Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1263 (6.8.1922)
- Date
- 1922-08-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Angaben des Artikels stützten sich ans Nachrichten aus Pariser Kreisen, in denen-man-Mit der Kolonisati-onsavbeit gut vertraut sei; in jenen Kreisen werde auch Herzls Tätigkeit als höchst schädlich 'bezeichnet und man wisse dort, daß Baron' R 0 thschild sch geweigert habe, Herzl zu empfangen, u. dgl. m. > Schon während des Vorlesens dieses Artikels hatte ich . die Unruhe Herzls bemerkt. Als ich aber geendet hatte, sprang er zornig von seinem Sitze auf und, .iit großer Erregung das Zimmer durchschreitend, rief er mir laut, und heftig zn: „Genug, genug! Ich habe es' nun satt! Ich bitte Sie, erklären Sie un- .verzüglich in den hebräischen. Zeitungen, daß ich nunmehr müde bingegen Gemeinheit^ und Lüge zu kämpfen." „Ja, ja," fügte er mit steigender Erregung hinzu, „veröffentlichen Sie , in allen Ihnen Mänglichen Zeitungen: Dr. Herzl bedauert es, den „Judenstaat" geschrieben zu haben. Er bedauert aufs, tiefste,- mit der Lösung der Judenfrage angefangen zu haben; er will nichts mehr davon hören oder wissen ..." Meine Bestürzung war unbeschreiblich. Ich erkannte ihn nicht wieder, den vom Glauben durchglühten Menschen, den ich gewohnt war,, mit'prophetischer Größe, seine Gedanken vortragen, in ruhigen, logisch durchdachten, milden,, wohltuenden Worten sprechen zu hören. Ich traute mich angesichts der tiefen Ergriffenheit nicht, ihn zu beschwichtigen, Und wartete, bls er . sich dimgermaßm beruhigte. Er fttzte mir , dann etwas ruhiger auseinander, daß er es doch wissen müßte, wie man sich in türkischen Regierungskreisen u seinem "Plane verhaltender hcche ja Fühlung mit maßgebenden Kreisen sowohl in Äonstantinopel als auch bei der 'ürkischru Botschaft in Wien. Darauf versuchte ich ihm darzulvgen. aus welchen Gründen di? Kolonrsativnsfveunde heute noch der Judenstaaisidee miß. trauisch gegensiberstehen; ich machte ihn auf den beachtenswerten Umstandaufmerksam, daß er es' in,diesem Falle, nicht wie anderwärts, mit Gegnern des nationalen Judent u m s zu tun habe, und drückte meine feste. Ueberzeugung aus, daß die Zaghaftigkeit und das kleinliche Bangen vor der überraschenden Großzügigkeit seines mutigen Auftretens zurück-, treten werde und, die hebräische Presse werde die erst« fein in der Reihe her Bekehrten. , „Vielleicht haben Sie recht" — meinte er, Eich beruhigt — ,chie-fe Leute müssen aufgeklärt, in' vernünftiger Weise Äberzengt werden. Ich will zunächst auf der türkischen Botschaft/ fragen, ob in jüngster Zeit irgend, welche neue Verordnungen zuungunsten, der Kolonien erlassen wurden. Wenn Sie wollen, können Sie mich auf der Fahrt zur Botschaft begleiten." Ich machte 'es ablehneN, da ich anderwärts'Dringendes zu erledigen hatte, und so besprachen wir uns, ich sollte ihn E nächsten Tage um.dieselbe Bovabendftunde wieder besuchen und seine Informationen schalten. In bester Stimmung empfing er mich am nächsten Tage. Der Botschafter hatte nicht nur'im eigenen Namen versichern, sondern auch auf Grund eines sofort