Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1228 (2.7.1922)
- Date
- 1922-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^Trafiky 'in'^riaiiich K 2900 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich nionatl. K 2900 Tschech o-Slowakei: Mon. IC20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark'800; D eütsch Ian’d's Mon. tyark 6Y. Pranhe i c h s Monatlich Pres. 6 Tschecho-Slowakel i Sschech.K1.SO 11a!ien: Monatl. 6. Uri Rumänien: Mon. 49. Lei Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs..2 Redaktion u. Administrativ» Wien, II., Taborstrasse l-fr3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: ,MorgenzeitunV, Wien Oesterreichisches Postsparkassen -Konto Nr. 150.693 Rr. 1228 Wie«, Sonntag, 2. Juli 1922 4. Jahrgang rr.*-n~ gegen Mord . —y. W i en. 2. Juli 1922. . Die Rathenau-Affäre führt direkt auf die Ermordung Erzbergers zurück. Im Laufe der Untersuchung ist man auf wichtige Spuren gekommen, die nach'Osnabrück laufen und dort, im Zentrum des Teutoburger Waldes, sind Leute verhaftet worden, die der Beihilfean der Beseitigung des Zentrumführers dringend Verdächtig sind.' Im ganzen hat die Behörde siebenhundertfüüfzig Personen, - Offiziere und Studenten, als -Angehörige des Mordklubs' Eonsul dingfest ge- Ulacht und es sind' ihr auch wichtige Photographien und belastende Briefe in die Hände gefallen. Die-Recherchen mußten über das ganze. Reichsgebiet ausgedehnt werden. Diese Notwendigkeit, gibt über die Verbreitung der Mordseuche Aufschluß, die tatsächlich . in alle Kreise des deutschen Bürgertums Eingang gefunden -und ' vor allem die Jugend ergriffen hat. Die Aktion auf diese Reaktion bleibt natürlich nicht aus.. An verschiedenen Wdüstriepunkten Deutschlands ist es zu schweren Ausschreitungen empörter Volksmassen -g'ekömm'eu, bei denerl auch, scharf geschossen wurde. Solche Vorfälle, die - man ja an sich versteht, sind nicht geeignet, die politische: Klärung zu fördern, an der alle Parteien Deutschlands,. soweit sie politisches.Verantwortungsgefühl besitzend arbeiten. Im Reichstag ist die vielumstrittene Vorlage über die obligatorische Getreideumlage endlich, wohl Unter dem Druck der Verhältnisse, angenommen worden und die- Parteien stehen nun vorder Aufgabe, die gesetzliche Sicherung der Republik durchzuführen. Die Verhandlungen, die im Gange sind, drehen sich um die Herbeiführung eines Kompromisses, das es auch den Deutschnationalen ermöglichen soll, , für die Vorlage zu stimmen. Das scheint von vornherein eine ' faule Sache. Die Deutschnationalen, deren Trauer über Mstssendemonsträ^oney und allgemeine Arbeitsruhe'. .nicht'eintreten, weil es fiir sie zu verlockend ist, sich/ einmal -als -D'entökrätenaufspielen zu dürfen? Auch stützen sie sich auf den Widerstand Bayerns,-das nach Annahme* des Gesetzes seine Bevölkerung,' soweit sie gut angezogen geht, dezimieren müßte. Aber selbst^ wenn das Gesetz' durchgeht — welchen Wert hat es? Ist noch jemals ein ' Mord oder irgendeine Lumperei durch ' ein Gesetz verhindert worden? Die Geheimverbände, dis sich hinter der biederön Firma einer bayrischen Handelsgesellschaft versteckten, wußten, daß ihr Werk ungesetzlich sei; denn sonst wären sie ja nicht so vorsichtig gewesen. Wenn man die Vorfälle der letzten Zeit verhindern, wollte, so hätten auch die jetzt bestehenden Gesetze, ihren Zweck erfüllen können. Gegen die Beleidiger der Armee sind sie angewendet' worden.und es wurden ein paar. Dutzend Jahre Zuchthaus verhängt. Nicht, gegen die Mörder aus dem Offiziersstand, die, wenn es nicht anders ging, ins Irrenhaus oder über die Grenze geschickt wurden. Ein Ausnahmsgesetz, das Ministermorde und Angriffe auf die Staatsform.unter noch so drakonische Strafsanktionen stellt, hat bei der.Stimmung, die in Deutschland herrscht, nicht den so notwendigen Boden im. VE Die drei Elemente, auf die sich ein Staat stiitzt, Schule, Ge-, richt 'und Heer, sind der Republik entfremdet und stehen vollständig auf der Basis der monarchistischen Reaktion. ... Vollends wirkungslos ist dieses Gesetzesprojekt auf .dem Gebiete,, auf dem es vor allein Ordnung schaffen sollte. D.ie Juden sind in Deutschland vogelfrei. Die. schamlose Agitation ist gegen sie. seit Kriegsbeginn . im Gang, erhalten, worden. Amtliche und nichtamtliche Stellen.wetteiferten-darin,, -die Judeu.für,.