Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1268 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lllzcIaBäunerKiso Mion: Zum Abholen in'der Expedition, IL.Tabörstr. 1 *3, »der in einerV erschleijstelle (Trafik) monatlich K 7000 . Mit Pöstversand für Wien uJ Oesterreich monatl. K 7000 Tsche eh o-S 1 owa k ei: Mon. K 20. Ungarn: Mon.| IC 150. Jugoslawien: Moni, Dinar 25. Polen: Mon, Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frank- Teich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen bet Preiserhöhungen Vorbehalten Wiener Tscheche» Slowakei' «schick. K «.20 Italien: Monatl. 6. Lire Rumänien: Mort. 4-. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—I Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. TeL-Adr.: .Morgenseiturtg', Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.6*3 Nr. 1268 Freitag. 11. Äagast 1922 4. Jahrgang Poinearös Taktik.! - , —y. SD31 e«, li. Sluoii[l. v Das englische Kabinett ist zu einer Sitzung zusannnengetreten, die der Krise in den Beratungen der Londoner Konferenz gilt. Die Sachverständigenkommission hat die Poincareschen Reparationsfordernngen mir zum Teil angenommen, weshalb Poincare aus Paris neue. Instruktionen verlangte. Der französische Ministerrat hat die bisherige Haltung des Premierministers gutgeheißen und Präsident Mitterand hat ihn telegraphisch beauftragt, fest zu bleiben. Es besteht also zwischen England und Frankreich eine tiefe Kluft der Meinungen, und es ist im Augenblick nur die Hoffnung auf eine provisorische Einigung zwischen den beiden Regierungen möglich. Eine solche wird denn auch, in einem Telegramme des „New 2)od Herald" angekündigt, das davon sp'richt/daß die Konferenz die Lösung der Frage auf die Reparationskommission abschieben will, der inan es anheimstellen würde, ein Moratorium für Deutschland zu bewilligen,'oder abznlehnen. Da nun Frankreich seit der Bänkierskonserenz auf die Reparationskommission, die damals gegen, Frankreich entschied, schlecht zu sprechen ist, .so werden die Mitglieder der Kommission, die in Paris ihren Sitz hat, alles tun, mn. von der chauvinistischen. Presse ein. gutes. Zeugnis zu erhalten. Sie werden sich gegen ein Moratorium aussprechen. Da aber wieder England auf einer.solchen Zahlungsstundung für Deutschland besteht, so wird die ganze Frage weiter auf der Tagesordnung bleiben und den bis zur Eisfelturmhöhe ängeschwollenen Protokollstoß noch höher bauen. An dem tatsächlichen Stand der Dinge, an dem Verfall des auf die russische Straße gedrängten Deutschland wird nichts zum Besseren geändert. - Für die Eutenteniächte" ist- -die Änsremteryaliung, . ih^es, Änndesperhältujss es 'von. MLl.e;ch,.._>-größe'rar deiitüng als oer fränzösisch-deutsche Konflikt, sö sehr'er auch die Arbeitsbedingnirgen in Eitgland verschlimmert. England und Frankreich stehen heute sv ' zu. einander, daß sie nur.