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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-22 · Heft 1248 (22.7.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1248 (22.7.1922)
Date
1922-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MM-l! HW -'vsvstbs." ■ ,Mi»*ie*y> j. liBzeltmmmerKioo Wen: Zum Abholenio der Expedition, lI.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle ^Trafik) monatlich K 29ÖC Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl, K 2900 Tsch e ch Ö-S1 owak e i: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. P o 1 e n: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankeich: Monatlich Frcs. 6 rstiseehO'Siowskeii schceh. K VO rlW Italien: MonatU*&. Lin Rumänien: Mon. 40. Le Schweiz und das uhrix, Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II„ Taborstrasse 1 — Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301, Tel.-Adr.: .Morgenzeitung*. Wien Oesterreichisches Postspar kassen- Konto Nr. 150.693 mmm Rr. 1248 Wie», Samst-g, 22. Juli 1922 4. Jahrgang r> Schobers Sieg. —y. W i e n, 22. Juli. Die fülle, rastlose und jede Reklame verschmähende Tätigkeit des gewesenen Bundeskanzlers Schober trägt j«tzt ihre Früchte. Die Reparationskömmission hat beschlossen/ dös Generalpfandrecht auf das österreichische Stäatsverntögen zu suspendieren. Die Pfänder, die für die Fundierung der'Notenbank bestimmt sind, verbleiben für zwanzig Jahre zur Verfügung Oesterreichs/jene, auf die sich eine ausländische Anleihe stützen soll, werden überhaupt freigegeben. Damit erhält Oesterreich die freie Verfügung über seine Aktiven und kann sich an das auswärtige Kapital um die Gewährung von Krediten mit viel Merem Kops und mit ungleich besseren Aussichten: wenden. Eineinhalb Jahre fyat. der Kampf. um dieses Generalpfandrecht gedauert, ein Kämpf, in dem oftmals bittere Resignation Platz greifen müßte. Die politische Reserviertheit,. mit. der die! Alliierten das österreichische Mühen behandelten, hat zu wiederholten Malen den kleinen Staat an der Donau bis zur Verzweiflung gebracht. Eben jetzt steht er in einer Krise, die an den Nerven der gesamten Bevölkerung reißt und wie schwersten Befürchtungen für die komenden Tage wecken mußte. In das graue Dünkel, das seit Gründung der Republik auf die-, senk Staat .lag und den freien An Mick verhüllte, fällt der erste Lichtstrahl. Die österreichische . Staatswirtschaft wird frei. .• . > ", ... . Alle Phasen der weltpolitischen Entwicklung waren, Mr dem ^Schicksal des Generalpfandrechtes zu lesen. Alle Krisen in der Entente, alle Stadien best großen Streites.' um die deutschen Zahlungen reflektierten auf die Hypothek, die Oesterreichs Vewegungsfreiheit mit stählernen. Fesseln feftgebunden hätte. Erst die Politik des Kabinetts Schober, die den bis dahin außenpolitisch passiven Staat, die'Jnitülüve zurückgäb ititb in die um Oesterreich gezogene Mauer durch beit Pra-tzeL.KMxAKMnLMwsche^ riß/ änderte das Md. Auf dem Nnrweis Mer Mag gelang es^ -die Hindernisse für die EntfepNÜng Wer Hypothek wegzüränmen. England und Frankreich stimin'len' sofort' zu, das amerikanische Repräsentäntenhails erhob «ine Einwendung. Die letzten Schwierigkeiten beseitigte dann Schober in Genna, wo er Rumänien und Jugoslawien von der Notwendigkeit der Freigabe der oster-' reichlichen Aktiven