Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1254 (28.7.1922)
- Date
- 1922-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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liuelnnmmeriioo Witt»: Zum Abholen in <ler Expedition, n.,Taberstr. 1-3, oder in eiherVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 5000 Mit Postversand für Wie» n. Oesterreich monatl. K 5000 Ts ehe ch o-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark800. Deutschland: Mon. Mark 60. Fr ankreich: Monatlich Frcs, 6 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen - Vorbehalten Wiener Tschecho-Slowakci i schech. K 1,20 Italien: Monatl. h. lir« Rumänien: Moh. 40. Le; Schweiz und das übrifq Ausland monatlich Frcs, 3, Redaktion ü. Administration •Wien, II., Taborstrasse i—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19,' ab 6 Uhr abends 16-301. TeL- Adr.:,Morgenzeitung', " Wien Oesterreicbisches Postspar* kassetf-Konto Nr. 150.693 Rr. 1254 Wir«, Freitag, 28. Juli 1922 4. Jahrgang SUe wieder Krieg! —7. W x t u, 18. JE. „New Jork World" beschwört in einem Aufruf an bas amerikanische Volk den Präsidenten Harding, alle politisch-einseitigen Erwägungen beiseite zu stellen rnd den Wiederaufbau Europas in die Hand zu nehmen. Die Amerikaner, deren Eintritt in den Krieg die Entscheidung brachte, müßten auch jetzt in die europäischen Dinge eingreifeu. Dieser Appell erinnert daran, daß schon einmal von Washington aus,der Versuch unternommen wurde, durch das Mittel internationaler Zusammenarbeit wenigstens dem Wettrüsten mit seinen provokatorischen Allüren ein Ende zu machen und sie durch die erste Etappe auf dem Wegezum Dauersrieden abzustecken. Die Washingtoner Abrüstungskonferenz erzielte immerhin bedeutsame -Resultate. Sie schuf das Biermächte-Abkommen mit seiner zehnjährigen Friedensgarantie und löste den chinesisch-japanischen Streit um die Kohlengebiete in Schantung. Die Hoffnungen aber, die Harding und sein Außenminister Hughes in diese Konferenz gesetzt hatten, wurden freilich ebenso, wenig erfüllt, wie spater in Genua und jetzt im Haag. Die Menschheit in Europa wie in Amerika will den Frieden. Aber ihre Sehnsucht ist nicht stark genug, den Willen zu beflügeln und die mißtrauische Politik der kleinlichen Angst zu überwinden. Man kann die Verbrechen und die geistige Vergiftung eines vierjährigen Krieges nicht durch Wünsche, auch nicht durch Protokolle ausheben. Trotzdem wäre es verfehlt, sich der Hoffnungslosigkeit zu verschreiben. Daß die Parole „Me wieder Krieg!",' die aus England kommt, noch immer nicht die Aktualität verloren hat, ist traurig. Aber daß sie erhoben und in Tausenden von Versammlungen ausgesprochen wird, läßt die Hoffnung -^rnen,.-dcch -irrdie 'Mhirne - wenigstens eines Teiles ' dtzr 'europäischen Menschheit einprägen und dazu beitragen wird, den. üppigen Politikern die Flügel zu stutzen-Die letzte Entscheidung liegt bei den Arbeitern und bei den Müttern, und hier müssen die Hebel angesetzt Vierden, um den Bau von Blut und Tränen zu erschüttern und niederzureißen. Es wächst der Abscheu vor dem Krieg und seinen Propheten. Aber nicht so rasch als es nötig wäre, die Sorge von den Völkern zu nehmen, daß doch wieder einmal irgendein Minister oder Präsident oder König, zwischen siebenfachen Soldatenkordons verkrochen, ein