Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1255 (29.7.1922)
- Date
- 1922-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980335--11843-2998326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NirrlvommerLioo Wien: 2nm Abholen in der Expedition, II.,TaborKtr.l-3, oder in eiaerVorschleisstelle (TTrafik) monatlich IC 5000 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 5000. Tscheeho-S1owak ei: Mon. K20.Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. jDinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen bei- Preiserhöhungen Vorbehalten lenrr Tschccho-Siowakei« schech. K 1.20 Italien: Monatl. 6. Lir# Rumänien: Mon. 40. Lei Schweiz and das übrig# Ausland monatlich;Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, lI.,Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.': .Morgenzeitnag*, Wien Oeaterreichisches Postsparkassen-Konto Nr- 159.693 Nr. 1255 Wien. Samstag, 29. Ink 1922 4. Jahrgang Die Dediagnnge« für eiaen Wiederanfban Europas. 8. Beschaffung einer internationalen Anleihe fuc die Wiederherstellung Europas: 9. Revision aller Friedensvertrage dsirch den Völle r- L o n d o n, 27. Juli. (Wolfs.) In der gestrigen Sitzung des Jutern ational en F ri ed en sko n g r e ff es Die Diktatur der Landsknechte. —y. Wien, 29. Juli. Im bayrischen Landtag und im Budapester Abgeordnetenhaus hat es am Attttwoch interessante Dinge gegeben. In München wies ein sozialdemokratischer Abgeordneter aus amtlichen Akten nach, daß. die oppositionelle Ausnahmsverordnung der bayrischen Regierung gegen das republikanische Schutzgesetz von den militärischen Geheimorganisationen erzwungen worden war, insbesondere von der berüchtigten Organisation „Cönsul" des Kapitäns Ehrhardt, die wiener ein Teil des Freikorps Oberland sei, dessen 100.QQ0 Mitglieder vordem in Oberschlesien hausten, seit dem Frühjahr jedoch in Bayern, Tirol und Ungarn stünden. Diese Organisation besitzt ein „Beseitigungskommando", ans Lassen Mitte die Attentate gegen Erzberger, Scheidemann und Rathenan erfolgt sind. In Budapest drangen am selben Tag 200 Jugendliche aus Kecskemet in den Kuppelsäal des Parlaments, mißhandelten die jüdischen Journalisten und erzwangen sich eine Audienz bei dein Ministerpräsidenten, in der sie in Drohendem Ton die Freilassung des Hejjas als des edelsten magyarischen Mannes forderten. Graf Bethlen erwiderte stolz, er beuge sich keiner Drohung und ditlde keine Nebenregierung. Zwei Tage darauf war Hejjas mitsamt feinen Komplicen frei. ’ J Zwischen den beiden Ereignissen besteht also sehr viel Aehnlichkert. Ein kleiner Unterschied, der aber nur die Form, nicht das Wesen der Sache trifft, liegt darin, daß es in Bayern geheime Mordgesellschaftelt sind, die den Krieg.gegen da^ Judentum pädigen und in Einzel-, akten durchführen, während in Ungarn die Erivachenden ihre Vaterlands.retterei christlichnationaler Marke anr Hellen Tag als tznerkannter Verband besorgen. Das ist aber nux bin Bchönheitsfehler. Die dentsckM Geheimsiesellschäfien "hükoie'WhoM ' schützt. Es sind ja in, der Vottvöche siMn Regierimgspräsidenten von ihrem Amt enthoböü'Worden, weil sie die Propaganda der antiseniitischen Necken und Barden hatten ruhig geschehen lassen. Bor ein'Gericht werden sie natürlich nicht gestellt, vielmehr aus den Kassen der von ihnen