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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-30 · Heft 1256 (30.7.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1256 (30.7.1922)
Date
1922-07-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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- ™ ( VK,” re ftV«*»!*’' ' *‘ ' ^>i/('T^ ir f r ' 'ft ' \ ’'’ 1 f ” , 4 l| ' ' :. '' /• # Hr. 12H6; Wirn, Sonntag , --—:—-,— --—'■' —■"■ -;-:-r- ' vögeln, die Regierung habe jedoch LiS nun kern entsprechendes Pvojekkt vorgelegt. Aus diesem Grunde möge der Sejm die Regierung auffordern, unverzüglich vor Sessionsschluß ein Gefetzespvojekt überdie Woiwodschafts-Autonomie in Ostgalizien - dorzule-gen. ' Diese Interpellation wurde dutch eine aus Italien erngolangte Nachricht ve-ratllaßft wonach mehrere italienische Abgeordnete im italienischen Parlament den Außenminister'in Angelegenheit der ostgalizischen Frage interperllierten, auf die Polonisierungsarberten der polnischen Regierung in Ostgalizmr durch die Ansiedlnng polnischer Bauern hinwiesen und die Regierung aufforderten, für die rascheste Lösung der ostgalizischen Frage auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes einzutreten. Selbständige Kandidaturen des jüdischen Kanfmannsnereins. Warschau, 28. Inli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der jüdische Kaufmaumsverein hat beschlossen, bei den Sejmwcrhlen selbständige Kandidaturen auszustellen.' Die jüdische Presse wendet sich sehr scharf gegen diesen Beschluß, tvelcher die jüdische Einheit stört und die Aussichten auf einen jüdischen Erfolg verringert. ' f - Die Rozwos-Hetzdr an der Arbkit , Warschau, 28. Juli. (Tel. der „Wr. Morgeuzeitung".) Der antisemitische „R ozwo j" hat den Versuch ' unternommen, in Lodz die Ereignissevon Wilna, welche, wie erinnerlich, zu schweren antisemitischen Exzessen geführt haben, in öffentlichen Versammlungen in hetzerischer Absicht auszunützen. Die Behörde hat diese Kundgebungen mit Rücksicht auf die öffentliche Ordnung verboten. Schließung .»kmndistischer" Schure». Warschau, 28. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Negierung hat sämtliche von der bundistisch-jüdischen Gesellschaft „Unsere Kinde r" errichteten Schulen gesperrt, da deren Statuten nicht bestätigt wurden. Litauen. Die Minoritätemfrage. ■ü'i KoNmo, 29. Juli. (Del. d. „Wr. Morgenzeitu-ng".) Das Parlament beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der dritten Lesung der Artikel des Verfassungsentwurses betreffend die nationalen Minderheiten. Aus dem Entwürfe wurden eliminiert die Punkte 73 und 7ch, die die nationalen Kataster behandeln, dagegen wurde Artikel 77 über das Steuerrecht der national en Gemeinden angenommen. Ebenso wurde Ar-' tikel 89, wonach der Religionsunterricht in, den Schulen zwangSwaffe eiuzusühren ist, angenommen. Im allgemeinen herrscht die Tendenz vor, die Rechte der Minder* heiten z» schmalem. . , - SrumSuien. Explvst»» 1« Foef««i. PaüS, 29. Juli. (Funkspruch.), Infolge der großen Hitze ist m Focsani' ein M u n i t i o n s d e p o t explodiert. Mchrere Kasernen wurden zerstört. Der Sachschaden ist sehr. bchmienjd. Zehn Tote und zehn Verwundete sind zu beklagen. '' | „ | ’»■■.