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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-16 · Heft 1242 (16.7.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1242 (16.7.1922)
Date
1922-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IlizslBUBmerRioo Vien: Znm Abholen in dev Expedition, II.,Taborptr.l-3, oder in einerVerschleisstelle ^Trafik) monatlich K 290C Mit Poatversand für Wien u. Oesterreich monatl. K2900 Tschecho-Slowakei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Pole n: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Wiener Tschecho-SiowoKoi: tschech. K 1.20 Italien: Monatl.; 6. Lire Rumänien: Mon. 46. Lei Schweiz uüd das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: «Morgenzeitung', Wien O österreichisch es Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1242 Wie», Sonntag, 16. Juli 1922 4. Jahrgang €inc Slaatskrlsc in Polen. Korfanty vom Hauptansfchutz des Landtages designiert. — Pilsudski droht ' mit der Demission. Theodor Herzl. —y. W i e n. 16. Juli. Wieder wallfahrtet das jüdische Volk Wiens zu jener Stätte, welche die sterblichen Ueberreste Herzls birgt. Bon Jahr zu Jahr mehren sich die Bekenner zu dem, was die Lebensaufgabe Herzls gewesen ist, der im schönsten Sinne des Wortes unserem Volke ein Führer war, dessen Werk — der wahre Maßstab für die Größe des Mannes und seiner Idee — über die beschränkte Anzahl von Jahren hinausragt, die° seinem physischen Dasein gesetzt waren. Mit immer größerer Kraft erfaßt es die Geister. /Was durch die Jahrtausende der Verbannung nur Sehnsucht war, nur Herzenswunsch, der in Stunden der Andacht und der Erinnerung über die Lippen trat, das hat Herzl zum klaren politischen Willen verdichtet. Welch weiter Weg vom Wunsch Willen, von der Empfindung bis zur abgeschlossenen Vorstellung, bis zur Klarheit über die Wahl der Mittel! Nicht immer sind diese Elemente des WillensZn einer Person vereinigt: Erkenntnis des Zieles und 'der Entschluß, den Weg zu beschreiten, alle Hindernisse wahrzunehmen und zu überwinden. Herzls Bedeutung liegt darin, daß er das zionistische Problem herausgehoben hat aus dem Bereiche der Utopie und in das Gebiet der Realität gebracht hat. Eine sorgfältige, mühevolle Kleinarbeit war notwendig, ltnt die Nebel zu verscheuchen, die noch die Seele des Volkes umfingen. Durch eigene Tatkraft und durch die Erweckung der im Volk schlummernden Energien war dies gelungen. Wie es in der Geschichte überhaupt keinen Zufall gibt, wie alles, was ist, ein notwendig gewordenes ist, so ist auch dieser Uebergang vom Mythos bis zur politischen Formung des Heimstätteugedankeus nicht aus dein blinden Zufall entstanden, nichts Ausgeklügeltes. Es liegt darin die strenge, unbeugsame, durch nichts zu hemmende Logik des Etttwicklungsgedankens, der die Grundlage alles geordneten Lebens ist. , , , ' Ern Volk, das fast zweitausend Jahre unter der Sklaverei dahinsiecht, soll zum Bewußtsein seiner, nativ-, nalen Einheit, seiner Geschichte, seiner Würde und seiner Bedeutung erzogen werden. In den heroischen Zeiten der Geschichte war dies die Aufgabe von Feldherren, die die Verwirklichung des nationalen Gedankens mit Feuer nnd Schwert vollzogen. Unsere nationale Freiheit soll ausschließlich durch sittliche und moralische Mittel geschaffen werden: durch Erkenntnis und Arbeit. Die Jahre des politischen Zionismus, die sich im kommenden Monat zum Vierteljahrhundert runden, sind erfüllt von rastloser Organisationsarbeit in der ganzen Welt, aber auch von der friedlichen Knl- ‘ turarbeit, die wir in Palästina geleistet haben. Unsere SMomcn, unsere Schulen, unsere wirtschaftlichen Anstalten erfüllen noch nicht all das, was Herzl erhoffte und war wir mit ihm erhofften. Es ist erst ein kleiner Anfang. Um so wertvoller ist er uns, weil in ihm so .viel Liebe, Begeisterung und Glauben enthalten ist. Die Naturnotwendigkeit der Entwicklung gibt uns die Zuversicht, daß Ulf diesen! Fundament die Heimstätte unseres Volkes entstehen wird, die der friedlichen Kulturarbeit dienen soll. Nicht Haß, nicht der Fluch verflossenen Blutes, keine Tränen von Besiegten und Unterdrückten liegen ans diesem Beginn. Darin erblicken wir die