so gehäßten Judenrepublik ihre Pension in männlicher Fassung einstecken. Zwischen diesen deutschen Verbänden nun und der ungarischen patriotischen Sippschaft bestehen nicht, bloß geistige, sondern sehr starke materielle Verbindungen. Deutsche Formationen sind in die ungarische nationale Armee eingeteilt und machen unter dem Titel statistischer Aemter, Turn- Und Sportvereine, Fluß- und Forstpolizei Dienst bis zu dem Augenblick, wo es irgend jemandem emfallen wird, mit Hilfe irgendeiner günstigen Konstellation in der Tschecho-Slowakei oder in Oesterreich den Trianoner Verträg en Fetzen zu reifen. Es hat ja erst vor wenigen Tagen einen solchen Versuch gegeben, bei dem .Hejjas einen Ueberfall auf Westungarn geplant hatte. Dieser Versuch, den gewisse .Kreise in Oesterreich gekannt hatten, kam infolge der Nervosität einiger.subalterner.Diebe zu früh ans Tageslicht. Bethlen mußte irgend etwas tun. Er ließ den Hejjas und-dessen Konsorten, Studenten, katholische Geistliche und Offiziere, einsperren. Den Kecskemeter Jugendlichen, dis der Massenmörder Francia-Kiß führte, gab er dann, als die Augenanswischerei gelungen schien, ihren .Hejjas wieder zurück. Ungarn setzt mit verstärkter Kraft seinen KonsoMernngsprozeß fort. Der deutsche Oberst Bischof leitet die Armee, der deutsche Major Bauer bringt die Befehle aus München, der magyarische Generalstäbler Gömbös, Letter des Presseresera'tes, verlangt die Einstellung der destruktiven Presse. Die Regierung halt Reden über den konfessionellen Frieden. Sie steht ebenso wie die bäurische unter dein Zwang der Geister, die sie gerufen hat. Mer sie akzeptiert diesen Zwang.sehr gerne. Er gibt an der Isar lind an der magyarisierten Donau die Folie fiir den Kampf gegen die Freiheitsbestrebungen und gegen die Demokratie. Die OrganisationConsul will das Judentum, die Republik, die Weimarer Verfassung totschlagen. Die Erwachenden wollen in ihrer .Heimat'unter den ndtwendigen Modifikationen das ' gleiche. Beide gemeinsam verfolgen das Ziel, im Innern alle Widerstände, die sich etwa noch regen könnten/ niederzüschlagen, und dann die Volksmasse wieder in den Krieg hinemzutreiben. Sie verschleiern das Ziel nicht, kündigen es offen an und finden dabei die freudige Mithilfe der französischen Royalisten und HmvagmHale, Das Verschleiern besorgen die Regierungen. Dazu, sind sie da. Und stöhnen ob des Mißtrauens des Auslandes und ob der Ketten der Friedens- Verträge« wurde die Frage der Wiederherstellung Europas besprochen. P e l s ch e hielt eine N?öe, worin er unter anderem sagte, man stehe augenblicklich vor dem Bankrott fast aller großen Staaten Europas. Er bezweifle, daß irgend, etwas F ran kr eich vor 'dem Bankrott retten könne. In BersMes sei der richtige Zeitpunkt für die Rettung Frankreichs gewesen. Frankreich könnenicht mehr erhalten als das, was zu seiner Wiederherstellung notwendig sei. Diese Summe müsse durch eine gemeinschaftlich Anstrengung beschafft werde». Seiner Ansicht - nach sei Deutschland imstande und bereit, eine vernünstige Summe für die Wiederherstellung zu leisten. Sir Thomas Bayclay führte aus, das beste wäre, einen Ausschuß von außerhalb der Regierung stehenden Sachverständigen und Juristen zu ernennen, der den Vertrag von Versailles prüfen und ein Memorandum abfassen sollte, worin ausgeführt werden müßte, in welchen Punkten sich der Vertrag von den Präliminarien, die seine Grundlage bilden müßten, unterscheide. Hierauf wurde eine Anzahl Entschließungen angenommen, worin erklärt wird, die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas erfordere folgende Maßnahmen: '■ 1. Hörabsetzung der Reparationszahlungen auf eine Summe, die von der deutschen Regierung vernünftiger-/ weise erwartet werden kann, f; :i : ■- 2. Zurückziehung der Äesatznygsarmee vom Rhein. 