Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1260 (3.8.1922)
- Date
- 1922-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r ftp* wyv IlHzelnaimnerKlSO Wien: Zum Abholen Inder Expedition, II.,Täborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle ^Trafik) monatlich K 5000 Mit Postversand für Wien n. Oesterreich monatl. K 5000 Ts checho-S1 pwa k e i: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 80Ö. Deutschland: Mon. Mark 60. F r a n kreich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen ■ bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1260 Tschecho-8!ow&fc«ai l tschech. K t.20 Italien: Monatl. 6. Lira . Rumänien: Mon. 49. Lei Schweiz und. das übrij« Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion n. Administration Wien, II., Tabor strasse 1 —2 Wien, ®onttc*fiag, 3. Augvst 1922 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel-Adr.: .Morgenzeitang-*, *Wien . Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang Der schwarz-weitz-rote Hejjas. W i e n. 3. August. Wie das ungarische Telegraphm-Korrespondenzkurecn: stolz verkündet, trägt Ivan Hejjas seit zwei Tagen die Medaille des Nationalverbcmdes deutscher Offiziere und Soldaten. Ein Vertreter'dieser Vereinigung hat dem besten Offizier Horthys diese Auszeichnung. eine Medaille am schwarz-weiß-roten Band mit den Schwertern überbracht und die gleiche Ehrung seinem Vater und . seinen Brüdern an die. diversen Heldenbrüste geheftet. Schade, daß wir die gewechselten Reden nicht erfahren, also nichts Genaues darüber wissen, wer der Ueberbringer der Dekoration war und unter welchen Formen sich die Feier vollzog. Dieser Nationalverband deutscher, Offiziere ist, die nämliche Körperschaft, aus deren Zirkularen an die. Landesverbände wir gestern den Wortlaut' des Schreibens an den deutschen Kronprinzen veröffentlichen konnten. Der österreichische Nationälverband tritt hierin als Adressat der Willensmeinung seiner Vorgesetzten Berliner Zentralstelle auf. Es wird ihm eingetrichtert, daß eine grundsätzliche Stellungnahme zur Frage Republik oder Monarchie bedenklich, sei; ebenso bedenklich sei es, die Staatsform Deutschlands vom Vertrauen der Arbeitermehrheit abhängig zu machen, weil diese das „Vaterland" verneine und zweifelhaften, Führern folge. Der deutsche Kronprinz, der nach. Ansicht der Briefschreiber zu wenig von der Dolchstoßlegende Gebrauch macht, hat, wie wir mitteilten, antworten lassen, er sei angenehm berührt. Der Nationalverband der deutschen Offiziere, der also bei aller monarchischen Ueberzengnng . und „Anhänglichkeit an die Person Eurer kaiserlichen Hoheit" eine. ziemlich kühne Sprache/ führt — der König absolut, wenn er unseren Willen tut —, zeigt jetzt, wie nach feiner .. Heffas seine MedMe^WMMiMet diesW AampsetPir christliches MagyhrenLums, als einen nicht zweifelhaften Führer. Ueber Geschmack läßt sich nicht streiten. Die Ehrung dieses in einen: Dutzend ^Machten gegen unbewaffnete jüdische Kaufflente ' erprobten Schnappsacks ist ein politischer Akt, der in Oesterreich nicht unbemerkt vorüber gehen kann. Besagter Heffas steht im Vordergrund neomagyarischer Staatspolitik. In ihm verkörpern' sich'die Traume magyarischer Aktivität, nicht allein gegen reiche Juden und sozialdemokratische Arbeiters sondern auch gegen den Frieden von Trianon. Da aber hinter diesem Frieden die Bajonette der tschechischen, jugoslawischen und rumänischen Armeen stehen, so sucht Hejjas den Ort des geringsten Widerstandes. Dieser schwache Punkt ist das' deutsche Oesterreich, ein Land, das ihm und seinesgleichen bis in die Seele.hinein verhaßt ist, weil man in diesem. Land.das Prinzip des Galgens noch immer nicht zur Regierungsmaxime erhoben hat. Oesterreich hat auf Grund der Verträge hon Saint-Germam und Trianon das deutsche Burgenland erhalten. Aber der Heimfall dieses wie gesagt deutschen Gebietes 'konnte nicht zur Gänze erfolgen. Hejjas stellte bewaffnete Heerhaufen aus Studenten, entlaufenen Sträflingen auf, deutsche und österreichisch-nationale Offiziere strömten ihm zu, die katholische Geistlichkeit segnete das patriotische Unternehmen. Oedenburg ging nach einer von Hejjas und Pronay gemeinsam geleiteten Volksabstimmung verloren. Vor drei Wochen hat dieser Hejjas neue Banden angeworben, um das deutsche Westungarn von neuem zu überfallen. Er/, wurde erwischt, eittgesperrt und auf eine nicht mißverständliche Drohung feiner Kameraderie wieder freigegben. Man machte ihm einen Prozeß, bei dein junge Damen' den Nationalhelden mit Blumen schmückten; der Gerichtshof fand, daß er unzuständig sei und gab die Causa der Staatsanwaltschaft' zurück. Dieser Mann, der seine Mordbefehle gegen die Kecskemeter und Orgovanyer. Juden mit schöner Offenheit zn'gibt und auf jede Amnestie pfeift, fühlt sich als der rächende Donner, der in Ungarn jede Systemändcrung. zu verhindern imstande ist. Nun mag vom Standpunkt alldeutscher Weltanschauung aus ■ dieses christlrchnationale Galgenregime eine innere ungarische Sache sein. Mer. das - deutsche - Westungaru ist doch "eine deutsche' Sache. Wenn man. daran glaubt, daß' sich einmal aste.deutschen Stätnme vereinigen, so wäre doch für l dasdeutsche Burgenland dieser Anschluß durch den Frieden von Saint-Gernfäin vollzogen. Es müßte folgerichtig jeder.Angriff auf diesen Teil des Friedens als ein Angriff, auf das deutsche Volk gelten. Aber für die alldeutsche Mentalität gilt die Logik nicht.- Sie verbrüdert sich Mindern Mjas Wd. McktHm die schwarz Poincares .Antwort an Deutschland. Ankündigung der Zwangsmaßnahme« für Samstag. Berlin, 2. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzertrmg".) Die „Vossstche Zeitung"' meldet'huK^Päris:-'DaS Äntwortschreiben Pomcares auf die deutsche Note, welches der Ministerpräsildient dem' deutschen Botschaftsrat Ho es ch gestern abends überveichte, hat folgenden Wortlaut: auf meine MittsAung vom 20. Juli antworten. Ich stelle mit Bedauern fest, daß diese Antwort nicht die iw meinem Briefe erbetener: Zuisichevungen enthält. Das Abkommen vorn 10. Juni 1921 wurde zwischen Deutschland und den verbündeten Mächterr geschlossen, - seine Abändenmg kann daher in der Tat nur auf Grund eines gemeinsamen Uebereinkonmreus der unterzeichneteu Mächte erfolgen. Die Regierung der französischen Republik hat Ihnen bereits mitg-eteilt, daß Sie nicht die Absicht/habe, die in der deutschen Note vom 14. Juni angeregten Aenderungen emtreten zu lassen. -Die Regierung der Republik hat daher das Recht, zu verlangen, daß innerhalb der in meiner Note vom 16. Juni angegebenen Frist, also vor dem 15. August mittags, die Versicherung gegeben werde, -daß das Abkommen vom 10: Iuüi 1921 zur Ausführung gelangt und besonders, daß die'Pauschalsumme , von zwei Millionen Pfund Sterling am 15. August bezahlt wird. Wenn diese Zusicherung nicht gegeben wird, wird die französische -'Retzwvung.-das.-Rtzcht haben, um die Ausführung der ' bestehenden. Abkockmen zu sichern, die Z w a u g s ui a ß n a h m e n zst ergreifen, die Sie in: Interesse. sowohl der eigenen' SttjatstzWeGrigen als auch der Untertaner: der i'Brigen vevbiWeten ^.Staaten' für. nötig; b er e i ts, jetztd eu v o.ltstäghig/e wPl a n bekannt zu geben, den sie hierfür ausgearbeitet hat. Indem diese Vorbehalte zu -dem Inhalte der deutschen Note,.vom 1.-August genmcht - werden, bsmerkt bte• Regvertmg der Republik lediglich, daß die deutsche Regierung keinerlei Änstreugu-ngen umcht, um die Zahlungen der Summen zu sichern, die seitens wirklicher Schuldner, das heißt deutsch-or Pri-va.tl eute,.an die Verbündeten Ausgleichsämter abzuführen sind, wobei noch bemerkt wird, daßdiese ^Privatleute nach allen Auskünften, die uns zugekommen sind, durch ihre A n k ä u f e v o n A u slandsdevisen zu dem gegenwärtigen Sturz der Marl beigetragen haben. Empfangen Sie usw. . Eezerchuet Poincare." AeberraschnAgM Paris. Paris, 2. August/'(Tel.' d. „Wr. Morgenzeituug".) Die gestrige Note Po'incares hat selbst im hiesigen Ministsriüm des Aeußern ü b e r r a s ch t. Alle Blätter sind der Ätlsicht, daß die von Poincare angedrohten Bergeltungsnwßnahmen n u r w i r t s ch a f t l ich e r Natur sein können mb daß es sich keineswegs um militärische Sanktionen handeln könne. „Gonlois" wirft die Frage der Beschlagnahme deutschen Privateigentum s in Frankreich auf, die er jedoch für un-znlassig hält. Andere Blätter rechnen danrit, .daß Frankreich versuchen Lverde, im besetzten Rheinland Geldmittel flüssig zu machen. .. Streikgefahr ick Devtschland. Perlin, 2.,Augü.st. (Tel.,' d.^,^.'..MovgenKeli1>ung".) Es nmcht sich eine nerve 'über Deutschland gehende Streikwelle vemerkbär. Im Anschluß an die gestern ags Königsberg gemeldeten Streiks der städtischen Arbeiter'wird he>:te bekannt, daß auch in dem industriellen Werk B o rsig.in Tegel..cme Arbeftsniederlogung erfolgt ist. Des weiteren streikt' em Teil der Angestellten des bekannten Warenhauses W e r t heim. Auch die Angestellten der Hochbahnen haben gestern eine Urabstimmung veranstaltet, die' eine bedetstende Mehrheit für den Eintritt in den StvLik 'ergöbchl., hÄ,.^- weiß-rote Medaille mit den Schwertern. Als Dank und Anerkennung für ' schneidiges Wesen, für Tapferkeit vor dem inneren Feind. Ers hängt Inden, Mtert Frauen und läßt Arbeiter bei lebendigem Leib verfaulen, wozu, der Zadrawee und der Vangha den Segen geben. Das bringt ihn dem Wesen her Edelsten der deutschen Kation nähe, Md .es. ist NW natü.rM, haß sie über hie. Die deutsche RegieruAg. Berlin, 2. August. (Tel. b. „Wr. Morgenzeitung.") Die Reichsregierung hat, bevor sie zu ihrem neuen französischen - Dokument Stellung nehmen.kann, zunächst diebetMgten ' Ressorts, in erster Linie das Finanzministerium, zur Prüfung der neuen Lage aufgesordert. Ein 'Kabmeetisrat ist in dieser Frage bisher nicht anberamnt worden, da zunächst die Aeußevungen der einzelnen Aemter abgewartet werden sollen. Die Lorldsuer'KKufereuz. London, 2. August. (Reuter.) Aus halbamtliches . Quelle wird gemeldet, daß die Besprechuugen zwischen Lloyd George und Poincare sich nicht über zwei bis drei Tage hinaus erstrecken werden. Der italienische Minister, des Aeußern Schcwzer wird morgen hier eintreffen.' Euglanh fsxdert seiue KriegsvVrschWe ZurLch.