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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-14 · Heft 1210 (14.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1210 (14.6.1922)
Date
1922-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f, 5 | •; ■. ■ Hnzeiitomhdr k?o Mi Q«: Zum Abholenan der LüßMjsiM, U.^Tdby)?strx1>3, ►derin eineiy ejrschleisstelle (Trafik) monatlich K 2100 Mit Poatversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 2100 Tschecho-SIowakei: Won. K20. Ungarn: Mon. K150: Jugoslawien: Mon. Dinar 25; P o len: Mon. Mark 800. Deutschland: Mop. Mark 50. Frank- * C i c h : Monatlich Frcs. 6 Nr 121V Wien, Mittwoch» IC Juni 1922 rschceho-Slowakal ■ : tschech.K 1.20 Italien# Monätl.' ß. Lire, Rumänien:’ Mon. 40. Eei S c h w e i z und» das phzpgo .Ausland monatlich Frei. 3. Redaktion u. Administration *Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44*0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. -Tel,-Adr.: ,MQrgenzeitürig‘, f Öesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang ■y. W i e n, 14. 3uni, , —-y. Wie n, 14. Juni. Der österreichische Bundeskanzler Seipel, der sich gestern mit dem Kabinett dem Bundesrat vorstellte, betonte seinen Entschluß, alle gewaltsamen Eingriffe in das Wirtschaftliche Leben zu unterlassen. Die Krise, von der Oesterreich befallen ist, sei keine ausschließlich materielle, sondern eine seelische Krise, was sich vor allem in den Angstkäufen des Publikums manifestiere. Die Rede klang in eine Warnung vor den Panikgerüchten aus, die unter-der Wirkung der Valurenhausse entstanden sind. Diese Gerüchte, die vielfach in der österrerchischen Provinz stärker austreten als in dem großen Nachrichtenzentrum Wien, beziehen sich in ihrer Mehrheit auf die Haltung des Auslandes zu der nun aktuell, gewordenen österreichischen Frage. Es wird von der Aufteilung Oesterreichs, von seiner Stellung unter internationale Kontrolle gesprochen. Alle diese Ausgeburten der Angstphantasie dementierte der Kanzler, ohne sie jedoch im einzelnen zu nennen.. Es wäre , vielleicht opportun'gewesen, wenn der Kanzler jeder' einzelnen dieser Ausstreuungen, die zu Börsenzwecken erfunden und kolportiert werden, entgegengetreten wäre. Er kündigte eine interne Hilfsaktion an, die mit den Wiener Großbanken in Besvrechung.steht und auf eine Stützung der Krone hinausgeht. Doch unterläßt Oesterreich keinen Schritt bei den Kreditstaaten, um diesß an ihre Pflicht urid ihre Zusagen zu erinnern. Diese Maßnahmen sind zwar selbstverständlich, aber man darf nur wenig Hoffnung auf sie setzen. Oesterreich ist heute mehr wie je darauf angewiesen, sich selbst Luft zu schaffen, und die Regierung hat in dieser Situtation jedes Notrecht. Sie muß vor allem das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung haben. .; ■ Wie das Ausland seine Pflichten erfaßt, lehrt die Rede, hie gesternder englische Schatzkanzler Sir Horm. ..V^WM'ÄnterMnS^Wer' Oesterreich gLhältewHät.lehrt weiter’ Me ReinwaschungsMlärüng dch’''WWWen^ Havas-Agentur über den bekannM VölkerbüUdbeschluß und'lehrt schließlich indirekt der Züricher Kurs./ Sir Harne hat mitgeteilt, England habe seinen Kreditteil aUsbezahlt, dagegen seien Frankreich und'Italien im Rückstand. Durch die Haltung Amerikas habe sich Oesterreich, von dem Generalpfandrecht nicht