Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1251 (25.7.1922)
- Date
- 1922-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Beschlntz des Völkxrbundrates. 7- Einberufung der zLonipischen Iahreskonferenz. . L 0 n d 0 n, 23. Juli. (Tel. der „Wie«er Morgenzeitnng") Der Rat des Völkerbundes hat gestern in geschloffener Atzung das e « g l i f ch e M a n d a t ü b e r P a l L ft i n a gemäß dem Antrag der vrMHerr.'M^giernug ratifizlert. Der Beschluß wird morgen, Montag den 24. d., in öffentlicher Gitznng proklamiert werden.. London, 24. Znli (Tel. dev „Wiener Morgenzeftung".) Die zionistische Ex c k u t i v e teilt mit; Der Text des Palästina-Mandates ist mit einer 1e i l w e i f c n Abänd e r nn g öes Artikels 14 (Schutz der heiligen Stätten) bestätigt worden. Die zionistische HahreSkonferenz ist Luf den SS. August nach Karlsbad einberufen. —X- D l e n. 25. Juli.? Die Bestätigung des britischen Mandates über Palästina, die der Rat des Völkerbundes am 22. Juli beschlossen und, gestern öffentlich ausgesprochen, hat, ist eine Tatsache von weltgeschichtlicher Bedeutung. Der Völkerbund erklärt das jüdische Volk als' .nationale HinMt, deren Anrecht, auf die Wiedererrichtung ihres Heimes in ihrem Vaterland er anerkennt und dem Völkerrecht einverlÄbt. Er erklärt das jüdische Pölk zum Träger seines eignen Schicksals und exkennt der zionistischen Organi-' sätiÄ die Besügnisie, einer ÖffentlichenKörperschaft zu,. mW er ihr die Aufgabe zuweist, ,^der Verwaltung Palästinas in solchen, wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten, die die Errichtung der jüdischen nätiv- MMn Heimstätte und die Interessender,. jüdischen Bevölkerung inlPÄästinaVeeinflNsten wynnen, Rat Nnd MtWest M WvAhren und/ Wer - u.r -^I7„ * und Mzunehmen." Diese ■ ÜMschreMng' ’ ihrer Köm- 1 petenz ist die magna charta des durchM zipnisüsche Organisation repräsentierten jüdischenHolkes. Es wird aus einem willenlosen Gegenstand zum 'Rechtssubjekt, das frei und selbstbewußt wieder in die Geschichte eintritt. ' / . •: ' " Richsts in der Politik ist zufällig. Nichts fällt einem Volk als unerhosstes Glück in den Schoß. Auch der Beschluß des Völkerbundes ist ein Glied-in der Kette der Entwicklung. Bon dem ersten zionistischen Kongreß angefangen bis zu diesem 22. Juli ist dieArbeit der zionistischen Organisation stets darauf gerichtet gewesen, die Völker davon zu überzeugen, daß auch dem Wischen Volk Freiheit uW Land gebührt und daß die Lösung seiner Frage von höchster Bedeutung für me internationale Politik sei, die durch AnnahM 8er zionistischen Forderungen sich.seW von einer schweren PelasUrng befreit. Genau ein Bierteljahrhurwert ist verstrichen, seit Theodor Herzl in Basel das erste Wort, an die europäische Menschhertrichtete und den unverjährbaren Anspruch der jüdischen Nation auf ihr Paterland ass ersten und letzten Ausdruck jüdischen politischenWollens proklamierte. Wiederholt mußten sich die Regierungen. aller Staaten mit dieser Programmatisch felsenfest formulierten DoktriH DschWgen. Sie konnstn mcht zu einer Tat gelangen, da -me Autokratie der Türkei sehr zum! Schaden ihres Staates von einer politisch-autonomen Giedelung des Jttdentums nichts wissen wollte. Welch anderen Verlauf hätte wohl die Geschichte