3. Wckgahe des Saargebietes; an Deutschlands j nationalen /HaMA-^Md-'M«WsMrdÄc^ - 5. /Annullierung der gegWMtDn Schulden. ' 6. Einstellung der Rüstungen durch ein allgemeines Abkommen.; ' - . Laut Stand der Oesterreichisch-ungarifchen Bank vom 23. Juli ist der : Banknotenümlauf um 74,909; Milliarden auf 691,770 Milliarden Kronen gestiegen. Davon entfallen 19,6 Milliarden aus die Steigerung des kommerziellen Portefeuilles, das nunmehr 233,3 Milliarden Kronen repräsentiert «nd 78 Milliarden ans Staatsschatzscheine, die sich auf »14,9 Milliarden belaufen. Diese 97 Milliarden sind nicht sämtlich in Umlauf gebracht worden, da auf neue Giroverbindlichkeiten 17,7 Milliarden entfallen. Der Metallschatz, berechnet nach den für Zollzahlungen in Gold festgesetzten Kursen,; repräsentiert einen Wert von 9,4 Milliarden Kronen und ist nach der alten Parität in der Berichtswoche um 226.401 aus 1,5 Millionen Goldkronen gestiegen. Paris, 27. Juli. Dev „Temps" bespricht das Anwach seit des Banknotenumlanfes in Oesterreich und erklärt, es sei zü hoffen, daß die Befreiung der hauptsachsichsten Aktiven von dem G e n e r a l p f a ndre ch t de n Wert der österwichischen Krone erhöhen oder den Kronenkurs wenigstens st abilisieren werde, bis der Samerungsplan des Kabinetts S e i p e l zur vollen Durchführung gelange. Inzwischen, scheine die U n t e rsa gnng des-freien Ha.ndels mit a nsl.an-'. d lschen Za hl ü ngsmittelnmine sehr wirksame. Maßregel gewesen zu sein. ' Et»e Gvldkrone --- 75W frsru.; . Di« G«schLttslettuns der Oefiri'keichilek-yrsgat'ifchs» Dank tsM mit, d,h die G o l d pari! 8 t (Umrechnun-sverbitttnir» belrefterrd Sie Zottzahlnnse» W! Sold) iük die Periode vom 31. Juli bis 8. Angnii 1SS2 mit 7SS9 St. feftgesehr mordr» ist. Die EemsMuns Berlin, 28. Juli .(Wolfs. Amtlich.) Die - Bevhandlnngin der Mordsache. R-athenatts wird voraussichtlich oor dem Staatsgerichtshof in Leipzig stattsindeii. ' 'JÜles Gvesöe gsstorbsu. Paris, 28. Juli. (HavgS.) Der' sozialistisch!: Deputierte und chemalige Mmrster Jules /G.n e-S d e ist gestorben. bund. st -10. Jede Ration mutz das Recht, daß sich das russische Volk in seiner eigenen Weise selbst regiere, anerkenne«. Das russische Volk muß hie Porkricgsschulden anerkennen, st. 11. Die . Gewährung eines ausreichenden finanziellen Beistandes an das russische Volk, damit dieses instand gesetzt werde, die ihm durch den Krieg und vor allem nach demselben zugefügten Schäden wieder gut: zu machen. London, 28. Mi. (WM.) In de? gestrigen Nachmittagssitzung des Friedenskongresies wurde die FragG des Völkerbundes behandelt. i Lord Robert Ceei l trat in seiner Rede für eine Verstärkung der Autorität des Bundes ein. Solange die Reparationsfrage nicht geregelt sei, könne von einer Wiederherstellung des Friedens in Europa nicht gesprochen werden. Die Frage