Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1270 (13.8.1922)
- Date
- 1922-08-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«rite 4 Wir«, Sonntag MterieV MorgenseLtung. 13:-August 1982 Rr, 1370 würde. Der DemerUis ungeachtet, die diese Nachricht ge- , funLen hat, taucht -das Gerücht immer aufs neue wieder auf. SS muß betont werden, , daß die Nachricht? über ein solches Ultimatum Oesterreichs, an die. Entente den Tatsachen nicht entspricht, und daß die Gerüchte mtf folgenden Umstand Furückzustihven sind: In einer der letzten als streu g d erkrü ü l'i.ch er-- Wvten Sitzungen des Hauptausschusses hat der Abgeordnete Dr. Dinghofer die Anregung zu einer Resolution gegeben, welche im Sinne des angeblichen Ultimatums der österreichischen Regrevuug au dle Entente gehalten war. Dr. Dinghofer bemrtragte, die Parteien mögen sich in einem Beschlüsse einigen, der'die Regievulvg ausfordert, ihre D e- - missiouzu geben und gleichzeitig an den Bölker« 'Lund das Ersuchen richtet, vieBertvalümg Oesterreichs zu übernehinen. Die meisten Redner waren mit dem Ge-> danken dieser Resolution einverstanden. Bei der weiteren Beratung zeigte es sich aber, daß über die Form dieses Schrittes eim E i n i g u n g n i ch t zu e r zi e len war. Nach einer ziemlich betvegten Debatte wurde der Versuch ausgdgeben, eme Verständigung über diese Resolution herbeiz-uifühven. Trotz des streng vertraulichen Charakters dieser Debatte scheint doch estriges durchgesickevt zu sein und daraus sind die Gerüchte zurückzusühän, die sich mit großer Beharrlichkeit erhalten. Die Regierung Dr. Seipel hat in allen Ententehauptstädten 'auf die Dringlichkeit der Kredithilfe hrngewiesen und sie hat Sekttonschef Doktor Schüller zuerst nach Paris und dann nach London entsendüt, um dieses Postulat nach Msgiebiger Kredit- Hilfe zu unterstreichen und «den beiden Regierungen die gewünschten' Aufklärungen zu geben. Boy einer ultimativen Demarche-in den Ententehauptstädtest kann aber nicht die Rede fein. Die amerikanische Hilf-aktiv». Eine amtliche Regierungskundgebung teilt mit, daß -on mm an die amerikanische Kinderhilfs-' Mission unter ostervsichrfchev Leitung steht. Die Ame- ' ttcon Relief Admnttstvation steuert zu dieser Aktion weiter-- hin 120.000 Dollar^ in Lebensmitteln bei, während die österreichische Regierung, Provinzen und Gemeinden die' gleiche Summe für diesen Zweck aufbringen. Damit sollen 30.000 Kinder während der nächsten zwei Jahve verköstigttverden. Die Gemeinde Wien hat die Teilnahme an' dieser Aktion abgeleHut und wich die Kinderverköstigung mit. eigenen Kräften führen. UeberVies spendet , hie amerikanische Gestllschaft 30.000 Dollar. Asylrecht f&t öpfet Horthy«.; Der ungarische Regierungsvertreter w Riga, der mit -er Durchführung des Austausches der ungarischen Kriegs-.' gefangenen betraut -ist, hat die ungarische Regierung verständigt, daß die Merveichffche HDiewng Paul Kerf, Haubrich und dem ehemaligen PoDWmMär Dovcsak den Aufenthalt in Men billig!''We? Äon ^unterrichteter Seite wird mitgeteitt, daß einderartiges Wsuchder mrgarischm KommuMstenführer den .Wiener Behörden., bovliege.' " Der Be«Lnte«abhsu. Wie aus dem Nationalrat berichtet wird, ist der- @nW wurf der Durchführungsverordnung Mü Gesetz über den Abbau d e r S t a a t s b e a m t e n bereits ferttggestM und wird schon in der nächsten Woche dem Müysterrat vor? gelegt werden. Ln der zweitnächsten Woche soll er zur Veröffentlichung gelangen. Er. - bswifft. vorzugsPHe. den Wir eröffnen : Publikum zur Besichtigung unserer dort zum Verkaufe ^usgeriellteN NMeSten Peizmodelle höfllcltstein. PeSshaMS Gebrüder* Grainin •Wien, 1!:, Qtöckengi fi. Werkstätten; Ruepps- 37 zwangs weifen Abb-agr,Mit-dem am 20. August begonnen werdeN.soll. Dest^ fMiwillige Abbau ist bereits' im'Zuge.