Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1265 (8.8.1922)
- Date
- 1922-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wie die Blätter melden, war die Begrüßung zwischen Lloyd George und Poincare bei dessen gestriger Ankunft aus de::: VMorici- Bahnhof außerordenttrch herzlich. In Begleitung Lloyd befand sich c,u^ der r’x Robert Horne. Noch auf dem Bahnhöfe wurde zwischen Poineare, Lloyd George und Schanzer die erste Besprechung für heute vormittags vereinbart. FrKAzSfisch-Lslgische VsrLesprechAKg. London, 7. August. (Havas.) MZuisterPräsident Poincare und der belgische Ministerpräsident Theunis berieten heute vormittags über die Frage 8 er Ausg l e i ch s z a h l n n g e n und über d a s Problem eines Moratoriums im allgenremen. Hierauf begab sich die französische Abordnung um 11 Uhr vormittags ins Auswärtige Amt. Die erste Sitzung. Paris, 7. August. Die Agence Havas meldet arrs London: Die e r st e S i tz u n g der Konferenz schloß um 1 Uhr 5 Minuten. Ministerpräsident Poincare erklärte gegenüber Journalisten, alle Vertreter der verbündeten Staaten seien übereingekommen, bezüglich ihrer Beratungen bis heute abends vollkommenes Stillschweigen zu bewahren. Um halb 5 Uhr beginnt die zweite Sitzung. TeiluahMe des amerikanisch eA Bat- * schafterse London, 7. August. (T'el>Komp.) „Chicago Tribüne" bestätigt, daß der amerikanische Botschafter in London als Beobachter an der Konferenz teilnehmen wird, und zwar wird Botschafter Harvey allen Sitzungen beiwohnen, nicht nur denjenigen, Welche die amerikanische Regierung speziell interessieren. Eine KsmpröMitzfvrmel? London, 7. August. -Der diplomatische Mitarbeiter des ,>Daily Telegraph" schreibt: Im Anschluß an die Balfonr-Note wird das Hauptproblem der Reparationen und der Schulden Wohl mehr untersucht als entschieden werd-n. Man braucht nicht zu zweifeln, daß wie bei früheren Gelegenheiten eine gemeinsame Form e l gefunden werden wird, die s ü r beide annehmbar ist. Ein Verzicht Großbritanniens oder Italiens auf ihren Anteil an die Reparationen würde zur Folge haben, daß der Reparüstonsausschutz in eine sehr heikle Lage kommt. Da sie nicht mehr Gläubiger Deutschlands wären, würde ihre Intervention als eine lästige Einmischung angesehen werden. Ebe'^ würde es unerwünscht sein, Frankreich in die Lage zu versetzen, einen Teil des Vertrages^nach seinem Ermessen auszulegen.' ■W:-. Der, dMtM-sranz8ßschk Eins deutsche KabineLLsrKrSsttznng. Berlin, 7. August., (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Das ReichsiEnett trat heute nachmittags ' zusammen, um über die Netorsione-n Poincares und Mer die Folgen, die sichhieraus für die allgemeine politische Lage sowie für die Haltung der Reichsvegierimg ergeben, zu beraten. Das Kabinett wind sich vornehmlich über die Frage schlüssig werden, ob die Retorsionen Poineares mit einer Protestnote an die französische Regierung oder mit einer anderen Maßnahme beantwortet ■ werden sollen. Das Kabinett dürste in seiner heutigen Sitzung vermutlich endgültig über diese Frage entscheiden. Die .Hauptfrage wird nach dem „Berliner Tageblatt" die sein, ob diedeutsche Regierung die Netorsionen mit ähnlichen Maßnahmen beantworten oder in einer Note gegen das Vorgehen der französischen Regierung Protest erheben soll. Die Beschlagnahme des Mobiliars deutscher Staatsangehöriger bezeichnet das Blatt als eine besonders krasse Maßnahme; denn dieses Mobiliar - sei seinerzeit von der deutschen Regierung für 25 Millionen Franken gekauft worden. Die Beschlagnahme sei keine Retorsion, sondern eine Repressalie schärfster Art. der Konferenz von LönHyu^zü .fäHn.Irr dem Vorschläge die -Deutschland bis zmn' SMiffe leisten..'habe,., a n f-z-u'h.eH^tt.HML...KvMmissiM-. ^lchfichlt. daher deir verbündeten RegierstMtz, auch' alle Ausgleichszahlungen aufzuheben unter der Bedingung, daß die monatliche Summe von 500U00 Pststrd Sterling,- die die deutsche