Gewähr, daß, was unserem Volk verheißen, was es selbst in rastloser Arbeit geschaffen, ein Segen für uns und die Menschheit werden wird. Seit dem Tode Herzls hat der Zionismus seinen Weg planmäßig fortgesetzt. Kr hat an.Boden gewonnen und die großen Ideen in ihm haben sich soweit dnrchgesetzt, daß die Mächte Europas sich zur Anerkennung des ewigen Rechtsanspruches der jüdischen Nation auf ihre Heimat am Mittelmeer verstehen mußten. Ein gewichtiges Hindernis ist hinweggeräumt. Jetzt handelt es sich nur mehr um den Willen des jüdischen Volkes, jetzt muß es seine Energien vertausendfachen. Alle Kräfte, die die Verbannung zersplittert hat, müssen jetzt zusammengesaßt werden, um die Erlösung zu vollenden. Vor 25 Jahren hat Herzl den ersten zionistischen Kongreß einberufen und eröffnet. Seit diesem Jahr 1897 hat die Welt ungeahnte Umgestaltungen erfahren. Unverändert steht das Basler Programm mit seiner klaren Formulierung des politischen Willens des jüdischen Volkes: Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische. Volk. Unbeirrt geht das jüdische Volk den ihm von Herzl gewiesenen Weg zur Heimat und zur Freiheit weiter, dessen gewiß, daß das jüdische Volk als organisierte Natron die Antwort geben wird auf die Iährhundexte der Schmach und der Sklaverei: „Und diese Antwort wird bestehen in einer Erhöhung der menschlichen Gesittung." Warschau, 15. Juli. (Poln. Tel.-Äg.) Abg. Adalbert Korfanty richtete gestern an den Staatschef folgendes Schreiben: Nach Prüfung der Lage und Beratung mit den Vertretern jener Sejmparteien, die sich im Hauptausschus; für meine Kandidatur erklärt haben, schreite üch zur Bildung des Kabinetts, wovon ich hiermit Mitteilung mache. Mit dem Ausdrucks meiner Hochachtung Korfanty. Warschau, 15. Juli. (Polu. Tel.-Ag.) Als Antwort auf die Mitteilung des Sejmpräsidenten von dem Beschlüsse des Hautztausschusses hat der Staatschef Pilsudski gestern abends an dm Sejmpräsidenten ein B e r l in, 15, Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Krise, die seit der Ermordung Rathenaus bestand, ist in der Nacht auf heute in das Stadium der Lösung getreten^ Die MchrhertssoLialisten haken sich mit den Unabhängigen zu einer ArveWM^AschE'pWMgt.hEine sori melle Fusion der beiden Parteien isimoch nicht erfolgt, dürfte.. sich/ader^aid'völ!zrehen..Jn'W^MWIMr8e« die linken Unabhängigen LeveöourF Wolf %osmann und Levy zu den Kommunisten übergehen. Durch die Bildung der Arbeitsgemeinschaft sind die EinwändL der linksbürgerlichen Parteien gegen den Eintritt der Unabhängigen in die Koalition Hinfällig geworden. Durch die Arbeitsgemeinschaft wächst die sozialistische Fraktion ans 180 Mitglieder, muß also auch ihrer Stärke entsprechend in der Negierung vertreten sein. Die Umbildung der Regierung wird wahrscheinlich in der Art erfolgen, daß für die Unabhängigen, Hilf erd sing und Breitscheid, für. die deutsche Volkspartei der derzeitige Washingtoner Botschafter W sie dfeldt und der Botschafter in Tokio, Solff, mit Ressorts betraut werden. Es erhält sich das Gerücht, daß Dr. Solss das Amt des Aeutzern, das bekanntlich der ermordete R a t h e n a u inne hatte, übernehmen soll. In einem Interview mit einem japanischen Journalisten erklärte der Reichskanzler Dr. Wirth, es sei seine feste Ueberzeuanng, daß die deutsche Republik den ihr durch . die Ermordung Rathenaus zugefügten schweren Schlag überwinden werde. Es läge kein Grund vor, das Vertrauen zu verlieren. DaS Vertrauen des deutschen Volkes auf seine innere Kraft sei die Voraussetzung für die Gesundung. Diese Gesundung hat bereits begonnen durch das von allen! Parteien über das Atteytat an Rathenau ausgesprochene V e r.d a m m u n g s u r sie i l. Im größten Teile der deutschen Bevölkerung sei der r e p u b l i k a n i s ch e G e d a n k e fest verankert. Dr. Wirth schloß seine Ausführungen mit einem Appell an die früheren Gegner Deutschlands, sie mögen der Republik ihr Dasein erleichtern, anstatt ihr immer neue Schwierigkeiten zu bereiten und dadurch eine Atmosphäre zu schassen, die ein Verbrechen wie das Attentat ans Nathenan überhaupt erst ermöglicht. Zum Schutze der deutschen AspuhUK. Berlm, 15. Juli. (Wolfs.) Der Reichstag genehmigte in zwiter