vergifte die ganze internationale Atmosphäre^ Solange der Völkerbund eine so wichtige Frage außerhalb seiner Erörterung lasse, sei er aber noch immer nicht im Besitze voller - Machtbefugnis. Gewiß könne der Völkerbund es nicht unternehmen, sich ryit dieser Frage zu befassen, wenn er nicht von einigen oder von allen der hauptsächlichst interessierten Machten dazu ausgesordert würde. Es sei jedoch zu überlegen, ob nicht die Zeit gekommen sei, diese Streitfrage zu lösen. Die Z u l a s s u n g D e u t sch l a u d s zum Völkerbund würde einen großen Fortschritt bedeuten, und es^sei wichtig, daß sich die britische Retzierunh ftir diese PöW - ,WMMgnd kWnss^MA; Meisen, datz^s/für^Mr Friestden' her Welt arbeüen wöM nichts Hrsseris' tunst als Mitglied des Bundes zu Werden. (Beifall.) -- Der Kongreß sprach. hierauf in einer Entschließung die Hoffnung ans, daß Deutschland ein erfolgreiches Gesnch um Zulassung zum Völkerbünde stellen werde.; st- ...Der Znianmwn-hang zwischen sozialer Fürsorge und sozialer Erziehung urag für manche nicht klar zutage toten. Daß das so ist, gehört vielleicht zu -den jchlmmlsten Schäden, die, u-nsirer Fürsorge anhasten. Die-Kriegsverlotierung hätte nicht so arg, nicht so umfassend werden können, Wenn der Hermnschuh der. sozialen Erziehung Einhalt ge^ boten -hatte.. D<tiülrch, daß das uuterblteb, daß die Fürsorge. rncht gleichzeitig Erzichrmgsrnittel wurde, ist beiden Tellen unrecht geschehen, den Gebercken und den Empfangenden. Denn aufs Gebert uub Empfangen 'befchränkt sich nach wie vor so ziemlich die ganze Fürsorge. Mo« hat ja mehrfach versucht, andere Motive geltend zu macken und hier und da sind Ansätze, zrtr Besserung vorhanden. Aber int großen mid ganzen blieb es doch bei diesert leichten Verbuchen nnd cutch das jüdische W 0 h l s a h r t s w e r k hat durch das grundlegende Berhältnis von schenken u-nd ^beschenkt tvevden seine.Prägung erhallein Ter Vorgang spielt sich in prinlitivster Fornt ad. Unten stehen die, denen es schlecht geht und »denen goholsen werden muß, oben sichen die anderen, denen es Wohl ergeht und die Hilfe in Forrn von Geld und Gabelt erteilen. Bon einer Wechsel- Wirkung zloischen beiden Gruppen, voll einer Verbindung, -die über die traditionelle Lesebuchdankbarkeit oder edle Hllssbereitschaft hinaus ginge, ist nicht viel'zu verspürelt. - Vor allem aber, fehlt, in unserer Fürsorge der Selbsth ilfegedanke. Wohl gibt es ein paar Ju^ siLiutionell auch hei uns, die auf diesen: Gedanken ausgebäüt sirrd. Aber hie werdell ganz einfach nicht lnehr als Fürsorge betmchter trud finden im großen und gauzell herzlich tveiug Anerkennung und Zuspruch. Denn, sagen wir es doch ehrlich rmd gerade heraus: man hat sich in Wien teils durch das wirkliche und echte Elerch, teils durch bim allgemeinen sittlichen Niedergang, die Kviegsvcrwildernng der Ertvachserten, mir allzu sehr mtss Alnioseunohnrelt eingestellt, hat cs m Kreisen getan, in denen es bei eiinger Willensänspaiinlrng rmd Selbsiziläst zu verlneiden gewesen wäre.' .Es ist, selbstverständlich in der besten dbbsicht, eben z»l wicht gemacht worden, Geschenke altzrmehnrelt,. und da es Wiener Art niemals gewesen, sich das Leben schwerer m machen, als-Mnhedingt not- 7. Ausgestaltung des Völkerbundes. Vanknot«n»mla»s 69177 Milliarden. Soziale Fürsorge und