Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1207 (11.6.1922)
- Date
- 1922-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElgzBlnnmmerKTp Wien: Zttm Abholen in der Expedition, II.,Tabor str. 1 -3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich IC 2100 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl.K 2100 Tschecho-Sl o wa k e!: Mon. K 20. Ungarn: Mon. KlSO. Jugoslawien: Moü. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark. 50. Frankeich: Monatlich Frcs. 6 ♦ 1 Nr. 12V? Wien, Sonntag, 11. Jnni 1922 a scnecno«oiowBK8l tschech. K1.20 Italien: MonatI; 6. Lir Rumänien: Mon.'4Öi. Li Schweiz und.das .übrig Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II,, Taborstrassei TelephoneM4-0-38,43-3-19 ab ‘6 Uhr abends .16-301 Tel.- Adr,: »Morgenzeitung1 Wien Oesterreichisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.6) 4. Jahrgang Der Aufschub. —y. W i e n, ll. Juni. Düs große internationale Atcleihekon'itee in Paris hat sich bis zürn Herbst vertagt. Die Unmöglichkeit, eine internationale Anleihe für Deutschland zu bestimmen, solange die Frage der Reparationen ungelöst ist, hat diesen Aufschub verursacht. Das Bankenkomitee spricht damit gleichzeitig die Hoffnung' auf eine Klärung der deutsch-ftanzösischen Beziehungen im Laufe des Hochsommers aus. Es mag .auch die Aussicht auf die im Herbst erfolgenden amerikanischen Ergänzungswahlen den Beschluß der Vertagung beeinflußt haben. Jminerhin ist es zum ersten Male geschehen, das; die unter dem Einflüsse Frankreichs irr Paris arbeitende Reparatwnskvnunission auf den schärfsten Widerstand des in dem Anleihekomitee Vertretenen amerikanischen Großkapitals gestoßen ist. Wenngleich sich die Begriffe des Kapitalismus und der Friedenssreundtichkeit nicht decken, so spricht doch aus dem Verhalten der den europäischen. Gasnebeln entzogenen amerikanischen Geldleute die heute einzig denkbare vernünftige Auffassung. Es ist auch dadurch einer gewaltsamen Lösung der Reparationssrage durch einen französischen Einmarsch ein nicht so leicht zu beseitigender Riegel vorgeschoben. Frankreich würden nur Kosten erwachsen, während sich [etr.e Erwartungen auf deutsche Gelder verringern. Die Vertagungder Anleihekommission ist knapp. oor dem Beginn der Haager Konserenz'erfolgt, die am 15. Juni zusammentreten soll, um die in Genua abgebrochene Diskussion über die Schulden und das Privateigentum in Rußland fortzuführen. Nach dem Arbeitsplan sott binnen fünf. Tagen die Kiste jener Mächte aufgestellt werden,, die direkt mit Sowsetrußland zu verhandeln bereit find. Bis zum heutigen. Tage.jedoch steht; die Teilnahme F^ykreiWMMMt,^WMnen ultMixx sigenten Standpunkt': erst-zahlett^dW-MWMW^MD'^ her nicht durchsetzen konnte. In England, und Amerika herrscht die Geneigtheit vor, die Notlage Rußlands für alle Fälle im Wege direkter Verhandlungen festzustellen und auszunützen. Belgien ist noch unentschieden, solange es keine Klarheit über die Petroleumkonzessionen an die englisch-holländische Konkurrenzfirma Mangen• ' kann. Deutschland hat sich durch den Vertrag von Rapallo, der sich als eine unüberlegte taktische Entgleisung darstellt, selbst aus dem Kreise der in erster Linie Verhandlungsberechtigten ausgeschaltet. Einen direkten politischen Nutzen hat ihm der Vertrag in keiner Weise gebracht, dagegen hat er die Friedensparteien der Oststaaten geschwächt und in Polen einstweilen zur De- ' Mission des Ministeriums Pomkowski geführt, dessen Außenminister Skirmunt eine versöhnliche Richtung eingeschlagen hatte. Es wird demgemäß im Haag Rußland allein den Mächten gegenüber stehen und es wird nicht fehlen, daß es, um sich zu schützen, wichtige Teile der mit Deutschland getroffenen dlbiuachungen wird preisgeben müssen. Für alle Fälle aber schafft die meritorische Resultatlosigkeit der Pariser Konferenz wieder einen Zustand der Unsicherheit, der sich vor allem tr* dem kleinen Oesterreich auswirkt. Die