Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1232 (6.7.1922)
- Date
- 1922-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MMLWssrrivv Wion: Zsnn Abholen in der Expedition, II.,1T aborstr. 1 -3, oder in einerVorschleisstcllc ^Trafik) monatlich K 2900 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K2900 Ta che cho-S 1 owake i: Mon. IC20. Ungarn: Morn K150. J u g o;s 1 awi e n: Mon. Dinar 25. P o 1 e h: Mop. Mark 800. Deutschland Mon. Mark ,60, Frauk' reich: Monatlich' Frcs. 6 Tschecho-SlowaKeli tschech.K 1.KQ 11 a I i e n: Monatl. t. Lirr Rumänien: Mon; 43.LW Schweiz Und das übrig f. Ausland monatlich'Frcs. £ ' Redaktion u. Administrativ* Wien, II., Taborstrasse 1—9 Telephone: 44-0-38,43-3-1), ab 6 Uhr abends 16-301. - Tel.-Adr.: ,Mprgenzeituaj‘, Wien . Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Nr. 12S2 Wep, OoiinttWs, E. 3«U 1S2L 4. Iahrgaaz . ... .. ■ ' ... 1 ' — - •- - ■ ■- - Die innere Anleihe. -X- W i e n, k. Juli 19S2. In seiner höchsten Not wendet sich der österreichische Staat an die eigene Bevölkerung um Hilfe. Er will den Riesenbetrag von 400 Milliarden auf dem Wege einer inneren. Anleihe aus der Volkswirtschaft herausziehen und unternimmt, zum erstenmal den Versuch, auch die kräftigste Schichte, die der Bauern/, zur Leistung ihres Anteils zu bestimmen. Bisher ist dieser Stand verschont geblieben und hat von den Nebeln ' eines , verlorenen Krieges nichts zu verspüren bekommen. Wahrend in den. Städten die Bevölkerung unter den Lasten für Staat und Stadt schwer zu leiden hatte, saßen die Bauern geruhig auf ihren Dörfern, entschuldeten sich mit Hilfe der Konjunkturgewinne, häuften Edelvaluten in ihren Truhen und ließen sich durch das Kompromiß mit den Sozialdemokraten ihr überschüssiges Getreide zu einem Wucherpreis bezahlen, den sie selbst bestimmten. Von der Vermögensabgabe drückten sie sich und eine zeitgemäße Reform der Grundsteuer wußten sie bis heute zu hintertreiben. Ihre Beteiligung an der Zwangsanleihe geschieht fteilich nicht aus eigenem Antriebe. So hoch kann die Not des Staates nicht steigen, daß sie die Bauern zur Einsicht brächte. Es mußten sich erst An-' Zeichen fiir den kommenden Niedergang ihres Reichtums einstellen, ehe sie ein Verständnis dafür erhielten, daß auch sie sich nicht' aus dem Znsanunenhüng mit den.anderen Klassen lösen können.'Sie müssen Maschinen kaufen oder reparieren, ihren Hausrat ergänzen, für Kleidung und Schuhe sorgen. Sie geraten also'in direkte Fühlung mit der allgemeinen' Teuerung und wissen heute bereits, daß ihre nächste Generation schon im.. Kampf mit' der Verarmung stehen wird.' * Die Einbringung der. Gesetzesvorlage im National-; rat war erst nach schw.exen Verhändlungen zwischen den liehen Produzenten.möglich..? Die. Vorlgge^' hat fehr ' schwere Mängel. Sie', läßtdenk, städtischen Grundbesitz^, die Möglichkeit der Ueberwälzung aust die Mieter und ' sie akzeptiert das. Jndexsystem, das eben durch seine Anpassung an die Steigerung der Lebensmittelpreise immer wieder zu einer neuen Teuerungswelle führt. Offenbar rechnet die.Regierung damit, daß .es ihr gelingt, in kürzester Frist zu einer Senkung der Preise und dadurch indirekt zu einer Verlangsamung der Rotationsprcsse zu gelangen. Diese Rechnung scheint aber nur sehr, schwach fundiert. Die österreichische Krane ist in Zürich wieder ins Gleiten gekommen und die Vorgänge auf dem Wiener Geldmarkt zeugen fiir ein fast untilgbares Mißtrauen der Oeffentlichkeit in eine Besserung der Verhältnisse. Mit finanztechnischen Maßnahmen ist da wenig getan. Die allgemeine Politik des Staates bemüht sich nicht, den Forderungen der Zeit zn entsprechen. Sie kann dies , auch nicht, weil in der Regierung zwei Richtungen aneinandergeköppelt sind, die höchst divergente Anschauungen vertreten und sich gerade in ihrer Stellung zum Staate in einem unüberbrückbaren Gegensatz zueinander befinden. Die Auswirkungen dieser Unklarheiten im Schoße der Regierung sind es, die jede aussichtsvolle Maßnahme retardieren und die allgemeine Skepsis noch verstärken. , .