Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1263 (6.8.1922)
- Date
- 1922-08-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I ' X ' v,y'\ '"-^ ' ', r( / ' *r' /* v’ , ' V1*": ’ ’ ,J . J *' " * 'y s " *tt. izü3 ■< 'rvien Sonntag Schützengr äb en 'gegenüber. Dazwischen waren l Truppen zusammengezogen. In Görz versuchten heute nachts die, Kommunisten, mit Maschinengewehren in das Innere der Stadt einzudringen. In Mestre wurde der sozialistische Gemeinderat gezwungen, zu demissionieren. » ■ Der Bericht der Faszisten zählt 43 Städte auf, in denen in den letzten zwei Tagen Arbeiterhenne,, Arbeitskammern und Gemeindehäuser zerstört worden sind. Der Mailänder „Avanti" erscheint heute in einer Turiner Druckerei: , i Wiener MorKenzeitung. OBEI arine wi., - - ■—II I I Telephon 39-1-08 mmmmm GRÖSSTE AUSWAHL IN LUXUSt UND STIL- MÖBELN GEBOGENE SESSEL' MÄSSIGE PREISE , 440 6. August 1S22_ Seite 5 , Erhöhung des Milchpreifes. Auf 1614 K. Pro Liter. .Die Landwirte haben sich mit den Molkereien, und Milchgroßhändlern auf einen Preis von 1440 K. pro Liter molkereimäßig behandelter Milch geeinigt. Im Kl e invers chle iß erhöht sich dieser Preis um 200 K. auf 1640 K. pro Lster. Der neue Tarif tM Mittwoch den 9. d. m Kraft. Preiserhöhung in de» Kasseehausern. . Nom, 5. August. Die italienische. Delegation für die dritte Völkerbund'tagung besteht aus. dem Vorsitzenden' Scialoja, 'den Delegierten Imperiali, Lanza und und di Scalca und 'den Ersatzmännern Ferraris, Cavazzoni und Caetank. ' " * ' Die verhafteten Attentäter. Kassel, 5. August. (Wolfs.) Zur Festnahme der beiden Urheber des Anschlages auf Scheidemann in Klem-Alt- ^hammer bei Gleiwitz wird ergänzend gemeldet: Die fortgesetzten Ermittlungen der hiesigen Staatsanwaltschaft batte den Betdacht auf zwei auswärtige junge Leute' gelenkt, die sich zur Zeit der Tat beschäftigungslos in Kasse! aufhielteu und nach der Tat verschwunden waren. Die eingehenden Feststellungen über ihr Verhalten in Kassel verstärkte den Verdacht schließlich.in solchem Maße, daß die Staatsanwaltschaft am 22. Juli Haftbefehl und Steckbrief gegen die beiden erwirken konnte. Es handelt sich um den 22jährigen Kaufmann Hustert aus, Elberfeld, der der Täterschaft verdächtig ist, und um den der Teilnahme verdächtigen 29jährigen Landwirt Karl Oelenschlager aus Reichenbach. Die sofortige Ueberführung bei den Verhafteten nach Kassel äst m die Wege-geleitet.- ' ■ . Bayer» nnd die dentsche WeynbliL.- Munchen, 5. August. Heute vormittags hat hier mit den Reichsministern Geßler und Fehr unter Vorsitz des Ministerpräsidenten und unter Teilnahme des Landtags- Präsidenten, der beiden zuständigen Ressortminister, des Gesandten v. Pr eg er und einzelner Vertrauensmänner der Koalitionsparteien eirie eingehende Besprechung über die zwischen Bayern und dem Reich schwebenden Fragen stattgefuüden, über deren Ergebnis die Reichsminister nach Berlin - berichten werden-. Es ist zu erwarten, daß sich eine Kommission der bayrischen Regierung in den nächsten Tagen nach Berlin begeben wird, um die Verhandlungen weiterzusühren. Tagesbericht. Sarah Bernhard für,de» Anfbau . DaMsttnas. Sarah Bernhard gewährte Miß Elise Roow, der Berichterstatterin des „N ew - I o r k..H e r a l d", ein Interview, in dessen Verlaus'sie ausführte:-. „An der Schwelle der Achtziger fühle ich das Bedürfnis, meine Gefühle einer Revision zu unterziehen. Ich glaube jetzt, daß ich dem französischen Volke mehr gegeben habe, als ich schuldig war, dem jüdischen Volke dagegen weit weniger, als es von mir zu erwarten das