Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1203 (7.6.1922)
- Date
- 1922-06-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m "1203 MittwE Mvnrr^M-sMttgMüg 7. Juni 1922 Seite b einen, außergewöhnlichen Erfolg. In der männlichen Hauptrolle - erofsnetFerdinandO n n o sein Gastspiel. . Im Wiener Komödie nh aus werden Frl. Mizzi Frelhardi^ und Herr Turl Wiener ab 16. d. ein Gastspiel in der »,Parlamentskathi" absolvieren/ ' ’ Die Neue Wiener Vühne bereitet für Dienstag den 13. d. einen lustigen Einakterabend mit Max. Gülstorfs als Gast vpr.—Zur.Aufführung gelangen: „Der unerbittliche Wachmann" von Courteline, „Die Spieler" von Gegel und „'Ein Heiriatsantrag" von Tschechow. — Heute, Freitag und Sonntag gelangt das Lustspiel „Die Liebe wacht" mit Carola Toelle und Max-Gülstorfs,'Donnerstag, Samstag, und Montag „Die Jungfern von Bischofsberg" mit Carola Toelle, Ernst Äahl-Machbaur und Max Gülstorfs als Gästen zur Wiederholung. Im LustsPielthtzater findet Mittwoch unter persönlicher Leitling des Komponisten die 26, Aufführung der Operette „Fräül'n Sopherl" von Josco Schubert, Musik von Edmund Ehsler, mit Mizzi Zwerenz/ Gustav Müller, Paul Olmnhl und Gustav Werner in den Hauptrobert statt. Im Johann Strauß-Thea i fr f'mxj Freitag die Erstaufführung der Operette. „D e r Dpe r 1t b q I l"' von Viktor Leon und Heinrich Waldberg, Musik.von Ri-tzarl. Heu statt. - Ein Denkmal für Joseph Israels. Vor einigen Ükagen wurde zum Andenken an den großen jüdischen Maler Joseph Israels ein Denkutal in G r o n i n g e n, der Geburtsstätte des Künstlers, enthüllt. Die Enthüllungsfeier, die unter. großer Beteiligung stattfand, nahnr einen erhebenden Verlauf. „Hcrodcs und Mariamne" ins Hebräische"iibersetzt. JmVerf/age Stybel (Tel-Atviw bei Jaffa) ist soeben eine hebräische Uebersetzun von Hebbels „Herodes und Mariamne" erschienen. Die Uebertragung besorgte der hervorragende Hebräist Jacob Fichman, der dem Werk auch eine literaturgeschichtliche Würdigung vorausgeschickt hat. Interessengemeinschaft der Bernau- und Holländer-Bühncn. Alfred Bernau als Direktor des Deutschen Volkstheaters in Wien und Felix Holländer als Direktor des Deutschen Theaters in Berlin sind für ihre Bühnen eine Interessengemeinschaft eingegangen, die den wechselseitigen Austausch ihrer künstlerischen jSwäfte und Jnszeniexupgen zum Zwecke hat. GerichLssaaL. Die Geschäfte der Wraugel-Dffiziere. Vor dem Schwurgericht hatten sich gestern zwei Russen wegen eines räuberischen Ueberfalles zu verantworten. Die beiden Angeklagten, der 28jährige Kaufmann Kasimir Ellen aus Kiew und der gleichaltrige Eduard S ch o u l d t, sind, bevor sie sich nach Europa wendeten, Offiziere der Wrangel- Armee^geweHr..Glesch. zahlreichen Hrer^ „Berufsgenossen" . haben sie Wien ausgesucht, wo sie im Schlamm, der, Nachkriegszeit fischen wollten. Ein Raubüberfall, den sie bei hellichtem Tage auf einen Landsmann in dessen Geschäft in der Inneren Stadt verübten, fuhrt'sie jetzt vor Gericht. Am 3. März erschienen sie best dem Inhaber der Import- und. Exportfirma „Reconstruktion" Georg Gor>s!y, mit dem sie unter dem Vorwand, Bestellungen für Bulgarien zu machen, schon längere Zeit Unterhandelten, und überfielen den allein anwesenden Gorsky in der Absicht, ihn zu berauben. Durch Hiebe gegen den Kopf wurde GorSky schwer verletzt, erlangte jedoch pach kurzer Ohmyacht wieder die Besinnung und vermochte sich der. Angreifer