- Wie es heißt, hat/bereits eine größere Anzahl? von Bundesangestellten ihren Austritt: Ms - dem Staats»! dienst angemeldet, nachdem sie sich Stellungen bei privatem Unternehmungen sicherten. Viele stetton 'allerdings Bsdi-ngüngen, die des: Bestwtnmygen nicht entsprechen. Tsrhecho - Slowakei. Die Anerkennnng der SD»ver««itSt Aegypten«:? Prag; 12.' August. (Tel. d. „Wr. MorgmzeiMng".) .Dietf-ch-e chischeR e g i eru n g hat im Hinblick, auf die Aufhebung des britischen Protektorats. in Aegypten die A-nerkeimung Aegyptens als souveränen Und unabhängigen Staat rmch Kairo notifiziert. Diese Anerkennung ist von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung da die.Tschecho- Slowaker als Erbe des größten Teiles.der österreichis ch en Industrie an dem Export von Fez, Glas, Porzellan, Gablonzer Waren, Bier, Möbeln, Konfektion/ Wäsche, Leder und Lederwaren nach Aegypten beteiligt isst A«gar«. Göwbös rmd Prorray. Budapest, 12. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Abg. Julius G ö mLös hat wegen der.letzten Zeitungspolemik den Obersileutnat Pronay zum Duell gefördert. Die gegenseitigen Enthüllungen bezüglich-der letzten westungarischen Vorfälle sollen demnächst Grafen Sigrah über den Markgrafen Pallavieinr in einer Interpellation im Abgeovdnetenhause zur Sprache gebracht werden. . - Krise Wahle« i« Sstgvlizirn. Ei«- Schritt »es englische« Ges««dt<« 1« Warfcha«. Lemberg, 12.' August. Kel. der „Wiener Morgenzeitung".) Das „Lemberger TaMatt" meldet aus Warschau: Der englische Gesandte hat am 9. d. bei dem StaatSchef P i l i ri dD ri ftwie bei ddm Minister des Aeützern Nörytowicz in der Angelegenheit der Sejmpahlen in Opgalizien interveniert, indem er neuerlich die Polnische Regierung darauf aufmerksam Machte, daß auf Grund des bekannten Beschlusses des Obersten Rates Ostgalizien ein 'internationales Problem darstelle. Md Polen daher nicht berechtigt. sei,, inOstgalizien Mahlen für den polnischen Landtagvorjunichmeir. yiationaHmtwlivatett. ) Lemberg, 1V^Iugüft,.Kek.'''der „Wiener Morüe'tte z^itung"P DasWMM ,Dloivo IrolskE sVeWtntticht einen leidenschaftlicken^LeitarükSl in. Angelegenheit des! Autonomieprojekts sttt' Osigülizkn, in welchem es am Ächlnsse heißt: ,,Äas'. östliche Kleinpolen wird ein die Autonomie dieses LandesteileI betreffendes Statut nicht annehmen Und e h e r den K o n t a k t mit der Sck a a t s reg i e t n n g l ö s e n, um dann außerhalb des Polnischen Staates als ein Teil Polens zu ver? bleiben."! --. PsdriVski bei Warschau, 11. August. (Tel. der „Mener ÄsoVg-ettzeitu.ng".) Der gewesem Statthail-tex,-in Galizien 'äuSder.asten' Doyarchio Michael P o b r i n S k.i - wurde yom PrsmieMlntster Nowak empfangen., Gerüchtweise verlautet, daß Boibrinßkis- Anwesenheit ln Warschau iim Zusam-menhang mit der ostgälizifchen Frage..steht, der^n Erledigung zurzeit.sehr inst Jntevesse. der polnischen Regierung liegt. -? ' Forderungen fc« deutsche« Verbandes. ... Warschau, 11. August. (Tal. der ,M-iener.