eingesetzten Depeschen- Wechsels mit einer offiziellen Persönlichkeit in Konstantinopel feststellen können, daß die die Kolonisation betreffenden Bestimmungen älteren Datums waren als das Erscheinen des „Juden-staates",, daß die Behcmpt-u-ng, durch dessen Bekanntwerden wären neue Beschränkungen aufgekommen, auf Unwahrheit öenche. Er fragte mich nun, ob ich die Widerlegung des erwähnten Artikels in Form eines Interviews wünsche. Ich ersuchte ihn, mir eine direkte Antwort zu diktieren. Er sagte mir Satz für Satz langsam vor und ich übersetzte es'sofort ins Hebräische. Natürlich las ich ihm das Ganze vor, um zu wissen, ob ich seine Meinung genau wiedevgche. Heute bedauere ich es, fernie Antwort nicht mit seinen Worten deutsch konzipiert zu haben. Allein ich konnte nicht stenographieren, und er wünchte, die Antwort möchtenoch am selben Tage abgeschickt werden. So schrieb ich gleich hebräisch, und wir begnügten uns mit einer Kontrolle des Konzeptes. , Die Antwort erschien in der -„Hazssivah" Nr. 268 vom 4- November 1896 und ist in meiner hebräischen Untersetzung von Herzls Zionistischen Schriften (Band 1, S. 89 bis 91) neuerdings abgsdvuckt worden. Ich denke, sie nächstens in der „MorgenMuug" in deutscher, Rückübersetzung wiedeMgeben, wenn ich' mir auch bewußt bin,, daß die Leser nur ungern Herzls Stil und Ausdruck vermissen werden. Sie* werden schließlich mit einer genauen Wiedergabe seiner, GÄxmken zufrieden, sein muffen. (Me „Hazefirah" erschien damals bekannt« lich unter der Redaktion von Sokolow. Die Red.) Neue Liebermanu-Auebdote«. , Der .Frairksurked Zriiung* entnehmen wir folgende Liebertnann-Anekdoiey: »Wißen Sie^liebrr Herr, ich bstl nicht, mit der Kunst verheiratet; ich habe ein Verhältnis mit ihr." Liebermann vor - Rembrandts »Nachtwache* r »Wenn man, Franz Kais sieht, bekommt man Lust zum Malen, wenn man Remdrandf steht, möchte man es aufgeben.* . ' Än der Zeit des Kunstkampfes wurde ff'''"mann nach feiner^ Meinung it^er den lautesten Gegner der ».emn Kaust, über Anton v. Werner, gefragt. ßt aniworieie: sage immer, wenn Anton v. Werner doch' ohne Lände jedonn wäre — den« hätls er doch dir )rW< Schnauze.* ' ' MttrilnnM aus dem Publikum. m WÄSCHE-SALON D. ROSENFELD! wVen I. KOHIMARKT & TEL. 93C7, 5325 KARLSBAD ALTE WIESE TEL. 121/VI KOMPLETTE B RAU TAUS STATTU NO EN * Ctemeneean iiyd die Jungfrau von Orleans. In einer französischen Zeitschrift lesen wir folgende Anekdote: „Ich ging eines Morgens in den Tmlerieu spazieren," erzählte der „Tiger' einMr politischen Freuirde. Eine, Maina machte ihr Töchterlein ans mich aufmerksam.Was hat er getan, dieser Herr dort?" iwmasiFsaKDwni Martha Sohotka Erwin Wellwarth Wien IX, Wien II. Verlobte «58» Alma Ostermano ' Klagen kurt Verlofite Im Juli 1922 Max Reinert , / Wien - 97*1 Zur Verlobung unseres Bruders, bezw;. Schwähers Herrn Max Reinert mit Fräulein Alma Osiermann gratulieren herzlichst Markus Reinert mi Familie Salo Reinert AuE. stich der Verlobung des Fräulein Alma Ostermann mit Herrn Max Reinert gratulieren herzlichst Helnr’cUlbrlng s, Frau »788 Max Blbrlng §. Frau j- Feine m WiM,?