Regierung auszubrmgen -hat, , der Reparativnskommission ausgezahlt wird, um von dieser zu einem später festznsetzenden Zweck'verwendet zu. werden. Wenn die verbündeten Regierungen dieses Anregung annehmen, stimmt - dis Kommission zu, dis - übrigen Zahlungen,' die noch-im Laufe des Jahres 1922-zu-leisten sind, gleichfalls auszuheben. , ‘ . Die Natif' ierrt rg des ' Pa LAina-Mandats. Die Bestätigung der palästinensischen Verfäsinng. London, 6. August. (I.. C. B.) Im Lause der Woche wird der König einen Kronrat einberufen, der Verordnungen (Order 'n Council über die Verfassung Palästinas bestätigen soll. Der Berliner französische Botschafter in Paris Paris, 7. August. (Wolfs.) Der französische Botschafter in Berlin L a u r e n t ist gestern hier emgetroffen. Eine englische Stimme. London, 7. Arlgwst. „Daily Chronicle" schreibt im Leitartikel: Vielleicht ist der verhältnismäßig beschränkte Charakter der von der französischen Regierung tu Kraft gesetzten Retorsionsmaßnahmen ein' gutes Vo rzeichen. Wären schärfere Maßnahnwn, von denen.dir Rede Ivar, vor der Konferenz ergriffen worden, so wäre eine für eine Einigung ungünstige Atmosphäre geschaffen worden. Aber auch so kann die britische Regierung -den Versuch, unabhängig vorzugchen, nicht unterstützen. Ebensowenig dürfte das die belgische Regierung tun, denn, indem Poincare die Privatschulden in den Vordergrund schiebt und sie auf gleiche Stufe mit den Reparationen stellt, benachteiligt' er das allgemein anerkannte Interesse Belgiens, denn Belgien hat ein Prioritätsrecht bezüglich der Reparationen, aber kein Prioritätsrecht bezüglich der. Privatschulden. Ein Borschag Sir John Bvabbrrryo.- Paris, 7. August. (Tel.-Komp.) Die Reparationskommissiou hat der Presse ein Communigue übergeben, in dom es heißt, das; im Lairse >oer Sitzung vom 3. August seitens der Koiumissiön-ein Projekt geprüft wurde, das der englische Delegierte Sir John Vradbury vorgelegt hat. Die Kommission hat mit drei gegen eine Stimme be-. fchloliLm^iM,EMchME_Äber_diLles President Harting y« die amerikanische Zionistenorgan isation. New-Uork, 5. August. (I. C.. B.) Die Zionistische Organisation veröffentlicht den Text eines Briefes des Präsidenten Harding an die Organisationder in seiner Hauptstelle lautet: „Ich habe bei früheren Gelegenheiten der zionistischen Bewegung meine Sympathie zum Ausdruck gebracht und ich schließe mit Ihnen auch jetzt an in dem Jnbelgesühl des jüdischen Volles, anläßlich der internationalen Anerkennung der jahrelangen Bestrebungen, eine jüdische Mieder in Palästina aufzurichten. Möge Euer historisches Unternehmen den Erfolg haben, den es so sehr verdient." Schwierigkeiten in den Verhandlnngen über das syrische Mandat. London, 5. August. (I. E. B.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" berichtet, daß sich in den Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien zur Schlichtung der Streitpunkte betreffend das syrische Mandat anscheinend Schwiegmachen. Es verlautet, die französische Regierung sei darüber ausgebracht, daß. Italien die Verstbie^. PS lcafttretenS des syrischen Mandats veranlaßt habe und wolle deshalb der italienischen Regiernn^ nickt entgsgenkommen. Frankreich will nur daun Italien Zugeständnisse inachen, wenn Italien dir aleickc.r Zugeständnisse von _ELÄond _in MekovotamiLU-erKatiL. - > Ivan Hejjas und dienngarffche Krone. kr. Wien, 8. August. In den letzten zwei Wochen ist der ungarische Glo^ bus in einen Wirbelsturm geraten, der so recht bewies, auf welch schwankem Boden die vom Grafen Bethlen so oft gepriesene Rechtsordnung im Reiche Horthys steht. In der Nationalversammlung hat die Opposition den Versuch gemacht, diese unter dem Terror Gömbös' zusammengepeitschte gesetzgebende Körperschaft ernst zn nehmen und von dem Rechte der Kritik Gebrauch zu machen. Sie gemahnte den Ministerpräsidenten an seine während der Wahlkampagne gemachten Zusagen, einen