des türkischen Staates, die Enüvicklung seiner Wirtschaft, genommen, wenn das in den europäischen Arbeitsmethoden geschulte jüdische Volk seine organisatorische Fähigkeit, vor allem.aber die Liebe, zur Mutterscholle, in den Dienst des Staats- Wesens Hätte stMn können! Was 'der Absolutismus nichtzugestand, das. hat nun die Demokratie demDdi- - schen Volk gebracht. . Die gewaltsame Eruption des Weltkrieges, die hie erstarrten Formen-Europas sprengte, hat .den alten jüdischen Gedanken : W Hundes der Völker zum Durchbruch verholsen und dieser Bund gibt der jüdischen Msttiön-die Anerkennung, die ihr. . kraft ihrer - Existenz gebührt. Es ist unser Recht und es ist nün ver- Der Völkerbund entspricht noch nicht dem Adeas,. das den Seelen der besten Wänster,'. -^ ' ..Stäatsphilysophen' tzyrschwebt.' .'ein Beginn, ein erster Schritt aus der Straße, vie zur Hersöhnung her Nationep und. Klassen, zur AblehnüMjeglichen Gewalt- Prinzips und zur Ordnung.tstr Welt nach den. ewjgen Grundsätzen des Rechtes und M häxmonischen Zu- . samenlebens führt. Noch kämpft die Idee des Bölkerbundes mit oeb kleinlichen, haßerfüllten Tagespolitik. Er verkörpert aber die praktischrHuwanM stnst es entsprichst.dev ' Vernirnst^ wenn er dse LüsstnA -der jüdischen FrMe dem Judentum selbst überWt ststtz es auf seinM ersten Gehversuch unter delr starken und wohlwollenden Schutz Englands stellt,, das uns Treu versprochen und Treue gehalten hat. Wir werden unsere Arbeit und unseren Stolz gerne daransetzen, uns des Vertrauens wert zu zeigen, das uns. die. europäische Demokratie, mit auf den Weg gibt. Es ist viel und oft.von'einer Mission des Juden-, tüms .dre Rede. Eine solche Mission gibt es nicht. Das jüdische Volk hat keine andere Aufgabe, als sie jedes Volk besitzt: sich einznfügen in die Reihe der Völker und Mit. ihnen gemeinsam, aber jedes entsprechend seiner Anlage, an dem Bau der Zivilisation zu arbeiten. Dieser Aufgabe hahen wir Genüge Man,' soweit wir dies ohne politisches Eigenrecht und 'Dne Territorium tun konnten. Indem sich das jüdische Volk in der übergroßen Mehrheit seiMr politisch. instressiÄten Ängehörigen zum. Homsmüs, zur BejahrE Mnes natisnalen Daseins - orstst Hr MetzWe OrönstM^WUMstertfrägen' ein- - - träten.. Die zionMfchen VeHet§r.Dnn'M . «haben nicht, nur für die Rechst und den Schutz der jüdischert Minorität gekämpft, K Haben Hr die Sjcheruüg aller Bolksminderheitsn gewirkt und - das Wenige, das sie erreicht haben, war iw jener Zeit das Maximum dessen, was erzielt werden konte. Wir . bleiben aus dieser Linie und werden stets für die Befreiung der Völker vom chauvinistischen Schlagwort kämpfen. Jetzt aber wollen und müssen wir unser eigenes Haus hestellen. In einer hoffentlich-nicht allzu fernen Zukunft werden wir dem Völkerbund .unseren Dank durch die ' Tat beweisen. Es wird unsere Zukunft sein, zu der der Völkerbund uns das Tor öffnet. Das Palästina-Mandat bestätigt.' Ist W i e n, 25. Juli. Die Nachricht, daß. der Hölkerbtyrdrat dem britischen Palästina-Mandat die. Ratifizierung - erteilt hast wird .in der^ weiten zionistischen Welt und darüber hinaus in allen jenen jüdischen Kreisen, in denen noch jüdischer Zukünftsgs<mbe lssbt, ein freudiges Echo wecken. Mt der Rqtjfiziermng des Mandats, geht