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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-23 · Heft 1249 (23.7.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1249 (23.7.1922)
Date
1922-07-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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"- , . VÜP- Nr. 1249 Mer», Sonntag jattb der erdrückenden Uebermacht gegenüber nicht den Nut — zu einen: mahnenden Wort — er verschanzte sich hinter einer Zeitung. Wir aber gingen in den Regen und Sturm hinaus, es tuar immer noch angenehmer als der Aufenthalt unter Landsleuten. Wieherndes Gelächser begleitete unseren Abjug. Dieses Gelächter ertönte allüberall, wo wir im Ennstal eine Wirtsstube verließen oder betraten, es macht den gehöhnten rasend vor Wut und ist doch nicht zu bannen. Denn warm und wo immer man Aufklärung fordert, sagt der Gefragte mehr oder minder harmlos und mehr oder' minder. frech: „man wird doch lachen dürfen". Daß wir nicht die einziger» waren, die solcher Behandlung teilhaftig wurden, bewiesen uns die Klagen dreier junger Leute, die mit Rucksack und Bergstock zu fröhlicher Bergwanderung ilusgezogen waren. Sie erzählten noch obendrein von hämischer Falschweisung, wenn sie nach einem Weg gefragt, von Hohn und Spott,-der ihnen allerorten begegnet. .Mit dem Revolver in der Hand müßte man hier wandern," sagt der junge Bahnbeamte leidenschaftlich. „Ich bin in Serbien und Albanien gewesen — aber so arg war es mch dort nicht. Wir Juden sind hier unter Feinden. Sie richten nur deshalb kein Trommelfeuer gegen uns, weil sie zu feige dazu sind." Erst schienen mir diese Worte Uebertreibung, nach wenigen Tagen wußte ich, daß wir in Obersteiermark im Feindesland sind. In einem Ort gab es kein Quartier für uns. Wir wunderten in strömender Regen von Haus zu haus, gefolgt von grinsenden Bauernburschen, und mußten schließlich den weiten Weg zur Bahn zurück und in grimmiger Kälte auf den Nachtzug warten. Eine Bäuerin erzählte, uns treuherzig, sie könne den Tag nicht erwarten, wo alle Juden gehängt würden, ein biederer Landmann tat uns kund, daß die Juden an allen Valuta-Unheil schuld seien und es daher nur recht und billig sei, wenn man zweierlei Preise eingesührt habe, für Christen und für Juden. Daß man dazwischen immer wieder Juden trifft, die sich an die Bauern anzubiedern trachten, die ihren Reichtum widerlich zur Schau stellen, macht die Situation nur unerträglicher. Nun wird man vielleicht sagen, daß diese Erfahrungen nicht verallgemeinert werden dürften und aus ihnen einfach nur der Schluß gezogen werden dürfe: Juden, meidet das obere EnnStal! Das aber heißt geflissentlich die Augen vor der Tatsache verschließen, daß die Stimmung und Ge-, sinnung, die in diesem Teil Österreichs zum Ausdruck kommt, im Grunde genommen allüberall herrscht. Sie wird vielleicht anderwärts besser verborgen, weil der Vorteil das erfordert, und es gibt auch sicherlich Kreise, in denen sie nicht gilt. Die große Masse des Volkes aber, die überwiegende Mehrheit, empfindet groben, primitiven,, brutalen Antisemitismus. Wir find, unter.Feinden, wie wir uns von der Stadt aufs Land hinaus begeben, unter Feinden, die uns jeden Atvmzug der reinen Berglust, jeden Schluck ftischen Wassers, die uns jeden Tag frohen Daseins Mißgönnen. Die artgetreuen bekommen es zu fühlen und jene, denen man „ das Judentum gar nicht anmerkt," die „Getauften und die Ungetansten". Nein, eine