befreien können. Diese vorsichtig abgetönte Polemik des englischer: Staatsmannes erklärt leider nür die Tatsache, nicht aber die'Gründe für das Zögern Frankreichs und' Italiens. Es ist nun symptomatisch, daß sich die Gerüchte über auswärtige Pläne bezüglich Oesterreichs gerade an diese beiden Staaten knüpfen und daß heute die Türmer „Stampq" der französischen Politik Vorwürfe über ihre Donaubund-Absichten macht. Sicher ist, daß die Vorgänge rn Oesterreich in diesen beiden Staaten zu gewissen Bereitschaftskonktusionen Anlaß gegeben haben und daß die Verzögerung der Kreditgewährung damit im ursächlichen Zusammenhang steht. Die Frage des Generälpfandrechtes, ans die sich der englische Schatzkanzler beruft, spielt in dem erwähnter: Communique des Völkerbundes eine wichtige Rolle. Nach der englischen Lesart kommt sie durch Amerika nicht vom Fleck, der Finänzausschuß des Völkerbundes dagegen stellt das so "oft bestrittene Junktim mit den Befreiungsschttlden der Silkzessionsstaäten wieder auf und erklärt, er habe das Seinige getan, nun sei die Reihe an der Repärätionskomnüssion. Man spricht' vergebens viel, ’um zu beweisen. Wir hören nur das Nein. Die neuerliche Anschlußparole, dieaus der Verzweiflungsstimmung der Arbeiterschaft gekonnnen ist, findet in Deutschland nicht das warnte Echo/ das erhofft worden war. „Germania breitet die Arme aus," hat das großdeutsche Werter Organ gestern geschrieben, und die ebenso großdeutsclM „Deutsche, Tageszeitung" in Berlin, das Blatt der germanisch-arischen Brüder, läßt sich zu der Anregung des österreichischen „Anschlußjudeik" Otto Bcwer wie folgt vernehmen: „Die fast verzweifelte Lage Deutschlands, das selbst im Hinabgleiten in nahezu österreichische Währungsverhältnisse begriffen ist, macht es schon an'und für sich zu einem recht ungeeigneten Retter. Wenn die Krone in ein festes" Verhältnis zur Mark - gebracht würde, wären die Vorteile unter diesen Umständen auch für die Oesterreicher recht zweifelhaft. Es wäre ebenso, wie wenn zwei Leute auf einer glatten Eisfläche gemeinsam im Gleiten sind, der eine allerdings etwas schnellerals der andere/ und. dieser nun an dem Fuße des langsamer Gleitenden eine trügerische Hilfe suchte. MW-ganz abgesehen davon, bestehen durch die Abhängigkeit Deutschlands von der Reparationskommissivn Hemmungen, die sehr schwer zu überwinden sein durften..,'Eine etwaige.deutscheAnleihe^ an Oesterreich würde Pie .Entente voraussichtlich iit rxgendeineL Form Die Wiener Großbanken stellen 75 Milliarden zur Verfügung. — Die Verhandlungen vor dem Abschluß. - Fortdauer der Kreditverhandlnngeu mit der Äorgaü-Gruppe. Ae Vorgänge a« der Börse. Amtlich wird mitgeleilt:, - Im Finanzministerium - würde gestern eine Besprechung der. Regierung mit dem Chef des Hanfes B. M. v. Rothschild uüd den Vertretern der A nglob a n k, des W r euer B a n k v e r e i n s, der Al lgemein en 8 st erre i Hi sch e n Bo d e nk r e di tan st ä l 1, der OesteM ei ch i s ch e n Kretz i t a nsta l t für Handel W Gewerbe, der Nie d e r- L st erreich i scheu E s k o m p t e g e s e l lscha st, der Z^en tr a l-^en r o pD s L ä n d e r bank und der Unioyba n k Mer Htziehung der Leitung der O e st e r r e ich i s ch-n n g a r: s ch e n B a n k abgehalten. Im Laufe der Erörterung hahen sich d i e T e i ln e h m e r a n d e r B e r a3m