Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1234 (8.7.1922)
- Date
- 1922-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^Tien: 2nm Abholon in der Expedition, n.,TaborBtr.l-3, «der in einerV erschleisetCÜe ^raWc) monatlich K 2900 N|*t Poatversand für, Wie« u. Oesterreich monatl. K 2900 lieh e c h o-Slowak p i: Möti. K 20. Ungarn: Mon. Ki$0. Jugoslawi eh: Mop. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800;, D eutachland: Mon. Mark 60. Frankteich : Monatlich Frcs. 6 TsfheetfO'Slowsheli tschech« K 1.20 Italien: Monatl. 6. Lira Rumänien; Mon. 40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Ffc*.S. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstraase 1—2 Telephone:~44-Ö^38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: »Mörgenzeitung4,. Wien Ofesterreichisches Pb; kassen-Ko^to Nr Pdstspar* . 15V.6SZ Nr. 1234 Wien-Samstag, 8. Juli 1922 4. Zahrga« Old Shatterhand als Erzieher. —X- W ien, 8 Füll 1922. Die deutschrjationalm und die deutschklerikalen Studenten der Prager deutschen.. Universität haben in Aussig den feierlichen Beschluß gefaßt, ihren neugewähltenWektor mit Gewalt am Antritt des Amtes zu verhindern. Sollte er trotzdem Rektor bleiben, so würden sie ihm die Leistung des Jmmatrikulationsgelöbnisses und' des Promptwnseides^verweigern. Sie würden lieber der . Hochschule sernbleiben und den Ablauf der Amtszeit dieses Rektors abwarten, ohne zu studieren. Der Grund für diesen Beschluß ist sehr einfach: Der Rektor heißt .Samüel Steinherz und ist ein Jude aus dery Burgenland. Der Beschluß dieser Studenten erfolgte in einer Versammlung, in der der gewesene Rektor, der Senator Naegle, ein christlichfozialer; Parieimann« zugegen war. Das ist einer jener: Politiker, die in,Memoranden an alle Regierungen, in Reden, in Zeitungen (natürlich in Judenzeitungen) vor: der Not des deutschen Volkes in der Tschecho-Slowakei erzählen, und die die Aufmerksamkeit der ganzen.gesitteten Welt auf die Unterdrückung der deutschen Minderheit lenken wollen. Dieser Herr Naegle und die von ihm geleiteten Studenten sind der Meinung, daß eine Minderheit, die sich unterdrückt fühlt, gegen eine ändere Minderheit, die noch, schwächer ist, aüstreten könne. Er scheint nicht zu wissen, daß ein solcher Akt. die Position der Deutschen schwächt und sie vor der von ihnen so oft. und so feurig angerufenen Kulturwelt ins Unrecht, setzt. Wenn der 65jährige Historiker . SaMuel Steinherz, der Nicht zu den schlechtesten Lehrern der Prager deutschen Insel gehört, gut genug war, die Resultate seiner Forschung und die ' Elemente seines großen Wissens den Hörern zu vermitteln, so sollte er auch gut genug sein,ein-akademisches Ehrenamt zu er- ' längen. Aber die Wähl dines Juden-peHößt gegen einest . Hichtigetr ^völkischendeutschen Völkos. - - ' " Beschluß, voll dem 'wir sprechen, ist zwei- Tage - nach der Ermordung, Rathenaus gefaßt worden. Er fällt zeitlich zusammen - mit der von der Berliner Polizei' gemachten Entdeckung, daß sich auch Ulbert Einstein auf der Liste der zum Tode Verurteilten befindet. Es -ist der aktenmäßige Nachweis erbracht, daß sich der von den nationalistischen Intellektuellen gepredigte Mordfeldzug - auf alle Juden bezieht, die auf irgendeinem Gebiet geistiger Tätigkeit in den Vordergrund treten^ Es ist unwahr, daß nur die politische „Aufdringlichkeit" der Juden bestraft werden soll. Alle müssenabgeknallt werden, die etwas leisten, denn hinter jedem steht, ein erbitterter Konkurrent, der seine Stellung nicht seiner - Leistung, sondern seiner nationalen Zugehörigkeit zu danken hat. Wenn ein Jude, ob Kaufmann oder Wissenschaftler oder Politiker, aus der Menge hervortritt, so muß er schon, sehr viel geleistet haben' und seinen Berussgenoffen gei- . stig weit überlegen sein. In -dieser Tatsache steckt ein guter Teil der Gründe des Antisemitismus und diese Tatsache erklärtes, weshalb vor. allem'die Jugend, die für solche Schönheiten des politischen Lebens noch kein Verständnis besitzt, auf den jüdischen Mann dressiert wird.' Diese Jugend ist seit