Recht hat." ' - * . ■ Diese Aeußerung hat in nationalistischen Kreisen Frankreichs unliebsames Aussehen erregt, , und selbst Zeitungen, die jahrzehntelang in dieser Künstlerin den französischen Genius gefeiert haben, geben zu verstehen, daß die alte Künstlerin mit einem zweischneidigen Schwert spiele. Sa«ch Bernhard steht diesen Angriffen ruhig, gegenüber und meldet der „Revue des deüx mondes", daß sie jene Aeußevung wirklich getan habe. Sie habe ihr Lebenlang für die Kunst und das Ideal der Franzosen gearbeitet; sie bereue ihre Vergangenheit nicht, aber auch die Fwnzbsen sollten verstehen/daß sie wenigstens den Rest-ihres Lebens ihrem Volke widmen wolle. ' •, Die ganze Affäre hat so begonnen, daß es hieß, Sarah Bernhard plane eine Tournee in Amerika. Man konnte es nicht glaubest, daß sie mi tihren 80 Jahren, Mit ihiM amputierten Fuße derlei "Pläne fasse. Alles drängte sich, sie zu ’ interviewen, sie, aber empfing nur Miß Elise Roow und tat zu ihr folgende Aeußerungen: „Ich habe der französischen Kunst meine- Seele gegeben. Es tvar mein.Bestreben, den französischen Gedanken mit ausgebreiteten Flügeln in der Kunst emporzutragen. Ich war. stolz und glücklich, daß die Franzosen mich: verstanden haben, aber ein so alter Mensch, wie ich,, beginnt schon an den Wert -der Erfolge zu zweifeln. Ich hatte große Erfolge, besaß ich jedoch, auch große Wahrheiten? Was ich getan, konnte auch ein anderer für die Franzosen tun. Aber es gibt ein Volk, für das nur ich etwas zu tun imstande gewesen wäre, und ich habe es nicht getan. Ich. meine damit das jüdische Volk, das mein Volk ist.Mein Geist gehörte immer ihnen-und ich habe ihn den Fvainzofen gegeben. So muß ich jetzt meine Stellung revidieren. Man kann doch nicht so sterben, daß man sagt: Ich habe die ganze Welt geliebt, nur mein Volk nicht.. ' , Auch so nicht, daß man das ganze Leben lang für ein »großes stolzes Volk gewirkt, nicht aber für das. schwache geplagte, dem man'zugehört. Ich habe viel gespielt und ge" schrieben, aber auch gelesen. Zlver Wachen haben mich ' interessiert: Das. Drama, und Politik. Die Politik: rneiües Volkes ist yrir bis.zum vorigen Jahre völlig unbekannt gewesen. Da ist-mir eine jüdische Flugschrift in die Hände gefallen. Ans ihr habe ich erfahren, daß sich das ganze Judentum der ganzen Welt in Bewegung setzt und ein nationales Heim in Palästina fordert. Diese grandiose Bewegung hat mich erschüttert.. Ich weiß nicht, wie lang ichnoch zuleben habe, aber.eine alte Liebe zu neuem Leben, zu erwecken, dazu habe ich noch Zeit. Ich möchte wieder das jüdische Volk so lieben, wie ich es als Kind geliebt, und fo für sein Wohl arbeiten, wie, ich dreißig Jahre für mich und vierzig Jahre für die französische Kunst.gearbeitet habe. -Ich. gehe nach Amerika, um die Einkünfte meiner Tournee dem jüdischen Nationalheim zu widmen. Ich. höre, daß auch, das jüdische Theater sich in der.letzten »Zeit bedeutend entwickelt hat. Es wird sich noch eine andere. Sarah Bernhard finden, die das ersetzen wird, was ich versäumt habe." Adresse der österreichische« Jude« an die zionistische Exekutive ans Anlaß der BestLtignng des Palästina- Mandats/ - . ' Der Keren Kajenrelh l'Jikael wird namens -er' österreichischen Judenhell der zionistischen Exekutive in London, derm Bemühungen es 4a allein gelungen-ist, die politischen Voraussetzungen, für die Äuibauarbe-.t in Erez Israel zu schaffen, eine Dankadresse überreichen. Jeder Jude sowie jede jüdische Körperschaft, die es wünschen, kann die Adresse mitfertigen, und zwar muß jeder Einzeljutze w i nde st e n s f.