Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1266 (9.8.1922)
- Date
- 1922-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f ’7> ■? " EiizilnonmerKiät Vien: Zum Abholen in der E*pe4ition,II.,Tabor«tr.t-3; oder in einerVerschleiastelle- ^Trafik) monatlich .K 7000, Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 7000 Tsche ch o-S 1owake r: Mon. K20..Unyarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Pinar 25. Polen:, Mon. Mark 800. Deutschland: Mein. Mark 60. Fr a n kreich: Monatlich Fres. 6 Nachzahlungen Preiserhöhungen Vorbehalten T schcchd*tlowakei . tschech. K f.tO Italien: Monatl, 6. Liri Rumänien: Mon. 40. Lai Schweiz und das ubrijr» Ausland monatlich Fres. S Redaktion u. Administrativ Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr , abends 16-301, Tel.- Adr.:, Morgenzeitung1, Wien - Oesterreiebisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69S Nr. 1?66 Wie«, M1tta»ach, S. «agast 1922 4: Jahrgang Frankreichs Extratour. —x.W.i e n, S. August. Die erste Sitzung des Obersten Rates brachte wie <n'Genna eine/ bis ins Detail gehende Auseinandersetzung der französischen' und Englischen -Meinungen bezüglich der Reparationen. Frankreich, dessen Premier-' minister ausführlich und errejt sprach, bleibt bei seinem frankozentrischen Standpunkts her durch den Finanzstand' des Landes genügend unterstützt' wird. Frankreich braucht Geld..Seine Steuereingänge bleiben hinter den Bedürfnissen Zuriick, die durch bte: Unterhaltung einer fast noch in Kriegsstärke am Rhein angesammelten Ar-: mee und durch die - Alimentierimg seiner ' Kriegsopfer entstehen. Jahrelang ist der französi sche s Steuerträger' mit den Sentenz erzogen worden, Deutschland würde und müsse alles bezahlen.. Poincare gab eine sehr eingehende Darstellung des - französischen - - Wirtschastsstandes: Gewiß dürfe man Deutschland nicht zur Verzweiflung treiben, aber auch Frankreich nicht. Wenn Frankreich die Ausführung des Vertrages fordere,, so sei das kein Zeichen von Imperialismus.oder Milrtaris-' mus, es wolle'damit auch nicht'Deutschlands. Vernichtung, sondern nur seinem eigenen Ruin entgehen, denn es sei Frankreich unmöglich, seine Ailsgaben herabzusetzen oder seine Steuern zu erhöhen. Ein Vergleich zwischen den Budgets Frankreichs und Englands, wie.'ihn jüngst Schatzkanzler Horne vorgenömmen hübe, sei prak- . tisch schwierig. Aus den zehn verwüsteten Departements Frankreichs gehen die Steuern nicht, normal, ein. Iw Zahl der Toten und Invaliden in Frankreich sei größer als'die in.England, und die soziale SttHur/Fvankreichs. sei ganz anders als die Englands. Frankreich erhalte, sich nur ausrecht durch einen'Kredit; der NNerlaßlich sei, , nm seinen Wi^deranfbau wahrend her - ins . Auge gefaß-. ten Dauer des Moratoriums ins Merk zn. sf!tz.en. . zur HohegeMntomopärscher AnschauHgi / Er /stellte^ Poincares.Anklagen gegen Deutschland jbie Verluste und Lasten Englands und Italiens: entgegen und bezeichnete. die Schaffung eines. .Ansgleiches > als., ein Weltinteresse. Deutschland,'sei genügend, entwaffnet, um. keinen neuen Krieg beginnen, zu können. Er schloß.mit dem Antrag auf Bildung einer Finanzkommission, d'ie alle vorliegenden Anträge prüfen solle. Man ist also von einer definitiven Ordnung nochsehr Mit entfernt, da auchdiese Kommission kaum mehr als ein kurzfristiges Moratorium für Deutschland beantragen Wird, nach dessen Ablauf der Zwist von neuem, aufleben wird. Doch ist die Situation nicht mehr so gefährlich,.zumal Poincare. jede Aeußerung, die als Ultimatum angesehen werden könnte, sorgfältig vermied. Eine'solche Festlegung seiner Politik würde'-zu schweren Weiterungenführen. Die Stimmung-der Konferenz ist im Gegensatz.zu ihren Vorgängern diesmäl von'England beherrscht, "das von militärischen Schritten nichts wissen will und gegenüber den französischen Klagen immer ans seine fünf Millionen Arbeitslosen verweist. Auch hat Frankreich alle Ursache, es im gegenwärtigen Augenblick auf keinen Konflikt mit England ankommen zu lassen.. Die öffentliche . Meinung Englands beschäftigt sich nämlich jetzt sehr lebhaft mit der