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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-12 · Heft 1208 (12.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1208 (12.6.1922)
Date
1922-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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»..«r«inmnm»r Kann Wien: Znm Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 2100 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 2100 Ts che c h o-S lowak ei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen: Mon, Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 50. Fra nkreich: Monatlich Frcs. 6 Rr 12V8 renrr Tschecho*Slewak«l Iseheeh. K 1.20 Italien: Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telcphone^4-l)-38.43-3-l 9, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Morgenzcitung*. Wien Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Wien» Montag» 12. Juni 1922 4 Jahrgang MganlMisn Ser Paris, 12. Juni. (Tel,-Comp.) AuS Moskau wird gemeldet: Der russische Flottenausschuß hat Maßnahmen zur. Reorganisation der russischen Marine getroffen. Die Pariser Presse behauptet, daß diese Reorganisation mit Hilfe ehemaliger d e ü t s ch e r S e e 0 f s i z i e r e in Angriff genommen werden soll. Lenin geftorW? Berlin, 11. Juni. isPrrv.-Lel.) Der „LoKalanzeiger" stellt änf Grund amerikanischer BlStterstimmen Fest, datz in New - B"rk die Nachricht verbreitet ist, Lenin wäre bereits gestorben, doch würde fein Tod in Moskau auf das Strengste verheimlicht» weil man vyn dem Bekanntwerde« der Todesnachricht große politische Krisen befürchte. Derli», 11. Juni. (Wolfs.) Älrasstn und Nalwvsky find gefler» abends nach Moskau abgerrift. Tschitscherin verbleibt noch vierzehn Lage tn Derlin. Der Moskauer Prozeß der Sozialrevolutionäre. Riga, 11. Juni. (Intel.) Gestern, am dritten Verhandlungstag, kam es zu einer Diskussion zwischen den Angeklagten selbst. Der Angeklagte T i m 0 f e j e w gab zu, daß die inkrrminierten Taten nicht zu bestreiten, sind,, und KEMMMMWMMMMÄWO revolution einen Kampfgegen die Sowjetregierung führe, der seit der Auflösung der Konstituante ein bewaffneter geworden ist. Er erzählt unter anderem, mit Ententevertretern, darunter Charles Dumas und. Ehrlich, Verhandlungen im Namen seiner Partei geführt zu haben. Doch sei die Partei im allgemeinen gegen eine bewaffnete Intervention der Westmächte gewesen. Ferner gibt-er an, der achte Parteitag der Sozialrevolutionäre im.Jahre 1918 habe die Notwendigkeit der Ausnützung auf dem Lande befindlicher Frontkämpfer, und zwar für den Kampf gegen den „deutschen Imperialismus" festgestellt, woraus sich die späteren Bauernaufstände erklären. Nach weiteren politischen Mißerfolgen habe der neunte Parteitag der Sozialrevolutionäre beschlossen, den bewaffneten Kampf gegen die Sowjetmacht aufzngeben. Die Sozialrevolutionäre seien für die Sowjetkonstitution, daher seien sie auch gegen die neue Wirtschaftspolitik. Der aus der Partei der Sozialrevolutionäre ausgetretene Angeklagte Gregor Rainer führte in einer großen Rede aus, das Zentralkomitee der Sozialrevolutionäre und die Führer hätten stets die politische Linie der Partei verschwiegen und gehermgehalten, die Ausführer ihrer Weisungen verraten und eine heuchlerische Politik betrieben. Er wirft ferner den Führern der Sozialrevolutionäre ihr inniges Zusammenarbeiten mit Denikin und seiner Armee vor, was er an Hand der Presse der Sozialrevolutionäre zu beweisen versucht. Auch könne er die Tatsache der Verhandlungen mit der Entente bezeugen, die, entgegen den Behauptungen Timofejews von der Partei stets verheimlicht wurden. Er sei aus der Partei ausgtreten, da er in der Roten. Armee kämpfen wollte, was . vom Zentralkomitee der Partei als unvereinbar mit der Parteizugehörigkeit betrachtet wurde und schon mehrmals zu- Ausschlüssen aus der Partei führte. Die . Ausführungen Rainers machten großen Eindruck im Saal. — Am Schluß der Sitzung erklärte der dritte Angeklagte ^gnatiew, er und viele seiner Genossen hätten in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen ihres . Zentralkomitees gehandelt, es handle sich hier nicht um Verbrecher- oder Abenteurertum, sondern um Befolgung politischer Direktiven des Zentralkomitees der Sozialrevolutionäre, Die Verhandlung wurde .sodann auf Montag vertagt. ' ■ . . Hindenburg-Demonstratioue«. Königsberg, II. Juni. (Wolfs.) AuS Anlatz