- alle Rü.ckschlage und.Enttäuschungen des Krieges' zu. belasten. Als. durch die Ermüdung der Front.Und. durch, die. strategischeu Fehler Ludendorffs die Niederlage'schwerer undumfangreicher heranbrauste, als selbst die ärgsten Pessimisten sich'vorgestellt hatten, waren es die Juden, denen, eine, geschwinde und gut organisierte'Demagogie bic Schuld zuschob, Die Republik geriet in Schwierigkeiten, .französische .Senegaltruppen erschienen am .Rhein, Schleswig und Oberschlesien gingen verloren — .immer, die Juden! Diese Agitation hat ihre Früchte getragen' und der Mord an Rathenau ist nur ein kleiner Teil der Situation des deutschen-Judentums. Die politische Einstellung der Juden, ob. sie nun rechts oder links oder. neutral stehen, hat damit nichts zu ituti.. Die-anstfeMti-. sche Parole der'Knüppelmänner trifft alle ohne Unterschied; Das kann Wohl-durch kein Gesetz geheilt werden, aber doch würde ein', solcher' Schritt'.der PögieMrg auch; jene Schichten der deutschen Oberschicht zur klaren Stellung zwingen, die' bis' heute' den Antisemitismus insgeheim mit vollen Händen unterstützen, über ihrer jüdischen Kundschaft oder Klientel wegen nicht offen Farbe bekemM- LüL daLIMntniU äx mM M IAeit letzt Berlin, 1. Juli. -(Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Sämtliche sozialistischen Parteien, die Mehrheitssozialisten, die unabhängigen Sozialisten und die Kommunisten, die sich nach dein Morde ar/Rathenau zu gemeinsamer Aktion züsänkmengeschlossen haben, sondern heute in einem.Ausruf an das repnblikqnische Volk die Masfm zu einer neuen Demonstration . aus. Demo,Mriert . soll werden für das Gesetz, zum Schutze der Nepublikündfür die Politische Amnestie. ' Dienstag den 4. Juli sols wieder, wie am Tage der Leichenfeier für Rathenaü, die Arbeit von 1 Uhr ab den ganzech Nachmittag über ruhen. Auch die, Eisenbahnen sollen eine halbe Stunde lang stiügelegt werden. An diesem Nachmittag sollen überall in ganz Deutschland öffentliche Ver- - saytmlungen' auf Straßen ünd'Plätzen stattfinden. In diesen Versammlungen sollen die Forderungen verlesen werden, die die vereinigten Maldemokratischen Parteien bezüglich der -Gestaltung desiMesetzes zum Schutze. det Republik aufgestellt haben. Ueber diese Forderungen - sollen Abstimmungen veranstaltet werden. An die Versammlungen sollen sich streng geordnete StMenumzüge anschließen. Die örtlichen Leiter dieser Stratzenmnzüge sollen dafür Sorge tragen, daß keine schädlichen Störungen der öffentlichen Ordnung und des Verkehrs Htttreten. Die Polizei kochyti'-Hier vsyständigen Austlärung des WÜr-r naPk;Deutt w^Mn^ gA h l r e^r ch^' B^ rsM-e n, die unter dem Verdacht dej^EMUexsEaf^ der Begünsti-?!' gung oder der indirekten Beteiligungam Morde stehen,, nochmals vernommen und einander gegenüber gestellt. Stündlich kommen n e u e Haftl'ingean/die sich in Berlin oder in der Provinz durch rechtsradikale.Betätigung, verdächtig gemacht haben oder von denen man weiß, daß sie irgendwie mit der Organisation C in Verbindung stehen. ' . . . - f 's ‘ ‘ ' Die Herkunft des zum Morde, benützten Autos wurde. dadurch festgestellt, daß die Vorderräder neue Kontinent« l r e i fe n trugen, so daß;die Fabrik angeben konnte, diese Reifen seien vor zwei Wochen nach Dresden geliefert Wörden. So kam man auf die Spur der Spinnereibesitzer K ü ch e n m eiste r in Krkiberg, > die als Besitzer des Autos fcstgestellt wurden. Ein Brüder ist nach Berlin gebracht worden, will aber nichts von dem Morde gewußt hüvem" - Ueber die Verhaftung Küchenmeisters wird aus Oetz berichtet: Er war Donnerstag abends mit seiner Frau in Oetz angekommen, wo er im Hotel „Drei Mohren" absti^g. Freitag früh-langte bei der Gendarmerie in Oetz von der deutschen Grenzpolizei in Kufstein die telegraphische Weisung ein, Küchenmeister sofort in Hast zu nehmend Per der Verhaftung war er sichtlich niedergedrückt und - leistete keinen Widerstand. Er gab sofort zu, daß er fein . Pxivatauto ..... r;: /'"De.'ekttss» Hrlittscherr ZweÄ , — zu welchem, sagte er nicht — zur Verfügung gestellt habe. Er wurde zunächst in das