Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1256 (30.7.1922)
- Date
- 1922-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K180 Wian: Zum Abholen in der Expedition, II..Taborstr.l-3; oaer in einerV crschleisstelle ‘^Trafik)» monatlich K 500C Mit Postversänd für Wien n. Oesterreich monatl. K 5000 Tsche ch ö-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn-: Mon. K 150. Jugoslawien: Mön. Dinar ^5. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark ,60. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Wiener Tsehecho-8lowak«i' tschech. K 1.20 11 a I i e n: Monatl. 6. Liri Rumänien: Mon. 40. Le« Schweiz und das übrig*) Ausland monatlich Free. .V Redaktion u. Administro' /», ' Wien, II., Taborstrasse / —3 Telephone: 44-0-33,4 v-3-19, ab b Uhr abends / 6-391, Tel.-Adr.: .Morgen: i itung‘, Oesterreicbisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.493 Nr. 1256 Die heiligen Äätten. —y. W i e u. 30. «Jirfi. , Die Rabön kreisen um das Palästina-Mandat. Der Völkerbund hat das historische Anrecht der jüdischen Nation auf sein Heim anerkannt und durch diesen Beschluß seinen Willen zu erkennen gegeben» nigstens einen' Teil des gegen die Juden begangenen Weltimrechts gutzumachen. Das Judentum soll die Möglichkeit erhalten, sich in seinein Stammland ein autonomes Gemeinwesen zu schassen, innerhalb dessen sich jüdische Kultur und freies politisches Leben entwickeln soll. Diese Perspektive ayf eine teilweise Lösung der jüdischen Frage ruft alle Raubtiere ans ihren Löchern. Im Wiener demokratischen Organ schreien die Assimilanten über die zionistischen Kommunisten und gestern flucht das fromme Wiener Regiernngsorgan Pech und' Schwefel ans den „jüdischen Weltkapitalismns" herunter, der es verschuldet, daß Palästina in die Hände der „vielfach nach den Lehren des vollständigen Kommunismus lebenden Zionisten" gerät. Man denke! . Der Kämpf gegen den Zionismus hat sich verbreitert. In den Jahren der Vorbereitung, als fast alles noch Theorie war, gab es schwere Auseinandersetzungen nur innerhalb des Judentums selbst. Zwar appellierte der Zionismus nur an die national fühlenden Juden,' die düs Judentum nicht als ein religiöses Bekenntnis, sondern als ein Volk mit eigenen Entwicklungstendenzen auffassen, es bejahen und seine zukünftigen Beziehungen zu den anderen Nationen durch das Mittel öffentlich-rechtlicher Verträge regeln zu wollen. Freilich stießen sich, die Assimilanten liberalisierender und sozialistischer Richtung an diesem Programm und gingen mit allen Waffen, die. sich fanden, gegen die in neuem Kleid auftretende alte Idee vor. Die Nichtjuden nahmen von diesem ' innerjMschen Prozeß entweder, überhaupt nicht 9totzz oder sie versicherten den Zionismus,ihrer, vielfach eWtts wmuWhigen die jüdische Konkurrenz auf geistigem, politischem und ' wirtschaftuchem Gebiet loszüwerden. Auch die 'Stellungnahme der Regierungen und politischen Kreise/ war nicht einheitlich.. Sie zeigten sich aber 'im allgemeinen abgeneigt, auf die praktische Behandlung eines Planes einzugehen, der zu einer politischen Neuordnung der Dinge an dem für die Weltpolitik so wichtigen Mittelmeer führen mußte. Der Vatikan, mit dem die Zionisten wiederholt Fühlung nahmen, bestand auf Garantien für den Schutz der der Christenheit heiligen Stätten. Diese Bürgschaften konnten wir in jener Zeit nur theoretisch zugestehen, da ja das fragliche Gebiet nicht in jüdischem, sondern in türkischem Besitz war. Immerhin