Heimat haben wir Juden in Oesterreich nicht und werden fie auf Generationen hinaus nicht haben. Die Hauptversammlung des Deutsch« österreichische« Alpenvereines. Der Arierparagraph gefallen. . München, 22. Juli. lTel. der „Wr. Morgenzeitung".) Fm Laufe der Beratungen der Hauptversammlung des Deutschösterveichrschon Alpenverems, die in Darveuth stattfand, erklärten die österreichischen Sektionen, daß sie ihre den Arievpavagwphön bezweckenden Anträge zugunsten des Antrages der Sektionen Hochland und Oberland zurückziehen, die den Austritt der Sektion Donauland bezwecken. Der Vorsitzende Sydow berichtete Wer den Standpunkt des Hautpausschusses, der den Antrag Hochland-Oberland uiit 11 gegen 14 Ärnvmen abgelehnt hatte. Don 1422 abgegebenen Stimmen lauteten 910 für und 512 gegen den Antrag, der infolgedessen nicht die fatzungsgemätze Dreiviertelmehrheit erlangte und abgelehnt erscheint. Die anfgeschobene Brotpreiserhöhuug. Billigeres Mehl für die Bäcker. Wie ww aus den Kreisen der Broterzenger erfahren, hoben sie nach einer gestern im Bundesmrnistevium für Volksernährutlg stattgefUndenen Besprechung tatsächlich zugesagt, von einer Brotprsiserhöhnng für die nächsten Tage albzusehen, in der Erwartung, daß eine voraussichtliche Aendevung der valutarischen Verhältnisse auch eine Herabsetzung der Mehl- und Kohlenpreise mit sich bringt. Die Regierung hat iiberdies dm Bwtexzeugevn zugesagt, einen Teil der vermehrten Gestehungskosten durch Herausgabe verbilligten Brotmehles zu übernehmen. ' Reue Erhöhung der Tabttkpreise. Die Regierung verlautbart die folgende Erklärung: Seit der Tariferhöhung vom 17. April 1922 haben sich die Verhältnisse derart entwickelt, daß bereilr Mitte Juni l. 3. eine Erhöhung der Tabakpreise um etwa 90% und bis Mitte Suli l. 3. eine solche von weit als 200% erfordert gewesen wäre» um die Bilanz des Tabakmonopols aufrecht zu erhalten. Da erfahrungsgemäß von langer Land vorbereitete, sprunghafte Preiserhöhungen starke Erschütterungen Im Verschleißgange zur Folge haben, wurde vom Äauptausschusse des Nationolrates die Ermächtigung erwirkt, die Preise drr Tabakfabrik ate derart feslzusetzen. daß ein entsprechender Reingewinn erzielt wird. Auf Grund dieser bis Ende 1922 befrislelen E» möckliauna werden iü* Meile der LabaklMik-lr et«jp v e a* Wiener Morgenzeitung. 23. Juli 1922 Seite 7 weise in Kurzen Z w i s ch e n r'3 u m e n auf jenes Ausmaß erhöht werde n. das die.Entwicklung der V r« häilnisse erforderlich macht. Als erste Eioppe ist bereits die Preiserhöhung vom 17. d. erfolgt, mit welcher die Aprtipreise im Durchschnitte eine Erhöhung Um etoa 40% erfahren haben, als -weite Etappe tritt m orgen o m 24. 3 u l t eine weitere Preiserhöhung in Kraft, auf Grund deren die fetzt gültioen Preise im Durchschnitt um weitere 3 0 — 4 0 % erhöht werden. Der Mord in Simmering Frau Mikfchofskh verhaftet. Polizeikommiss-arm-t Wieben kam gestern mittags eine im Hause Große Neugasse 8 wohnhafte Partei und zeigte an, daß bei ihr feit ein paar Tagen eine Frau als Bedienerin beschäftigt sei, auf die die Personsbeschreibung der Marie Mik-- schofskh genau passe. Die Kriminalbeamten wurden ins Haus entsendet und sahen sich einer kräftiM untersetzten Frau mit grau meliertem Haar gegenüber, die gleich zugab, Marie Mikschofskh zu sein, Um so energischer leugnet sie, die Mörderin ihres Gatten zu sein, verteidigt sich mit großer Ruhe und Schlanhsit selbst