eure überlange Epoche quälender UÜgewißheit, ern schädliches Provisorium zu Ende,.welches die volle Erchfaltuug jüdischer AMpiÄt im jüdischen Heimlayd gehindert, hat, und dessen Fortdauer auf.die besonders reizbare jüdische. . Massenpshche von steu schlimmsten Folgest gewesen wäre.. Der politische Zionismus bekommt festen Poden unter die Füße ww: steht auf einmal vor geklÄen lögrizonten. , ' . . , i : .; Es wären hauptsächlich Fragen weltpoliüscher Natur, welche die Ratifizierung dis Mandats , bisher . verzögert haben, und auch der Kam^f um diese Anerkennung einer von den Machten eingegangenen Verpflichtung durch das von ihneü selbst geschaffene VölkerMbunal beweist insojerns dst' NöDndigkeit des zwnifüschen Programms, äss Dieser Kaürps um außerjüdische Fragenstnit auf dem Rückest dös JutzestiüMs ansgesöchwn wurde, ohne daß es ein jüdisches Rechtssubjekt giht, welches - M . politischen Machii- Uüfteln in WDchküssion ein^reifen konnte. Als in der Periode Her FriedeManstremzeu sich' auch dev Völkerbund ,konst.itmexte und ^Urch .-en - Vevtrüfl von San Remo die Märwatskläusel zum Mtegrierenden Bestandteil^ des Per-, trqges von Mevres erhoben wurde, ba^ war die Hösfüüng aWmaiu, daß?, uns von der Mandatsvatiftzierung nur Me: kurze Zeitspänne trenne. Aber Amerika, welches dem Völkerbund ' stiwe MeÜ, .jedoch. als Kriegsteilnehmer nicht zuläfsen wollte, daß ohne seim Votum und? gegen seine Interessenüber hie MaudatSländer verfügt werde, machte', als Salb 'Schwierigkeiten^ uM erst vor. kürznn ist es! gelungen, diesen.Gegensatz über ein' cnglisch/amfrikanisches Sönderabkommen zu Überdrücken, worauf die berden gesetzgeben« den Körperschaften der Verinrgten Staaten mit voller Einmütigkeit eine Resolution zugunsten der Balfour-Erklärung beschlossen,- - eine wichtige politische Kundgebung» deren Zustandekommen den Bemühungen Nahmn Sololows und dem Gewicht der amerikanischen . zionistischen Organisation zu danken ist, Aber nicht allein Amerika war die Ursache der Hinausschiebung des endgültigen Be» - schlusses. Frankreich machte formelle Einwände, die aU8 seinem Streben herrühren, sich den ungeschmälerten Ein- ( sluß im Orient zu erhalten und von Amerika aus gleichem ' Fuß Ivie England, behandelt zu werden; Italien holte Plötzlich, uralte Privilegien auf den Schutz einer den Christen geheiligten Oertlichkeit aus-den Archiven hervor und forderte die Zusage der freien Betätigung des italienischen Unternehmungsgeistes-in Palästina, wobei in erster Reihe der Wunsch bestimmend sein mochte, auf solche Weise die schwachen Erfolge der italienischen Orientpolitik, zu verbessern und gewissen territorialen Forderungen in der Levante ^Nachdruck zu verleihen, in zweiter Reihe die Notwendigkeit für die Regierrrng, die starke parlamentarische Gruppe der Katholischen Volkspartei nicht zu. verärgern, welche naturgemäß die vom Vatikan vorgezeichnete Politik einschlug. Die päpstliche Kurie.hat in der letzten Zeit, als es mit dem Mandat Ernst zu werden begann, alle Minen springen lassen, von der Propaganda in'der gesamten katholischen Welt bis zur Beeinflussung der katholischen Mächte nnd einem Menrorandum an den Völkerbund, und , schließli chwar seit Jahr und Tag eine arabische- Propaganda im Gange, die sich selbst