Jahren für diesen Kampf vorbereitet worden. Sie hat in Schule und Elternhaus, von j Lehrern und Erziehern, das Lied von der voranleuchten- / dey deutschen Kultur, von der deutschen Ordnung gehört, sie hat, alle Strophen dieses Liedes von der Gefährlichkeit der Semiten auswendig lernen müssen. Sie ist alldeutsch im politischen und — Verzeihung ssir das harte Wort '— kulturellen Sinn geschult würden. Sie. hat in den Romanen der deutschen WeltMschauung die Macht der' Gewalt anbeten gelernt, und es ist ihr beigebracht worden,' daß das System der gepanzerten Faust bg* deutschen Art eher entspricht als die angelsächsische, gder gallische Methode. Sie hat den Geist Wilhelms in sich ausgenommen und das „Deutschland in per Welt, voran" pur im militaristischen Sinne verstehen gelernt. Strammstehen vor irgendeiner Uniform, Maulhalten und Befehlaussühren. — das sind die Ziele dieser Erziehung gewesen. Hat-man einen Gegner, , so diskutiert man nicht. Man haut ihm die Faust an den-Schädel, daß es kracht...Geistigkeit ist jüdisch^ demokratisch, rück-' gratlos,'schlapp. Darum, das ist das höchste Gebot dieser -Moral: Haut die Juden! > .. ’ Im Sinne dieser Moral, schießt man -den Rathenaü. ab,'überfällt..den..Harden,, setzt eine'Schußp'rämie auf' Einstein aus und predigt Herr'Naegle besorgt das '— d'ie Attacke auf'den. Rektor Steinherz.'Und verfaßt dann ein rührerldes Manisestsi'lr die so unschuldig verfolgte deutsche Nation,, die.' stech ein Hort der-Gesetzlichkeit und -HMuna war ürtd'bleibt. C:>T.* -fT*; l i 4..;• . t—.» . Unter dieser ironischen Aufschrift bringt das Wiener Organ der Hohcnzollern-Leute, die „Dentschösterreichische Tageszeitung", einen Aufsatz, welcher eine im Verlauf einer Gerichtsverhandlung zutage' geförderte, für die Deutschnationasin höchst peinliche Äffäre vertuschen soll. Im Verlaufe eines Vrietsprozesses ergab sich, das; der „Nationalverbünd Deutscher Offiziers (N. D. O.), Landesstelle Oesterreich, Waffen kauft Md> einlagert, die Jugend zum Wasfendienst erzieht, mit Hilfe staatlicher Organe gesetzwidrige Mionen durchführt. In einer Flut von antisemitischen Beschimpfungen, schmutzigen Verleumdungen der Zionisten und feigen Ausflüchten und Verdrehungen will das ehrenhafte Blatt die Wahrheit ettränkey. Wir wollen diesem Versuche durch Anführung von Fakten, die wir dokumentarisch belegen können nntz werdenbegegnem; *Die unter dem Präsidium des ehemals österreichisch-ungärischen Generals Kraus arbeitende Landesstelle Oesterreich des „Nationalverbandes Deutscher Offiziere" 'ist eine Zweigstelle des Berliner. Perbandes, welcher im Verlaufe der in Deutschland geführten Untersuchungen -!FlS^eu^'m-.'d«. WordSttbenüN 'ihrer Helfer erkannt LättdeNWlle erhalt von der Berliner Zentrale. ihre Weisungen UM ärbellej i it ih r e m Aufträge. Sie kaust und lagert:Waffen ein. Nicht, wie die „Deutschösterteichische Tageszeitung" und ihre beamteten Helfer vortauschen wollen, Kinderpistolen und Feuerwerkskäpseln, sondern ehrliche Mannlicher Gewehre und Kriegsmunition, vrritable Mordwaffen von der Art derjenigen,' mit welchen E r z-' v e r g e r, R a t h e n a a und deutsche Arbetter niedergeknallt wurden, mit welchen d.ie Paltiknmer und Ehrhardt- und Orgeschleute versehen sind. Die Mittel für die Waffenkaufe stammen aus einem beim N. D, O. bestehenden „Schwarzen Fonys", der N. D. O. erhält auch namhafte Zuwendungen seitens der Gr o ß de ut sch e n B o l k spar Lei, mit welcher er intimen Verkehr Pflegt. Mit dem Waffeneinkauf und der Einlagerung sind direkt und indirekt nachstehend genannte Herren beschäftigt und beschäftigt gewesen: Oberst Josef Legat, Geschäftsführer des Verbandes, Oberleutnant Leopold N e u w i r t h, ’ sein Adjutant und Hörer der Wiener Technik, Oberst Buley, Franz Knechtel, Hilfsbeamter des Verbandes; als spezielle Waffenteserenten: Oberst Hermann Herrlinger, 16. Bez.