-MorgenzMmg".) Die deutschen Abgeordneten. iur Sejm Spi cker man n ^nd' Hicke erschienen beim Premierminister -und. fordexteas,. daßendlichdie polnischen Behörden ihre Ber-foilMkOn -gegem./diq deutschen Kolonisten in Wolhynien, . Pmnmern und Posen einstellen sollten. Sie baten ferner iwu Berücksichtigung der Bedürfnisse des deutschen Schulwesens in Polen, die Bestätigurlg >der Statuten des Deutschen Verbandes" mit dem. Sitz, in Lodz u. a. Die . Organe der rechten Parteien bezeichnen dies-L Forderungen als Lohn der Deutschen für die^ Unterstützung des linken Blocks während der Ministerkrise. Schaffung eines Wahlblocks der MinoritLten i» Wilna? Wilna.. 11. August. (Del. der ,Mener Morgenzeitu-ng".') Die Weitzmssen beschlossen, ihre aktive. Teilnahme zu dm Wcchilen in den Sejm und in. den Senat. Cs bildete, sich, nuumchr ein. Wahkbwck^. bestehend aus. Weißrussen, Ukrmnevn, Deutschen, Rusien, Tschechen und Juden, der bereits ein allgemeine- WahlkomitHL Msgesdellt habe. Litauen. Fveistadt Memel. Memel, 11. August. (M. der „Wiener MovMzeidMg"?f Hier wurde eine litauische Organisation geschaffen, weilche'das Ziel anstrkbt, aus Memel eine Freiskrdt Mch Danziger Mlrister zu bilden. Gründer 'dieser Gesellschaft soll de« Präsident de?' DandesdirektöriumS Dr. S t e p u t a t' fein.'';" RmDchiM. Rache an Wisnrr» SekretSr. Münch«, 1l. Mgust, (TÄ. d. „Wr.- MnvgeM«iking".1 Der• frühere Sekretär Kurt Eismrs, Fe chsnha ch, und die Redakteure des unabhängigen Münchner Parteiblattes „Morgenpost", Kampfer und -W in t e r,, wuchew verhaftet.- Fechenbach hatte in seinem Prozeß gegen den Her- ,ausMber dtzr .,,SüddeuMen Monatshefte", Goßinann, einen Bstl^^es"damaligen"^ Gesandten in Be'rlin, Graf Ltzrchtzrfeld, vn den bayrjfchen Mmisterpräs^enten Hrtlistg nir8cneauLU8 in bezug auf. die Blutanklage noch fchr fraglich'. Es dürfte bricht ausgeschlossen seindaß viele Angeklagte selbst nach den größten Martern nichts eingestanden haben, sondern^ vielmehr die Richter, es waren, die die Qual der Unglück-! lichen wicht wehr ansehen konnten,, sie freizusprechen , abersich vor dem Pöbel oder emer anderen Instanz füvchtetey, . auf die Ide gekommen waren, ein belastendes Geständnis der Juden zu protokollieren, damit sie endlich hingerichtet und nicht länger gefoltert werden. Zuweilen dürfte es auch vorgekommen sein, daß einige Angeklagte, die ihre Glau-. bensbrüder mehr Äs sich selbst liebten, schon aus dem! Grunde sich selbst mit der Schulbeluden, weil sie durch - ihren Tod die ganze Gemeinde erretten wollten. Die Ge-. schichte weiß, viel von demrtrgen Fällen zu -erzählen. Nicht selten aber dürsten den Richter der Aerger und die ge-, kränkte Eitelkeit, daß es ihm trotz aller Tortur nicht gelungen war, die wngeklagten'Juden zu einem Geständnis zubringen» veranlaßt haben, ein falsches Geständnis im Namen der AngsAagten fälschlich.niederzuschreiben, namentlich zu einer Zeit, wo unwissende und geistig.verkommene Subjekte das Amt eines Richters über Tod und . Leben in Händen-hattem Das Buch „Schöbet I-ehwda" berichtet über; viele derartige Fälle, -wo J>ud«en infolge ihres Geständnisses hingerichtet, nachheraber, die wirklichen, und zwar christlich.en Mörder, die in frecher Weise den Verdacht.aus die Juden gelenkt hatten, em t.d e ckt w.ü rd e n. - Simias: Ja . . . Auch der ehrlichste Gerichtshof ist. der Gefahr ausgesetzt, -trotz aller Untersuchüngen,. sei es dttM Selbsttäuschung oder durch fälsche ÄMagen der Zeugen, ein falsches UrteA-zu fällen und UnschMige zu verurtellen. oder Schuldige fretzufprechen, ,denn dev Mensch' sieht. ja nur nach den Äugen". " ' ' '!. Ma imonr Trotz' aller Beweise,, die für? unsere.Unschuld sprechen, trotzdem durch viele Prozesse die HMosig-. kejt Ms WMAU! Juden den,Cchristen sehr Wfig'gefällig sind urch ditz . Mlle nicht festen sind, wo Juden