■■■ r III .. I I—— durch Erfahrung und Mter geklärter, cmSMrlichsr, aber me geschwätziger Redeweise des Autobiogvaphen vorzüglich ge- 'troffen. Ueber neue dramatische Werke der jüdischen Literatur zu sprechen, erübrigt sich, da Wert oder Unwert eines Dramas gültig doch nur auf der Buhne beurteilt werden kann. Doch jri auf einige neue Publikationen über Theater und Theatevwrj-en hingÄviasen, so vor allem auf die reichhaltige Zeitschrift „Jiodisch-Thsatev", welche, vom Verein der MpLen Schauspieler in Warschau herausgogeben, unter der. Redaktion von Dr. Mchreil 'Weichert, erstem der,wenigen Sachkundigen auf dem Gebote des jüoijchen Theaters, steht und nebst gutem kritischen auch interessantcs theatergeschichiliches Material bringt. Wsichert hat übrigens kürzlich cme Reihe von trefflichen Aufsätzen theaterkritischen und historischem Inhalts*) in Buchform e> scheinen lassen.'Seine Arbeiten auf dem Gebiete des jüdischen Theaters sind bereits bekannt**) und zeigen Beherrschung des 'Stoffes und' Fähigkeit analytischer Darstellung. Als Theater- ‘ kvitiker hat Wtichert vor der üblichen jüdischen 'ThoaterkritÄ eines voraus, wodurch er sich wohltuend abhebt: Kritisches Talent. Gin typisches Beispiel für die'übliche, von keinerlei sächlichen BorailssetzMgen getrübte Art, über Theater zu schreiben, bietet übrigens eine ebenfalls kürzlich in Warschau erschienene Schrift von Jakob W a > \e r m a n n, „Pts Theater und der Sozialismus". In Rew^Uork ist' im ätzten Jahr von döm aus der 'folkloristi>chcn Sammelschrift „Pülle^ vorteilhaft bekannten B.' Gor in eine zweibändige „Geschichte des Mischest Theaters erschienen. So weit eilige Durchsicht ergibt (Mische Bücher aus Amerika sind derzeit in Wiest-kaum erhältlich Und nicht erschipistgsich), ist viel Material zusammengetragen, aber es. fehlt das. kritische Cmdringen in die Materie. Aus der reichen jüngsten Produktion in der Mischen Lfteratur ist nur weniges herauSgegriffen, wie , es der Zufall brachte. .Aber schon dies zeigt starke Kräfte und neue Werte, dre aus lebendiger Kraft entstanden sind und Beachtung ver^ dienen. ' Siegftüd Schmitz, Wiest. *) Michael Weichert: „Theater ün -drama." 1922. Berlag „Jiddisch", -Warschau. '' **) Lesenswerte Studien über Govdin in' den ersten Jahrgängen der Zeitschrisi „Der Jude".,- - Wiener Motrgenzettung. A« die geelntm Abmeckil md Leser der Witiler LllMeilkW«! Die in der letzten Zell neuerliÄ ewgelrelene enorme Verteerung aller zur Kerstellunq der Tagesteitunoen notwenpigsn Rohmaterialien, insbesondere die tzorrmde Erhöhung der Papierpreise sonne die fortgesetzte Steigerung der Getnüle, Löhne und der L n d r,x Ziffernzwingen die Weiser Taaeswitungen. dre Abonnements- und Der!^leitpr-ise abermals zu erhöhen» um den Fortbestand derselben noch zu ermöglichen. - Dw gefertigte Vereinigung hofft, daß die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen He zwingenden uvd unabweisbaren Grklnd» für die Erhöhung der Abonnements- und Verschleiß» preise würdigen werden, und gibt der Erwartung Ausdruck,, daß d»'e geehrten Abonnenten und Leser ihrer gewohnten Tageslektiire t-.otz der geänderten Verhältnisse ihre Tlnhäuglichdeit bewahren werden. Kochachkungsnoll Die VmiillW« iw SKeklllchWt» Tllßttzeitil«geik. *• D M' svl^e bc!ra"en unsere Preüe ab 1. August 1922: Abonneurenk für Wle» <znm Abl'vlm im Expe-it oder irr den Dorschreisksietten) monatlich. K. 5Ö9D‘— Das 2!bvnnement wolle oekälligst rechtzeitig in der Nächstliegenden Vek'chleißslelte erneuert und die Bezugsgebühr gleichfalls dort'elbkt erlegt werden. Öesterrrich monatlich ..K. 503O‘~ Tschecho-Slowakei monat'ich . . . . ktchech. K. 26*— Polen monatlich..po!n. Mark S00k— Jugoslawien monatlich ......... Dinar 25*— Deutschland monatlich.. Mark 60*— Rumiinten monatlich ........... Lei 49*— Lolland monatlich..holl, fl» 1*50 Italien monatlich ........... .Lire 6*— Schweiz monatlich .'