-Freunde öder Feinde sein können, und in dieser Lage ziehen sie den Fortbestand' der Entente natürlich jeder anderen Eventualität vor. Frankreich, das immer fordert, immer gereizt ist und überatt Feinde sieht,, zeigt sich als der aktivere Partner und erzielt mit seiner Haltung stets neneVorteile, die freilich nur auf dem Papier stehen und nur darausangelegt sind, das jeweilige Ministerium vor den Borlvürftn der zur Krippe stvebenden Gegner Schutz zu' gewähren. ' Die Politik Frankreichs befindet sich fortwährend unter dem Druck der Unverantwortlichen, die sich durch ihren Lärm dem bedrohten Vaterland und dem kopsscheu gemachtem Zeitungsleser als Retter des -Staates empfehlen. Es sind eigentlich immer nur Taktik und Pprlamentstechmk, die in den komplizierten Fragen der, Finanzvereinbarungen mit Deutschland entscheiden, und dadurch entsteht, wenn man die Vorgeschichte -des Konfliktes bedenkt, ein einigermaßen groteskes Bild.' Die kühl rechnende Logik verlangt, daß man die Henne, die die igolldenen Eier legen sott, nicht ununterbrochen mit Geschrei und mit dem Messer jagt. Aber das Vorgehen Pvincares, respektive des ihn schiebenden .Bloc national steht zu diesem Verlangen im striktesten^ Gegensatz. Er hat in Genua die Einigung perhindert und die russische. Frage vorgezogen, aber selbst diese wegen der Unklar beit des Vrivareigentums nicht zur Lüstu^ konnnen lassen. Er bat dann die Anleihe für Deutschland gefordert, aber die Vorschläge der zur Beratung.senv's c-gen.tn Antrages ein» berufenen B?nkiers?r.nfer:r:r abgelehni. Er hat von D eutschland das Ansuchen um ein Moratorium und die Anerkennung der Fn>am. anjrc-l" r'Rangt. Beides ist geschehen; und das Ende dieser Strophe'des Liedes nt w.eder die Dro).< ig mit den Saükttorren und mit der Beschlagnahme des Privateigentums der reichen Deutschen im Elsaß. Nun hat England in dev bekannten Balfourschen Note die Annullierung seiner europäischen Außenstände und der ihm von Deutschland zustechenden Reparationen in Aussicht gestellt und damit den einzig gangbaren Weg ans dem chgptischen Streit gezeigt, bei dem es sich doch letzten Endes um das Geld der deutschen? Arbeiter und Handelstreibenden handelt, also jener. Klassen, gegen die Frankreich angeblich keiye Mißstimmung Hegt. Aber der Schritt Englands ist nur als die Einleitung einer internationalen Aktion denkbar,' die nur gelingen kann, wenn alle Staaten, die Sieget Witz ditz Besiegten, in den Kreis einbezogen werden. Aber Frankreich schließt sich schon aus und stürzt damit den ganzen. Plan um. Es vereitelt jede Möglichkeit, aus 'der.sinnlosen'und ziellosen Kata- KM.tzNvoW LerMsMküMMv. Üurzt Europa in nM England für eilt Maratoriu« Berlin, 10. Äugüst. (Tel..d. „Wr. Morgenzeitung".) Die „B. Z. am Mittag" meldet aus London: Die für heute mittags änberaümte heue Böllsitzung der Konferenz in Downingstreet dürsteuj ch t stattfinden, da in Anbetracht der zwiespältigen Schlußfolgerungen des Sachperständigenansschüsstzs Lloyd George sich zunächst mit. den . übrigen Kabiyettsmitgliedern ins Einvernehmen setzen will, ehe er in formelle Diskussionen mit den anderen Konferenzteisttehmern eintritt.« Hs ist wahrscheinlich, daß ein informativer Meinungsaustausch zwischen den einzelnen Delegationen stattsindet.Die nächste Vollsitzung der Konferenz dürfte erst morgen' vormittags stattfinden. Bezüglich des Moratoriums für Deutschland wurde gestern abends von antoriMvÄ/Seite der englische Standpunks wie' folgt dargelcgtr England glaubt, nicht an ein bedingungsloses Broratoriüm;. abtzr es wünscht ein Abkommen, das Gelb einbringt, nicht deutsche Papiermark, die als Reparationszahlung keinen Weit haben. Vom englischen S^ndpuükt aus ist es keine, gesunde Politik, das Moratorium von Bedingungen abhängig zu machen, die die Wirkung haben, die deutsche Produktion zu zerstören. Der allgemeine Standpunkt, ist der,,'daß