Abbau der Rechtsungleichheiten und Freiheitsbeschränkungen durchzufirhren und stellte ihre Anträge in diesem Sinne. Sie forderte die Abschaffung des Numerus clausus, die Auslassung der Internierungslager, die Achtung der Freiheit der Presse. Die Regierung und ihr Anhang wiesen die Zumutung, daß das gegebene Wort auch eingelöst werden müsse, mit Hohn zurück und die liberalen Anträge wurden unter dem Siegesjübel der Majorität abgelehnt. Da ereignete sich ein für die ungarischen Verhältnisse so bezeichnender Zwischenfall, der zur überstürzten Vertagung der Nationalversammlung ftihrte. Der jüdische Abgeordnete Paül^Sandor wollte nämlich durch eine Anfrage an den Ministerpräsidenten eine Klärung der Frage, wer nach dem Zusammenbruch die Rurnäncn ii-s Land gebracht und sie im Lande gehalten habe, berbclsühren, nnd durch diese Klarstellung auch die Verleiundulia ans der Welt schaffen, daß die Inden sich der ^inmänen bedient hätten, um das Land vom Funde besetzt zu halten. D-ese Interpellation bedeutete für die Negierung und die ihr nahestehen-cu Kreise eine peinliche Verlegenheit, weil sie Gefahr-liefen, daß im Laufe SeriDchütte' über Yie^SntzyM^pes' Ministerpräsidenten nämlich gerade diejenigen jjch des Hochverrats an der ungarischen Nation MuMg machten, die diesen Verrat den Inden in die Schuhe schieben und ihn sogar als entschuldbare Ursache der Judenmorde von Izsat und den anderen Gemeinden zwischen Donau und Theiß hinstellen wollen. Wohl hatte Bethlen mit seinen Leuten die Vereinbarung getroffen, an die Beantwortung der Interpellation keine Debatte zu knüpfen, um den Gegnern keine Gelegenheit zu geben, mit ihrem Material herauszurücken, aber wie schon, so oft mußte Bethlen wieder gewahren, daßtz er nicht Herr der Situation ist, und so entspann sich eine Debatte, die für die Regierung und die Regierungspartei eine so unangenehme Wendung nahm, daß Graf Bethlen sich gezwungen sah, durch die plötzliche Unterbrechung der Sitzungen und eine Vertagung auf einige Zeit den drqhenden Skandalen zu entrinnen. Auch der Interpellant Paul Sandor wurde gezwungen, in öffentlicher Sitzung zu erklären, daß er diese Anftage niemals gestellt hätte, wenn er ihre Folgen hätte vorausahnen können. In derselben Zeit, da im Parsament die ganze Morschheit des Gebälkes der ungarischen Rechtsordnung und die abgrundtiefe Korruptheit all jener politischen Größen, von denen heute das Schicksal des ungarischen Volkes abhängt, zutage traten, wurde im Gerichtssaale das traurige Jauunerbild 8er Rechtlosigkeit der Juden Ungarns in den letzten drei Jahren vor. der ganzen Oeffenilichkeit enthüllt. Der Prozeß Landau, der gegenwärtig in Budapest dnrchgeführt wird, fördert eigentlich nicht viel Neues zutage. Am meisten werden wohl die Ungarn selbst durch die Einzelheiten, die sie jetzt erfahren, entsetzt sein. Das Ausland kannte die grauenhaften Schilderungen der Szenen, welche sich in den Zellen der Lbindons abgespielt Hatten, schon früher. Aber immerhin ist es jetzt das erste Mal, daß gerichtsmäßig festgestellt wurde, daß Ivan Hejjas, der Massenmörder von Horthys Gnaden, der Alleinherrscher von Horthy-Ungarn ist und daß es nach wie vor vvn seiner Nüchternheit und seinem guten Willen abhängt, ob Juden und Sozialdemokraten in Ungarn öffentlich verprügelt, beraubt und in ihrem Leben bedroht werden. „Gottes Donnerpfeil" nennt sich Ivan Hejjas und erklärt sich bereit, wann er es für gut finden werde, über das Land niederzusausen und Strafgericht zn halten. Und bald mußte die Regierung, die in der ersten Aufwallung über diese Frechheit dem Ivan den Grausamen die strenge Faust des. Gesetzes entgegenzuhaftcu Versuchte, klein beigeben, weil sie sonst von ihrer eigenen Partei fallen gelassen und von den Straßenregimentern Hejjas' lveggefegt lvorden loäre. Das Wagnis Bethlens, mit Hejjas anzubinden,^ haben nun die Juden von i,Budave!t.ut M^d.MN_M.iLllW_.TüW.leLen Wiede: