Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1259 (2.8.1922)
- Date
- 1922-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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"Ti liBielBwnmerRlso Wien: Zum Abholen in der Expedition,ILjTaborsti1. 1-3, oder iii einerV ef schleisstelle \TrafiK) monatlich K 500C; Mit Postversand, für "V^ien u. Oesterreich monatl. K 5000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 150t Jugoslawien: Mori. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800, Deutschland:, Mon. Mark 6l). Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen' bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1259 *" "" .9 1 'ij* /? teuer 2Bten(9ntttnnt%2.M ■ i * Tscheeho-Släwakdi tschech. K 1.20 I t a l i e n: Monatl. 6. Lin Rumänien: Mon; 4kL La Schweiz und das.übrig« Ausland monatlich Fräs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Morgenzcituag', Wien , Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang Der Kampf um Konstantinopel. I —7.^W i tu, 2. August. Die Frage der Türkei, eine der vielen ungelösten des Weltkrieges, bringt sich wieder rauh, in Erinnerung. Die Tschataldscha-Front,. an der im ersten Bälkankrieg die Cholera den letzten atemlosen Stoß der Armee König Ferdinands von Bulgarien auffing und zermürbte, wird wieder genannt. Griechische Truppen in der Stärke von zwei Armeekorps stehen an dieser Linie, bereit zum' Vormarsch nach Konstantinopel. Der letzte Rest türkischen Besitzes in Europa, seit dem Ende des Weltkrieges nur mehr nominell in' den Händen des Sultans, soll griechisch werden. Die Ententemächte sind in Unruhe, haben ihren> in Konstäntinopel stehenden Kontingenten den Befehl zur Verteidigung der letzten Barriere erteilt und ihre otten verstärkt. Hilsstruppen sind aus Malta äbgegangen. Eine gemeinsaine Note Englands, Frankreichs und '. Italiens gebietet kategorisch den Einhalt der Operationen. Es fehlt nur wenig an einein neuerlichen Aufflammen des Balkanbrandes. Die Geschichte dieser letzten Jahre, die von der Dardanellensrage ansgieng, kehrt wieM an den Anfangspunkte zurück. .. Der neue, türkisch-griechische Zusauunellstoß ist die Folge des Zauderns der Entente, ihre Beschlüsse durch Verhandlungen mit den direkt Beteiligten ’ zi:' sichern. Wer Vertrag von Sevres ist schon durch das Frauklinsche Abkommen mit.der Angora-Regierung zerrissen worden. ' Die Orient-Konferenz im März hatte diese Konvention -bestätigt. Sie erklärte Konstäntinopel als trirkischen Be- M und gab Ostthrazien und Smyrna an die Türkei zurück. Die Türken forderte!: jedoch Adrianopel und. den Bezirk Smyrna, die Griechen wollten keinen Verzicht Unterschreiben. .' Sie hatten im Vorjahre wegen der militärischen Niederlagen ün Kleinasien- V.erüzelos ge- UMMrüMrüfW'MllM^ inneren Kämpfe vergebens sein? Es'^egäiirlest' neuc,. .nrühevolle Verhandlungen, die immer .. neue' Enttäuschungen .brachten und ■ das von Finanznot und furchtbarer Verärnrung betroffene griechische 'Volk zur Verzweiflung brachten. In dieser Situation entschloß sich die griechische Regierung vor wenigen Taget: zu einer Note an die Ententemächte, in der sie die Resultatlosigkeit der. bisherigen Konferenzen feststellt und die Zustimm img zum Marsch gegen Konstantinopel verlangt: Die Entente wollte die Sache wieder dilatorisch behandeln. Die Griechen zogen ihre Truppen im Süden Thraziens zusammen. Ostgalizien, Wilna, Smyrna, Fimste, Tanger, — alle diese Namen sind der Schinerzensgeschichte der Friedensverträge vertraut geworden. Sie zeigen, wie weit-.die Entente von einer einheitlichen,Auffassung der Weltpolitik entfernt, ist und wie schlecht das Schwert eine Politische Aufgabe löst. Immer von neuem tritt der anglo-fränkische Gegensatzheraus, der es nirgends zu einer haltbaren Beilegung der Konflikte kommen läßt. Ter Streit um Konstantinopel, ist die gefährlichste Probe für die Bruchfestigkeitdes großen Bundes, der die Mittelmächte in Scherben schlug und mit den Scherben nichts anzufangen weiß.. Hinter Konstantinopel steht die bulgarisch-serbische^ die bulgarisch-griechische, die griechisch-italienische und vor allem die russische Frage. Der Fall Konstantinopels in die Hände der Griechen, der Sturz der Hagia Sophia macht ein halbes Jahr- - tausend türkischer Geschichte wieder lebendig und würde den gesamten, nur mit schwerster Anstrengung in Schach gehaltenen Islam von neuem auf den Plan rufen, aber auch russische Träume, die unter der Decke dös Bolschewismus in leichtem Schlaf liegen, wieder aufregen. Für die Türkei entsteht eine der. schwersten Situationen, die denkbar sind. Die Konstantindpler Regierung mit Ferid und Izzet Pascha an her Spitze ist maßlos. . Die Angoxa- Regierung mit Mustapha KeMa! verfügt.. über die Nationalversammlung und ein von deutschen Offizieren geführtes Landsknechteheer, das sich durch ewigen Kriege erhalten hat, aber durch Müdigkeit und Desertionen geschwächt' ist.'Dieser Staat. im Exil wird heute vom Westen und Süden her von den Griechen bedroht und seine Verbindung mit der Moskauer Diplomatie kann in dieser Lage nur noch inniger werden.'Sucht'Mustapha dort Hilfe,, wird sie nur allzu gerne. gewährt. Denn in Moskau wartet alles auf eine so schöne Gelegenheit, wie tatenlose rote Armee wseder ins Feuer zu schicken und der Entente und ihren Schützlingen, Polen "urid Rumänien,' neue Feuerbrände vors Haus zu legen/' Die Entente muß jetzt sehr rasch handeln, intr i'zuvnM die' GeMr - des Blutvergießens LU hastnerr.. Dann Die Fasztsten drohe» «U dem Staats- 'RoM Pi. Jülr. Die. LeituügMr Faszisten hat einen Ausruf Missest, worin sie die^Menreine MobMerüng^ der StreiWrohntzg der ^MbeHtzr, anownet. Sie Mt W.RÄerung eine Frfft von. cl 8 . S t u n d e n, im: OchNMWk. machen. Nach Ablauf dieses ^Zertmütnes nimmt hMPeitüng der Faszisten freie.Hastb fpr sich, in Anspruch, epeHiell im Htciatsiutevesse die Regierungsmacht zu ergreifen.'' , ,/i. - DM...GZH^aHreid. Rom, 1. ^August/ (Stefäni.)' ' Zoutvälkymiter der vereinigten Arbeiterverbände iMHemra hät-ängesichW der Befürchtung eines - -Gewälfftreiches seitens det Faszisten' M Einleitung und Orgä^nfisrung des Streiks einem g e h-e.ime n K o N:i t e e-- Hbevtvage-n, das flir Itali-e-i: 'den sofortigen Begrün desMeM'alstreiks anoM nete. Das.Genmser Syndikat' der- -Hifenarberter und die Genueser Ärbeiterkänuner' habest i -M. Arbertseiststellung für Montag früh angeordnet'. AusMOMneik vom General-- ' streik - sind stur'die Spitäler.! Die Muckenden. wurden ausgesordetft sich jeder. GewaltätigkeiMn: enthalten. : '• ' In Neächel sind die ZeitDrgen erschienen. In Turin verkehrt die StraßenbaW:'. Die .Generällm o b i l r s i etmt g d<e r- Fas z i n hat sich ' bisher ruhig yollzvMN, Telegramme. weMn -nur auf Risiko des I Ausgebers euhgegengenoimnen.' Der:> Mostverkehr ist be- ,schränkt. i• .. -;■■■;: H - RMp:4*< August. '(Mt-Äonip fr Wie' Proklainierung des Arbeiter-; in normaler Weise ab. Auch in Turin erlitt der Verkehr keine Stockung. In Turin arbeiten auch die Fiatwerke. Im Arsenal ist der Streik vollständig. Nur der Zugsverkehr wird dort aufrechterhüten. In Bologna, Florenz, Pisa und Neapel ist es zu keiner Arbeitseinstellung gekommen. _ Rom, 1. August. (Stefan:.) Der. allgemeine- Ausstand wird nur teilweise durchgeführt. Der Betrieb der Eisen-, bahne» und der Straßenbahnen wird mit Hilfe natronalistischen Personals in verringerten: Umfange aufrecht erhalten. In Flore.nz ist der Ausstand gar'.nicht verkündet worden. In T u r i n,. Venedi g,' Ne ach e l, Pisa uUd Bologna hat sich die Mehrzahl der Ärbeiter den: Ausstand nicht angeschlossen. Pormlche MüH.e in ,.> Rom, 1. August. (Tel. der ,.Wr. Morgenzc-itung".) In M o n t e p. o r z i o ha: der der Katholischen Volks-- Parte: angehörige Balletia wegen politischer Gegensätze den S-rzialistM. Francesco. A d a m i erschossen und wurde verhastet. Nunmehr hat der. Brüder des Getöteten, Nandello Ädami, den Vizebürgermerster und Leiter der. Filiale der Camera ütaliana di condito, Allessandw M n r i, erschossen und sich selbst, gestellt. Er gab an, daß er seinen - Bruder rächen wollte und sich Mdiesem Zwecke eine eh:--: ' slußreiche Persorp der Katholischen. Volkspartei zun: Opfer.' \ des Genßra-Mecks drirch. Wn- ZenchWärstand WM MMeM'-MU Wttd abends -ah -.iMHe-b - auch 'die' Zeitungbn nicht -mehr - erscheinen. Der -Kathölische ÄewerkschaMLund will sich an dem. Streik nichtbeteiligen. . - - . ' -Rom, 1. August. Die weiße Internationale hat-eine Erklärung peröffeutlich't,^"'in ' der'sie den Streik als eine Gefährdung' der Arbeiterklasse bezeichnet und' die christlichen- Arbeiter ausfordert, sich -dem Streik nicht , nnzu- D?e Behörden haben zur Ansrechterhaltuntz 'der Ordnung ümfasseiide Maßnahmen getroffen!. In den ersten Morgenstittvden sind in ganz Rom zahlreiche Truppen- . abteilüngen Verteilt worden, dw .wichtigen öffentlichen : Gebäude, Pdst-- und Telegrüptzenämker,' Elektrizitätsu'nd Wasserwerk, würden sofort Militärisch besetzt, ebenso alle wichtigeren Eiftnbähnknotenprmkte. Die' Zuge sind heute i von Rom regelmäßig abgegangeni In der Stadt winbe. jeglicher Autoverkehr untersagt. .Rom, 1. Äugt,st. - Offiziell wird .-mitgeteilt, daß' der; EisenbablWerkckhv zum Teile' durch saWstisches Personal, zum Teile durch däs Militär aufrecht erhalten wird. Der Lokal^htweMch , ich hingegen eingestelli. Der Verkehr ans der elektrischen Straßenbahn wird, im Laufe -es morgigen Tages . chlr'ch üyÜonalrstisch ^, gesinntes Personal wieder ausgenommen. Mailand, . 1,;. August.., Hier' filch, .^ute fast alle Züge abgegangen.' In Venedig wickelt sich der Eisenbahnveäehr Ein Aeue5.Ministe?Lirm FerctL. .Rom, 1. August. (Tel.-Komp.) Das neue Mnisteriur,. ' de Facta setzt sich wie folgt zusammen: Ministevprqsrdent: - de... Faeja;. ^Iuüeres:.;Sestgtor 'MM; 'iMersstchtssekretär' i d^^N:rüenf^^D:märolp;'--'-Ä^i^ßechs:-7fDW-NM Wwstem' Rvssip' KrjdH:'.'^Pvstürch' .