=■■'* Auch die Sozialdemokratie hat die Anrufung ihres Klassencharakters wieder schärfer akzentuiert. Sie ist jene Partei, die die Budgetsanierung und die Einstellung der Notenpresse als dw wichtigste und erste Voraussetzung einer Gesundung Oesterreichs bezeichnet. Aber sie selbst tut nichts, um dem Staat den Weg' zu diesem Ziel zu erleichtern. Sie nimmt in diesen Tagen wieder eine Erhöhung der Tarife für. die Straßenbahnen und für die Beleuchtung vor. Die Folgen solcher Regulierungen find uns wohl bekannt und es ist klar,, daß sie wieder nur den - Haushalt des von allen Seiten ausgebcuteten Mittelstandes treffen. Die^Arbeiterschaft-beeilt sich, den Mehraufwand auf die Arbeitgeber zu schieben. Der Beamte, und Staatsarbeiter folgt dem Beispiel und zwingt den Staat zu einem, neuen.Bittgesuch bei der Oesterreichischungarischen Bank. Das vereitelt dann wieder das Resultat der Anleihe, noch eheste aufgelegt ist. Es mag sein, daß die Sozialdemokratische Päriei zu . ihrer Haltung durch den wachsenden Radikalismus in ihren Reihen gezwungen ist. Aber wie lange dieses Ueberlizitieren noch möglich ist, darüber braucht man nicht so intensiv, nachzndenken. Die Bevölkerung ist am Ende ihrer Kraft und es wird schließlich doch nichts anderes Möglich sein, als .daß eine Konzentration der auf dem österreichischen Standpunkt stehenden Parteien zur Ordnung der Verwaltung gebildet wird. ° . "'wam11.UUU»"'1 "*** - * A- ♦♦ Petalte iw ßngltschM Unterhaus. — Grstzer Sieg dev Regierung. — 292 Stimmen fiir, 35 Stimmen gegen ihre PalLstrira-Pottttk. — Schwere Niederlage des Oberhauses. London, 4. Juli. (Te^i d. „Wr. Morgenzeitung".) Im englischen Unterhausefayd heute, die große Debatte über die britische Palästina-Politik im.Sinne der Errichtung eines jiid is ch n at io n alen Heim es in Palästina statt. ' - Gleich wie im Oberhause, versuchten die von/der vatika.nifchen nnd arahifchen Gegenagitat i o n erfaßten Mitglieder deä Unterhauses einen Vorstoß gegen das zionistische. Projekt. Ihr Sprecher, S i r I o h nson-Hicks, brachte eine Resolutisn ein, in welcher die zionistische Politik der Negierung verurtellt wird. Ihr Inhalt deckt sich ungefähr mit dev antizionistischen Resolution Lord JslingtonS imOberhanse. Der'Kolonialminister Winston Chür chill verteidigte in einer glänzenden Rede die zionistische Politik der britischen Regierung. Bei der Abstimmung, ergab sich eine überwältigende Majorität für die Regierung. M i t 292 g e g e n 35 Stimmen wurde die antizionistische Resolution abgelehnt und die Politikder Regterung gebilligt. Für das Oberhaus, welches rnst? einer Zweibrittelrnajorität die Palästina-Politik der Regierung abgelehnt hatte," bedeutet diese Abstimmung eine sehr schwere Niederlage. Sie'beweist, daß das. englische Volk in' seiner übergroßen'Majorität fest entschlössen ist, dcks hem', jüdischen Volk gegebene Versprechen zu erfüllen. , . / DK- .AMnynuug > inu^eng'l^" lltzterhause .hgt -den rüng.ööu einer^ etdrückerchest. Maförität^A Duich diese Abstimnmüg 'sinb^Äe./Wdlichen Wirkungen, welche die Resolutiondes Oberhauses, zeitigen. konnte, Iveit m,ehr als wett, gemacht und' ,die/' Gefahr. ist. gebannt worden, daß in einem Stadium, da die . endgültige . Ratifizierung des Mandats nnmittelbar . bevorsteht, die englische Palästina-Politik von der englischen.Gesetzgebung von neuem modifiziert und der Inhalt des Mandats zum parlamentarischen 'Kämpfobjekt geworden.' wäre. Die Abstimmung im englischen Antercha'üse stärkt nicht bloß die englische' Palästina-Politik vor '^der britischen Oeffentlichkeit, sie wird auch geeignet sein, die offenen und . geheimen Gegner, soweit sie im-Völkerbund vertreten sind, oderihren . Einfluß i auf die im Völkerbund vertretenen: katholisch e n M ä ch t e geltend machen,' darüber zu. belehren, daß das demokratische englische Parlament, die einzige Instanz, welche den Wählermassen' Englands verantwortlich ist, hinter. der Politik der britischen /Regierung bezüglich Palästinas steht. Die Situation in England ist bezeichnend: während die reaktionären Lords, die' Verfechter der imperialistischen' Unterdrückungspolitik, plötzlich ihr Herz für die Araber entdecken, an. deren Unterdrückung.niemand denkt, treten gerade die demokratischesten und fö rtschr i'ttli ch st en El emente im "Unterhaus, wie die Labour Party,, mit größter Wärme für die zionistische Politik ein; ein deutlicher Beweis, daß man auf dieser Seite den Charakter des zionistischen Programms als friedlichem Kultursaktor vollauf zu würdigen weiß. Das Palästina-Mandat. ' Rom, 5. Juli. Die Blätter berichten aus London, daß die -Bemühungen Schanz ers wegen Zuweisung des! In balandes an I t a li en von Erfolg begleitet sind./ Das Mandat über Paläst in a wurde dem s V ö l k e r b u n d überwiesen, der am 15. Juli zu eurer Beratung Zusammentritt.