Mobilisiernngsdekret unterschreibt, daß unter Kanonendonner, Glockenläuten und Feuilletomstengeplärr das Vaterland für gefährdet ausgerufen wird. Allzu sehr ist man seit dem Weltkrieg betrogen worden. Der Frieden, der ihn enden sollte, ist ein unbewaffneter, aber nicht minder schreckensvoller Feldzug; an dem Beispil der Staatsnränner hat sich die internationale Lümpokratie entzündet und schreit: hier nach Rache, dort nach gründlicherem Sieg., Bewaffnetes Lumpenproletariat, untermischt mit verrückt gewordenen Intellektuellen, stellenlose Offiziere, Berufsmörder, Pulverfabrikanten und Börsenschieber haben sich zusammengefuyden, rühren die Trommeln, schwenken die Fahnen und morden. Zunächst die Ehre ihres Volkes, dann den sogenannten inneren Feind. Sie' sind alle vom gleichen Schlag, die Petljura, Mussolini, Ehrhardt, Hejjas, alle die Kerle, deren Namen seit Jahr und Tag zum Schrecken friedlicher Arbeiter, Mädchen und kleiner Kinder geworden sind, deren Namen aber auch von einer bestochenen frechen Presse mit Lorbeer umrankt werden. Ein ehrlicher Räuber der Abruzzen, der seine eigene Haut und seine Freiheit riskiert, muß sich solcher Berufsgenossen schämen. Sie sind im modernen Massenkricg sehr klug geworden und haben es wohl beherzigt, daß inan einen Feind nur dann besiegen kann, wenn man ihn durch imiM von neuem wiederholte Lügen bei seinen Mitmenschen ehrlos macht und ihn dann überfällt, wenn er waffenlos ist. Und es ist selbstverständlich, daß alle diese Bandenführer unter-. einander in Verbindung stehen und daß man sie in vollster Glorie auf hem großen. Schlachtfeld findet, aufdem das jüdische Volk, das Volk des Friedens, des Denkens und der Arbeit abgewürgt werden soll. Es gibt ein Mittel, um der Menschheit die Ruhe zu geben, die sie. zum Aufbau eines neuen Lebens braucht. Dieses Mittel hat.der Amerikaner Wilson, hie tragischest^ Gestalt unserer Zeit, in seinem Völkerbund geschgffefsi und es ist zu begrüßen, daß alle internätwnaten DiA kussionen der Veranttvortlichen - immer wieder auf. dieses durch die Schüld der Unverantwortlichen und durch die Demagogie der.Etappenschreier unentwickelte Körperschaft zurückgreift. Der Völkerbund, dessen Idee so alt ist wie die Menschheit, ist die Stätte, an . der die Kleinen und Schwachen zu Wort kommen'müßten. Heute ist das UrncMer und Mörder. Erwachende, Organisatta« C u«d Faszisten. Die Verschwörung gegen Räthena«. Bctlin, 27. Juli. Di- „B. Z. am Mittag" ikilt mit, daß in den letzten Tagen noch mehrere Personen unter der Anschuldigung verhaftet worden sind, den beiden Mördern des Ministers Rathenan auf ihrer Flucht Hilfe und Beistand geleistet zu haben. Unter den Festgenommenen befindet sich ein Kapitän Wolf gang S i eg f r i e d aus Halle, der verdächtig ist, den Mördern kurz vor ihrem Aufenthalt auf Burg S a a-l eck behilflich gewesen zu sein. Die Hauptverhändlung gegen alle an dem Mord beteiligten Personen wird vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig flattsinden. Der Termin für den Prozeß ist noch nicht festgesetzt. Hejjs» and 'K'Mpttzrn frei! . B n d a p e st, 27. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Staatsanwalt Dr. M i s k o l e z y verkündete heute den Beschluß der Staatsanwaltschaft, mit welchem die Angeklagten Iwan Hejjas, Pater Bonis Arkan gyal, Bela Petri c s e v i ch-H o r v a t h, Dr. Franz Lev a Y, Franz P l es kac s, Ladislaus L e leg und Geza Erös . aus. frreien Fuß gesetzt werden. Fünf Angeklagte, darunter Stephan Brandt, wurden weiter in Untersnchnngshäst belassey. - , Die Gründe, von denen sich die Staalsanwaltfchast hei ihren Beschluß hat leiten lassen, lagen darin, daß der N a ch w ei s der S t rasbarkeit d e r Fr ei g el a s s e n e fl längere Zeit Leansprgchen würde, was mit ........ Väyern nnV die detttscheRepublik. ■ Ein Schreiben des Reichspräsidenten. Berlin, 27. Juli. (Wolfs.) Auf Grund der gestrigen Beratungen der Reichsregierung und einer heute vormittags stattgefundenen Besprechung zwischen dem Reichskanzler, der Reichsregierung und dem Präsidenten des Reichstages hat sich der Reichspräsident entschlossen, an den bayrischen Ministerpräsidenten Grafen L e r ch e n f e l d ein Schreiben zu richten, worin auf den Ernst der eingetretenen Lage hingewiesen wird. Nachmittags fand eine Kabinettssitzung statt, in der der Wortlaut des Briefes mitgeteilt wurde. Das Schreiben wird dem bayrischen Ministerpräsidenten morgen, früh übergeben werden. Die Frage der Einberufung des Reichstages kann erst zur Erörterung gelangen, wenn die BermittlNngsaktion, die der Reichspräsident zwischen der Reichsregierung und der! Staatsregierung von Bayern zu unternehmen beabsichtigt, durchgeführt sein wird. So- , dann wird der Arltestenrat. des Reichstages über die Einberufung des Reichstages beraten. Die deutsche Handelsbilanz. Berlin, 27. Juli (Wolff.) Nach den Festftell-UWvtt des statistischen Roichsamtes über die Ergebnisse des deutschen Außenhandels im- Juni hat im SpeMlhcmcdek betragen: Die Ei-rrfuchr 4g,8 Millione-u Tonnen, derzeit im Werte von 34 - Milliarden Mark; die Ausfuhr 18,8 MilLione-u Tonnen, derzeit im Werde von 30,3 Milliarden Mark. Gegenüber dom Vormonat hat die Einfuhr um 2,2 Millionen Tonnen m Werte von 2 Milliarden Mark zugenommen. Die Ausfuhr weist bei einer Wertsteigerung von 3,1 Milliarden Mark einen mongemnäßigon Rückgang von 2,1 Millionen Tonnen auf. Besonders bemerkenswert ist bei der Einfuhr die starke Steigerung für Steinkohle. - Biandertlp i« München. ' Münchtn, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Der gegenwärtig hier weilende amerikanische Fmauzmann Vanderlip ivurde heute vom Ministerpräsidenten- Grafen Lerchenf e l d empfangen undkonftvierte später mit führenden-Persönlichkeiten Ides politischen, wirtschaftlichen und industriellen' Lebens.; ' Einem Redakteur der „Münchner -Neuesten Nachrichten" erklärte er, daß nicht der Krieg vieSHM an der wirt- ^MMchMtchHnLHWleu Mtastpophe Ämtschlands trage, dem' Strafverfahren un v e re in b a r ist. Dle Angelegen» heit der kn Untersuchungshaft Verbliebenen wurde Muss wie diejenige der auf freien Fuß Gefetzten dem ordentlichen Gerichte tzberwiesen. Budapest, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Infolge der gestrigen Vorfälle im Parlament anläßlich der Vorsprache der Abordnung von Kreskemet beschloß der Präsident der Nationalversammlung, in Zukunft nur Deputationen von höchstens zehn Mitgliedern Einlaß zu gewähren, und auch diese müssen Spazierstöcke, RrgettschirMe und ähnliche Gegenstände in der Garderobe abgeben. StratzeRkümpfe Zwischen FarZLsten und Arbeitevrr. > Ravenna, 27. Juli. Nach dem