überzeugte. Wie ist seine Politik angeseindet worden! Wie ist sie von der sterilsten Partei, die es je gegeben hat, von der Waber-Partei, beschimpft, als Hochverrat stigmatisiert und in tausend Budikenversammlungen lächerlich gemacht worden! Die perfide Hetze ging so weit, die persönliche Ehre des Kanzlers in' den Kot zN zerren. Altezugereisten Schriftleiter wetzten ihren Schnabel, die von den reichsdeutschen Mörder-- Vereinen bezahlten Agenten wetterten gegen Schober und schließlich fiel der Nationalrat dem in Genua für den Staat arbeitenden Kanzler in den Rücken, indem er die Regierung stürzte. Man berechne, wie diese Vorgänge in Oesterreich auf den Kurs der österreichischen Krone gewirkt haben. Vielleicht dämmert auch den österreichischen Politikern, die aus der Enge der Couloirs hinaussehen,, welches Unglück djese GroßdeutscheVolkspartei für den Staat und seinen Kredit bedeutet. Es ist schon zur Zeit Wer beiden Ministerien Schobers darauf hingewiesen worden, daß Wie von Waber repräsentierte Partei politisch unberechenbar und unzuverlässig sei.'Sie hat dies in der Kreditkampagne, bei allen Verhandlungen mit dem Ausland bewiesen und sie hat noch in den letzten Tagen durch, den ihr angehövigen Vizekanzler den; Finanzplan — zu dem ebenfalls Herr Schober die Grundlagen gemauert hat — als dummes Gewäsch verschnupfteren lassen. Es gibt keine Dummheit, die in diesem Kreise nicht begangen'werden Würde. Die Suspendiernng der- Generalhypothek kommt in einem für das Kabinett Seipel' kritischen Moment. Es ist kein Geheimnis,'daß die'Regierung in den letzten Tagen in eine' bedrohliche Lage' geraten ist. Die Großdeutschen, die in der Regierung sitzen, unterminieren die Position dieses Kabinetts und haben sich aus der grünen Steiermark' zwei Stinnes-Agenten verschrieben, die im Auftrag der Alpinen Montangesellschaft gegen den Achtstundentag Sturm laufen sollen. In der Christlichsozialen Partei selbst ist ein Palastrevolütwnchen der Agrarier in Entwicklung, die die steie Biehaüsfuhr in die valutastarken Länder erzwingen wollen, was'Herrn Seipel sogar schon zur. Demissionsdrohung veranlaßt 'hat.' Der Erfolg in der Pariser Reparatiönskommission wird die Position des Kabinettschefs'gegenüber allen Eigenbröteleien stärken, wenn er den Mut hat, den Großdeutschen die Zähne , zu zeigen. Dann kann von wem Beginn der Konsolidierung Oesterreichs gesprochen werden. Mtbebung ües EemalpkaMchN. Durch die Reparationskommissto». Im Ministerium des Aeußern ist gestern abends eine Depesche des österreichischen Gesandten in Paris» E i ch h v f f, eingetroffen, derzufolge die R e p a r a t i o n s k o m m r s s i o n in ihrer gestern ab gehaltenen Sitzung beschlossen hat, die österreichischen Pfänder, soweit sie sür die Rot eit b a n k bestimmt sind, für die Dauer von z w a n z i g Iah r e n, soweit sie für eine auswärtige Anleihe dienen, ohne Einschränkung freiz«geben. Die Reparationskommission behält sich jedoch bei den von der österreichischen Regierung abzuschließenden Darle Heusverträgen die Genehmigung dieser Verträge vor« Die Formulierung dieses Beschlusses sollte die Reparationskommission der Meldung des Gesandten zufolge in der Nachmittagsfitzung vornehmen. Wie die Politisch^ Korrespondenz zur Meldung über die Freigabe der Pfänder; durch die Reparatronskommission erfährt, kommen für