ein Moratorium unbedingt gewährt werden mütz. ' . ,'^ÜS- SachverftLnd^TULtttachten. London, .10. August. '.Wolfs). In dem Berichte des Sachverständigenausschyfses - htzstzt es bezüglich des Vor-, schlages ^a«^'Errichtu«g-'Ä^ s^oüschrayke im Rheinlande und im Ruhrgebiet: Alle WJMen außer Frankreich tyqpn Austafsung gehtdaMn, wirMches Moratorium sein yiürde, wenn aus.Zahlüngeu in der gegenwärtigen. Form verzichtet und gleichzeitigeine. ebenso schwere Goldabgabe anferlegt würde. Zugleich waren alle Miierteu außer Frankreich der Meinung, daß, wenn irgend welche Sicherheit notwendig fein würde, es einfacher wäre,'dis gegenwärtigen Zollvorkehrungen an dtzr belgischen Grenze zu übernehmen; als Deutschland durch Neue Zollvorrichtnngen entzwei zu schneiden. Zn dem Vorschläge, die Alliierten sollten einen Anteil von 6« Prozent an den deutschen Fabriken, insbesondere den chemischen Fabriken ans den linken Rheittttfer, übernehmen, erklärten alle Alliierten mit Ausnahme Frankreichs, man fei der Ansicht, daß eine solche Uebernahme überhaupt keine Äareinnahmen bringen werde, da die einzige Art, rinen OOprozentigen Anteil z« «hatten, darin bestehen würde, die deutsche Regierung ZN zwingen, den gegenwärtigen Eigentümern ihren Anteil abznkanfen und ihn den Alliierten zu übergeben. Die dentsche Regierung könnte dies nur durch den Druck neuen Papiergeldes tim. . > Eiuiguns zwischett Lloyd George rrvd Poi«earL Paris, 10. August. (Wolfs.) „New York Herald" veröfseMlicht ein Telegramm seines. Londoner Berichterstatters, das «Nler allem Vorbehalt wiedergegeben wird, und worin es heißt, sowohl in französischen altz artch in italienischen Kreisen glaube man nicht au den von englischer Seite zur Schau getragenen Lutz erstens Ernst der Lage, und es verlaute glaubwürdig, daß Llohd Georgennd Po in rar e. gestern abends unabhängig von den Sachverständigen eine tatsächlich« Verständigung erzielt hätten, in dem Sinne, daß die Konferenz bie Aufgaben auf die Reparationskommisfion abwälzen und diese ersuchen werde, ein Moratorium zu gewähren, wenn sie es fiir richtig hatte. Das Moratorium werde von produktiven Pfänder«!Poincarescher Art in abg'eäntzerter Form, die die Konferenz heute gntheitzen werde, abhängig gemacht werden. Die Reparütionskommisslon soll bekanntlich für ein Moratorium sein. Nicht zufrieden dämit; die Beschlagnahme gewisser Einnahmsquellen; Deutschlands, die nunmehr die Zustimmung aller gefunden hat, vorzuschlagen, hatte es die französische Regierung nunmehr für unerläßlich, i n d i r e k t zum System der Sanktionen zurüchukehren, auf die Gefahr ' hin, die Finanzlage Deutschlands zu verwickeln. Man könne sich jedoch nicht verhehlen, daß dieser Plan sämtlichen Alliierten Frankreichs unangenehm sei. Während sie in dem ersten Teil der Maßnahmen einen Fortschritt erblicken, der nicht nur Reparation^ahlungen, sondern auch eiye Stabilisierung her Mark mit sich bringen könne, betrachten sie die Wiederaüfrichtung von Zollschrankenim Innern Deutschlands als einen Rückschritt, der zu den größten Komplikationen führen werde. Es sei klar, daß diejenigen, die die Verantwortung für Frankreichs Beschlüsse tragen, diese Tatsache nicht außer acht lassen. Sie werden ihre endgültige Entscheidung erst nach reiflicher Ueberlegnng treffen. Ein Tag des WarLeres. Paris, 10.. August. Der Sontzerberichterstatter Agenee Havas meldet aus London: Der Vierte Konferetytüg kündigt sich als einTag desWarten.s u». Es ist weder eine Ministerznsammenkunft noch eine Sachverständigenfitzung 'vorgesehE^mgbeü chatten das englische und dös' fränzöstsche Ääbittekt ÄerDllgen.