mit eigener Lebensgefähr Christen vom Tode retteten,. bleibt immer ein Zweifel' im Herzen demjenigen Christen.znrM, der einmal diesen Verdacht gegen uns chogt. / ' Simias: Und wamm Pas? . Maimon: .Weil es schwerist, wenn einnrai auf jemaindsm ein.Verdacht.gelenkst wurde, denselben aus dem Herzen der anderen auszurotten. Die Beweise, welche der Verdächtigte oder dessen Verteidiger bringt, sind -mw negative. Im Hause des A. z. B. .ist ein Gegenstand gestohlen worden. Mrn lenkt den Verdacht auf B., der damals zufällig im Hause des A. weilte. B. beweist, daß auch im Haufe des C., als er ebenfalls sich zufällig dort aufhiett, Gegenstände gestohlen wurden, doch war, wie es sich herausstellte, ein anderer der Di,eb. Das ist aber wieder nur ein negativer Beweis, denn wenn B. auch' ein Dieb ist, so braucht er deshalb doch nicht überall Diebstähle ansm-. führen. Weist B. dvra-uf hin, daß nmn schmr oft den Verdacht des Diebstahles gegen ihn gehegt, wo es sich nachher herausgestellt, daß andere denselben begangen hatten, so heißt es doch oft: es muß etwas dahinter steckend Wird B. dadurch sich zu entlasten suchen, daß er beweist, er hübe geftmdene Gegenstände ihren Eigentümern zurtickgebracht, so wird' nmn sagen, er habe esnur aus Furcht getan. Wirer Mveistn, daß et mch im Auslande so gehandelt, sy wird 'marr darin übertriebene' Schlauheit wittern und behcntpt.en, eb hätte es nur.deswegen getan, rrm nachher unket dem-'DeckmcnM der Ehrlichkeit unr sv Mgestörter Diebstahle ausfühM zu können. Er mag tun was imcher: seine .Beweise weNden also iinmer Mtnegative sein köNnett.!,! Stwras: Mn/j^ > ^esstst nicht, zu lengnen, daß wer einmal epst seine Ustschuch beweisest muß,. die..Mißliihe.Lche' -Wmett' ckästst, einent VeMK ansgMst^MDn.' . ' Hef unter den Tagespreise n; Die Schrift Lewinsohns hat im Jahre 1637 -in. Rußland gleich einem steinigenden Gewitter gewirkt. Nahezu em-Jahrhundert spater stehen wir, und . nicht bloß in 'dem „barbarische^^ Rußland, sondern auch in den zivilisierten, an der Spitze der Kulturstaaten schrettenden Ländern, schier, alle paar 'Jahre einmal vor der gmuenhasten Notwendigkeit, die Religion des Judentums gegen eine Ritualmord-Anklage vor Gericht! verteidigen müssen. Wir sagen mit Bedüchtr die Religion des Judentums, denn, dieser wird der Prozeß gemacht. Alle Phmsen, daß.„man" nur einer Oheimen Sekte" des Judentums diese Schändlichkeit Mnntet, ändern nichts an zwei Tatsachen, die durch itichts orschütteiÄ werden können. Diese find:- Die heutigen Ritlmlmord-Bevtteter stehen nur aus den Schnltem jener Judenhasser, die früher konsequent die Gesamtheit der Inden beschuldigten, daß, sie Christenblut einem religiösen Akt benötigen. Ztveitens beharrt heute, wie früher, die Gesamtheit der Jüden Mrf dem Standpunkte, daß es niemals, zu keiner Zeit, eine Sekte in ihrer Mitte gegeben, die dieser mörderischen Irrlehre gehuldigt hätte. ' . : Damit aber bekennt die gesamte Jndenheit, döst sie, wenn sie wirklich die Existenz einer, solchen Sekte — sei es ans welchen Gründen immmer verleugnen würde, als Mitschuldige derselben angesehen und verurteilt zu werden verdiente. Gäbe es eine solche Sekte unter den Juden oder hätte es jemals eiste solche gegeben — die Juden müßten es Darum fort mit! den Phrasen! Fort mit dem Geslünker! Wer stH zlst dE RitMlmoÄ-Glauben bekeimt, der Muß wissen,' daß er damit die BeschMigrmg ausspricht: das Judentum ist . eine Religion des Mordes; die Juden sind! alle Mörder oder hoch Mitschuldige von Mördern. . v.‘“! .!/;., zz,Emann,