eines Befuches des früheren Generalfeldmarschälls v. Hinden.burg, dem zu Ehren die Studentenschaft, die Vereine ehemaliger Krieger usw. eine festliche Kundgebung veranstalteten, kam es heute mittags zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten, die die Kundgebung stören wollten, und einer Abteilung Reichswehr. Eme Person wurde durch einen , Stich getötet, vier durch Schüsse verletzt. Deirtsch-sranzösische Verständigung. Berlin, 11. Juni. (Wolfs.) Das deutsche Friedenskartell, die Vereinigung der 15 führenden deut-. schen pazifistischen Gesellscha f t e n, veranstaltete im Sitzungssaals des Reichstages eine Kundgebung für die deutsch-französische Verständigung. In Erwiderung eines Besuches von Mitgliedern des Bundes Neues Vaterland — jetzt Liga für Menschenrechte — waren von der französischen Liga für Menschenrechte der Präsident Unterrichtsminister a. D. Buisson, Vizepräsident Professor Basch, der Rechtsgelehrte Bongle und der sbzialistische Abgeordnete Renaudel nach'.Berlin gekommen und wohnten der Kundgebung bei. Außer den französichen Gästen prachen von deutscher Seite der Vorsitzende von Gerl a ch, Reichstagspräsident L o e b e, Graf.Harry Keßler, Professor Einstein und der Vorsitzende, des Bundes entschiedener Schulreformer O e st r e i ch... Die französischen Redner betonten, sie seien-gekommen als Sprachrohr der Gefühle der breiten . Massen des französischen Volkes, um zur Lösung des schwierigen Problems einer Verständigung .der Leiden Völker beizutragen. Sie wenden sich an alle diejenigen, die die Religion des Rechtes wollen. Deutschland und Frankreich, die beiden einander ergänzenden Zivilisationen, müßten sich vereinigen. Bor dem Kriege fei man bereits auf dem Wege zu einer Verständigung gewesen, jetzt aber gähne ein Ab-, grund, der überbrückt werden müsse und überbrückt werden würde. Die Grundlagen eines dauernden Friedens seien die endgültige Regelung der Reparationen, die Abrüstung und ein allgemeiner Völterhund, in den zuerst und vor allen Deutschland ei'ytretem nmsse. Die großen Massen der; der neu zu schaffenden Brücke' werden. .Ist Frankreich wisse man die Siege der jungen Demokratie-zu 'schätzen, aber . man müsse auch sagen, und/könne es mit gutem Gewissen tu, daß das französische Volk keine imperialistischen Träume hege. Die deutschen Redner erklärten, das deutsche Volk sei in seiner großen Mehrheit von, dein guten Willen für einen dauernden Frieden, und für die'Erfüllung der Reparationen, soweit' es in seiner Kraft sei,'erfüllt. Die deutschen Pazifisten wollten an dem Wiederaufbau des neuen Europa, zu dem auch ein blühendes Frankreich gehöre, Mitarbeiten. Freilich dürfte nicht der Eindruck erweckt werden, daß die deutschen Leistungen nicht dem Wiederaufbau Europas, sondern den Zwecken eines fremden Imperialismus zu dienen hätten. Deshalb habe ma^ die Frage der Reparationen im engen Zusammenhänge mit der A brüstungsfrage behandelt. Das kleinere Frankreich müsse gegenüber dem größeren Deutschland seine Sicherheiten bekommen, und dies müsse durch internationale Verträge geschehen, die jedes Volk unter den Schutz aller übrigen Völker zunächst in Europa stellen. 'Die logische Folge aller dieser Bestrebungen sei die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa und des allgemeinen Völkerbundes. , Dieser ersten Kundgebung wird am Dienstag im Lehrerveremshause am Alexanderplatz, eine zweite folgen, bei der seitens der Franzosen vor allem Renaudel sprechen wird. Der Prager Völkerbundkongretz. Die Schuld der Chauvinisten. Prag, 11. Juni. „CaS" schreibt zu den Vorgängen in der Konferenz der Völkerbundligen, der Mißklang, mit dem die Tagung endete, sei ausschließlich der tschecho-slowakischen Liga und ihrem Präsidenten Professor Mares ch, einem Freunde Kramarsch', zuzuschrekben. Diese sei nichts anderes als ein Exponent der nationaldemokratischen Partei und überdies noch ihres linken Flügels, der in feinem nationalen und sprachlichen Radikalismus die Atmosphäre der Spannung und Feindschaft zwischen den Deutschen und Tschechen noch mehr vergiftet, und damit dem jungen Staate einen-schlechten Dienst leistet. Die Vereinigung des Herrn Professors Maresch habe sich nur zur Negation, zu einem leeren Protest, und schließlich zum b emonstrativen Exodus aufgeschwungen. Daraus sei eine überflüssige Blamage entstanden. Das Blatt verlangt, daß die tschecho-slowakische Liga für den Völkerbund auf einen unparteiischen d e m o k r a t i s ch e n B oden gestellt werde mit einem Mann an der Spitze, der in seinen Kundgebungen und in seiner Tätigkeit sticht die Ziele profaniere, denen die Liga zu dienen habe.. „Pravo Lidu" schreibt, die Blamage, die die Delegierten der tickecho-slowakiscken Liaa kür den Völkerbund durch ihr Gestempelte Krone — —-.03^2 Centimes. Auszahlung Wien — —.03 Centimes. In Zürich notierte die österreichische Kronr . . . -.03 h:o3‘.4 am; 10. Sunt) die österr. gestempelte Krone. -.037, - (- -.037, . am 10. Juni) die tschechische Krone .... 