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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-17 · Heft 1243 (17.7.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1243 (17.7.1922)
Date
1922-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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llaXIMUMBfif 8 80 Wien: Zum Abholea iii der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 2900 Mit Postversand für Wien n. Oesterreich monatl. K 2900 Tschecho-Sl owak ei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mori. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankreich: Monatlich Pres. 6 renrr schach. K 1.2Ö'" ItaUen: Monatl. 6. Lira Rumänien: Mon. 40. Lv Schweiz und das Lbriga Ausland monatlich Pres. 1 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.:,Modenzeitung* Wien Ocsterreichisches Postspir« kassen- Konto Nr. 150.693 Nk. 1243 Wie«, Montag, 17. Z«U 1S22 4. Jahrgang Die Tagung Se§ Uölkerb undrate$. Das PalSstina-Mandat. London, 17. Juli. (Tel.-Komp.) Die'Tagesordnung der heute unter Vorsitz des spanischen Botschafters in Paris Q u i n o n e s d e Leon beginnenden Sitzung des Völkerbundrates ist außerordentlich inhaltsreich. Zur Verhandlung stehen die Mandate einschließlich Mesopotamiens, gegen dessen Besitzergreifung die V e rein i g t e n S t a a t e n Einspruch erhoben haben und das Protektorat über Palästina, wo ein neuer -Konflikt, zwischen Juden und Arabern droht. Die Frage der Zulassung D e u t s ch l a n ds zum Völkerbünde wird auf der Septembertagung beraten werden. Der Bericht der Abrüstungskommission liegt ebenfalls zur Kenntnisnahme .'vor. Es wird betont, daß Deutschland, falls esseine Zulassung zum Völkerbünde wünscht, diese jetzt bereits beantragen müsse. Bis jetzt sei noch kein derartiger Schritt erfolgt und die hiesige deutsche Botschaft versichert, sie habe diesbezüglich keinerlei Instruktionen erhalten. Das englische Auswärtige Amt habe durch den englischen Botschafter in Berlin zu verstehen gegeben, Dr. Wirth solle sofort um Aufnahme in den Völkerbund ersuchen. England werde die Aufnahme garantieren. Schsnzer über seine Reise. Rom, 16. Juli. „Jl.Moudo" meldet,' Minister des Aeußern, Schanzet, habe im Mmsterrat über die Er« gebniffe ferner Besprechungen in London berichtet. Außer der Uebergae des Giubalandes ist ein allgemeines Uebe rernk o-mmen betreffs Kleinasiens und Palästinas, und der Beitritt Englands zur italienischen These, im griechisch-türkischen Konflikt nicht direkt oder militärisch zu intervenieren, erzielt worden. Weiters habe der Minister eine Abänderung einiger Punkte des Dreierveltrages zugunsten Italiens und die Suspendieung jeder Entscheidung über die Intervention Italiens in der Tanger-Frage durchgesetzt. > . Gestempelte Krone Auszahlung Wien Sn Zürich notierte die österreichische Kronr. . . die Vsterr. gestempelte Krone. die tschechische Krone .... die Mark. . . . . . . . . «ßram '.. Sofia . . .. Budapest... - —.02 Centimes. —.Ol8/. Centimes. -01'/. (-.01'/. am 15. Iultz —.02 (-.02 am 15. Juli- 11.75 (11.75 am 15. Juli) 1.19 ( 1.16 am 15. Juli) 1.53-/. ( 1.52V, am 15. Suli) 3.30 ( 3.30 am 15. Luli) O.iO ( 0.42 * am 15. 2uli) 0.09V, (0*09‘/, am 15. 3u!i) Das Komplott gegen siatbenau. Berlin, 17. Julst Dte MMettSMer veWeMchen Einzelheiten über die ^B'or-b^reltKAge»^--z.«r.'Gr--.. » o i d u n g R a t h e n a n s.' DmraH' regte zunächst "der Schüler Hanns St ub en rau ch best Man än, Rathe«ün i m Reich s ta g zu erschießen^ von, dem man jedoch wieder abkam. Am . 