Morgan-Kommisswu hat nur einen Sekretär mit einem Fragebogen nach Wien geschickt und Oesterreich muß zum soundsovielten Male Auskunft über seine Wirtschaftslage unter peinlichster Einkalkulierüng seiner Kursverluste geben, wobei es die kommenden Dinge natürlich nicht abschätzen kann. Es hat finanziell keine Bewegungsfreiheit und ist durch die Zusammensetzung seiner Regierung aus sieben Jasagern und drei Neinsagern in eine üble Lage geraten. Niemand vermag zü erkennen, ob und welche außenpolitische Orientierung in Wien besteht. Die Politik eines so schwachen Staates könnte nur die sein, daß er keine Politik macht und seine ganze Kraft auf den'Auftau und Ausbau seiner wirtschaftlichen. Vertragsbeziehungen ansetzt. Er dürfte also das Zweiparteiensystem nicht behalten, sondern müßte eine Konzentrationsregierung bilden, in der alle Parteien sich auf ein Sanierungsprogrannn festlegen, das nur der Ordnung und Sparsamkeit im Budget, der Intensivierung der Landwirtschaft, der Reform des Steuersystems und der Ueberführung der überflüssigen Beamten in bürgerliche Berufe gelten kann. Oestereich hat bis zum heutigen Tage noch keine Zahlungsbilanz, es übersieht seinen eigenen Stand nicht und kann infolgedessen, auch nicht angeben, in welcher Höhe sich die Kredite bewegen nnüßten, die es zur Herstellung seiner Wirtschaft und zur Befreiung seiner Kräfte aus der Knechtschaft des Bank'cnkapitals für notwendig hält. Es fehlt der Parlamentspolmk an jeder Sachlichkeit.und es ist' charakteristisch,, daß der Präsident des österreichischen NationalrateS die Katastrophen- , Hausse an der Börse, die poch, durch dm .Notenumlauf 9 ♦ Zuweisung an den Aeparationsausfchutz. G e n f, 10. Juni. (Havas.) Der Finanzausschuß des Völkerbundes hat s ein - A r d e i t e h beendet und den Plan über den f i n a n z i e 11 e r W i e d e rau f b a ü S e st e r r e i ch s an den Wiedergutmachnngsansschuh «er- ’ wiesen. P a r i s, 10. Juni. (Tel.-Komp.) Her „Matin" berichtet aM Genf, dqtz der Finanz* ausschutz des Völkerbundes, der sich gestern vertagte, sich in äiyeti seiner letzten Sitzungen mit der Finanzlage SestärreMs befaßter Im Ausfchuffe bestand Aeberemftimmmrg darüber, dätz die Frage des wiritsHWichen Wiederaufbaues Desterr^chs zurzeit Sache dßr Reparatiöuskommifsiön sei. ' ♦ Beschluß des amerikanisch-jüdischen Kongresses. New - Dork, 9. Juni. (I. C. B.) Die Exekutive des Kongresses der amenkaniHett Juden beauftragte Rabbi Dr: Stephan W ise, sich mit dem Komitee der jüdischen Delegationen in Paris über die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses ins Einvernehmen zu setzen. Z« diesem Zweck begibt sich Dr. W i f e dieser Tage Europa. Der Kongreß hat ferner ein Komitee zur Unter» süchung der Einwanderungsbedingungen in Mexiko eingesetzt, um an Ort und Stelle das Angebot des mexikanischen Präsidenten zu studieren und möglicherweise ein jüdisches Territorium in Mexiko aufzuhauen. r|T^ .7' v. .‘:T •. . .. y-■ BelaWkurkgszustand. - Berlin, 10. Juni. Die Blatter melden aus' Beuthen, daß sich auch vorgestern eia Z u s a m m e nst ö tz zwischen französischen Offizieren und Zivilisten ereignete, in dessen Verlauf zwei französische Offiziere aus zwei Arbeiter schossen. Der eine Arbeiter erlag seinen Verletzungen, der zweite ist schwer verletzt. Das „8 Uhr-Blatt" meldet, daß über Königs- Hütte seitens der interalliierten Kommission der Belagerungszustand verhängt würde. In Beuthen und in der näheren Umgebung der Stadt kam es zu starken anhaltenden Gewehr- und Revölverschießereien. Auch das Geplänkel von Maschinengewehren und Detonationen von Handgranaten waren deutlich vernehmbar. Wie verlautet, war das Feuer gegen unlautere Elemente gerichtet, die in die Stadt eindringen wollten. tzandgränatenkampfe. Be»the«, 10. Juni. (Wolfs.) Gestem abends wurde ein italienischer Offizicr, der Zivilkleidung trug» von einer französischen P atro ui ll e ohne Gmnd belästigt. Als mehrere