Mission des französischen Obersten Mougissin nach Angora. Man erblickt allgemein, in der Entsendung eines französischen MilitävbevollnrZchtigten am den Sitz der kemalistischen Regierung eine.gegen England gerichtete Aktion. Nach französischer Darstellung, wäre. Oberst Mougissin nach Angora gegangen, um mit der kemalistischen Regierung verschiedene türkisch-syrische Grenzangelegenheiten zu regeln. Die englische Regierung hat aber Beweise inder.Hcmd, das) die Tätigkeit des Obersten bei, der Regierung Mustafa Kemal Paschas militärische, gegen Euglaüd gerichtete. Zwecke. verfolge.. Es soll sich um den Plan' eines kemalistischen Vormarsches gegen Konstantinopel mit . französischer. Unterstützung Händeln. Die englische Regierung , hat in Paris. Vorstellungen erhoben/um eine ,Abberufung. des. Obersten Mougissin aus Angora zu bewirken. Vor der Abreise Poincares nach London wurde in Paris bereits verlautbart, daß die englischen Bemühungen erfolgreich gewesen seien und daß der Oberst bereits Angora verlassen habe. Nun'wjrd aber neuerdings die Wahrheit der französischen Angabe bestritten,' sv -daß der 'Zwischenfall, in Äer Schärfe weiter besteht. . : :! Man hat ' es,- wie - man sieht, iiiti einer Neuauflage der F'rauklin-Bouill'onschen Mission zu tun, die hinter dem Rücken Englands mit Kemal über die anatolische Frage verhandelte und beim Ausbruch des neuesten griechisch-türkischen Krieges eine verhängnisvolle Rolle Ü^tzÄt -bat. Aus der. EMem des yon ihr abaeschlofseneu' London, 8. August. (Äst ''der Mr. Morgechtg ") Am heutigen Tage fand ke^ne pfsetttsiche Sitzung stattum dem Sachverständigenkomite>L Pest für die Entscheidung zu lassen und den prien/Pefprechunge n den nötigen Spielraum emzüräustrpN. Die' Förderungen P o i n c a r e s werden iu fölgepden sieben Punkten znsammengrfaßt:.' ' 1. Kontrolle der NeiHsbaA . .- -' 2/ ^ntMe-.derMn-..«iH.Ausfuhr. - 3. Kontrolle deS D> v iP ir h a n d e l s in Deutschland. >/ . .::< . ■ .;; ' i: Sönderöesteuerüng der Ruhrkohle zugunsten der Reparatiönskassa.' r..‘y * 5. Wiederherstellung der i n u e r e «Zoll g r e n z e im besetzten Gebiete, wie in hell Jahren 1920 und 1921, und östlich her Ruhr Mgeu d^c^neuen Kohlensteüer. 6. Kontrolle der Einnahmen aus dm staatlichen Bergwerken 7. Beteiligung an der d » u t s che.» I ndüstr i e durch Vermehrung -es Aktienkapitals um 26 Prozent, unter Abgabe dieser neuen ' Aktiön an die ReparationskoMMifsivN. Diese siebest Punkte Poip^ares haben hier einen'ungünstigen Eindruck hervorgerutzn und s e l b st die Belg i e r haltew chese Punkte süjt^uydurchfühkbar. Frankreich wird bei det isolierten Stellung, in der es sich in London /befindet, mit. fstch red e n la ssem Der regierüngsostiziösc „Dallh .Ehronsele" berichtet jetzt >schpn vo«. eiMF-H.stn8hrrüna'WaWWs .an de« englischen Stan'dhimkß He - -N-VM. heür'eü Dir.Forderange« Frankreichs. eares erforderlich machen würde. — Die Stimmung. fit Paris wird sich mit einiger Sicherheit erst feststellen lassen, wenn sich her Sachverständigenausschutz zu den im Falle der Durchführung der Forderungen Poincares entstehenden Kosten geäußert haben wird. * Die Beschwerde« der Minoritäten. .! London, 8.- August., (Tel. dE- ,Mr. MorgenzeiMn'g".^ .In der gestrigen Sitzung der Konferenz sprach Sir Dickinson über die' Min d erh eitssrag e-m Di« Stellung der' Minderheiten-, 'fei. - .durch * die Friedensverträge sehr e r s ch w e rt. Zahlreiche Klagen über; Unger.-chtigkeiten, ja Grausamkeiten, seien eingelausen. Es habe sich gezeigt, daß die Verträge, die die Minderheiten schützen .sollten, diese vor'Ungerechtigkeiten nicht haben bewahren können. Der Völkerbund, unter dessen' Schutz die Minderheiten :gestellt worben seien, habe kaum in irgendeinem Falle seine Autori'tät ängewendet. D i e Ko n f e r e'n z e.r s ü ll e - n u'r i h r e' P f l icht, wenn .sie. die Aufmerksamkeit ans die bestehenden Schwierigkeiten lenke und ihre Mitglieder.anffordere, alles zu tun, was in ihren Kräften stehe,'um diesen Uebelstand zu beheben. .' : - Die «leine Entente «es d e Minoritäten. ■ Prag. 8. Aligust. „Narodni Ltsty" zufolge soll gelegent-- -lich. der Antvesenheil.des Ministerpräsidenten, Paste in Marieubad über ein gemeinsames Vorgehen in bH M.i»- n o r i tä t e n f r a g e ..bei - her nächsten Völkerbundversammümg in Genf beraten. Werdest. .Ferner werde die.jützö-. --HawisH-fkschecho-slpwHilD^aizvechion' vom Jahre.