||, SieMSM 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) & Co. VJ., Marlahltferstroße 79 .159 Stet» größtes Lager ln. Teppichen, Vorhängen, Tischdecken., Bettvorlegern sowie echte Knüpf? -und Smyrna-Teppiche. Antike und moderne JS£ u ne d:ran. öst» o ll' Ausbau «lasaaki1 Wohnungen it« JlAliAlSiI & Co. -Wien» 1>? 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Schr viele dev. jungen Paare, die den Bund fürs Leben oder doch, -nach der „letzten Mode, Wenigstens für eine längere oder kürzere Zeibeschließen, sind unter 21 Jahren, ja manche sind noch veine Kinder. Das englische Gesetz gestattet nämlich männlichen Wesen schon im zarten Mer von 14 Jahren, eine Ehe einzugchen, während die Mädchen sich verheiraten dürfen, wenn sie das 12. Jahr überschritten haben. Als Grund für diese überraschend frühen Eheschließungen führt der Psychologe Bernhard Holländer, der sich mit dieser Erscheinung in einem Aufsatz beschäftigt, die Nachwirkungen des , Krieges an. Die Jugend fühlt sich in dieser aufgeregten, ' nach neuen Eindrücken hungrigen Zelt im Elter.^bäuse nicht mehr wohl; sie drängt rasch hinaus ins Leben, zum Erwerb und natürlich auch -in die Ehe. , * Offerfnusfchrei-ung.; Für die Errichtung eines zweistäck'lien WerkstatienzllbaUes in der Kaupfwertzstätte der stüdiischlN Siraßpndahn im 13. Besirk werden die Erd-, Baumeister-. Belonarbtzjien/ Bauschlosserarbeiien, Zimmermeisterarbeiien und dje^L eftrung von Kunstsieinstufen ausgeichriebem Die Anboiverhaadlü-g findet am 24. August. 10Mr. iV.,FavoriIenstraße ll, h Hivck. statt. Pläne, KostenvoraniLläae und Auskjinfle bei der Abteilung für Kochbau, VI., Rahlgosie 8, ll. Stock. Anbote bis 23. August stempeffiei an die Direktion der städtischen Straßenbahnen. * Die Delhind-Ainber. Noch gibt es in den Ländern Europas wo inegele tew Volkswut Süden mordete, tausende unversorgte Pogromwaisen. Nunmehr gelangt endück ein schon lange Dorbe; eifeier Versuch, einen großen Teil dieser unschuldigen Opfer nicht. nur dem Lehen zu erhallen, sondern sie auch zu wertvollen Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft zu machen, zur Ausführung. Sm Laufe die er Woche wird'Ssraei V e 1 k i n d mit 140 vkrckniichen und polnischen Pogromwäisen nach-Wien Kommen, die noch wenigen Tagen Auientdalt nach Pai^stma weiter reisen. Damit wir unserew zukünftigen Pionieren den in W>en notoendigen Aufeitthätt ermöglichen können, müssen wir an alle men chhch süblenden Fugen die Bitte um Msihsise richten. Geldspenden, ebenso Anmeldungen von Spenden an Garieng-rStm, Spielzeug, Kleidern, Schuhen vsw. «erden vonder Äedaktion .dieses Blattes «ntgegengenommen. y . * Wettbewerbsausschreibung. Drr Verband indischer Ingenieure und Technicker für den Aufbau Palä-1 stinas in Wien versendet nachstehenden Ausruf: Kollegen! Die Zwmstis'che ^xekutrve har' ein PvoisausschMben für, den Aufbau -eines Gymnasiums in Jerusalem erlassen. Angesichts der besonderen , Wichtigkeit des Bams wurde unser Verband fite die in Güropa wohnenden Bswecher,'Äs Ausgabestelle' für die Üntevlagen erwählt. Dep Wettiböwevb. ist offen für alle Vevbandsnvitglieder, ferner