HgH»r ei t e r k l 8 r t, den von der Regierung vorgelegieN Plan der Gründung einer neuen Notenbank unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb der Grenzen ihrer- Leistungsfähigkeit du r ch B e r e i ist ssllung eigener Mittel in fremder Währung sowie durch Heranziehung auswärtiger Kapitalskräfte zu^nterstützen. " ' «Die neue Bank wird» hie Ausgabe haben, die im Umkauf bestnÄtchen Noten zu übernehmen, deren Fun-iernng dhrch weitere DevisenzüflÜsse sowie durch Einbringung sonstiger Goldwerte verstärkt würde. Hierbei wird.jeder gewalttreten: der gegeven, daß eine WiederaÜfrichümg Hes'-^-AstWZchWe« Wirtschaftslebens die rascheste parlackentärWe Verabschiedung eines aNf die Beseitigung des'Defizits im Staatshaushalte abzielenden Finanzplanes zur Voraussetzung hat. Die Verhandlungen wegen ' - Erlangung auswärtiger Kredite nehmen. ihren, Fortgang und werden inst allen der Regierung . zur Verfügung stehenden Mitteln beschleunigt. Die Besprechungen der Regierung werden morgen auf der bisher gewonnenen Grundlage in einem erweiterten Kreise mit Vertretern der österreichischen Finanzwelt fortgesetzt werden. * \ j;; . Wie wir erfahren, haben sich "die Wiener Großbanken bereit erklärt, Edelvaluten :m Betrage von 75 Milliarden österreichischer Kronen als Unterlage für die neue österreichische Notenbank vorzustrecken. Das Uebereinkommen dürfte in den nächsten Tagen unterfertigt werden. D er fraazöfische Kredit genehmigt. Paris, 13. Juni. (Wolfs.) Der Senat hat den Gesetzentwurf betreffend die Gewährung von Vorschüssen in der Höhe von 55 Millionen 'an Oesterreich attgenommen. Bvndeshavzler überdie Valuten« Jur österreichischen Bunhesrat gab gestern der BundeskanzlerDr. Seipel eme^ErUärung ab, in der er-u^a< ctuf seine Erklärungen im Nationalrat verwies und hierauf seststellte, daß die Regierung «ach wie vor-auf dem Standpunkte steht, sich von überraschenden oder irg.endwie gewalttätigen^ Eingriffen in das W.rlschaftsleben.fernzuhalten. So stark ist diese unsere Absicht, daß uns in diesem Entschluß , . nicht einmal die Vorgänge an der Börse irr den letzten Tagen wankend machen konnten, obwohl angesichts dieser Vorgänge die Versuchung ja gar nichtge- 'ring wyr. '; - - für sich - beänsprücheu,' und in Frankreichs würde man schon aus Furcht vor der wachsenden' Einigungder beiden Länder zweifellos Emsprüch--begegnen." ' - . -Düs klingt nicht gerade mach Begeisterung für den armen' Verwandten^ - beweist aber auch gleichzeitig als Stimme der wühlsituiertenÄvurgeoisie die.Unmöglich-. ke.it des/ Währungsanschlusses, . dem 1)och die ErrWÜM die unbegreifliche und innerlich in nichts begründete Valutenhausstz' bedrohen unser ganzes staatliches und wirtschaftliches Lebenauf das höchste. Denn wenn diese Dinge nicht vprübergehen, oder ihnen nicht ein Riegel vorgeschoben wird, Hnnte unsere Bevölkerung, die doch durch ihre Geduld nnp Besonnenheit so ausgezeichnet ist, vielleicht d.