zu erwehren. Als er um Hilfe rief, entflohen die beiden Wrangel-Offiziere. Ellen wurde sofort auf der Straße festgenommen. Gorsky stellte den Abgang von 61.0Y0 Kronen fest. In der gestrigen Verhandlung gestand Ellen, ein kleiner, unansehnlicher Mann von halb tatarischem Typus, die Absicht, daß er Gorsky gemeinsam mit Schouldt berauben wollte. Er gab an, im Kriege Lieferungen für die . russische Armee vermittelt zu haben. Später ließ er sich für Denikin und nachher für Wrangel anwerben, in dessen Armee er zusammen mit Schouldt als Oberleutnant diente? Nach dein Zusammenbruch des Wrangel-Abenteuers begaben sich beide, Wen mit seiner Frau, Schouldt mit seiner Freundin, über Konstantinopel yach' Wien, um „Geschäfte" zu machen. Sie lebten sehr verschwenderisch und wohnten eine Zeitlang, im Hotel Imperial. Ellen behauptet, der der RepatationSikommission als Ueberseher zugeteilte französische Leutnant Vernet habe sie zu dem Raubüberfall auf Gorsky verleitet. . Schouldt leugnet, von dem. Raubplan Kenntnis gehabt und an dem Ueberfall mitgewirkt zu haben. Staatsanwalt: Warum sind Sie dem Gorsky nicht zu Hilfe gekommen, als Ellen ihn zu Boden riß. Sie sind doch ein größer, starker Mann und Ellen ist klein und schwach. — Angekl.: Dahat sich in einem Augenblick zugetragen, ich konnte mich nicht fassen. — Staatsanwalt: Warmn haben Sie niemand zu'Hilfe gerufen oder die Anzeige bei der Polizei gemacht? — Angekl.: Ich habe mich nicht fassen können. - .Georg Gorsky, ein schlanker, schwächlicher Mensch mit einer Brille, gibt an, am - 3. März seien Ellen und Schouldt miteinander gekommen, haben sofort ohne Aufforderung Platz -genommen, so' daß er, Gorsky, z w i s ch e n ich n e u. s a ß. Als der Zeuge sich über den «Schreibtisch beugte,> erhielt er plötzlich v o n S ch o u l d t e i n e n h e f t i g e nF au st [ ch. lag ynf die Schläfe. Er wurde bewußtlos, spürte aber noch, daß ihn Ellen zu Boden warf und pnt den Fäusten bearbeitete. Als er zu sich, kam, schlug er ein Fenster ein, rief um Hilfe und verfolgte die Attentäter, die eben seine Wohnung verließen. Sie liefen die Johannesgasse hinunter und schlugen dannauf der Seilerstätte jeder eine andere Richtung ein. — Bors.: Hat Ellen Ihnen den - Namen Bernet -genannt? — Zeuge:- Reim Ich habe erst später gehört, daß^Ellen den lernet beschuldigt, er habe ihn zur Tat verleitet. Es wird hierauf, Leutnant Gerard Vernet als.Zeuge vorgerufen. Er ist. ein eleganter junger Mann, 26 Jahre alt, in.Paris geboren und gegenwärtig in einem Wiener Bankhaus angestellt. Er erzählt, er habe die beiden Angeklagten auf einer Reise am Balkan kennen gelernt und da Ellen sagte, er werde bald nach Wien kommen,/habe er ihm seine Adresse gegeben. Ellen fand, sich auch einige Monate spater bet ihm. ein und sagte, daß er Maschinen für Bulgarien kaufen wollig — Vors.: Haben Sie ihm die Adresse des Gorsky -.lenannt? — Zeuge: Ich nicht, mein. Onkel, bei dem ich wohne, hat ihn an den' Gortzky gewiesen, der solche Geschäfte macht. — Vors.:, Haben Sie dem Ellen gesagt, daß Gorsky viel Geld hat? — Zeuge: Im Leben nie. — Vors.: Ellen gibt an, daß Sie mit ihm den Plan zum Raub'besprochen und ein Drittel der Beute-' verlangt haben. — Zeuge: Jin Leben nie. < ' Das Urteil. Die Geschwornen beantworteten die auf das Verbrechen des Raubes lautende Schuldfrage bei Kasimir Ellen mit acht Ja gegen vier Nein, bei Eduard Schouldt mit sieben -Ja gegen