. . . . . fchweiz. Franke» 3 — Frankreich mortatlich ......... Francs ö*— Belgien monatlich . ... . . . . belg. Fennes 8*— England monatlich.......... Schilling 3*— Amerika monailich .......... Dollar —*59 Eirrzelverkau s 'reiH ab 30. Juli 1922: An Montage«.. . ' . .51 149*— An allen andere» Tagen . . . . ... . . . . 5t. 139.— Zahlstellen: oestereeichisches Pvstsparkallenkvnto 159.893. Tschecho-sivwastisches Postsparkaffenkonto (Prag) 59.351. Polnisches Posifparkafsenkontv (Warschau) 190.227 Deutsches Postscheckkonto (Berlin »5 7) 198.722. RnmSnien (Ezernowitz) r' Allgemeine Depvstlendank Ezernowitz. Schweiz: -Schweizer Votksbänk in.St. Galle«., Jugoslawien: Postsparkassenkonto (Zagreb) 40.085. Italien: Sozieta di Eredito E^ommereiale Triest«, Dia Mazzini 39. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien. tt.. Taborstratze 1—3, Telephon 44.933. 43.319. Tschecho - Slowakei. Brotvreis. Prag, 29. IM. Im Ernähvuiwgsrmnrstevnrm ^wuicke hmte eine Enquete abgchalten, an der sich die Bäcker- Genossenschaft beider Nationalitäten aus Böhmen und Mähren beteiligten. Es wurde beschlossen, vom 1. August an Brot im Gewichte von 1400 Gramm und zwar Heißbrot, zum Preise von 4.20 tsch.-siow. Kr. en gros und 4,50 tsch.-slow. Kr. im Klemverkauf, Schwarzbrot zum en gros-Pveiise von 3.70 tsch.-siow. Kr. und zunr Kleintz^rkanfspreife von 4 tsch.-slow. Kr. zu verkaufen. Bezüglich dcS Weiftgebücks wurde keine Einigung erzielt Ustd bleiben die alten Preise für Semmeln in Geltung. Spaltung der slowakisches Volksyartei^ Prag, 29. Inli. Wie tschechische Blätter melden, hat sich in der Slowakischen K llsportei ein opvasrtion e l l e r. F l ü g e l unter Führung des Abgeordneten Brabec. gebildet. Die „SlovenSki. Krestenski Soziglifha", das ftcühere Organ der Linkspartei, tritt jetzt als Organ der Gewerkschaft der slowakischen, christlichen oppositionellen Arbeiterschaft auf und bezeichnet das Zufammenarbeiten mit allen katholischen Lehvern sowie mit den Tschechen ohne -Berzichtleistung auf nationale Aul momie als Ziel. . - ' - . Ab heute kos"et die Einzelnummer: van Sonn- und Wochentagen, . . K f$0 an Montagen - v- JK 14Ö V 80. Juli 1922 _Seite 5 NunWhM. Der iuteruationale ^rie'üenskongretz. London, 29. Juli. (Wolff.) Der' Jnternätionäl« Friedenskongreß hat gestern eine Resolution angenommen, die sich für eine offene Diplomatie und dafür aüsspricht, daß Verträge jeder Art nicht in Kraft treten dürfen, die nicht nach offener Aussprache vom Parlament oder von der ganzen Bevölkerung in einer A b st i nt nt u n g ausdrücklich bestätigt worden sind. In der Schlußsitzung am Nachmittag wurde eine Entschließung angenommen, worin es heißt, mau sei der Ueberzeugung, daß eine vollständige Abrüstung zu Lande, zu Wasser und in der.Lust ms» entbehrlich sei als Gewähr für den Weltfrieden. Ein?lbänderungsantrag, der sich dafür ausspricht, daß der Völkerbund ermächtigt werde, eine internationale Polizeimacht gegen diejenigen zu schaffen, die den Frieden der Welt zu stören trachten, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Endlich nahm der Kongreß einstimmig eine Entschließung an, in der Präsident Harbin g, Staatssekretär Hughes und das amerikanische Volk zu der Initiative ihrer, Regierung hinsichtlich der Einberufung der Washingtoner Konferenz beglückwünscht werdetr mtb die Hoffnung ausgedrückt wird, daß dieses historische Ereignis nur den ersten Schritt auf dem Wege zur Beseitigung der Drohungen und Gefahren bilden werde, die/ in der Existenz nationaler Arnteen liegen. Schließlich 'fand eine Resolution Annahme, in der der Völkerbund augesordert wird, auf sein Programm auch die Frage der Abschaffung der militärilschen Dienstpflicht in der gangen Welt zu setzen, und eine