Bezirksgericht nach Imst und' dann noch im Laufe des gestrigen Tages mit dem Schnellzug nach Kufstein gebracht, wo «er der deutschen.Polizei übergeben, wurde. Seine Frau ist von. Oetz nach Deutschland abgereist. , Im Laufe des gestrigen Abends ist der erste Vorsitzende des Schweriner Schutz- und Trutzbrtndes, Macht konnnt. Es ist eine der Kaufmann Erich B a d o w, als Häftling in Berlin ein« geliefert worden. Angeblich soll er über die Mörder und ihre Helfershelfer genau Bescheid wissen. . Der Minister des Innern hat an die Rheinlandskortt» Mission das Ersuchen gerichtet, den Düsseldorfer Ingenieur K a u e r tz auszuliefern, den man erst im Verdacht hatte, mit dem flüchtigen Mörder Knauer identisch zu sein. Der' Beteiligung am Morde ist Kanertz nicht verdächtig, doch soll er ebenfalls der O r g a n i s a t i o n C üügehört Haben. Der Erzberger-Mopd. Berlin, 1. Juli. Nach einer Meldung des „Bovwärts" aus O s n a b r n ck wurden dort der Fabrikant F r ö e w b l i n g, der Fabriksditektor M eye r und der deutschnationale Parteisekretär Landwehr wegen Beihilfe an der E r m ordungEr zbergers verhaftet. Karlsruher SLudenten^ Die Wirkung der Ermordung Rathenaus auf gewisse , nationalistisch-studentische Kreise macht eine Nachricht' des. Karlsruher „Volkssrrundes" ersichtlich. Eine Gr-lppe von Studenten traf sich am Biertisch in einem öffentl ich e n L o k a l und es wurden die gemeinsten -Reden auf den Ermordeten gehalten. Endlich stand. der Student Stolz auf, um auf Rathenaü eine,Mrabrede" zn halten. Dem Sinne nach schloß die Rede etwa so: „Plötzlich;Laj^.eiu großer. Gest.nk auf'die; Himyrelstür zu und Petrus '^aM'Was ist das?' Es'wurde ihm geMwörtet, das M WhenaM Bravo, riefen,, die Engel! Hoffentlich k o m m t W i r t h a u ch b a l d!" Die im Wirtshaus anwesenden Gäste holten die Polizei, f die energisch eingriff, und die vertierten Menschen zur Wache brachte. Stolz wußte hier den schändlichen Inhalt seiner Rede zu Papier bringen, der Tatbestand wurde von Zeugen fcstgestellt. Erst dann wurden die Burschen wieder entlassen. Am Abend aber hielt es die Polizei klugerweise für ratsamer, alle Beteiligten zu verhaften. Eine Verhaftung in New-Bovk. New-Aork, 30. Juni. (Reuter.) Die Polizei verhaftete an Bord eines aus Europa kommenden Dampfers den Deutschen Max P e t e r s e n, der sich ohne Wissen des Kapitäns eingeschifst hatte.^Wahrend der Reise eroffnete ' er den Schiffsoffizieren, daß er z u r B r i g a d e Erh a r d t gehöre und alles über den Mord R a t h e n a u wisse. Er fürchte, nach Deutschland zmückzukehren, da er überzeugt sei, daß er hingerichtet werden würde. Die „christlichen" Arbeiter demonstrieren nicht gegen d^n Mord! Ber l i n, 1. Juli. (Wolff.) Der Christlichdeutsche Gewerkschaftsbund fordert die christlichen Arbeiter, Angestellten und Beamten auf, an dem für den kommenden Dienstag von den sozialdemokratischen Parteien angesagten Streik nicht teilzunehmen, weil ein solcher Mißbrauch gewerk- ’ vergrößere und, dem Schutze der Verfassung sowie der Sicherung des Rechtes Nicht diene. -- - ..; Das Beileid der österreichischen Regierung. Wien/1. Juli. Der deutsche Reichskanzler hat an den Bvndesminister für Aeußeres folgendes Telegramnr gerichtet: „Für die warmen Worte herzlicher Anteilnahme die Sie namens der österreichischen Regierung anläßlich des jähen Ablebens des Reichsministers Rathenau hierher gerichtet haben, bitte ich, den tiefgefühlten, innigsten. Dank :der deutschen Regierung eütgegenznnehmen." raau und,lveit schärfer als je die. Pflicht, seine gesamte innerpolitische Stellung . zu revidieren.' 'Auch. das i deutsche; Judentum wird) , wie das österrerchische, daspvlllische' Und das ungarische ör'kennvn 'ittllMtt,-bAß'-jeded/W-dön-' Semen. gehört' und düßdiel RechtldWeit: bei: jüdischen. Minorität erst dann enden kann, wenn das Judentum auf feinem eigenen Böden mx. Aanunluna und. iM grausame, aber logisch fest 'begründete Lehre, durch die alle Teile der.jüdischen Nation -hfn.durchwanderw Myssen.^. ■ Wo immer sie leben, .Mts^müssen si^Mriasmnd' Heloten Äejben, so lange es /kein 'jüdisches Äolkszentrum. gibt.. Das kann aber nür durch die konzentrierte .Energie aller Juden errichtet we.ÄegL. .