g? gen die scheinbar belastendsteu Ängumente und läßt sich nicht verblüffen. Aus die Frage, warum sie nach 'dem Verschwinden ihres Gaten keine Abgängigkeitsanzeige erstattet habe, erwidert sie, daß sie damit einen Bekannten betraut hätte. Auch für alle anderen Fragen -hat sie mehr oder minder plausible Antworten bereit. Bei einer Durchstechung der Frau fand man an verschiedenen Stellen ihrer Kleider-eingenäht einen Betrag von etwa einer Viertelmillion Kronen. Ueber die Herkunft befragt, gab Frau Mikfchofskh an, daß das Geld ihre Ersparnisse bilde. Sie habe sehr sparsam gelebt und ihr Geld immer bei sich aufbewahrt. Die Verhöre mit ihr werden fortgesetzt. Die Frau soll früher eine musterhafte Wirtschaft geführt/ habrn, vernachlässigte diese aber immer mehr, da sie von dem Manne, der ein Trinker war, sehr knapp' gehalten wurde. Deshalb arbeitete sie schließlich lieber als Bedienerin in fremLen Haushalten als in ihrem eigenen, 'der mit der Zeit ganz verwahrloste, was wieder die- Ursache der ehelichen Zerwürfnisse war, die mit der Ermordung deS Mannes einen' so grauenhaften Abschluß gefunden zu haben scheinen. ° (Sine Aktion der Le«bergerB'uei Brith- Loge für Kriegswaisen. Aus Lemberg wrvd uns geschrieben: Es ist endlich an der Zeit, daß sich die gut situierten jüdischen Kveise unseres Landes ihrer Pflichten gegenüber den unzähligen Verlasse-- nen jüdischen Waisenkindern bewußt werden und sich nicht bloß darauf beschränken, die von den amerikanischen Juden für diese Zwecke bestimmten Gelder in Empfang zu nehmen und zur Verteilung zu bringen.: Sßmt. diesem Beweggrund geleitet, hat die hiesige B. V.-Loge „Leopolis" in einer ihrer letzten Plenarsitzungen beschlossen, eine Mion unter ihrenMitgliedern zwecks finanzieller. Adoptierung von Kriegswaisen einzuleiien. Die bisherigen Resultate dürfen als sehr erfreulicher Beginn hmgestellt werden, der auch in anderen Orten und innerhalb anderer Organisationen Nachahmung finden dürfte. Bis heute haben sich 95 Logenmitglieder verpflichtet, den ihnen als besonders hilfsbedürftig bezeichn-eten Kindern monatliche. Sustentationen im Betrage von 8000 bis-10,000 Mark zu gewähren, Hinter de« Knliffen der letzte« Zaren«, Hofes. Die Briefe der letzten russischen Zarin, welche sie in den Kvregsjahren 1914 bis 1916 an ihren Gemahl richtete, ergänzt durch ihre Tagebuchnotizen aus der Zeit ihrer Hast bis zu ihrer Erschießung, erscheinen gegenwärtig im Berliner Ullstein-Berlage. Sie sind nicht nur als bedeutende geschichtliche Quelle einzuschätzen, sie gewähren auch einen sehr bezeichnenden Einblick in das-Treiben am Zarenhofe, ebenso, wie sie geeignet sind, die Gefahren des Autokraten- - tums wieder einmal aufzuzeigen. Es war noch bei Lebzeiten des Zarenpaares seit langem bekannt, daß der schwache Zar völlig unter dem Einflüße Alexandras stehe, und so manches, -was früher als Legende galt, bestätigen diese Briefe mit voller Deutlichkeit. Ihre Briese atmen eine warme Liebe zum Zaren, und -das Eheverhältnis scheint sehr glücklich gewesen zu sein, ja oft klingt in diesen Schreiben ein Ton an, der geradezu -berechtigt, sie als Liebesbriefe zu bezeichnen. Angesichts der Schiväche und Enevgöelosi-Mt des letzten Zaren, welche in diesen Briefen glerchsMs mit voller Plastik hervortritt, 'mußte also Alexandras Einfluß aus den ,Beherrscher aller Reußen" doppelt stark sein. Immer , von neuem empfiehlt fie ihm, stark zu-sein, sich auszurasfen, selbstbewußt zu sein, vovanzugehen, Demut sei wohl eine große Gottesgaibe, aber nicht für einem, Souverän, der seinen Willen.