erklärte sich die Kurie, so besonders durch dev Staatssekretär Merry del Val, mit dem Zionismus für einverstanden. Nur England erkannte. die Größe des Gedankens. Jöe Chamberlain war der erste Staatsmann, der den tiefen politischen Inhalt der zionistischen Idee währnahm, und ihr an der Grenze Palästinas, in El Arish ein Äacis schaffen wollte. Als dies an den Wasserverhältnissen scheiterte, bot England der jüdischen Nation das Nairobi- Land in Uganda an. Der Zionistenkongreß mußte dies ablehnen, sprach aber unter lebhaftestem Dank an England die Erwartung aus, daß das britische Volk dem .jüdischen zur Erreichung seines Zieles helfen werde. Wir sind die Zeugen dafür, daß England die Hoffnung zu erfüllen trachtet. Aber diese Zeit, in der die zionistische Idee ans den Boden der praktischen Politik zu treten sich anschickt, sieht gleichzeitig einen neuen, verstärkten Sturm auf das gesamte jüdische Volk und eine neue Generaloffensive gegen den. Zionismus. Katholische, assimilatorische und klerikale Elemente gesellen sich innig zu dem neuen Kreuzzug. Die Parolen kommen zientlich einheitlich. Die Leute haben im Weltkrieg einiges gelernt. Man kann eine Aktion gm besten dadurch vorbereiten, daß man eine Lüge so lange wiederholt, bis sie vom Bewußtsein der Massen als Eigentum absorbiert wird. Der Zionismus hat nicht das geringste Interesse an der Unterdrückung nichtjüdischen Volkstunts, er.wünscht nicht das geringste an den Stätten zu ändern, die den: Christentum und dem Islam heilig, sind und die auch dem Judentum intangibel sind, weil sie auf jüdischem.Boden stehen. Das Christentum war bisher damit einverstanden, daß das Heilige Grab von türkischen Soldaten vor den raufenden Sekten geschützt wurde. Kein Jude wird gegen eine, andersgesormte Bewachung etwas' einzulvenden haben. Was bleibt von den Anwürfen gegen den Zionismus aufrecht? Das jüdische Volk will sein Selbstbestimrnungsrecht. Seine Ziele geraten nirgends mit den Interessen anderer Völker in Widerspruch und .es will, wo Wien, Sonntag, 30. Znli 192? 4, Jahrgang MM Wische Uolkr Der erste Ziouistenkongretz hat vor 25 Jahren der Zionistischsn Organisation Programm und Ziel gegeben: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtkich gesicherten Heimstätte in Palästina/' . Am 24. Juli 1922, am 28. Tamns 6682, hat der Rat des Völkerbundes durch eiy« stimmigen Beschluß das Recht des jüdischen Volkes auf Wiedererrichtung seiner nationale« Heirnststtte in PSlästma anerkannt und die Mandatarsmacht znr Verwirklichung der Balfour- Deklarn^on verpflichtet. Durch diesen für das jüdische Volk und die Völkergemeinschaft gleich bedeutsame / v ö l K e r r e ch t l i ch e n Akt ist das im Baseler Programm formulierte politische Ziel — j ie offen tlich - re ch t l i ch e S i ch e ru n.g d er H ei m st ä tt e — zur Erfüllung gebracht. Nunmehr ist dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit die gewaltige und erhabene Aufgabe gestellt, d i e Sch a f f u n g d e r jüdischen u a t iona l e n H e i m st ä t t e ans eigener Kraft durchzuführen, zum eigenen Wohl, aber auch zum Segen des Landas und zur Wohlfahrt seiner nichtjüdischen Einwohner und zur Bereicherung der ganzen Menschheit. A!S jüdische Vertrerrina, alsIewifh Agency, die die Kräfte des jüdischen Volkes für diese Aufgabe sammeln und nutzbar wachen soll, ist die Z i o n i ft i s ch e Organisation anerkannt,' Artikel 4 des Mandates lautet: „Eine angemeffene jüdische Vertretung („Iewish