fünf 'Nein. Aus Grund dieses Verdiktes verkündete der Vorsitzende zunächst den Freispruch des Eduard S ch o n l d t, allerdings mit dem Beisatz, daß der letztere der Polizeibehörde zu überstellen seit. Kasimir!»Ellen wurde zu einer schweren Kerkerstrafe in der'Dauer von fünf Jahre n, verschärft ''durch ^einsame 'Absperrung in dunkler Zelle an jedem Jahrestage der Tat, verurteilt. Außerdem wurde gegen ihn die Landesverweisung ausgesprochen. Ellen hielt sich Bedenkzeit offen. - . - VslksOirt. Gestempelte Keone —.04^4 Centimes. Auszählung Wien -- -.04^2 Centimes. RLütgäns-er Mark. Ln Zürich notierte -.c4'/x -.01-'i (—.043/t 10.12 (10.15 . 1.82 1.82 '3.85 -.63 —.14 die österreichische Kronr . . die österr. gestempelte Krone die tschechische Krone . . . die Mark^ . Agram ...... . . . Sofia ... . . » . . . . Budapest . . , . . . . Warschau ........ ( 1:92. ( 1.85 (.3.92 (-.63 (-.14 am am am am am am am am 3. Luni) 3. Luni) 3. Luni) 3. Juni) 3. Luni) 3. Luni) 3. Luni) 3. Luni) ValuteAkrrrse. ' Die AufwärlLbewegrng der stemden Zahlungsmittel machte im gestrigen Verkehr wertere F o r t s ch r i t t e, hervorgeruf.m durch - die Schwierigkeiten» welche sich bei den deutschen Än'eihevrrkandiungen ergeben. 'Da den enormen AUiprüchm nur sehr geringes Material an Ware gegenüberstand, lösten diese noch r ie dagewesene Höchst u r s e aüs. Der D o ITa t flieg gegen die Frellagsnolierang von 11.725 auf 13.575, K., englische Pfund von 52.400 auf §1.300 K., die tschechische Krone von 229 5d auf 270 50 K. Nachstehend die offiziellem Ech>utzstu;',e: , ' VervKenilfttliunLcker Vevisenrentrüls vom 6. sunt 1922. vevissa (Zelisclcs und Auszahlungen) Amsterdam f. l'holi. Gitlden Agram 1 jug. Kronen . .. . Belgrad 1 Dinar .. Berlin l deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs . , Budapest 1 ungarische Kronen , Bukarest 1 Lei. Christlanla 1 norweg. Kronen Kopenhagen 1 dänische Kronor., London 1 Pfund Sterling . , Madrid 1 Pesetas ...... Mailand 1 Lire . . . . . . . New Vork 1 Dollar . . . » - . Paris 1 Francs . . . . - Prag 1 tschecho-slow, Kronen , Sofia 1 Lewa . . . . . . < Stockholm 1 schwedischeKronor . Warschau 1 polnische Mark . . Zürich 1 schweizerische Francs . Noten Am.erlkan, Noten v. 5 Dollar aufw. » kleinere . . . Belgische Noten 100 Franes . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva .' ». » 100 . , i i kleinere Dänische Nöten lOO’Krdn'er . . Deutsche Noten zn 1000 Mark. . , . o ' ft 100 n . . » - kleinere ...' . . Engi. Noten von 5 Livrest. aufvv. „ » kleinere . . . . , Französische Noten. 100 Francs . Holländische Noten 100 Gulden . Italienische Noten v. 100 Lire aufw. „ » kleinere . . . lugosl. Noten ungest. zu 1000 Dinar . . .. »100 . „ » * kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner. , Polnische Noten v. 500 Mark auiw. kleinste * ' i A Rumänische Noten zu lOOOu.SOOLei . t kleinere . . . .Russ. Noten (Roman.) zu 500 Rubel 100 , » , kleinere. Schwedische. Nöten 100 Kronor Zinsfuß 1 Kurs v. 2. .Tun’ Geld Ware Geld Ware 4Vä 5347.50 5352.50 4577.50 4532.50 6 48.72 48.78 41.345 4L405 6 194.58 194.82 165.38 165.62 5 48.20 48.30 43.825 43.9?5 5 1156.50 1157.50 994.50 995.80 6 15.72 15.78 14.17 14.23 S'/, 2449!- 245L— *2114! — 2116*^— 5. 3073.75 3076.25 2563.75 2566.25 4 61;475 61.525 52.575 62.625 5V3 J 848,75 1851.25 6 711.70 712.30 614.70 615.30 4V» 1364-1 .13356 11794 11806 5 1254.50 1255.50 1074.50- 1075.50 5 270.90 271,(0 229.40 229.60 6V, 93.70 93.80 87.45 87,55 5 3548.50 3551.50 3063.50, 3066.50 7 3.455 3.495. 