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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-26 · Heft 1222 (26.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1222 (26.6.1922)
Date
1922-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummern 80 Wi en: Zahn Abholen in der, Expedition, Ü.,Täbor str. 1 -3. oder in einerVerschleisstelle ■ Trafik) monatlich K 2900 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl, K 2900 Ts che c h p^Sl o\yak e i: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25.- Polen: Mon. Mark 800. .Deutschland: Mon. Mark;, 60.' Frankt e i e h: Monatlich Frcs. 6 roter Tschttcho^Slewakttt ischech. K 140 Italien: Monatl. 6. li^ Rumänien: Mon. 40. Lq Schweiz und. das übrig» Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u.Administratioi Wien, II., Taborstrasse 1—j Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301; Tel.-Adr.: .Morgenzeitung*, Wien ' O österreichisches Postspar» kassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1222 Wie«, Montag, M Inni 1822 4. Jahrgang Wie», Montag, 26. Juni 1822 M» ♦♦ ♦ Vom Ausland ahtzeschniLLen. — Lebenskrittelzüge im Verkehr. -» Ultimatum der Wierrer Strützenbahner. . Der fraAzOfiDe Kredit. Zn der DrenstagsiHEg der Nationalversammlung, deren BeschirrtzfähiZksit man erhofft, wird der Bundesminister Gegnr offizielle Mitteilung machen; haß die e r ft'e Rate des französischen Kredites für Oester-,- reich im WsLraee von zwanzig Wlillionen französischen Fr cn:s der österreichischen Regierung zur Verfir-ung gestellt würde. An unsere Leser! Der seit Samstag abends fortdauernde Verkehrsstreck macht es unmöglich, die Expedition und Zustellung der „Wiener Morgenzeitung" an unsere Leser klaglos abzuwickeln. Insbesondere ist es unmöglich, den außerhalb Wiens und.Oesterreichs wohnenden Abonnenten die Zeitung zuzustellen. Wir sind überzeugt, daß unsere Freunde wohlwollende Geduld üben, werden. . \ Administration und Redaktion der „Wiener - Morgenzeitung^. Der Verkehrsftreik. . Während der telegraphische Dienst nach dem In-'und Auslände ungestört funktioniert und beim Wiener Haupttelegraphenämt das 'ganze. Material auf gearbeitet' ist, dauert der Streik auf den Bundesbahnen und den Privatbahnen, deren Personal in einen Sympathiestreik getreten ist, beim T e l e p h o n und bei'der Post ungeschwächt an. Ein Ende ist noch-nicht'abzusehen.' Die irr Wien einlangenden Telegramme werden'durch Beamte den Adressaten Zugestellt. Vor den Bahnhöfen sammelten sich gestern in den ' Vormittagsstunden- Tausettde von Menschen an, in der Hoffnung, daß der Streik noch: vormittags beendet wird und Ausflugszüge abgelassen; werden. Da 'dies nicht der Falb war, benützten: die' Ausflügler .die Straßenbahn, die: einen R e kor dvr r k ehr nach Nüßdorf, Neuwaldegg, ' Mauer-Mödling, Salmansdorf, Floridsdorf usw. zu bewältigen hatte. Vielfach ten-Men^hntzw'den-SttpßMüMerMvBorKÄrf^'-MßiM'" nicht ebenfalls in den Streik getreten sind, erhielten-jedoch' die Antwort, daß erst'h e u t e a b e n d s die entscheidende Versammlung , der Straßenbahner stattfinde:- Als sich mittags das Firmament verfinsterte und nachmittags über Wien ein heftiges Gewitter niederging,, ließ der Verkehr sehr nach und Gast- und Kaffeehäuser, hatten einen Massenbesuch aujzuweisen. Der telephonische V e r k ehr stockt infolge Ausschaltung der Kabeln vollkommen. Bei der Post wird sich der Streik erst morgen fühlbar machen,'doch sind: Vorkehrungen getroffen, daß wenigstens die L oHal p o st'not-. dürftig funktioniert. Von jedem Bahnhof wird, für die Dauer des Streiks täglich ein Lebensmittelzug und ein Zug für die Streikenden selbst abgelassen. Die Vertrauensmänner der Streikenden beschlossen, im Ausstan.de zu verharren. Die M i t g l i e-b e i der Regierung waren vormittags in der Bundeskanzlei versammelt. Der Ministerrat beschloß, während der Streikdauer keinerlei Verhandlungen zu führen. Es wird vielfach erklärt, daß die meisten der Streikenden durch das Angebot der Negierung noch Per Juni.mehr erhalten, als' nach den Forderungen der Organisationen.' Die Regierung verharrt