die Notenbank die Z ö l l e und die Erträgnisse aus den F o r st en, Do m ä n e n und S aline«,sür die zu erwartenden auswärtigen Anleihen neben de« Zöllen, die Einnahmen ans dem Tabakmonopol in Betracht. / Musottnr in Mailand. / ^ie Mobittsiernng der Faszisten. Mailand, 20. Juli. (Tel. d. „Wr. .Morgenzeitung".) Die Lage im Streikgebiet hat sich im Laufe des heutigen Tages verschärft. Morgens ist -er Faszistenführer Musolini hier angekömmeN und begab sich sofort zum Präfekten, der ihm versicherte, , daß laut Zusage der Streikleitung' der Streik in Mailand und in der Provinz noch im Laufe des' heutigen Tages beendet sein werde. Da aber nichts geschah/ ließ Musolini am Nachmittag eine Extraausgabe. des „PopoK d'Jialia" erscheinen/ welche am Kopf in Fettdruck' die Worte trägt: „E n st w Me^w dd e r i di o t i f ch e ' S1 r e i k zistesti^b essetzen m o rgen S^chisä n d!" ' -. Die Extraausgabe enthältweiiers einen Befehl an die füszistischen Maschinengewehr- und ArMeriemannschäften sowie das Flugzeugpersonal i. d. R.,sich unverzüglich bei. den Führern ihrer Truppe zu melden. Die Mailänder Faszisteft -werden äüfgdfördert, während der Strestdauer ihre zivile Beschäftigüng einzustellrn. ' Das Ultimatum der Faszisten hat hier.die. größte Ueberraschüng Und Aufregung verursacht. Zahlreiche' exponierte Persönlichkeiten'verlassen, die Stadt. Trotz der dem Präfekten gegebenen Zusage-haben die Sozialisten heute vormittags vier? Volksversammlungen — allerdings ahne besonderes Interesse des Proletariats. abgehalten.; Die Krise in Ftalie«....... .9)1 a 11 a n d, 21., Juki.' (Tel, d. „Wr. Morgenzeitung".) - Die italienische Ministerkrise wird allem Anschein nach langer, als vermutet andagern, und ihre Lösung dürfte sich ziemlich schwierig gestalten. Die meisten Aussichten für die Bildung eines Uebergangskabinetts scheint Orlando zu befitzen/ doch wird, in diesem Zusammenhang auch deNeva genannt. Als erste Mitarbeiter kommen Bonom.i und N ist j i.in Betracht. Auf alle Fälle wird das neue Kabinett wiederum die katholisch-demokratische Kamrnergrnppe. als Hauptstütze haben müssen. Da der Faszistenführer Musolini in der Kammer offe'u erklärte, er wisse nicht, ob der Faszismus e i n e P a rt c i h er Ordnung od er d e s A ü fr uh r s sein werde, können die Rechtsliberalen mit der Faszistengruppe nicht mehr ztzsammengehen, ohne für deren aufrührerischen Bewegungen im Laude mitverantwortlich zu sein. Sobald die Rechtsliberalen sich endgültig von den Faszisten trennen, wird , auch die. katholische Kammergruppe sich einer weiteren Regiernngsbeteiligung der Rechtsliberalen nicht widerfetzen können. Der Zentralausschutz der ß ationalistischen BereinigunLen Italiens hat sich in einer gestern abends abgehaltenen Sitzung nach lebhafter Diskussion einstimmig für die Zusammenarbeit der bürgerlichen Parteien mit den Sozialdemokraten ausgesprochen. ' ' ‘ Rom, 21. Juli. Wie verlautet, stehe die Betrauung O r l a n d o,s. mit der. Kabinettsbildung bevor. Die. Teilna-hine der Rechtslrberalen sei mj-gewiß. Kicher sei die. Teilnahnre'der. Popolavi, der LinkslibeMen, und der Reforrürsteu. In.einem Interview sagte Modiglrani e^iem Kabinett Orlando bedingte Unterstützung zu, wenn^ die Regierung 'pazifrzierend wirken würde. Für das Porte- , feuille des Aeußern wird B o n o m i geanuut. -Rom, 