3.085 3.125 3VS 2618.73 2621.25 2253.75 2256.25 1.3559 13581 11719.- 11731.- 11619.- 11631.- 1149.50 1150.50 989.50 990.50 96.45 .99.55 86.45 86.55 30K^ 30.^25 25«!t5 2»UN 48.20 48.30 43.90 44.- kl.275 61.325 «?3w 52.425 52275 . 52.325 1254.50 1255J50 1069.50 1070.50 5327.50 5332.50 4557.50 4562.50 707.70 708.30 610.70 611.30 194)33 1&ÜS2 165138 16lS;62 164.88 165.12 2429.’- 243t.’- 2094;- 2096.'- , 3,42 3.46 3.045 3.035 ssiot 89.05 78^44 —t— Schweizerische Noten 100 Francs Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. Not. v. 1000 auiw. » „ kleinere . . Ungar. Noten (neue Ein.) zu 1000 Kr. v '' . zu 10.000 Kr. . , . . . kleinere. 3539.50 3541.50 2808.75 2611.25 2138.75 2141.25 270.40 270.60 270.30 270.50 15.82 15.88 3043.50 2243 75 1828,75 229.40 229.311 14.165 304<\50 2246.25 1831.25 229.60 229;50 14.255 Die,tzrWrmg auf Morgan. Alle Welt schielt nach den goldbespickten Taschen' der Amerikaner und erwartet aus ihnen das Heil, Das ist der der besten Valuta, die sich über alle Nöte der Kriegs- 'und sogenannten Friedenszeit hinaus als Stau« dardluährung erwiesen hat. Dem Zauber sind Sieger und Besiegte in gleicher Weise unterlegen, amerikanische.Kredite sind die Form, unter der sie die Mitarbeit der Vereinig- : ton Staaten am Wiederaufbau der Welt verstehen, Nurdaß die Sieger -ihre Kreditforderungen mehr passiv stellen — sie wollen Nachlaß der während des Krieges aufgenom« , menen, Schulden -- Während die Besiegten direkte Geldzuschüsse verlangen. Schon in den ersten Monaten nach der Beendigung des Krieges waren die Vereinigten Staaten die Hoffnüng des verwüsteten, wirtschaftlich daniederliegenden Europa.'- ' Damals herrschten noch Illusionen über die Freigiebigkeit der Amerikaner — war es doch die Zeit, in der das ameri- - kaniche Hilfswerk seine höchsten Triumphe feierte und Millisnen Menschen in Mittel-und Osteuropa die.nackte Existenzrettete. Wer sichso dachte man, solcherart als Philanthrop als Mann mit den weit geöffneten Taschen bewahrte, wird doch dem Niedergebrochenen nicht die Mittel zur Wiederaufrichtung der wirtschaftlichen 'Existenz versagen? - Die Trennung zwischen Charitas nüd Geschäft, das war dent verbil-deten Sinn des Europäers durchaus unbegreiflich, und es nützte nichts, daß der damalige amerikanische Staatssekretär ftir Finanzen G l a ß eine generelle Absage an Europa richtetete und es in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise aufforderte, seine Kredithoffnungen zu begraben. - Drei Jahre sind seither verstrichen, es hat Kreditverhandlungen und Kreditversprechungen überall gegeben, die ' Entente und der Völkerbund schienen sich für Oesterreich zu interessieren, es wurde sogar ein großes Kreditprojekt ausgearbeitet, und ein Zweifel an dessen Verwirklichung war eine Zeitlang fast wie eine Blasphemie erschienen.' Aber Amerika stand abseits, und der Block des .Ge- . 