Resolution, welche für die nationalen Minoritäten die Möglichkeit' des Selbstbestimmungsrechtes in Anspruch nimmt. Paris, 29. Inli. (Fünlspruch.) ■ Der internationale Friedenskongreß in London hat Freitag seine Schlußsitzung gehalten. . Sitzungen -er VölLerbrmdkommisfionen. Genf, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Am 1. August beginnt die erste Tagung der Völkevbunldkommisswn für die internationale Organisation der. geistigen Arbeit, an der unter anderen d^er französische Philosoph Bergson die französische Phvstkerm Dcdnr. Curie, der deuffche Physiker Eiustein und der Berner Professor für französische Literatur de Reyuold teil nehmen w erden. . Am gleichen Tage hält auch die M a n d a t s k o ntm x f f t o u eine Sitzung zur Prüfung der Berichte der frattzösffchen, englischert, japanischen und südasrikauischen Negierung über die von ihnen verwalteten Mandate ab: Die Regierung von Südäsrika hat soeben erneu Bericht übe^r vie Verwaltung der ehemals deutschen Kolonie- Süidwvstafttfd dem Völkerbund emgereicht. Die Krise in IlaUen. Rom, 29. Juli. (Tel. d. ,Mr. Morgeuzeitung".) Durch die BereitwMgkeit der sozialistischen Karumersraktion, sich an einer neuen R e g r e r u n g der Lin k e n zu beteiligen, ist die MiniisterkvifL neuerdings kompliziert Wörden/ da man befürchtet, mit eiiner solchen RegieÄmg die Rechtsparteien zu provozieren. Orlcudo wurde heute vom König meuevdings empfangen und echielt nochmals den Auftrag zur Kabinettsbildiung. RaveMa, 29. Juli. Infolge energischer Alwvdn.uugen der Regierung an die Pvovinzialbehörden zur Wioderherstellung der Ordnung haben die republikanischett Führer und die Faszisten beschlossen, die AgiMtion 'emznstellett. Rom> 29. Juli. (Havas.) Es verlautet, daß dein'König zahlreiche Petitionen überreicht worden sind, in denen verlangt wich, daß er die italienische Kammer auslösen möge. Die Kreise der Faszisten seien für die Auflösung, jene der Popolavi und der Sozialisten scheinen dagegen Stellung zu nehmen. Kollftantinoyel. Paris, 29. Juli. (Tel. d. „Wr. Movgettzeituug".) In Konstantrnopel ist das Gerücht verbreitet, daß die Griechen beabsichtigen, einen -HandstreichaufKottstantinopel zu versuchen. Der griechische Oberkommandierende habe Smyrna verlassen und ist in Tharfos eingetroffen, wo drei neue griechische Divisionen ausgeschifft wurden. Da die türkische Grettze von T r n P p e n der Verbündeten bewacht wird, ist es jedoch wenig wcchvschemlich, daß die griechische Armee wagen wird, sich ntit ihnen in einen Konsiitt einzulüssen. Auf jeden Fall herrscht . in Konstantinopel große Beunmhigung. Die Athener Regierung hat, um -die Hand frei zu haben, die Parlameutssession - geschlossen. Der Presse ist itntersagt worden,^Anspielungen auf TrupPetchÄvegungen zu machetn Mustapha Ke mal Pascha ist in aller Elle art .die Front abgere-ist. / Der Oberkommaindlereude der alliierten Trrtppeu in .Konstaytinopel .hat die. französischen Truppen, beauftragt, den Abschnitt von Tfchataldscha zu besetzen, um einen etwaigen griechischen Vormarsch auf Kottstantinopel ^u verhindrnr. Die Unruhes i« Syrien. Paris, 27. Juli. Die Agence Havas meldet: Ansläm disrhe Blätter haben einen Zwischenfall mit'Räubern, die vom linken Ufer des Jordan gekommen waren und einen der Urheber des Angriffes auf Gouraud und die. ihn begleitenden Soldaten zu befreien versucht hatten, als eine allgemeine Erhebung der syrischen Bevölkerttrto darzustellen versucht. Es hcutdelt sich um ein einfaches Scharmützel, bei dern drei französische Soldatett und ein Offizier getötet worden sind, - r

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