für alle jüdischen . Kollegen in anderen Ländern, welche gleichzeitig dem Verband glß Mt- . Med bsitreten wollen. Die Unterlagen bestehen aus zwei Lageplänen, einem Schaubild und einer deiaillievten ÄuffchveMmg und sind gegen Erlag der SeWstkosten in der pwvisovischen Verhandskanzlei (Arch. Ing. Otto Kollisch, Men, 7. Dez., Siebenstemgasst 16 a) ab 8.'August a. e. erhältlich. Für Ausländer werden hie Bezwgspreffe einzeln bekanntgegehen. Die drei ersten' Preise betragen 60, 40,t bezw. 30 Pfund Sterling. Weitere Ankäufe zum Preise von'18 Pftmd Sterling. Die Projekte sind bis 80 Oktober a. e. ei-Mveichen. * Eisenbahnunfall in Innsbruck. Gestern ftnh sind tm hies-igen Hauptbähn'hof, wie das „Alpenland"^meldet, von einem abfahrenden Güterzugr die Lokomotive und zwei Waggons entgleist. Em Schaffner wurde hiebei getötet, ein Zugsbegleiter verletzt. ' * Ein Steiger als Kohlenschieber. Wie die ,/deutsche Tageszoittutg" meldet, wurde in Hindenburq eine große Kohlenschiebung aufgedeckt. Mcht weniger als WO Waggöns sind von einer dortigen Grube verschöben worden. Äl8 HauptbetMigter soll ein Steiger in Frage kommen, der sich bereits' mit neun Konchlizen Hinter Schloß und Riegel befindet. Der Gesamtwert der verschobenen Kohle wird auf Wer 10 Mllionen Mark geschätzt. . * AebersiLdlnng Simon Dvtznvws «ach Berlin. Wie der Berliner Vertreter Lös 3. E. B. erfährt, wird Profesivr Simon D « b n o w nicht nach Kowno zurücktzehreu, sondern seinen Aufenthalt vorläufig in Berlin nehmen., * Herabsetzung von Versicherungsprämien. Me wir von wohlmformiert-er, Seite erfahren, haben sich die in Oesterreich das - Mobiliar-Fe-uerverftcherungsgeschäft ruMvierenden Gesellschaftm Generali, Riunione, Erste Ungarische, Phönix,. Donau, Franco-Hongroise/ Fonci-ere, Wiener, Heimat, Providentia, Anglo-Elementar, Lu-ngaria, ,Hng-lo-Darruvion-Lloyd, Anker- Erste Einbruch, Erste Unfall,'Internationale Unfall, Universale, Riede röste rr. Landesb r a n d f ch a d e n -Versicherungsanstalt und Wiener W e ch- 157 am bttligsten ckoeh nur im bekannt soliden Eerrenklelderhaus Heinrich Weliherger, I., Siigush. 6 relephon 15-5-85 Telephva 15-5-86 Knisbaiher & Windsthauer.Wlen, I.. lieDtitrgaise 6 Export nseh äilsta Staaten iffen die'Gesellschaften, dem Wünsch und Bwürfnis der cung, trotz der . Entwertung der österreichischen Krone ihr Eigentum'zu erschwinalicher Prämie voll decken zu können, iechmmg getragen zu haben. * Ein Hundertmillftneneinbruch in Pörtschach» Am 21. Juli wurde m der Villa des amevikanischen Staatsbürgers Abraham Brecher in Pörtschach eingebrochen und außer 11 Millionen Kronen bar noch Juwelen und Wäsche im Werte von 1696 Dollars gestohlen. Der Tat verdächtig evschoi-nt der ,86jährige Kellner Eomund Bock und seine'Goliebte, die 27jährige Prostittrierte Mathilde Spaz'er, beide ans Wien. Sie baden die Mute internem Paket au: eine noch nicht eruierte dein Si Dt. Kre^ haftet. Neu eröffnet! _ __ --- B „--- XZSrrosser IR©k:la,m.ev©r]*:a,uf von. oxiarinal englisolaexi HlertenuxxcL TDamenstoffen. zxl b illigen tBröffxmng-spreisen. ,ß Neu eröffnet! nrirm*n»nw«ynit4iaihi:; 010102010032