16. Juni fand ln der Wohnung Te ch o w s eine linterredung zwischen Günther, Techow, Fischer und K e r » über den.Morbplan statt. Am 20. Juni wurde die Besprechung im Ratskeller fortgesetzt. Am Tage darauf führen sie im Kraftwagen Küchenmeisters nach Nikolshöhe und veranstalteten im Grunewald eine Schießübung mit Pistolen. Damals gelang es auch, W e r n e r T e ch o w für die Führung des Kraftwagens zu gewinnen. ' Eine bürgerliche Einheitsfront in Deutschland. Berlin, 16. Juli. Zwischen dem Zentrum und der Deutschen Volksvartei haben, wie dieBlchtter melden, mit der Absicht, alsbald die Demokraten und bie, b a y r ische Volkspartei hmzilzuziehen, Besprechungen stattgefunden, die die Schaffung einer bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft der Mittelparteien als Gegengewicht gegen die sozialistische Arbeitsgemeinschaft zum Ziele haben. Für den Fall einer' Reichstagsauflösung werden, wie man wissen will, diese vier Parteien eine. volitische Einheitsfron t im Wahlkampf bilden. Die deutsche Finanzkrise. Berlin, 17. Juli. Wie der „Lokalanzeiger" berichtet, hielt gestern das Reichskabiuett eine Sitzung ab, in der Neichsfinanzminister Dr. Hermes und Staatssekretär Schroeder über die eVrhandlungen mit dem Gavantiekomitee, das inzwischen Berlin verlassen hat, Bericht erstatten. Der Znsammenbruch Oesterreichs. London, 13. Juli. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt r In hervorragenden BanüKreisörr wurde gestern die Besorgnis ausgesprochen, daß die M a V k, wenn man zulasse, daß sie nach dem V o rb i l d der österreichischen K r o ne in unabsehbarem Matze sinke, v i el s ch n e 1 l er entwerte t werden würde, als die österreichische Krone, mit andereu Worten, sie dürste -außer Kurs gefetzt werden» lange bevor sie auf dem gegenwärtigen Stand der österreichischen Krone aulange. In die em Falle bestehe die Gefahr, datz die Ausnahme einer internationalen Anleihe nicht mehr möglich se. Am Schlüsse des Artikels wird bedauert, datz man angesichts der Schwierigkeiten in Deutschland geneigt sei, dyn Zrrsammettbrnch Oesterreichs anke« Die parlamentarische Derabrchredung . desFinanzp!anes. Es besteht begründete Aufsicht, daß vre letzten geringen Schwierigkeiten für vre Erledigung des Finanzplanes bereits in den erstM Tagen der Woche beseitigt werden, so da^ eventuell schön kommenden Donnerstag das ganze finanMe Resormlverk Parlamentarisch verabschiedet > werden kann. Für die praktische Durchführung des ganzen Komplexes des Finanzplaues, hat die Regiemng nach Informationen, die sie führenden Parlamentariern erteilte, bereits alle Vorbereitungen getroffen. . Wiener Börse. Die neue Woche ^rösfneke, ausgehend vom Valutenmarkt, h ausgesprochen f e st e r Handlung. Dnsangskurse: Slaatsbabn 358.000. Staalsbabngen. 301.000, Alpine 200.00p, Rima 82000, Salgo 310.000, Zivno 371, Koburg 92.000, Juli-Süd 150.900, Poldi 279.010. Dalulenkurse: Dollar 31.000, Pjund 140.000, Ischech Krone 725, pol. Mark 560. Ei« Konflikt zwischen Rumänien und Ungarn. Bukarest, 16. Juli. (Orient Radio.) Der Minffterrat hat - den Bericht des Budapester rumänischen Gesandten über, die jüngste Debatte in der - ungarischen Nationalversammlung betreffs der unter der Beschuldigung von Verbrechen gegen.den. ungarischem Staat in ungarischen Gefängnissen eingekerkerten Rumänen erörtert, die zum Hro- : teß^endieWW^MM^ streik getreten sticht Die rumaniM.Hegierung wird gegen diese Vorkommnisse sowie^gegen den in der Debatte vom Minister präsihenteri Grafen B e t h l e n Rumänien gegenüber augeschlägeuden Ton in Budapest Verwahrung einlegeni. Die italienischen Völkische«. Rom,. 16. Juli. Die Blätter melden aus Crein o n a: Gestern vormittags drangen die F a s z i si e n in die Gebäude des Provinziallandtages und der Präfektur ein, um die Abgeordneten Miglioli (Volks- Partei) und G a r i b o t t i (Sozialist) zu sutten, an denen sie den Tod des Faszistensekretärs, der gelegentlich des vorgestrigen Zusammenstoßes mit den Karabinier: erschossen worden ist, rächen wollten. Die beiden weilten jedoch in Rom. Die Menge zog hierauf zum Hauptplatz, gefolgt von Polizeitruppen. Plötzlich bogen , die Demonstranten in die Bahnhofstraße ab und st ü r mten das Haus des Abgeordneten Miglioli. Die gesamte E^inrichtung und die Bibliothek wurden ausdie St ratze