Aseuey") soll als eine öffenr» liche Körperschaft anerkannt werden für die Aufgabe, der Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten Skat und Mitarbeit zu gewähren» die di« Errichtung der jüdischen «ationalen Heimstätte und die Interessen - f der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen und immer, vMtchhaitlich der Kontrolle durch dje Verwaltung, bpi der Entwicklung des Landes zn helfen und teilzunehme«. Die Z i o n j st i f ch e O r g anifat io n soll, solange ihre Organisation und Verfang «ach ^^^itt^ng^^^ManS^rS a!3 solche Bert^nng rung. Ochritte unternehmen» um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt find, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu HNfikN" . Inden! Eine große und verantwortungsvolle Aufgabe ist uns gesetzt. In dieser Stunde ergeht an euch alle der Ruf, euch der Zionistische» Organisation anzuschließen, die von deck ernsten Wunsch beseelt ist, alle jädischen Kräfte zur Verwirklichung des Aufbauwerkes in Erez Israel z« sammeln. Dieses große Werk mutz von der Mitarbeit der gesamten Zndercheit getragen werden. Zionisten! An euch ergeht der Rns, die vier Wochen, die uns von der Iahreskoüfe^enz trennen, zur höchsten Anspannung aller Kräfte zn nützen. Tat und Opfer sollen zeigen, daß der große Moment der Mandaterteilung die Zionisten gerüstet fand. ’ Die Z i o u i st i fcheIahresk o n f e r e n z, die am 25. Jahrestag des ersten Ziorüftenkongresses zusammentritt, wird dem Willen der Zionistischen Organisation Ausdruck geben, a Ile l e b e n d i g e n j üdischen K r äste für daS große gemeinsame Werk des .Gesamrjndentums zu vereinen. Sammelt alle eure Kräfte, werbet neue Anhänger der zionistischen Sache, gebet eurer Leitung die Mittel zur AufrechLerßallung und -nm Ausbau der Zionistischen.Organisation und führet in euren Reihen und in allen jüdischen Kreisen die M a n d a t s a k L i o n durch, z« der das Gesamtjudentum aufgerufeu wird, damit der Ausbau der jüdischen nationalen Heimstätte mächtig vorwärts schreitet. Zionisten! Wir bauen auf euren Enthusiasmus, anf. euer Pflichtgefühl, auf euer organisatorisches und politisches Derstänrnis, auf dc« Ernst enrer Arbeit und die Raschheit eures Handelns. Z u - e ü! An die Arbeit, zum Opfer, zur Tat! Für die Exekutive der Zionistischen Orgamsation: Chaim M-Ltzmann, Rahvm Sokolow, Präsiü^nl dev Zionislischen Vxednlivs Dorsitzen-er -er Zionisüschen Organifallon solche Konflikte scheinbar bestehen oder später entstehen könnten, den Weg der gütlichen Aussprache betreten. Mit dem blutsverwandten arabischen Volk werden wir zu einer Einigung kommen rnüssen. Aber die Sorgen der katholischen Organe um die Araber, ja sogar um die „Israeliten in Palästina", muten uns sonderbar an. Es ist ein funkelnagelneues Interesse, das da auftancht und gegen die zionistische Gewaltpolitik ausgespielt wird. Wir umersnchen jetzt nicht, ob die „Erbitterung der Araber" unter den Arabern bestanden bat. ebeüe von außenhev — sagen wir, aufgeklärt wurden. Aber wir finden, daß das Wiener Blatt, das zum'Weltkrieg geblasen, das die Religion der Liebe durch seine Rufe Rache für'Franz Ferdinand!".dementiert hat und das täglich auf irgendeinem Hetzfeldzug begrsifen ist, nicht das geringste moralische und materielle Recht.hat, die Existenzfrage des jüdischen Volkes durch seine sicherlich auch von den ehrlichem und loyalen'Arabern nnerbetene Krittk zrr besudeln.ADieses Wiener Blatt möae nicht von Halbmond und Tbora reden)