ö.ch .die Ruhe verlieren und sich, zu einem eigenmächtig e n B o r g e h e n gegen jene ausgestachelt fühlen, die entweder wirklich oder dem Scheine Nach die Schuld an den betrüblichen Erscheinungen auf dem Dev.isenrnarktä tragen. Es wäre das selbstverständlich ein großes Unglück. Wir alle wissen, daß eine Unruhe, die sich in der Heffeytlichkeit anders als in der bisherigen gedrückten Stimmung zeigte^ gewiß nichts bessern könnte. ( ’ - . Um so wichtiger ist es, daß .der gegenwärtige Zustand nicht länger dauert. In dieser Beziehung glaube ich, Ihnen doch einige gute Nachrichten bringen zu können. Ich kann Sie versichern, daß die Regierung in diesen Tagen mit nichts anderem so sehr beschäftigt war, als mit der einen Frage, wie sie der Augenblicksgefahr am wirksamsten entgegentreten könne. Wir haben unsere Schritte bei den auswärtigen Regierungen gemacht. Ich kann dann weiter berichten,, daß wir gerade in den letzten Tagen mit den Parteien des Ratioyalrates, .wie ich - hexvoxhehe, . mi t .P ä r feie n, mögen sie. den RegiemuKparttzren oder zur Opposition gehören, in engster FHAngWstastden und^ geblieben sind. .! -- So sehr ntaürlich die Meinungen, darüber auseinandergehen, was - eigentlich der Theorie nach, entsprechend den eigenen Parteiansichten, geschehen m ü ß t e, so stark hat sich eine U e h er e in st im mu n g der Ansichten über das gezeigt, was-in diesem Augenblick wirklich geschehen kann. Die Regierung ist des weiteron in diesen Tagen über ihre eigenen A.emter und die. parlamentarischen Körperschaften, hinaus mit jenen Faktoren in Verbindung Zetreten^ die in unserem Wirtschaftsleben den größten Einfluß haben und denen man auch die größten Kenntnisie in dieser Beziehung zuschreiben muß. Es wurde mit ihnen allen beraten, was zu tun und was zu unterlassen ist. Heute stellt sich Ihnen, hoher Bundesrat, die neue Regierung vor, aber mit Ausnahme des Finanzm.inisiers, dessen Abwesenheit ich zu entschuldigen bitte. Er ist gerade jetzt bei . ganz entscheidenden Verhandlungen: Ich habe. seiner Meinung zugestimmt, daß der hohe Bundesrat es gewiß entschuldigen würde, wenn er in dieser Situation nicht , hier bei der Vorstellung anwesend, ist, weil es wichtiger ist, jene Vorkehrungen zu treffen, die unbedingt getroffen werden müssen, damit wir aus der schweren Krisis möglichst bald den Ä u s weg ftnden. Die Verhandlungen, welche, in . diesen Tagen gesühr» werden, verlaufen nach zwei Richtungen: Einerseits werden sie mit den Vertretern, die ans dem Auslande gekommen sind,, weitergeführt, weil wir nach wir. vor der Meinung, find, daß die Versprechungen, die uns gemacht woroeu, sind, unser Staats- und Wirtschaftsleben durch Auslands^ hllfe auszurichten, eiugelöst werden sollen und müssen, Und daß wir für die endliche Sanierung unseres Wirtschaftslebens. auf die Auslandshllfe tatsächlich , ange-r wiesen sind. Aber gleichzeitig werden andere Verhandlungen geführt, die dazu führen können, daß wir, wie ich-von der Einsicht iw den Ernst der Lage und auch von dem patriotischen Sinne derer erwarte, mit denen in diesem Augenblicke verhandelt wird, der Oessentlichkeit hoffentlich bald Mitteilungen machen können, die imstande sind, den Mangel an Vertrauen wieder zu beheben, der sich allenthalben gegen _ Oesterreich Muß sich selbst helfen und vielleicht bringt ihm die entschliche - Not der Stunde auch die bishei so stark vermjßle Emsicht. Das Land hat Ressourcen, dir Nur richtig' angeschlagen werden müssen. Es gibt ir Oesterreich-in/ Safts; und Truhen Bestände "an Edelvalutet:,, - die dienstbar gentacht werden können, wen: eine aus allen Parteien gebildete Regierungdie not- LSLdme WillLvskLätt.Mibrinat.

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