öfter zeigen müsse.' Sehr charakteristisch istihre Mahnung: .„Habe keine Angst, daß du zuviel sagstl" Die Staatsmänner, die sie mit Namen anführt und die ihn zu beherrschen suchen, seien alle nichts, . und „du bist alles, von Gott gesalbt." Dieser Hinweis auf das Gottesgnadentum soll ihm Mut und Entschlußkraft geben, die ihm in so starkem Maße schien. Ja, sie M ihm sogar die Neroney auf dem Zarenchrone als Muster vor: „Sei Peter der Große, Iwan der Schreckliche, Kaiser Paul." Auch die politischen Anschauungen der Zarin treten in diesen Briefen in durchaus helles Licht. Das russische Volk,- sagt fie, bedarf der Peitsche und des Selbstherrschersfür eim konstitutionelle Regievungssorm ist es'noch nicht reif. So erklärt sich ihre Gegnerschaft gegen die Duma, ihr Haß gegen alle Personen und Körperschaften, welche die Anteil- . nähme an der .Regierung anstreben, und..sie. sucht den Zaren in der RWung m beeinAuLen, daß ex allein alle. Verantwortung für Rußlands Schicksal'auch wahrend des Krieges auf sich nehme. So scheut sie nicht davor zurück, ihn auch in Personalfragen zu beraten, sogar militärische Ratschläge erteilt sie ihm ,und d er Sturz des übermächtigen Generaliflimus Nikolai Nikolajewitsch ist gleichfalls ihr Werk, sie ernennt die Minister undden Oberprokurator des Heiligen Synods, und zwar ist die reaktionäre Gesinnung für ihre Wahl maßgebend. Aber auch sie ist nicht selbständig, auch sie ist das Werkzeug in der Hand eines Stärkeren. Der Bauernmönch Rasputin, der später gewaltsam ermordete Abenteurer dunkler Herkunft, über dessen Taten und Einfluß bei Hofe die Skandalgeschichte so vieles zu melden wüßte, hatte Alexandra völlig in seiner Gewalt. Wer ihm ergaben ist,' 'für den tritt sie ein, seine Gegner sind ihr verhaßt, und er beeinflußt sie bei allen ihren Schritten, ob es sich nun um ein Eingreifen in Personalfragen, um militärische oder politisthe Fragen handelt. Immer wieder beruft sie sich auf ihn und seine Meinung und stets erscheint er als „unser Freund" angeführt. Denn er ist der Erwählte Gottes, der ihm in Gestalt von inneren Eingebungen erscheint, und so wird er zum Mittler zwischen dem Himmel und dem Zaren. Die Briefe, der Zarin gewähren einen sehr bezeichnenden Einblick in das Treiben an einem der mächtigsten* Anwkratenhöfe. sie sind ein bedeutsames Dokument für die Geschichte der letzten Zeit und darüber hinaus ein neuerlicher Beleg iü die Gefahren des persönlichen Regimes, das doppelt gefährlich werden mußte in der Hand ejnes so entschluß- und willenlosen Menschen, wie es der letzte Zar gewesen ist. . Dr. M. F., Berlin. Die Jagd nach dem Mann. Zweifellos und unbestreitbar ist die Jagd nach dem legitimen Versorger keine Erfindung unserer Tage. Es hat wahrscheinlich immer, jedenfalls aber seit Begründung der jetzigen Gesellschaftsformen Mütter gegeben, die nach dem Schwiegersohn Auslug hielten, und es hat sicherlich Töchter gegeben, die sie bei diesem Versuch mit allen Mitteln kräftigst unterstützten. Und wenn es sich gerade so traf, so betrieben die jungen Damen das Geschäft des Männeränlockens auch allein, wie im-Thakerah zu lesen, der bei allen Versuchen seiner verwaisten Heldin, sich in günstiges Licht zu setzen, entschuldigend bemerkt:, she had no dear mother, to do it for her. Also: die Sache ist