Äle-, gr-aph: Nlei; OeffeMoHe Ärbeiteü: Niccoli; Fürsorge: della- S-barbä. Ms', ^Kandidat', für 'Kas Mimstermn: b'er befreiten ' Gebiete konnUeu' die Abgeordneten Gassi und Carboni in Betrachts f''., ' De'Facta beabsichtigt, sich der 'Kammermit dem. neuen Ministerium so bald wie möglich vorzüstellen. Man spricht von der Wiedereröffnung der Kammer am kommenden Dienstag. Sie wird die 'nötigen Schungen' abhalten, um das neue Jahresprqgramrn sestzustellen urw das Budgetzwolftel zu verlängern. - ' ' Rom, 1- August. (Stesani.) Der König hat die ihm von Facta unterbreitete Ministerliste genehmigt. .. In der allge'nremen politischen. Richtung .des neuen - Kahinetts , Facta' .ist kei ne Aenderimg zu. berzeich uen, da ' sie sich, wie das erst-e Mbin-ett Facta' aus Demokraten,- Popu'larl, NesornrWu ' und Vertretern'' der .Rechten mit . Ausschluß der Faszisten und Sozialisten zusanyirenfetzt. . Rom, 1. August. Angesichts der inneren.Lage des Lau- ' des kommt der Besetzung des Postens des Jnnemnmi-sters. ' yn neuen Kabinett,'den blsher Facta selbst',wnehätte, .besondere- Bedeutung zu. Der neue Innenminister, Senator Tad.dei, gilt als tatkräftiger,.unparteiischer Alann. Besonders, bemerkenswert ist das Verbleiben des Außenministers Schanzer .ihr Amt. Der bisherige Schatznriuistcr Peauo soll Präsident -des Obersten Gerichtshofes werden. aber muß 'sie' diä Friedensvertrage rebidieren. Sie muß das Hebel an der Wurzel fassest und die Tausend Mngerechtrgkeiten ihres Friedenswerkes aufheben. Solange diese' Verträgeaufr^chtbleibenkann kein Frieden in Europa, in Asien und in Afrika werden. X . Wirren ohne Ende. ,' i,.!';;• : " -; ■ Ra: Wie N,'L. Apglist. Immer deuilicher treten die Anzeichen-zutage, daß . jene Pessimisten recht behalten, die da meinen, daß der Weltkrieg unddie. darauffolgenden: inneren Umwälzungen nicht dev Abschluß einer traurigen Menschheitsepoche, sondern leider nur eine.' Etap^ derselben Hilden. Dabei zeigt es-sich aber. auch,, daß nicht bloß die Friedensverträge .keine einzige' der europäischm Strertfragendie bereits seit 1866 Hver Kösstyg.harren,, einer sol^Di izüMrten, soMvn auch^ daß die. wechselnden Regierungen undlMajoritaten in'.best^ verschiedenen Parlamenten -VoHänbigl Außerstande - sind, ,auch m:-r die' inneren StaaMratzen?M.ganz abgesehen..dost dezr-sDifferenzettder äußeren, HrWk>^ . einer Lösungzüzuführen,' da-ffie, auf vyllständig? veralteten,. kulturellen,', na- .tionMst,,Mgiö^n, PolüijckM'lnnd sozialen.Kogrämntzst fußen, der neuen Zeit nicht mehr angepaßt sind ttitb mit den Ausgaben eines wahrhaft modernen Rechts-, Kultur- und Wirtschaftsstaätes Nicht nur unvereinbar sind, sondern auch zu stets neuen inneren Konflikten führen. - . Das hier Gesagte tritt mutatis mutandis in verschiedenen Formen und verschiedenen Erscheinungen in den einzelnen Staatsgebilden zutage. In allererster Linie ist es der. Kampf zwischen der zentralistischen und föderativen, der, sozialistischen und-kapitalistischen Staatsidee. Hat schor: im i Kriege der Zusammenbruch des russischen Zarisu:» und des Preußisch-deutschen.Reiches mit hohenzollerischcr Spitze, des dualistischen Oesterreich-Ungarn sowie die späteren . Niederlagen des Marxismus dasi Uyvernwgen des kapitalistischen wie sozialen Zentralisrnus zur Lösung nationaler und sozialer Fragen .gebracht, so ,zeigt es sich nun ist den Siegerstääten immer drastischer, daß auch dort hie Autonowiebestrebllngel: immer größere Dimensionen ännehmen und,' daß keine Demokratie'sich behaupten kann, .die nichtunbeugsam, und ohne jeden Opportunismus bcu Hand, in - Hand mit der. zentralistischen Staatsidee einher- .schreitenden naftonälen- . Chaubinismus, ko'ntzssiörtelle!: Zelotismns und einseitigen Klassenegoismus in seinen, verschiedenen Formen, rücksichtslos bekämpft. Jede ändere De-