bei ihrem letzten Beschlüsse.. Morgen wird die Auszahlung der restlichen zwei Märzbezüge und der Familienstandszulagen an die Dienstwilligen' erfolgen. - Die Ruhe wurde in keiner Weise gestört und nirgends kam es zu Akten der Sabotage.. BeförderANg von LebensMitteLn. - Obwohl die Güterbeförderung auf den österreichischen Eisenbahnen dermalen wegen des Teilstreiks vielfach ruht, werden gebendes Vieh, Lebensmittel und leicht verderbliche Güter befördert. Die Eisenbahnen der Nachbarstaaten wurden hiervon verständigt. . ELrrrLchtrmy. eines NDtverkehLs.' ' Die Regierung hat gestern nachmittags für den Fall, daß der Eisenbahnerstreik von längerer Dauer sein sollte, den Beschluß gefaßt, folgende Vorkehrungen zu trMeu: Sieben Piloten sind mit den entsprechenden FKlgzeugen in Dienst zu stellen, und zwar sowohl für den Passagierverkehr als auch für Beförderung wichtiger Posistücke. Die D o n a n m o t o r b o o t e sind für die Streikdauer zu beschlagnahmen und in den Dienst des öffMichen Verkehrs zu stellen. Die Benzinvorr.8te sowohlwie die stärkeren P e r s o n e n a u t o w o b i l e werden beschlagnahmt und ein Fernverkehr eingerichtet. Aus diese Weise hofft die. Regierung, bei längerer Streikdauer wenigstens einen Nötverkehr nach den benachbarten auswärtigen Staaten sowie nach der österreichischen Provinz aufrecht erhalten rn können. .. . /Die Börse geschlMeri. - Die heutige Börse blieb geschlossen» Die Eröffnung wird erst nach Beilegung des Streiks erfolgen. ' ' Ein AlLiELnM der SLr-stz^nbshner. Eine gestern nachts abgehaltene- Versammlung der! Straßenbahner beschloß, der Direktion, ein Ultimatum bis heute 6 Uhr abends zu stellen. Die Angestellten lehnen den neuen Kolleküövertrag sowie die Festsetzung des effektiven achtstündigen Arbeitstages ab, verlangen- 50 Prozent Zuschlag für Ueberzeit, Nachtdienst und - Feiertage sowie für die'Monate April, Mai und Jrrni ,einen Anschaffungsbeitrag von 120.000 K. Die Sozialdemokratische Partei macht darauf aufmerksam, - daß bte; Verschärfung der ©ttita* führen sei. ' ' Matznahmen der Negierung. Die Regierung' hat für heute eine. Sitzung.des , Hau p t a u s sch u s s e s anberaumt, nachher findet eine O b m ä n n e r k o n f e r e n'z im Parlament statt. Für Dienstag nachmittags ist - die.Nation alverbe r s a m m l u n g einberufen, der an diesem Tage das Gesetz-über die Notenbank vorgelegt' werden soll. Unter der. Voraussetzung, daß die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen, wird die Regierung der Nationalversammlung eine Gesetzesvorlage über das. Beamtenproblem unterbreiten, wobei der Negierung folgende vier Punkte als Grundprinzip vorschweben: 1. Indemnität für die Geldauszahlungen an die Bundesangestellten.. v . . . 2. Festlegung der Bezüge für die - Bundesangestell-. ten unter Revidierung des Index..- .. . ' -'3. Die weitere Entwicklung der Beamtenfrage unter Berücksichtigung der finanziellen Auswirkungdes Sanierungsplanes, das heißt unter Berücksichtigung des dadurch ’ in Erscheinung tretenden negativen Index.- 4. Festsetzung der Gebühren bei Verheirateten und Kindern. Das Mißtrauen der Randstaaten gegen Rußland. ( . Warschau, 24. Juni. „Kurzer Warszawski" meldet, daß die polnische Antwö?r t auf die.Note Litwinows gleichzeitig mit oen Antwortnoten,Lettlands, Finnlands und Estlands überreicht werden würde. Der Wortlaut der Antwortnoten werden fast $1 e i ch l a u tend sein. In der. Antwort, werde hervorgehoben werden, daß' die Sowjetregierung ihre früher eingegangenen Verpflich-, tungen , nicht eingehalten habe. Es sei daher nicht zu erwarten, - daß sie die Verpflichtungen hinsichtlich der Abr ü st u n g einha'lten. werde. Das bestem Mittel,- den Frieden zwischen Rußland, und'seinen Nachbarn zu .erhalten, wäre die getreuliche Durchführung der bereits g e s ch l o s s e n e n Verträge. Gompers Führer deramerikanischen Arbeiter. Cineinatti, 24. Juni. Gompe r s wurde zum vierten Wale, zum Präsidenten des amerikanischen A r-! beitsverbandes .gewählt. Der ameruanische Arbeitsverband hat. neuerlich beschlossen, die Anerkennung der Sowietregieruna abzulebnew