zur Wortsi'chrerin des gesamten-palästinensischen Arybeystlms ernannte und kein Mttel der Verdrehung und der tendenziösen Berichterstattung verschmähte, bis. es ihr gelang, die Gegner der gegenwaistigen Pölitik ' im britischen Unter- , und Oberhaus -zu' einer autizionistischen Front znsammenzuschweißen, wie vie-betreffende Wstk^un^-üm-englischest Oberhaus? he-. ' wiesen hat. Um nicht ünhollständig zu sein, darf Man auch nicht verschweigen, däß^MS^ks auf jüdischer Seite nicht unterlassen hat, die jüdische Front zu schwächen und-die kurzsichtige Prestigepolitik der jüdischen Orthodoxie agüdistischer Prägung hat, statt der Außenwelt gegenüber für die jüdische Einheit zu demonstrieren, die Gegensätze in den Vordergrund geschoben und den Gegnern des Zionismus, arabischen Nationalisten und römischen Klerikalen, die willkommensten Argumente geliefert. Ueber alle diese Widerstände hat nunmehr der engli-- sche Standpunkt den Sieg davongeiragen. Mit dankbarer Anerkennung muß man bei diesem Anlaß der nimmermüden Arbeit der zionistischen Führer gedenken, welche Hindernis auf Hindernis beseitigen halfen und st^ts neuen Entstellungen immer wieder aufklärend und berichtigend begegiren mußten. Ihrer Arbeit konnte der Erfolg nicht versagt bleiben, da sie Lord Balfour zur Seite hatten, diesen großen und mächtigen Schützer der indischen Aechte, der mit edler Zähigkeit und Energie für die große Sache bis zu ihrem Siege focht, mit deren Namen, der {einige für immer verknüpft bleibt. Wer auch das gesamte englische Kabmett hat in dieser an Peripetien so reichen Epoche eine Festigkeit bewiesen, welche für den fituftiejett Gang der Entwicklung in Palästina^ aD ein bedcusamer Faktor e? rzuschätzen ist. Englands Regierung hat. sich zu einer hier bereits ausführlich erörterten Interpretation der Balfour-Erklärung vemnlaßt gesehen, welche die gegnerische Propaganda zum Stillstand bringen, und andrerseits den Realitäten Rechnung tragen sollte. England gibt den Ärabern alle Möglichkeiten für ihre eigene Entwicklung und stellt die Einführung der Selbstverlvaltüng in. Palästina in Aussicht, aber es betont'gleichzeitig die historische Verbundenheit des Mischen Volkes mit Palästina und dessen! volles Recht auf eine Heimstätte in seinem Mutterland.? Für das jüdische Volk beginnt nunmehr eine neue Epoche.: die Epoche des. friedlichen Baues, der Entfaltung .seiner vollen Produktivität. Es ist an der Zeit, alle Euer-' gien zu sammeln, allen Opfermut zu vervielfachen und in der Jewish Agency/ deren Ausgabe die e Organisation übernimmt, ein Instrument zu schaffen, welches seine gewaltigen Ausgaben voll erfüllen kann. Es ist ein Mtorsicher Augenblick von sa).<. ,u.^Di(r: Bedeutung, für unser Volk, dem der Völkerbund, diese von so mancher Seite benürgelte Institution, mit der Ratifizierung des Palästina-Mandats den Eintritt in die Gemeinschaft der anerkannten Völker? eröffnet. Cs kommt nunmehr alles ' daraus an, daß sich jedermann-der Situation bewußt werde, itt welche das Schicksal unsere Generation gestellt hat; der Ausgabe, bas Fundament zu legen , für den künftigen ragenden Bau unseres nationalen Heims. Nicht bloß Estgländ, kwch viel Mht düs jüdische Volk erwartet,.' daß w-erttkamt ' seine volle Wicht tue! ' * / " ' - ' -