ü n f .Baum e, jede Institution (Verein. Kultus gemeinde, Organisation), mindestens zwanzig BäumeimFaarAu st ria stiften/ Die Einzelpersonen sowie.die Gruppen werden, gesondert (untereinander alphabetisch geordnet) angeführt werden. i Die ^Adresse soll eine würdige Kundgebung sein, der finanzielle Ertrag als Telegrammablöse gedacht» produktiv verwendetwerden» . D e r K e r e n.K a j e m e! h l'Jf r a e lJ (Jüdischer Nalionalsonds)/. " m Oesterreich. Jeder bediene . sich zur Einzahlung des Betrages («in Baum kpstet tausend Kronen) unserer Erlagscheine; wenn er sie nicht besitzt, verlange er sie per Postkarte. ' Kongreß der HiLachdsLH-sOrgamsaLion. Berti», 3. August. (I. C. B.) Vom 8. bis 10. August wird in Berlin die dritte allweltliche Konferenz der Vereinigten Organisationen Hapoel, Hazair und Zeire Zion ta^eü. Gleichzeitig wird in Berlin auf die Initiative ver Hitachduth- Organisationeine'Beratung über Fragen der hebräischen Kultur riud Erziehung abgchalten -werden. ' Die Zoint-ArbeLL in Europa. New-Aork, 3. August. (I. C. V.) Der VHevorsitzende des amerikanischen jüdischen Joint Distribution Committee James N. Rosenberg ist vor kurzem von seinem zehnmo-natigen Aufenthalt in Europa als Leiter der Joint-^ Acheit nach Am."nka zurückgekehrt. Er überreichte donr Ko-' nsi'ee einen Bericht - über die Tätigkeit des Joint in Europa, welchem unter anderem folgendes zu entnehmenist: Jn der Ukraine werden augenblicklich 800.000 Kinder und 800.000 Evivgchsene von den Organisationen Joint mm' Am ernährt. Die Kosten dieser Evmhrungsaktton betrugen 41,2 Millionen Dollar rmd -werden von der Joint-Organisoti-ou.halb gedeckt. Dieses Ernährungs- Programm wird .bis- Ende dieses Jahves fortgesetzt werden. Lebcusmiiielpakete sind im Werte, Von 4,5 MÄionen Dollar Nach Rußland eingesührt worden, ungefähr 10 Millionen Menscher: ivurde durch die Paketsendmrgen Hilfe zuteil^ Ferner.hat der Joint 1 Mllion Dollar' zur Ernährungsaftion der Ara an W o l g a g e b i e t und 300.000 Dollar zyr Mion der Quäker in Weißrußland Leigesteuert. Außer in Rrchlaud wurde nur noch in Oesterreich' eine Ernahrungstätigkeit' anMtet, Dort, sind mrtev-Mt» -Wirkung dir Ara unter den notleidenden Prvsesswnisten und. den Angehörigen der Mittelstandsklasse 7 Millionen Mahlzeiten verteilt worden. Die GesamÄosten. dieser Aktionbetragen 200.000 Dollar,' zu welchen der Joint-100.000' Dollar beigetrageu hat. In anderen Läni era Europas, »hatte die Arbeit der Joint einen durchaus aufbauenden Charakter, In mehreren notleidenden Ländern EuroM werden j ü d is ch e L ä n d 4v i r t e .mit Saatgut Und landwirtschaftlichen Geräten vers-chen. Kooperativen, Gesellschaften von Ar-. Leitern, Famnern - und Haudioerkern. werden Darlehen gewährte- Fe,rner /werden Darlehen für den Wiederaufbau zerstörter Häuser gewährt. In Beßarabien wurden an Angehörigen verschiedener Schichten her jüdischen Bevölkerung 11.000 solcher Darlehen vergeben. Infolge der vor kurzem gemeldeten neuen ' Lohnerhöhungen und der gleichzeitig eingetretenen kolossalen Steigerung der Rohmaterialien sowie der anderen Regien steht eine neue Erhöhung der Kaffee hau spreise bevor. Wie wir aus Kaffeesiederkreisen hören, > dürften die. neuen Preise in den Kaffeehäusern der> ersten Gruppe etwa folgende sein: Melange 900 bis 1100 K., Mokka 750 bis 950 K., gewöhnlicher-kleiner Schwarzer 550' bis 750 K., Tee ohne 550 bis 750 K., Schokolade 1200 bis 1300 K., Soda mit Hünbeer 700- bis 900 K., Gefrornes - 1400 bis 1500 K., Jnläuderlikore 700. bis 800 K. In den Betrieben der anderen