alt. Wollte man eä leugnen, es ließen sich ungezählte Beweise aus Tradition und Literarur erbringen. Aber wenn das Be- . mühen, um die Versorgung in der Ehe nichts Ungewohntes ist, neu, durchaus neu sind die Formen, in -denen dieses Streben jetzt zu Tage tritt. Die Schrankenlosigkeit, die absolute zynische Hemmungslosigkeit unserer Zeit äußert sich bleicht in keiner Erscheinung'deutlicher als 'in dem wilden Kampf der Mädchen um den Mann, in der tollen Raserei, die jedes Gefühl der Frauenwürde, des Stolzes jedes letzte Restchen Schamgeflchl ungeduldig zur.Seite- -schiebt. Und sagen wir es ganz ehrlich: Die jüdischen Mädchen haben immer zu den leidenschaftlichsten, zu den rücksichtslosesten und brutalsten Kämpferinnen gehört und sie sind auch heute diejenigen, die es verstehen, sich am weitesten in den Vordergrund zu drängen. Denn das' ist das Alpha und Omega -dieses merkwürdig primitiven Rassinemenis: auffallen. Galt es früher als selbstverständlich, daß ein junges Mädchen durch Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit zu wirken trachtete, so ist jetzt das Umgekehrte das Gegebene. Man kann nicht laut genug schreien, um gchört zu werden, man kann in Kühnheiten der Sprache, Tracht, des Gebahrens nicht weit genug gehen, um Erfolg zu erzielen. Darum gehen die jungen Mädchen — nicht nur auch, sondern namentlich aus den Kreisen der Gebildeten — in einer Kleidung, die kaum noch den Namen einer solchen verdient, darum betragen sie sich in der Oeffentlichkeit herausfordernd und frech. Die geräuschvolle Begeisterung für Kunst und Künstler, die gerade in der letzten Zeit wiederholt besonders unangenehm zu Tage trat, die Tanzraserei, die Sportmanie (wohl zu unterscheiden vonr fröhlichen SportbetrieL), alle die Geschmacklosigkeiten, von denen in •' der jungen Welt jetzt täglich eine ueue ersonnen wird, das alles gehört schließlich in dieses Kapitel. Ein bißchen Hysterie schlägt sich meist noch dazu und nun ist das Mädchen zu allem und jedem bereit, um zum Ziel zu gelangen. Unübersteigliche Grenzen gibt es nicht mehr, die demivierge ist längst überholt. Es gibt Fälle, in denen Mädchen aus gebildeten Kreffen den Weg zur Ehe über das „Verhältnis" versuchten, ja sogar, wenn es nicht - anders ging, über die Gelegenheitsprostitutton. Und da so manche auf diesem Woge ihren Zweck erreicht, kann es nicht fehlen, daß andere folgen. Mer selbst wenn.diese letzten Konsequenzen nicht einireien, erfordert der Kampf um den Mann die schwersten Opfer- Schon die Kleidung-macht sie notwendig und wenn man die zierlich gekleideten Stenotypistinnen, Bur„eaustäuleins, Beamtinnen usw. des Morgens ihren Berufsweg trippeln sieht, da ahnen die Wenigsten, wieviel an Zeit, Gesundheit, Lebensfreude dahin gegeben werden mußte, um das bißchen- Putz zu erschwingen und wieviel Tragödien das Dasein dieser Mädchen umschließt. Denn ' hinter allen diesen herausfordernden Geschöpfen steht die Angst vor dem Mern, die Angst vor dem Alleinsein, vor ' dev Pot., Zwei Generationen Frauenbewegung haben bei gewissen sozialen Schichten dtzn leidenschasttichen, wilden, hysterischen Wunsch nach dem „Bersorgtsein" wachgeruftn — ein Verfallszeichen unter vielen andern. Den Männern wird das Erreichen so leicht gemacht, daß sie das Werben verlernen und vergessen. Und bange fragt so mancher, der .in das wüste Treiben hineinstarrt: wohin steuern-wir"

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