21. Juli, Der. Generalstreik in Mailand ist be-' eirdet. In Piemont steht das Ende des Streiks bevor. In einem Manifest rühmen sich die Faszisten, den Streik der-; eitelt zu!haben, und fordern ihre Anhänger ans, sich sür. ' wMK BMe der FÄW bereit N -Men BerschäpfuKg des Eisenbahnen ftrerks in AMerMa. P a r is, 21. -Juli d. „Wr.. Morgenzeltung^.) Die Pariser Ausgabe des „New Jork Herald" berichtet: Über die S t r e j k l a g e i n A m,e r i k a und meldet, daß die Weststaaten auf eigene Faust, in den Streik Eingreifen wrllen. Die Streikgesamtlage habe sich durch Beschlagnahme von großen Lebensmittelmeng.sn emPsinUcch verschärft. Di^ Washingtoner Regierung werde. zu scharfen Maßregeln greifen, wenn die Weststaaten. ans ihremWortzabencheha^reji/.HlltM, > Die ^ön nNeren Gerüchte AMgen zwar weniger ernst, sprechen aber dennoch von schwerwiegenden wirtschaftlichen Eingriffen als Folgen de« Streiks. ' - , . Bayern und das Reich. München, 21. Juli. Der heute in München versWune'lr» Zandcsausjchutz der bayrisch^ Völkspartei, der äußerst zahlreich besucht war, ist zu dem einhellig gefaßten Entschluß gekommen, mit alten gesetzlichen nnd- Parlaments r i s ch e n 20c ft 11«t u den Standpunkt Bayerns gegen die ReichstagsbeWüsse m der Frage des Schutzes der Republik awf bas' entschiedenste zu wahren. Dom Ministerpräslidenton,- den übrigen Ministern und der 'Reichstags- und' LaMagssraktion wurde einstimmig das' vollste Vertrane n ausgesprochen. ' . Auch der Laudesäusschirß der deutschen demokratischen Partei in Bayern hat heute getagt und omstimmig die bisherige Haltung d.or Landtägsfraktion, die mit dem Reichstag sympathisiert, gebilligt. -Diese Stellungnahme der 'Demokraten bringt sie innerhalb der .Koalition offonsichtlich in einen Gegensatz zu der Auffassung der bayrischcil Volkspartei. Uober die - Haltung -des bahrichen Banernb-imdes ver- -laütot noch nichts Sicheres. Stellt sich ailch er in Gegensatz 'zur Haltung der' 'bayrischen Bolkspartei, so erscheint die Koalition' gelöst, und es bliebe nach der Auffassung in Pariamontarischen. Kreisen nur die-Bildung einer-allerdings ivesentlich schwächevon Koalition durch den 'Beitritt der Mittelpartei oder die Dan-dtagsanflösung übrig. In später Abendstunde haben sich die Koahiitonsparteien im Landtagsgvbände zu neuerlichen Verhandlungen zusammengefunden. Der ' nächste Ministerrat, der die schwebenden Fragen einer Entschoidking zusühren soll, findet Samstag statt. Die ReparatioirsforderuAgerL. Aew-Vork» 2i. Juli. (Molff.) Der ehemalige amer^ konische. Botschafter' in Berlin, .G e r a r d. erklärte in einer Ansprache, eine sofortige K e r a b m i n d e r u n g d-e r R e p a r a t i o n s forde r u ngen sei noti g, um D e u t s ch l a n d vor dem Ruin zu retten. Did französische Regierung - sei geneigt, ihre Ansprüche zu vermindern, fürchte aber zu handeln, da das französische Volk darauf ..bestehe, daß der volle Betrag bezahlt werde. Marschall Foch habe ihm erzählt, sür Frankreich würde die Besetzung desRuhrgedieles Mehrkosten gls_ embringen. Englands Schulden an Amerika. London, 21. Juli. (Wolfs.) In Erwiderung auf eine Ai'vim Unterhause erklärte der Schatz ka nzler, der Betrag, der von Amerika England gestundeten Zinien habe am 1922 M^NAüoO Dollar.erreicht. üassmsäul. StB.

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