10.07 Vi . (10.10 am 10. 3uni) die Mark. . . . .. 1.70 ( 1.76 am 10. ÄUl'1) Agram.. 1.88 ( 1.90 am 10. Juni, Sofia .......... ( 3 67 am 10. LunN Budapest ......... -.59 (- -.60 am 10. Luml Marschau. —.13 (■ -.13 am 10. Sunir Vorgehen und ihre Fehler herbeigeftthrt haben, berühre den Ruf der Republik. Es sei daher notwendig, mit aller Entschiedenheit auf die Dinge hinzuweisen, wie sie feien, und eine Trennüngslinie zwischen der Republik, deren Regierung und Oeffentlichkeit "einerseits, und dem privaten Verein, an dessen Spitze Professor Maresch stehe, andrerseits.. zu ziehen. Niemand habe der tschecho-slowakischen Liga das Recht erteilt, im Namen der Republik zu sprechen. Die Vertagung der ' Paris, 11. Juni. (Wolfs.) „New-Dork Herold" schreibt: Die Vertagung der Arbeiten des Anleiheausschusses wird wahrscheinlich tiefgehende Wirkungen haben, dtz bereits gestern durch die Abschwächung des Frankskurses angedeutet wurden. Nach dem allgemeinen Empfinden kann die gegenwärtige Lage nicht lange andauern und man wird wichtige ^Entscheidungen zu treffen haben, entweder im Sinne ber Unausgesprochenen.Ansicht des Anleiheausschusses oder in* Sinne von Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland. Die ungarischen Stichwahlen. Budapest,. 12. Juni. (U. T. K. B.) Sonntag wurden in 23-Wahlbezirken die' Stichwahlen vorgenomtnemBis^ heute ftüh' ist das Ergebnis aus-elf Bezirken bekannt. Gewählt wurden fünf Mitglieder der einheitlichen Regierungspartei, ein Mitglied der die Regierung unterstützenden Ernst-Partei, zwei die Regierung unterstützende, jedoch außerhalb irgendeines Parteiverbandes stehende Abgeordnete, zusammen also acht Regieüngssreundliche und drei Oppositionelle, wovon einer der Andrassy-Partei, einer der Nassay-Partei und einer der Haller-Partei angehören. In Steinamanger erhielt Handels-, minister Hegyeshalmi (Ernst-Partei) das Mandat gegenüber dem. Grafen Cziraky, dem Schwiegersohn des Graser Julius Andrassy. Die Teuerung. Beschlüsse der österreichischen Arbeiterschaft - Wie die „Arbeiter-Zeitung" berichtet, wurde in der am Samstag abgehaltenen Sitzung des Wiener Kreisarbeiterrates eine Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben, in der es unter anderem heißt: Die. Teuerungswelle, hat die Arbeite.rmassen in . einen Zusrard &;er:Verzweiflung gestürzt Die . Erregung und Erbitterung der Massen hätte längst schon zu wilden Verzwerslungsausbrüchen geführt, wenn nicht die Vertrauensmänner der Arbeiterschaft ständig bemüht wären, die Massen vor Unbesonnenheiten zurückzuhalten. Die Vertrauensmänner leisten diese Arbeit, weil sie überzeugt sind, daß Verzweiflungsausbrüche, die P a n i k e n Hervorrufen, die Teuerung noch verschärfen würden und überdies im gegenwärtigen Augenblick die schwebenden Kreditverhandlungen gefährde^ könnten. Der . Kreisarbeiterrat macht jedoch die" Regierung, die Unternehmer und die bürgerlichen Parteien nachdrücklichst darauf aufmerksam, daß die Lage der Massen unerträglich geworden, ihre Geduld zu Ende ist und alle Mahnupgen der Vertrauensmänner zur Besonnenheit schließlich an der Verzweiflung und Erbitterung der Massen abzuprallen drohen, wenn nicht schleunigst der Entwertung des Geldes Schranken gesetzt werden. Die Resolution führt dann jene Maßregeln an, die der Kreisärbeiterrat für unaufschiebbar hält. Es sind dies: Ausbau der Besitz steuern, besonders der Steuern vom agrarischen Besitz. Gratisaktien von allen'Aktiengesellschaften zu Gunsten des Staates, Zwangs Hypotheken zurFondierung einer inneren Anleihe, administrative, und finanzielle Verselbstständigung der Staatsbetriebe unter Mit Verwaltung der Angestellten, ferner Verschärfung der Beschränkungendes D ev i s e nverkebres. Verbot der Lurus- und Allobolemkubr,

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