Le,wng wen Gesetzentwurf über die Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik' in der Fassung des Ausschusses. NepuraLionsfrage und MoraLorLUm. Die Konferenz zwischen Polncare und Lloyd George. Paris, 16. Juli. (Tel/der „Wiener Morgenzeitung".) Die bevorstehende Zusammenkunft, zwischen. Poincare und Lloyd G >e o r g e steht augenblicklich , im Vordergründe des öffentlichen Interesses. Die Grundtendenz aller Betrachtungen der Presssse bildet die Feststellung, daß Frankreich, wenn es seine Schallden an England und . Amerika zahlen wollte, mit dem ganzen Ertrag der deutschen Reparationszahlungen nicht aus käme. Der „Matin" errechnet, daß Frankreich bei voller Erfüllung des Londoner Ultimatums durch Deutschland noch Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Indem Ich weoer am das Meritum der Sache noch auf die Person und auf den möglichen Erfolg der Bemühungen des Herrn Adalbert Korfanty eingehen will, erkläre ich, daß ich in der gegenwärtig geschaffenen Lage an diesen Bemühungen »1% teilnehmen kann, denn nach den mißlungenen BÄ suchen, die Parteien des Sejm zu einem Kompromiß zch veranlassen, würde dies meinen Ansichten über die innert Lage des Staates und meillem Pflichtgefühl als Staatschef widersprechen. Da ich Herrn Korfanty in seinen Bemühungen zur Bildung einer Regierung durch nichts st o r e n will, erkläre ich, daß ich in nächste! Zeit gezwungen sein werde, mein Amt niederzulegen. Gez. Pilsudski. , 97 Milliarden Goldmark aus eigenem anfbringen müßte, um seinen Verpflichtungen gerecht zu werdent London, 15. Juli. (Tel. der >,Wiener Morgenzeitung".) Dü „Daily News" schreiben, daß es für England in der Reparationsfrage nur.einen v,e rn.ü N ßsichgHn W e g gäbe.. .Dir müssen., sagt das. Blatt,', uns Frankreich mit einÄn Vorschlag nähern, durch den die Neparationssrage dauernd und bindend gelöst werden kann und müssen auch den Schulden, die Frankreich uns gegenüber hat, Rechnung tragen. „Daily Telegraph" erklärt, daß in Frankreich die Tendenz bestehe, von England zu verlangen, daß es seine Forderungen an Frankreich ausgebe. Die Franzosen gehen, so sag. das Blatt, mit dieser Forderung ein wenig zu weit, wenn man an die Lasten der englischen Steuerzahler denkt. . AehereinsLimmung der Entente. > Paris, 15. Juli. (Tel.-Kvmp.) Nach Meldungen aus London scheint sich dort die Stimmung zugunsten des deutschen Mvratoriumsgesuches immer mehr zu bessern. Der englische Delegierte in der Neparationskommission Br,adbury hatte heute eine Zusammenkunft mit dem englischen Lordschatzkanzler Sir Robert.Harne und es heißt, daß zwischen den beiden Staatsmännern und den Finanzleuteu vollkommene liebere inst im mn ng hinsichtlich der Bchandlungsweise des deutschen Moratoriumsgesuches herrscht. In offiziellen Kreisen wird es immer klarer, das; es unbedingt notwendig ist, Deutschland einen Aufschub zu gewähren, der ihm gestatte, -.in seine Finanzen Ordnung zu bringen. Man erklärt, daß ein solcher Aufschub das einzige Mittel sei, um die weitere Durchführung der Reparationszahlungen zn crmöa- Oesterrei'ch rmd Angerru Vor dem Volk erb vmb. Genf, 14. Juli. (Havas.) Nach den Bestimmungen des Artikels 4 d> S Volle rbundpaktes wird jedes Mitglied des Völkerbundes, das im Völkerbnndrate nicht vertreten ist, eingeladcn. einen Vertreter zn den Beratungen des Rates zu entsenden, "renn eine den betreffenden Staat besonders interessierende Frage dem Rate vorliegt. Zur gegenwärtigen Tagring werden Oesterreich, Jugoslawien und Rumänien Vertreter entsenden. Ungarn hat ebenfalls einen Vertreter ernannt, aber da dieser Staat noch nicht Mitglied des Völkerbundes ist, wird 'der Völkerbnudrat über die Zulassung dieses Vertreters Beschluß zn fasseir haben, wie er dies in den 0orhergcgangc.nen Fällen getan hat, wo es sich nur die Beraiung den Fragen handelte, die zwei Staaten interessierten, von Muni, einer nicht Mitglied des Völkerbundes mar. Ein jüdisches Ministerium in Litauer», Riga. 14. JnU. (.Havas.) Die litauische Regierung hat die Absicht, ein Ministerium für isracliti'llw Anliegenheiten zu schassen. Nnschlutz per Anabhemgigen an die Sozialdenwkraten. regiermg

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