> Lerchenfeldergürtel 57, wohnhaft, im Hauptberuf ' Streckenmeister bei der Bunvesbahndirektion Wien, Leutnant Richard Breuer, inzwischen ans dem. Verbände ausgeschieden, n. a. m. WaflendePols wurden angelegt iw Derbandsheim in der Langegasse, in Lokalen -eutschnationaler Stu-jentesiverbin^üngen, ein größeres im Hause der „Teutonia" ünd in Wohnungen von Verbandsmitgliedern. Eine Speziültatigkeit entfcktet der R. D. O. unter der I n g e n d. In Deutschland werden die Mittelschulen-, zu Gegen den Zionismus. -Das „N eu e W i tsin e r T a gü l ast t" läßt seit einiger Zeit -seinen römischen Korrespondenten gegen den Ziottis'üm'S lös. Voreiniger-Zeit, chaben-wir > Gelegenheit gehabt, uns mit diesem System der-' Berichterstattung aus-- einanderzusetzen, -welche ohne Kommentar, und mit einem hämischen Vergnügen, das ausjeder -Aeile hervorlugt, die schwersten Beschüldigungerr des römisch-katholischen Pa-' triärchen von Jerusalemdessen Ärt?Lessing vorähnend Trägern der Mord- und.Umsturzpropaganda gemacht. Jtt Oesterreich besorgt der N. D. O. die,Mehrhastmachuttg" und „Ertüchtigung, im Gebrauche der Waffen" der Jugendlichen: -v ‘ . v ' ' Gymnasiasten werden einexerziert nnd im Wafferw gebrauch unterrichteÜ ^ie'^Oberleitnnst.dieseeT8tigkrit ist dem ermähnten Oberst und bundesstaatlichen Streckenmeister Herr l i n g e r anvertraut. - Dieser Fugendbildner ist übrigens identisch mit dem Herrn, welcher seinerzeit die Aktion, welche die Erst ü r m a n g d e t Rossauer Kaserne, Ueberrumplung der Wa ch U p oft c n und F o 11 f ü h x un.g d,e s K r i eg sm aterials zuw Gegenstände hatte, leitete.' Er war es auch, der die Sprengung der Aufführung, des „Reigen" . rwit StiNkbvmHen besorgte. Der N. D. O. hat bereits in Wien zirka 15 geheime Mittelschülervereinigungen >,wchrhast^ gemacht, in der Provinz überdies folgende: Kl oste r n eub nrgr Unitas:und Markomanra, Krems: Gothia, Waidhofe n: Silesia, L e o b e n: Märkowania, G r a z: W-? minia, Wie n e r - R e u st a d t: .Germania. . Helfers und Hchler M^d^ 'AH^ ttiLdrigen Regiemngsftellen gesündech Peamte und Untere beavrte haben ihn rechtzeitig in Kentnis gesetzt^ wenn An«^ zeigen und Aufträge zu Hausdurchsuchungen Vorlagen.^ Bor allem abcr hat ver geoßdeutsche Minister Waver: in ihrem Dienste Awtsmitzbrauch schwerster Art getrieben. Er hat als Innen minist e r die Nerfolgung dem Verbände angehöriger Verbrecher dadurch vereitelt und unwirksam gewacht, daß er auf das Verbrechen bezugnehmende Akten und amtliche Berichte dem Verbände übermittelt hat, damit die Beschuldigten rechtzeitig G eg e n m a ß re ge ln er gr ei f e n k ö n n e n. Er ist, wie aus vorliegenden Dokumenten ersichtlich, als Innenminister in persönlichen Verkehr mit den Beschuldigten getreten.. Und dieser Waber ist heute Justizminister, oberster Hüter des Rechts Wesens i n O e st e r r e i ch! Sein Befähigungsnachweis ist der von ihm als Innenminister begangene Amtsmißbrauch! Unter solchen Umstanden kann man darauf gefaßt , sein, daß gewisse Behörden sich beeilen^ werden, vertuschende Berichte an die Zeitungen zu versenden. Wir hoffen, daß die anständige Journalistik die kntiklose WeiterverbreiiÜng entstellender Amtsberichte unterlassen wird. Wir stellen, vorläufig der Regierung und der Oesfentlichkeit die obigen präzisen Daten zur Verfügung. Wir hoffen, daß unverzüglich, und zwar durch nnb eeinfl«ßte Beamte, Maßnahmen getroffen werden, welche dem Treiben der Jugendvergister und Wäffensammler ein Ende bereite«. Wir verlangen aber vor allem die Entfernung des Justizwinisters Waber, der als Innenminister sein Amt mißbraucht hat. wiedergibt. Gestern mm veröffentlicht bas genannte Blatt eine römische Meldung aus der gleichen Quelle, in welcher über die Verhandlungen zivischen S ch a n z e r ünd Lloyd George über das Palästina-Mandat und die Gründung „des Staates Zion" berichtet wird. ' „Während in London dieses heikle Thenm erörtert wird, hat Schanzer (selbst Israelit) die.großen Schattenseiten . d'er zionistischen Politik aufgezeigt und die durch die heutige Läge in Paläsüna ^geschädigten Jüteressen Italiens beleuchtet, hat auch der H e i l i g e S t u b l in die Palästina-- . kMe eingegriM"s . « .. . .! w seinem ^Bathan" gezeichUt' -M' OM' ZisniAMss