Gruppen erniedrigen sich die Preise danach um je 50, beziehungsweise 100 K.' - Erhöhnng -er Gebühre« für Mmlatäz* telegrnmMe. Vom 15. August 1922 angefangen erfolgt die Umrechnung der Wortgebühren für Telegxanmre nach dem über' die NachbaMuder Oesterreichs hinausliegenden Auslande nach dem Verhältnis 1 Frank gleich 400 .ff.;' bisher wurde der Frguk /mit 2000 K. berechnet, die Gebühren wurden also verdoppelt. Weiters wich ab 15. d. - im Telegwmmverkehr nach Deutschland, Jugoslawien, der Tschecho- Slowakei und Ung'ar'u ^ie Gebühr für jedes Worteines 'gewöhnlichen Telegramms mit 200 K. und die Min- ' destgobühr für jedes Telegramm mit 2000 K., im Tele- - grammverkehr nach Italien, Liechtenstoin und nach der Schweiz die Gebühr für jedes Wort eines gewöhnlichen. Telegramms mit 300 K. "und die Mi-ndöstgebühr mit 3000 ' Kronen festges-etztl , - Erhöhung brr SLdbahntarise 'Die Betriehsdirektion der Süd bahn in Wien teill mit, daß sie, ebenso wie die anderen österreichischen Bahnverwaltungen, genötigt sei, der fortschreitenden Geldentwertung Rechnung zu tragen und ihre Personen- und Gepäcktarife m i t 15. A u g u st d. I. zu erhöhen. Borc der Erhöhung^ werden auch die Jahresstreckenkarten berührt, doch gelten sie noch bis Ende September ohne Aufzahlung. Der Zuschlag auf den erhöhten Tarif wird daher lediglich.für das letzte Jahresviertel erhoben. Bestellungen auf die nachzulösenden Erganzungsblätter nehmen,.bis Mitte August die- Ausgabestationen der Karten entgegen. ~- Erhöhnng der Kohlenprerse um 116 Prozent. Die Preise für -obers chl-esis che Ko'hle sind gKstern —.und das vorerst mir rn provisorischer Weise — in einem Ausmaße erhöht'worden, das bisher mich nicht annähernd erreicht worden ist. Die Steigerung beträgt mehr ' als das Doppelte der bisherigen Preise und wird mit der bedM-tenden Erhöhung der Einstandspreise — von 15.700 auf 2C.360 Mark pro Waggon — und der außero^deMichen Vertsuevuug der tschechischen Krone begründet, die im Vormonat 'zu 384 eingedecki werden konnte, ivährend diesmal ein Kurs von nahezu 1300 in Betracht Tam. Es wurden demnach folgende, Preise provisorisch-erstellt) und zivar pro .. 100 Kilogramm ab Bahnhof: in offenen Fuhren 31.470 (bicher 14P80), in Säckett-32.462 (15.436), Koks 51.718 (25.077). - Das Plus 'beträgt Lei. Kohle-in offenen Fuhren pro, 100 Kilogramm 16.890 K. (gleich 116 Prozerlt), in Säcken' 17.026 K., Lei Koks 26.641, K. Hierzu ist noch die Zufuhr vom Bahnhof zu rechney, die abevnmls um. 75 Prozent erhöht würde. Bevorstehende Erhöhnng der SLratzendahntarife. Seit dem 1. d. sinderr. zwischen .'der, Gemeinde Wien und den SLraßeubcrhnLngestellten wieder Lohnverhandlungen statt. Sie sind noch nicht abgeschlossen, doch hat sich die Gemeinde bereit erklärt, die Bezüge der-Straßenbahner - in einer den jetzigen Verhältnissen ängemesienen Weise zu erhöhen. Da zu diesem künftigen Mehrerfordernis für > LöhnL auch die stark.e'Erhöhung der Materialk oste n der Straßenbahn kommt, die sie wie jeden andere Betrieb infolge der Geldentwertung erleidet, und da außer- - dem-die in der letzten Gememderatssttzüng beschlossene Pensionsvorilage für die Alt- und Neupensionisten bedeutende Auslagen.verursacht, ist „naturgemäß" mit einer Erhöhung der Straßenbah.ufahrpreise zn rechnen. Ihr Ausmaß kann erst nach Abschluß der Lohnverhandlungen; ermittelt werden. Die Gemeindekörperschaften dürsten sich bereits Freitag dem il. o. in außerordentlichen Sitzungen mit dieser Angelegenheit befassen:' , ' "„'SL1!11 Herrenu. Damenstoffe t i e f u nt er d e n Tagespreisen /! I Mmm 22841