'neralpfandrechtes, dessen Beseitigung es sich am heftigsten . widersetzte, lehrte die glaubensstarken Regierungen, Hoffnungen und Versprechungen nicht als WiEchkeiten hinzunehmen. Inzwischen ist die Mark, ben Weg. der Krone gewandelt, standen die Reparationen von Versailles zwischen - Deutschland und Frankreich und machten den wahren Frieden in Europa mrmöglich. Frankreich braucht für seinen Wiederaufbau die deutschen Leistungen und will, kann auf sie nicht verzichten, Deutschland verschanzt sich hinter den unerbittlichen/Zwang der Leistungsunfähigkeit ynd erklärt, nur eine internationale Anleihe könne ihm die Atemsrist gewähren, deren.es für eine Wiederaufrichtung der Wirtchaft bedürfe, und nur aus einer solchen Anleihe-würde es> einen Teil der Ansprüche Frankreichs befriedigen!pnueit. Aber die Amerikaner fordern Garantien, die -die Zahlungsfähigkeit,Deutschlands sicherstellen, . sie verlangen zu diesem Zwecke eine Herabsetzung der ReparatioNsschuld, wofür wiederum Frankreich nicht zu haben ist. Und bei alt diesen Kreditgesprächen betonen die Amerikaner, daß von einem Junktwl zwischen Schüldennachlaß ' an die Alliierten und zu gewährenden Airleihen nicht: .die Rede sein könne. Die Schuldendie die Alliierten während'des Krieges in Amerika ausgenommen haben, betragen etwa 10 bis 12 Milliarden Dollar. Davon hat Amerika bisher nicht einen Cent Zinsen gesehen, von der Rückzahlung auch nur eines Teiles vom Kapital gar nicht zu reden. Oft schön ist im Namen der Waffenbrüderschaft, der Menschlichkeit ustv, von den Miierten, insbesondere aber von Frankreich, die gegenseitige Streichung > der Kriegsschulden erörtert tvorden. England wäre hierfür leicht zu gewinnen, aber, die Anierikaner wollen davon nichts wissen. Geschäft ist Geschäft! Was sie allenfalls, zuzugestehen geneigt wären, ist die deutsche Anleihe, die ohne ihre Mitwirkung eitel Wind bleibt, zustande kommen zu lassen (aber unter der Bedins gung,' daß die deutsche Zahlungspflicht mit der deutschen Leistungsfähigkeit in Einklang gebracht werde) und durch Verwendung eines Teiles für Reparationen indirekt Frankreich ztt befriedigen. Davon wollen wiederum die Franzoserk nichts wissen, sie .würden sich höchstens'dazu verstehen, 65 Milliarden GolLmark von der deutschen Reparationsmasse streichen zu lassen, .wenn Amerika die Alliierten aus dem Kriegsschuldenverhältnls entlasse. Das Wirrsal des Reparations- und Kreditproblems darf nicht außer acht gelassen werden, will man sich .ein ungetrübtes Urteil über die Kreditchaneen bilden, die sich . durch die Verhandlungen mit Morgan auch für Oesterreich eröffnen und die mitunter gär sanguinisch.anfgefaßt werden. Es muß also zunächst festgestellt werden, daß sich an der Haltung der Vereinigten Staaten grundsätzlich nichts , geändert hat. Von Regierungskrediten ist bei all diesen Verhandlungen und Projekten nirgends die Rede — die von Glaß vor drei Jahren vorgezeichnete Linie ist nicht im geringsten mngebogen. Morgan und seine Hintermänner stellen ein privates Bankkonsortium dar, die Kredite, wenn sie zustande kommen, wären nur Privalkredite, und solche Kredite heischen in der Regel noch größere Sicherstellungen, wenn sie sich gls ein Geschäft erweisen sollen. Daß oas Zustandekommen des Geschäftes von der Regelung der politischen Fragen' abhängt, wobei die Negierungen das entscheidende Wort zu sprechen Haben, das-ändert an dein Wesen der Kreditfrage gar nichts. Allerdiügs mag die Bereitwilligkeit des: amerikanffchen Konsortiums, Europa 'beizuspringen, von dem früheren Desintereffement der Amerikaner sich scharf abheben. Zwischen ihrer früheren- ZngeknöpMit und jetzigen Zugänglichkeit liegt die große amerikanische Wirtschaft,s- und Arbeitslosen krise, die sie belehrt hat, daß die Zusammenhänge der Weltwirtschaft sich doch nicht ganz mißachten ' " IIJ lürscheoiiaiis 140 cm CsösccoBf E.SÜK-.