geworfen und angezü n d e t. Es wurde auch versucht, das Haus, niederzubrennen, doch wurden die Leute daran von der Polizei verhindert, so daß nur vier Zimmer ausbrannten. Die Menge zog sodann zum Haus Garibottis, doch sperrten die Truppen die Straße ab. Auf dem Wege verwüstete die Menge den Friseurladen des Sozialisten Gr an di. Krawalle in der Kammer. Rom, 15. Juli. In der Sitzung der K a m m e r kam es bei der Debatte über Anfragen, betreffend die/ Vorfälle in Cremona nach einem heftigen Wortwechsel zu einem Zusammenstoß zwischen den Faszisten und den Sozialisten. Schließlich verließen die Sozialisten den Saal. Während der Verhandlung über das Büdgetprovisorium erschienen die Sozialisten /wieder und machten gegen Schluß der Sitzung von der ihnen zugekommenen Nachricht Mitteilung,- daß die Faszistemin:■ Cremona die Häuser des Linkspopolaren Migli-obi' und . des - Sozialisten G a r i b o t t i n i ed e rgebrannt hätten. (Rufe: Btörder!) Me Nachricht verursachte gr o ß e Aufregung, und die Linke forderte eine Erklärung seitens der Regierung. Ministerpräsident Facta bestätigte die Nachricht von dem Anschlag gegen die beiden Mitglieder der Kammer. Er drückte sein Bedauern darüber aus und stellte strenge Maßnahmen gegen die Schuldigen in Aussicht. - Die Sttzuna wurde bwrauk_unter c l l- Deutsch-polnische Konferenz. Warschau, 16. Juli. (Poln. Tel -Ag) Gestern fand M* erste Sitzung der deutsch-polnüchen Konferenz stack. Namens der Negierung begrützte Minister Olszowshi die deutche Delegativn mit einer Ansprache, worin er aussührte, die Ausgabe der Verhandlungen sei die Durchführung der bereits zwischen dei beiden Staaten geschlossenen Verträge sowie die Lösung einer ganzen Reihe von Fragen, von denen ein entsprechendes Zu-. sammenleben der beiden Nationen obhänge. Die poluische Regierung erachte die gegenwärtigen Verhanrungen als ein neues Glied in der Kelle ihrer F r i e d e n s b e st r e b u n g e n. In seiner Antwort betonte M'nister v. S t o ck h a m m e r n, die deuische Regierung sei von denselben Bestrebungen nach Verständigung beseelt wie die polnische. Es un'erliege keinem Zweifel, datz bei beiderseitigem guien W'llen, ein definitives Arrangement errreicht werden wird, daß die Grundlage einer gedeihlichen. Entwicklung der Interessen beider Länder bilden würde. Die BevölkerUncl Polens. Warschau, 16. Juli. (Poln. Tel.-Ag.) Nach dem Ausweis des Statistischen Hauptamtes wurLerr am 30. Septenrber 1921 auf dem 369.558 Quadratkilometer umfassenden Gebiet Polens (ohne das Wilnaer Land und Polnisch- Oberschlesien, wo noch keine Volkszählung stattgefunden hat), 25,372.447 Einwohner gezählt. Die mittlere Bevölkemngsdichte betragt 69.7. Die antisemitischen Sezesse von Wilna. . Oberrabbiner Rubinstein über die Pogromhetze. Wilna, 14. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die hier zur Untersuchung der Judenexzeffe weilende Sejmkommission hat den Oberrabbiner Rn bin st.ein als Vertreter / der jüdischen Gemeinde zur Einvernahme eingeladen. Er, wurde vom Vorsitzenden der Kommission ersucht Aufklärungen'über die'Ursachen der Ausschreitungen i zu geben. Rnbinstein erklärte, daß er die Vorlesung des Geistlichen Chamiee über'die Ziele der Rozwoj-Organisation als Veranläffung dieser betrachte. Allerdings seien die Hauptursachen viel tiefer zu suchen. Die seit Jahr und Dlg von gewissen Gesellschaftskreisen in Wort und Schrift geführte antisemitische Hetze habe den Boden für die Judenexzesse^ vorbereitet. Seiner Dieinung nach waren die letzten Judenexzesse vom 2. Juli bereits seit langem organisiert und, wie selbst polnische Zeitungen bestätigen, gründlich vorbereitet worden, woraus die bei den Exzedeuten Vorgefundenen Werkzeuge und Gegenstände hürweisen. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche Elemente an den Evessen teilgenonunen haben, erklärte Oberrab-

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