über -je Lage ah. Erst nach dem englischett NnMErNie wird man Endgültiges über die Absichten Lloyd Georges wissen. In dev Zwischenzeit herrscht lebhafte Ge schäfts- 1 ä t i g k e i t bei verschiedenen Abordnungen. P oi n e a r e und de Lasteyrie hatten heyte vormittags Besprechungen mit den französischen Sachverständigem Theun i s (der belgische Vertreter) setzte seine Bemühungen um eine Verständigung weiter fort und konferierte mit Lloyd George. Auch der.italiemfche Finanzsachverständige Giannini hat sich ins auswärtige Amt begeben. , Hn den Kreisen der Konferenz betrachtet man d^ Lage einstimmig« l s e r n st, doch ist man in italieni-. schen Kreisen der Ansicht, daß ein Zerwürfnis, abgesehen von den! Rückwirkungen auf die englisch-französischen Beziehungen, unter den gegenwärtigen Umständen keine praktische Bedeutung Haben könne. Sollte von den Verantwortlichen Leitern der alliierten Regierungen eine gemeinfame Lös«ng angenommen werden, so wäre eS. die, dötz es letzten Endes Sache des Wiedergntmachungsausschnsses wäre, eine Entscheidung z« treffen. Es ist aber wahrscheinlich, daß eine Mehrheit gefunden wird^ die Deutschland, selbst im Widerspruch zu' Frankreich, einen, Zahlungsaufschub gewahrt. Franzöfische Uunächgiebrgkrit. Paris, 1v. Tilgxst. kTLl.-Kon>P->- Set irarjöfilche Ministerrat, der heute von halb 1V bis 12 Uhr unter Millerands Vorsitz tagte, beschloß, den Ministerpräsidenten zu verständigen, daß er sich an die früher gefaßten Beschlüsse halten möge. > größeres Unheil und vcrrommelt sich selbst den Weg zur deutschen 'Schuldenzahlung. . Es hat einmal einen Staat gegeben, der eine solche Polttih-der r Planlosigkeitbetrieb. Dieser Staat war' Oesterreich-Ungarn, das in der Zeit'der Balkängäruyg- Vie Welt.alle Tage mit', neuen Beschiverden, mit- Noten und Vorschlägen - überschüttete,' die einander .wider», sprachen. Zu jener Zeit stellte einmal der Präsident der französischen Republik die Frage: ,;Was will eigentlich Oesterreich?" Dieser Präsident hieß Poincare, und .'man fragt , heitte allerorten, was er eigentlich wolle.) Sott Deutschland ~ wie das Um recht üUd billig ist — .beir. Schaden, den es angerichtethat, bezahlen, dann'muß man ihm doch die Möglichkeit geben, sich selbst zu restäMerell. Man kann seine Wirtschaft unter Kontrolle stellen, geine Eingänge bis. zur Höhe der Schadenssumuteu-init. B; i^Iag. belegen,-.aber man darf ihm/dach"nicht. Foch/mittdem Finger am Abzug gegenüberstehen. Vor allem aber muß irgend ein fester Plan zin Regelung der Schnldenzahlung ausgestellt rrnd eingehalten' werden. Oesterreich-Ungarn hat seine Schaukelpolitik so lange getrieben, bis ihm nur ' wehr der Krieg als Ausweg möglich schien. An diesem Krieg ist-es gestorben. Wohin geht aber die französische Taktik? Einstweilen schlitzt der Bestand der Entente Frankreich vor den Folgen seines Berserkertums. Bertraucr-spstum fite die italirr-ijchr Regierung. '' Rom, 10. August. (Ltefani.)' Die Kammer'hat die' vom Abgeordneten .Eocco-Ortu - beantragte V e o t x a n e n s t a g e s o r d u u n §' für die Regierung in nameM ich r Abstimninng mit 247 gegen 121 Stinunen a'nge nome'a.-- - .- .-