Die Ermordung Rathenaus. Die Ausnahmeverordnuüg de» Reichpräsidenten. Berlin, 24. Juni. Die für 7 Uhr abends angesetzte .Reichstagssitzung wurde erst nach 8 Uhr eröffnet. Die Tribünen waren überfüllt. Die Mitglieder der. Regierung sind vollzählig anwesend. Reichskanzler Doktor Wirth ergriff das Wort und erklärte, die Regierung richte'heute an das deutsche Volk einen Appell, und eine Warnung:^ Die Ermordung Dr. Rathen aus. hat. die große Gefahr enthüllt, die die innerpolitische Gärung Deutschlands auszeigt. Die. gegen. die Staatssorm gerichtete .verbrecherische Aufreizung herführe verworrene, - blinde Geister immer mehr, zum Morde und 'zu - M ö r d v e r.s u chen. Ein V e r s ch w o r e r n e st droht den inneren Frieden zu.' stören und die Grundlage unserer -Wiedergeburt zu vernichten. Die - Ermordung Dr. Räthenaus ist nur ein Glied in der Kette der gegen die Republik vorbereiteten Attentate. Man muß energisch handeln, um sich' gegen diese verbrecherischen Attentate zu schützen. Man darf gegen den Wahnsinn eines Nihilismus, der sich' oft unter dem Mantel des nationalen Geistes verbirgt, keine Nachsicht haben. 'Die Republik ist in Gefahr. -Das Reichskäbinett hat im Bewußtsein der Gefahr den Reichspräsidenten gegeben, von seinen verfassungsmäßigen Rechten Gebrauch zu machen und den Schutz des Staates und der Republik sowie der Vertreter des Staates zu sichern. , . "; : ■ - »• ' Der Reichskanzler verlas sodann die erlassene Verordnüng"deH Präsidenten. Diese Verordnung ermächtigt zum Verbot b o n Ve rsammlungen und Umzügen, die. eine Bedrohung des innereen Friedens des Staates bilden könnten oder die den Sturz der MepublÄ-PdKr^iMr.'iFühLev' MNr-rZiele'-'haben. Die" solche Ziele verfolgenden Vereinigungen können äüfgelöst werdpm- . ' Reichstagspräsident Loebe stellte den Antrag, morgen mittags eine Sitzung abzuhalten, um über die Erklärungen der Regierung zu beraten. Der Reichstag stimmte diesm Antrag zu, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Abgeordneter Helfferich war in der Sitzung nicht anwesend.' Gine Million Mark Belohnung. Berlin, 25. Juni. Der Polizeipräsident veröffentlicht über die Ermordung, Dr. Rathenaus eine Bekanntmachung, in der die B e l o h n u n g für . die' Ergreifung der Täter auf eine M i l l i.o n Mark erhöht wird. Der Leichnom furchtbar verftürnMslt. '. , Berlin, 24. Juni. Die. vorläufige Obduktion dev .Leiche Räthenaus.hat ergeben, daß mehr e r e der S ch u ß-. v.e r.l e tz u n g e n tätlich waren. Der Minister. war. m eh r mal s in d e n,.K o p f g e t r o ff e n worden. Eine Kugel hatte die. Schulter durchbohrt und ist m der Brust' stecken geblieben. Die Han dg ranäte hatte die E i n g e w e i d e. z e r r i s s e n. Der Körper des Er-, mordeten weist furchtbare Verstümmelungen auf. — ProtestverhBMmLANgerr. * Berlin, 25. Juni. (Wolff.) Aus Anlaß der Ermordung Rathenaus versammelten sich - heute vormittags im Lustgarten, etwa 250.000 Mitglieder der drei sozialistischen Parteien und der zwölf repüblikanisch-demokratischen Verbände zu einer großen Kundgebung für die Republik. Der Aufmarsch bot das-bekannte Bild. Von etwa zwanzig Plätzen.sprachen Redner verschiedener Parteien. Nach eineinhalbstündiger Dauer sva'r ^ie Demonstration beendet und die Massen zogen in bester Ordnung wieder ab. Es ereignete sich kein Zwischenfall. ........ FrairKreichs MiLschuLd.. ,. Paris, 26. Juni. Der Berliner Berichterstatter des „Echo de Paris" meldet: Ich erfuhr die Ermordung Rathenaus in den'Wandelgängen des Reichstages. Der Reichskanzler, der von mehreren Ministrn und einer großen Zahl von Abgeordneten umringt, war, denen er die Kunde von dem Attentat mitteilte, schritt, als er mich bemerkte, auf mich zu und sagte mir sehr bewegt und mit ziemlich lauter Stimme, um von den Umstehenden gehört zu werden: Warum hat Frankreich nicht die anstä'n'digen Leute inDeutschland unterstützt? Warum hat es nicht die demokratischen Parteien ermutigt? Warum hat es uns unausführbare Bedingungen aükerleat, die so viel Haß gegen uns etzeugt haben?. Die

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