Zivilisten für ihn Partei nahmen, führten die Franzosen den Italiener ab. Kurze Zeit darauf wurden Zivilisten von derselben Patrouille auf der Tarnowitzerstratze belästigt. Die Patrouille, die sich nunmehr anscheinend bedrängt fühlte, floh in ein Haus und schoß von einem Fenster aus auf die dort versammelte Menge. Em völlig unbeteiligter Friseur aus Bismarckhütte wurde durch einen Halsschutz getötet. Ein Angriff auf die französische Patrouille war weder auf der Bahnhofstratze noch auf der Tarnowitzerstraße beabsichtigt. und durch die Ermächtigüngskredite zur Genüge erklärt wird, als Miesmacherei und wucherische Spekulation angesprochen hat. Nein, die Gründe liegen viel tiefer. Sie liegen.in der Sterilität des österreichischen öffentlichen Lebens, in der Vergiftung der Massen durch freche Hetzer, in der Sabotage des Staates durch die Bnreaukratie und in der Niedrigkeit des Parteitrerbens. Ein Staat, der den Waber in die Regierung fetzt, braucht nicht erst durch Miesmacher geschädigt werden. Waber genügt vollauf. Der jüdische Gemeindebund in der Slorvakei. Bon unserem Pretzburger Korrespondenten. Die Juden der Slowakei sind aus dem ungarischen Regime noch mit manchem Anachronismus belastet, der sie in der Entwicklung ihres religiösen und kulturellen Wesens unausgesetzt hemmt. Der schwerste Schlaga der dem ungarischen Judentum jemals zugefügt wurde, war der unselige Kongreß in den Jahren 1868—1869, der zur Dreispaltung des ungarischen Judentums führte. Jener unglückselige Kongreß hat die Trennungsorthodoxie geschaffen und dazu beigetragen, daß in. Ungarn orthodoxe, neologe und sogenannte: Status quo-Gemeinden entstanden, die nebeneinander, und, in den meisten Fällen gegeneinander, ein häufig sehr trostloses Gemeindeleben führten und jenen Typus ungarischerJuden schufen, der aus den: geringfügigsten Anlasse der einen Gemeinde davonlief, um die andere mit seiner Mitgliedschaft zu beglücken. Die Begründung für die Haltung der: Orthodoxie in dieser Streitfrage war, dqs^ ein TEder. fortschrittlich gesinnten Kultusgemeinden cs abgelehnt hatte, für die ritucHcit MMtWW _ ihrer Mmeinde die Keltimmunqerr des.. Kodex Schulchan Aruch als bindend anzuerkennen und in religiösen Fragen dem Haupt des Rabbinates die ent-' scheidende Stellung einzuräumen. Es muß daher als für die weitere Entwicklung des jüdischen Lebens in der Slowakei sehr bedeutsam angesehen werden, daß zunächst die neologen und Status quo- Gemeinden sich zu gemeinsamer Arbeit in einem Gemeindeebund vereinigten, um auf solche Weise der Anomalie des Trennungsjudentums ein Ende zu bereiten. Die konstituierende Versammlung des Gemeindebundes fand in P i e st a n h statt und wurde von 25 Gemeinden beschickt. Zu Vorsitzenden der Gründungsversammlung wurden Dr. Gut (Neuhäusl) und Rabbiner Stein (Tyrnau) gewählt. Die erste Begrüßungsansprache hielt Dr. Oppenheim, der als die Aufgabe ^des zu schaffenden Gemeindebundes die Regelung der religiösen und administrativen Gemeindeangelegenheiten m i t A u sschluß der nationa len und politischen Fragen bezeichnete. Um von vornherein dem inneren Kämpf jede Grundlage zu entziehen und auch den Orthodoxen die Möglichkeit des Anschlusses zu bieten, würde der Schulchan Aruch auch für die dem Gemeindebund angehörenden Gemeinden als richtunggebend und bindend bezeichnet. Rabbiner Stein setzte in hebräischer Sprache die Bedeutung des Gemeiildebniides auseinander. Sämtliche Redner betonten, daß der Anschluß der Orchodoxen an den Gemeindebund im Interesse des Gedeihens der jüdischen Kultusgemeinde erwünscht fei. , Nachdem die Gründung des jüdischen Gemeindebundes in Slovensko ausgesprochen wurde, gelangten die einzelnen Punkte des Statuts zur Behandlung. 7 Bei Beratung über den Titel des Bundes, welcher . vom- Vorbereiniugskonnteeals t sir ae-l i t -: s che r - - Go-. mciudcbund vorgeschlageu Umrdc. kreigneie sich eine er- _ bebende Szene. Wie ein Stau dir Unweien«