.QÖD. rL.ll.ZeM tel Juden seien. So starck es iu der „Times", und so sagen auch jüdische Quellen. Kein.Wunder, daß dann der arabische Sprecher in einer Londoner Protestversammlung gegen die Balsour-Erklärung noch um einen Schritt weiter gcht und den Juden nur 7 Prozent der Gesamtbevülkerrmg* Palästinas zugesteht, „worunter nur die Hälfte wirkliche Juden, während die anderen nur als Araber j üd i s ch e n 'G l a u b e n s - gevechMt werden dürfen". Daß Jerusale-tn sett Jahrzehirten eine jüdische Majorität hat,'/daß dasselbe für Liberias und wohl auch S ä f e d zutrisft, daß die Juden in Jaffa (wo sie zwar nur ein Drittel der.Bevölsettmg bilden) wirtschaftlich prädominieren..und.daß schließlich auch die Landwirtschaft Palästinas ihre besten Leistungen, in den zahlreichen jiidischen Kolonien austveist -7alles das geht aus solchen Angabe» nicht hervor und läßt sich auch, mit ^Prozentsätzen wie 10 oder'3,5 schwer-.in^^Einklang bringen. In WrrMhkest. siÄ hie' statrstischen Grundlagen ganz andere. Man braucht Mr.irgendwelche Uedersichten der Be- Völkermtgsderhättmsse Palästinas^ aus der Vorkriegszeit nachzwesen/ mn.zu;finden,' daßPalästina eiu* s ch l ießli ch O st j o r d a n i e n s u; u b d e r W c b i c t e um Saida und Thrus kaum.mehr als 750.000 Eiugehabt hat. Diese beiden Distrikte aber, die ein reichliches Drittel von : ganz PaMina ansmachen, liegen heute . a u ß.e r h'a k si -.des.'' weDokdanjschen'. Bereiches des britischen Rrandats, aus welches allein die „neue* Statistik" sich : bezieht, und danüt reduziert sich auch' die Einwohnerzahl desjenigen Palästina, das heutezur Diskussion steht, auf wahrscheinlich 500.000 höchstens -wohl 550.000. Die i In den sind an dieser Ziffer zuerst (anfangs 1922) mit ziwilich genau 100.000 beteiligt, bilden also etwa 20 oder . m i n d e st e n s 18 - Prozent der Bevölkerung. ,' " Nun gibt es allerdings einest Regierungsbericht, der die BevölkepuWMernnach enter Schätzung vom März 1919, mit 047.850 -und' den jüdischen Anteilmit 65.350 . angibt. '■ .; - : Aber dieser Bericht gibt nureine Sch ätz u n g, und diese Schätzung könnte nicht anders zustande gekomnwu sein,-als nüt E Hilfe vom Mckfr-ägen bei den Führern der verschiedenen Bevölkernngselenrente. Dabei haben dann die Araber' aus ‘ begreiflichen ' politischen Gründen — ihre Zisftrn so ho ch als möglich angegeben, während im Gesentett die Jude» aus uOegMst.ichen und Wpo-

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