- Die Note Balfours. -Paris, 2. August. Die Atzenoe Havas mclbet aus Lou»-. dem. . B a l f o u r hat an die Vertreter Frankreich s, Italiens, Jugoslawiens, Rumäniens, Portugals u-uib G r i e ch e n l a n d s eine Note gerichtet, die sich auf die K r i e g s s ch u l d e n bezieht. Danach sei Großbritannien geneigt, a u f a l l e se i n es F o.r-' d e x•«■ ugeu aus den: Titel der Kriegsschulden oder. der., für Reparatioiren geschu>ldeten - EutschädigiUngen zu.' der-. ^dermoch.- cköm:K._eä .i>tzsolge Heiners Xvirtschaftlichen' Lage -älif die.ih>n - voN7dWAMWtest'W<MÄ^'^MML7 und ans die vön den früheren Feinden 'zu Hi-. stenden R e p a r ä-t i o nHDHcht verzichten, da es selbst. verpflichtet sei, seine Schuld an Amerika abzustatten, <. .Die. Note-betM:t>^wle schr es Engwnd widerstre-be, vonseinen Verbündeten die Rückzahlung ihrer Schulden zu Per- ' langen;' die errglische Regierrmg könne sich jedoch nicht auf eiu Verfähven einlassen, das den: einen Teilhaber an emmn. gen:einfamer: Unternchmer: gestatten würde, die Beträge eiuzuziehen, die er arrsgeliehen 'hat, während der aridere, devnichts zn-rückerhalten soll, verpflichtet sein würde, seine An-, leiheschnlden zu begleichen. - Was die Reparationen anlarlge, sei Großbritannien bereit, auf seinen Anteil an den Reparationen und-auf seiM Forderungen gegen seine Verbündeter: zu' verzichten, wenn dieser Verzicht einen Teil eines allgemeinen Plaues bilde, es wolle aber durchaus' nicht Vorschlägen, daß' De-rrtschland seiner Verpfli'chtungen gegenüber den arrdererr Verbündeten ledig erklärt werde. Die Note Balfours ist von der Mehrheit des Ka'bi-' netts gebilligt worden. London, 2. August. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) In der Note Balfo.r:rs wird erklärt, daß Großbritan- .uien infolge des Verlangens der Bereinigten Staaten, daß - es die Amerika geschuldeten Summen in der.Höhe von 855 Millionen P f r: n d Ster l t n g zurückzahle, genötigt sei, die Rückzahlung der ihn: seitens der Alliierten geschuldeten Siunmen in der Höhe von 1098 Millionen Pfund zu verlangen. Wachsender Einfluß der ameridauische^ BauLiers. Ncw-Aork, 2. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) blems zun: Nutzen aller beteiligten Länder ist die Tatsache von Bedeutung, daß die anrevikanischen Bankiers, rmd Volkswirtschaftler .einen größeren Ein fl u'ß ausüben als die Berufspolitiker. Dieser Umstand dürfte es ermöglichen, die Frage eventuell unabhängig von der kommenden Wählkampagne zn entscheiden. Kleinigkeit der burgenländischen Deutschen hinlveggehen und den Dolchstoß mit der Medaille am sckwarz-weißroten Bund mit den Schwertern vergelten. Die deutschmagyarische Waffenbrüderschaft/die schon durch den Schutz Horthys für die Mörder Erzbergers erhärtet würde, gewinnt jetzt neue schöne Weihe,