> HZ0 1'aüf die Dmter' dön ' zehn'Jnhren verlängert 'cherdkri..' Mdet^ Plastes Lenin wieder gesund. Riga,)8. August. (Tel. -dex-„Merstr MorAenzeitnng".j Zu Beglnü dch:. all r u ss i s ch e n> Ä o n f e r e n z d e r Kommun isten Rußlands Verklärte der Bvrsitzrnde K a m e n e w, daß .ihm L en r nlaM 3. d. erklärt habe, er sei bereit, seinen früheren Posten bald wieder anzutreten, da er sich inzwischen g e mü g e mder h o l t habe. Das Präsidium der^Pgrterkonferenz weist an bekannten Namen Trj0tzki, Kamenew, Rakowsk i, S i n ö w j e w auf. Züm ersten Berhandlnngspunkt — internationale Politik —referiert^ S o k o l n i k o w, der erklärte, Genua umd HaaKbedeuten einm Schritt vorwärts auf dem Weg znv Änerkenstung der Sowjetrepublik. Die wichtigste Aufgabe auf dem ÄDete. der internationalen Politik sei nunmehr die Sanierung der inneren Wirt, s 'ch a f t. - ' Abberufung des tztockholmer Sowjetgesaudteu. / Berlin,'8. August. (Tel.-Komp.) Bei den letzten Be..' sprechurtgen zwischeir Tschitscherru, Litwiuow und dem Berliner Botschafter Krestinsky war auch der GesandtschastssÄretär der SowjetregierNng in Stockholm Dr. Heller an- .wesend.' Wie verlautet, ist Dr. Heller zum Nachfolger des derzeitigen Stockholmer' Sowjeigesandten 'Kershenzew ansetschen, der wegen unbefriedigender 'Bertreülng der Moskäuer Direktiven von seinenrHosten adbernfen «werden wird. Aagriff aas de Dalrras Haaptqaartter. London^ 8. August. (Tel. der,Wiener Morgecheitnng".) Die Armee des irischen FrHaatch nnternahw auf der ganzen Linie einen groDygelegfen Angriff, bei dem mehrere Stützpunkte der Röbcllen genommen wurden. Auch das H ü « Pt qm ä rt i er d^e B a l e^r a s in K i lmarn o S ist' ernstlich/bedroht. Drie Truppen stechen. dicht vor E'öv k> W 'nunmehr voll Men Seiten ingeschlosien wird. Man erwürtet in Kürze die. völlige vernichtung der Rebellen. 7 r Vertrages zog die Sowjetregierung sehr, weitgehende Schlüsse in bezug auf. die Einigktzit?in der Entente und holte sich harstus 'den.tzrwnnschtMMlaß,. die Zusagen, auf 'Einstellung der ^iftibrstWrn Propagandazu breche.«. Auch 'in» den anderen asiätischen Kragen, so in rhrr.Mandatsftzage .in Palästina; wie in der Araberfrage, überhaupt' ist Frankreich -gegest'M?englischen Anschauungen vorgegangen und hat sich allen Feinden der' englischen Politik verbündG^um Hie iMsche Position Englands , in Frage -zn - bringein - Durch . dieses ZusamnleWrken ist der Vertrag bön Sevres, noch: ehe. er in Mchtskraft treten könnte, uMgestoßen worden, was beweistj, da^'-.Kxankreich.'..ch.ie'.FWWVerträge nur dann heilig sind, wenn' sie-stiutz'n'MteWen dienen. Das sind wohl Mümente. die der DenkWLsart. her vom Meo Eine Verschwörung in Dublin. London, 8.'Mcprst'. (Wölff) In K uh li n wurde eine wrung aufgedeckt, die den Zweck verfolgte, alle^ Brück.en, Eisenbahnberbindungen und Wege unbrauchbar zu.machen, pm die Stadt von jeder Bevbmdung Mt. der Außerrwelt abzuschrreiden, Es wurden 180 Verhaft tü-n'gen vorgenonrinen und eine große Menge Schviftenwatevral beschlagnahmt. wrrseuchlen Diplomatie entsprechen, , sich aber kaum mit dm Traditionen der Zivilisation vertragen, von denen 1 in allen französischen Festreden gesprochen wird, und die sich Unter anderem auch in der Obstruktion gegen das jüdische Heim in Palästina ans Licht stellten. ' Die Aufdeckung des Zweckes der Mougissin-Missivn wirft guf die Vorgänge innerhalb der Entente ein sehr kritisches Licht; Man kann dem Fortgang dieser Affäre mit größter Spannung folgen, weil er einen sehr lehr^ rsiche« .Blick in die - Hexenküche der imperialistischenPolitik tun läßt. Für heute bedeutet,sie tzine, wenn auch sehr mäßige Erleichterung der Spannung, da sich Frankreich isoliert weiß und den enal^'^en Wünschen, die von Italien mch Belgien unterstützt werden, nachgiebig zeigen tölli < 1