Mschlutz des Aus» standes der Landarbeiter durch ein Uebereinkvmmen forderten sozialdemokratische, republikanische und k o m m u n i st i s ch e Landarbeiter den Abzug der Faszisten aus det Stadt. In den Borstädten wurde» B o m b e n geworfen, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Zwischen eindringenden Landarbeitern und Faszisten kam es zu Znammenstötzen, in deren Verlauf ei» Faszist rotgeprüg elt wmde. Hierauf entwickelte sich ein Feuergefecht, dem sieben Tote, davon ein Faszist, und mehr als dreißig Verwundete« darunter mehrere Karahmieri, zum Opfer sieten. Die Faszisten der Umgebung Ravennas ziehen in Scharen zur Stadt. Der Bund * der Arbeiter bereitet eitlen Allgemeinen Ausftänd horl 'fdridern das V e r s a l llerDittat. Wenn Frankreich starr am se-intzw Fordoelmgeu 'halte, .müsse 'dies zu schweren sozialen und wirtschaftlichen Kämpfen führen, die auch für die Nachbarländer eine schwere Gefahr bedeuten. Die un- - lösbare Schwierigkeit liege in der Frage der an Frankreich zu zahlender: Reparat-iouerr, und auch eme anrerikani-. sche Anleihe hätte nur die Wirkung eines kleinen Mit-. telchens. Das deutsche Gol-KvLaAfgekd. Berlin, 27. Juli. (Wolff.) Für die Zelt vom 2. August bis einschließlich 8. August laufenden Jahves beträgt das Goldzollaufgeld 11.400 Prozent. Der ita Nenische Kredit für Oesterreich. Rom, 27. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht das sanktionierte Gesetz betreffend den Oesterreich gewährten Kredit. Eine Majorität für Pilsudski. Warschau, 27. 3uti. (Tel. der »Wiener Morgenzeilung".). 9m Plenum des Sejms mürbe soeben durch namentliche Abstimmung das Mißlrauensvomm der Re6)Ien gegen Pi 1s u ds k i mit 205 gegen 187 Stimmen - a b g e l ech n t. Nach Bekanntgabe des Abstimmunnsresultates verließ die Neckte demon«- straliv den Schungsstal, mährend die MÜckgebliebene Link» und die Sozialdemokraten patriotische Lieder anstimmten. Amnestie für Oberschlesien. Warschau, 27..Juli.. (Polirrschc Telegraphenagentur.) Das polnisch-deutsche Abtominen über die Amnestie für das oberschlesische Plebiszitgebiet wurde heute vom Sejm angenommen. . ' Leni« i« der Krim. Derlin» 27.-9uli. tTel. der «Wiener Morgenzeilung.") Wie United Telegraph aus Moskau erfährt, ist L e n i n von sein?,r Aerzten ein Erholungsurlaub in der Krim verordnet worden. Lenin soll schon in den nächsten Tagen Mestum verlassen' und wirb in einem der fri'cheren g r o ß f ü r s> 1 i ch e n Schlösser bei Jalta Aufenthalt nehmen. Zu srinem Spezia'.schutz ist bereits ein Daia'llon der Moskauer Noten Garde nach d:r Krim abtransportiert worden. Kchen niÄsietb-FrckKt Üvch Winötzlich,Mil er zu emejn iWstrünient.- hdp Politik, zu einem Werkzeug der Gewalt Kr Zahl uÄ der Zahl der Gewalt herabgckvüMtzt worden ist. Er hat für feine Beschlüsse keine Exekutive und kann nur moralisch wirken. Aber er hat die Kraft des Gewissens und des Rechtes für sich und vielleicht Wird der von ihm - eingesetzte permanente Gerichtshof eines Tages., die internationale Kameraderie vor sich sehen. Für Me Fälle aber ist es gut, .daß der Völkerbund von-der felsenfesten Entschlossenheit aller Mütter und Frauen, aller ehrlichen und reinlichen Menschen unterstützt wird, nie mehr einen Krieg, und möge er als noch so heilig von Pfaffen und Dichtern gesegnet werden, zu dulden. ’ "'