- Das Jubaland (Dschubb, W'ebi hiweni) ist das im iSomaliland (an der- Oftküste Afrikas) gelegene Gebiet zu ^HheN-'.Sertenl-es''FubäflUsses,- ^dtzr^.sich:.'.in ^dett-üridrsch'e» .M^u-'ergießt/Mgch^M dete dieser Fluß/die Grenze zwischen der' englischen und 'italienischen Jnteresiensphäve undübergeht nunmehr vollständig in italienischen Besitz. ' - Die Haltung dev Avabev. Jerusalem, 4. Juli. (I. C. Bi) Die Exekutive des-ara» bischen Kongresses hat th einer außerordentlichen Sitzung den R ü.ck t r i t t de s Prä s i d e n t e n A r i s Pa sch a zur Kenntnis genommen, da die arabische Delegation m London keinen Erfolg zu erzielen vermochte, wodurch ihr weiterer Aufenthalt in England keinen Zweck mehr hat. Ferner beschloß die Exekutive einen arabischen Generalstreik für den 13. und 14. Juli. Einstein auf der Proskriptionsliste. Berlin, 5. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der-Anschlag aus Harden ist vollkommen aufgeklärt. Der zweite Tater ist ein gewesener Oberleutnant Walter A n k e r m a n n. Dieselbe Mordgesellschaft, die diese beiden ausgesandt plante Anschläge gegen den Reichsverkehrsminister G r o e n e r> den Reichspostminister G i esb e r t s, die drei Ehesredaktrure. Georg B e r n h ä r d („Bossische Zeitung^), Theodor W o lf („Berliner Tageblatt").und Helmuth von Gerlach (,>Welt im Montag"). Auch E i nst e i n steht auf der Listet In der Wohnung der Brüder Küchenmeister, denen auch der Kraftwagen gehört,' in dem die Mörder Räthenaus fuhren, wurde ein großes Waffenlager gefunden.- R e i ch a r d t und Ä n k e r man n, die beiden Attentäter gegen Harde», habest nach ihrem Geständnis mehrfach die Wohnung H ä r d e n s beobachtet und sind dünn zu dem Entschlütz gdkömmen, inder Abendstunde das Verbrechen anszuführen! Beide sind im B e sitze von Totschlagern gewest,' außerdem hatten /sie noch scharf g e s ch l i f f.e n e, im . Griffe feststehende Messer bei sich. Als man Reichardi sestnahm, trug er den Tot« ' schlager noch ans HandgeftnkvgAMhllt. Der Totschläger selbst besteht aus einer schweren/ Pleikügdl, die in Leder eingeflöchten ist «nd mit einem Riemen am Handgelenk befestigt wurde. . , . . In der Wohnung der veidöst Hat man verschiedene Papiere vorgefnnden,, darunter astch den Entwurf . « i ue S LeleLr a m m s. in dem'von dem grlNtmeyen Attentat Meldung gemacht wird. Dieser Entwurf stammt, wie Reichardt behauptet, von Ankermann, trägt aber, keine Adresse. Reichardt bestreitet vorläufig, daß er der in Hamburg aufgedeckten Geheimorganisation War necke angehöre. Bestätigt sich jedoch diese Annahme, so mutz man daraus schließen, daß man auf die Spur einer weiteren Mörderorganisation gekommen ist, die starke Beziehungen oder vielleicht sogar ihren Sitz in Oldenburg hat. Bon dorther stammen die beiden Verbrecher, nnd sie sind von Oldenburg eigens zur Ausführung des Attentats nach Berlin gekommen. Inzwischen ist in Allenstein in Ostpreußen der frühere Oberleutnant Op p e n im Aufträge der Berliner Polizeidirektion unter dem dringenden Verdachte der Mitwisserschaft festgenommen worden. Es handelt sich um. ein Mitglied der Geheimorganisation C. Die vorgestern berichtete Auflösung des Hochschulr i n g e s ist auf Grund kriminalpolizeilicher Ermittlungen erfolgt, die ergeben haben, daß er zur Teilnahme an einer militärischen Geheimörganisation aufgesordert hat. Die Presseabteilung der badischen Negierung teilt mit: Gegen den Polizeirat M e n g in Mannheim, der beschuldigt ist, ans der Polizeiwache im Dienst die Reichsfahne als I u d e n.f a h n e bezeichnet zu haben, ist ei« Pi^iplinarvetfähren eingelöitet worden. .Polizeirat Meng wurde inzwischen seines Dienstes enthoben. — Bon den Karlsruher Stttdenten. die durch ihre Rüpel- ■ •-'••-dff.-»-- -A