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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-07 · Heft 1203 (7.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1203 (7.6.1922)
Date
1922-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prag tagt gegenwärtig ein Kongreß der. internationalen VölkerbMdvereinigungen, einer privaten Körperschaft, deren Ziel es ist, den Gedanken der Kultursclidaritäi zu verbreiten und durch gegenseitige loyale . Aussprache von Volk zu Volk Aufklärung zu schaffen. Einer-solchen Tagung kann nur moralische Bedeutung zukommen, die sich vor allem darauf stutzt, .. daß es die besten Männer der Nationen sind, die diese Aufgabe auf sich genommen haben. Auch der Völkerbund ist nur eine moralisch wirkende Institution, deren.Beschlüsse erst daün zur Tat werden, wenn sie von der Gesetzgebung der Einzelstaaten ausgenommen und verarbeitet werden.. Die Beschlüsse des Kongresses der pr'» < .'en Vereinigung müssen an Gewicht jenen des Völkerbundes zumindest gleichgestellt werden, weil aus ihnen die Stimme der Völker viel unmittelbarer und Len'sicher akzentuiert. spricht. . Bedauerlich bleibt, daß sich selbst dieser Kongreß, dem die Mangel' der Völkerbundorgänisation wohl bekannt sind/micht außerhalb des Her: ukreises der zünftigen Politik stellt. Er hat über die Ausnahme einzelner Landesverbände debattiert, statt einst-ch alle aufzuneh- Mn, die des gleichen Willens sind :? Der Kongreß ist als solcher ein lebendiger Protest gegen die sittlichen Verwüstungen'der Nachkriegszeit. Er hat sich eine ausführliche und ' öffentliche Besprechung des Minöritätenschicksals vorgenommo:;. Die Frage, um die es sich handelt, ist in ihrer Größe, und? leidvollen Aktualität erst durch die von den Siegern diktterten Friedensverträge geschaffen worden. Es qM nicht nur nationale Minderheiten, die über Abschnürung von dem Mutiervolk, über Zurücksetzung ihrer sprachlichen und kulturellen Ansprüche Klage ftihrm, es gibt neben, ihnen aufgehoben und blMg getränkt 'wrwdk^-.DaS.' sind die durchFe ldherrenkunst der Generahe aus ihren friedlichen, Sitzen/, vertriebenen Hlüäpftnge, die das demütigendste Leben der mehr-oder minder angenehmen Guldung im -fremden.Land führm. Aber es gibt Menschen, denen ein noch härteres Los geworfen wurde. Die Flüchtlinge haben doch die Anerkennung irgendeiner staatlichen Zugehörigkeit, die in vielen Fällen unklar, bestritten oder illusorischest, die ihr'.'.'n aoev doch in ihrem Elend die; Anrufung einer —- f rgett wir Heimatsbehörde chölllich macht. Es gibt aber hauptsächlich im Osten und auf dein Balkan; wie best-nders an, der dal- - matinischen Küste heimlose Flüchtlinge, bei,denen eine Staatsbürgerschaft nscht einmal im Begriff, vorhanden ist. Mit ihnen .beschäftigt sich/'keine Regierung,, kein Völkerbund. und kein ’ Völkerb'nnlki'NgrLß. Aber so-, gar in dieser Menschettkategyrie sind Abstufungen zu unterscheiden. Es gibt Heirnloso, wie die politischen Flüchtlinge im Osten und an der Apria, die durch politische Agilität die Aufmerksamkeit aus sich lenken. Die Mehrheit aber, die jüdischen Heimloseü in der Ukraine, auf der Krim, in Beßarabien, stirbt und verhungert. Von ihnen wissen lediglich die ji'-dischcu Hilfsverbände und die Grenzpolizeistellen der interessierten Staaten, die diese Unglücklichen so wie die Wanderzigeuner hin . und her schieben. Ein Bericht, der auf dem Prager Kongreß erstattet wurde, beziffert die Stärke der nnzu'ricdenen Minderheiten mit insgesamt 25 Millionen Menschen. . Diese" Schätzung ist, wenn man an d e Flüchtlinge und die Heimatlose Äenkt, zu niedrig gegriffen. AVer selbst ihre offizielle Feststellung wirkt wie ein Fluch auf die schönen Redensarten von der Kultur und von dem Selbstbestimmungsrecht der kleinen Volker. Gs gibt 25 Millionen Menschen, die sich im vierten Iabr dcr neuen Friedensära nattonal entrechtet fühlen. Auf der Liste stehen die Deutschen, : die Magyaren, Südslawen, Vulgären, Armenier, Esten, Ukrainer, Letten. Die Deutschen und die Magyaren finden sich znm erstenmal in dieser Gesellschaft/ Sie waren bis zum Krieg ausgesprochene Mehrheitsnationen, Herrenvölker, und/ihrem Wirken ist' es zuzuschreibcn, das es, Minderhcitt.Ulttionen gibt. Das Strafgericht der Geschichte hat auch sie. getroffen. Aber beide Völker haben die Eigenheit, daß sie geistig - noch , immer in der vergangenen Zeit ihresHerrentums leben; und daß sie in ihren Stammländern unter der Wirkung der' militärischen. Wederlägen in einen noch schärferen ' Minderheitshaß verfallen sind. D'.e Intoleranz ist kaum zp tzbexbieten und die Juden in beiden Ländern,wären glücklich, wenn sie nur,'so unterdrückt töären wie die Minderheiten der Tschecho-Slowcckei. L)urch diese Art .der praktischen Politik. wird die AnweMheit der deutschen und Magyären aus dem Prager Kvngrdß zu einer. Budapest, 6. Juni: Die'Zählung der in den vier ' Wahlbezirken von Budapest und Umgebung abgegebenen Stimmzettel ist noch immer nicht beendet. Es sind bereits Teilergebnisse bekannt. Nach den bisher sestgestellten Ziffern dürften sich die in Budapest, und? Umgebung zur Besetzung gelangenden 30 Mandate, falls durch die Zählung der noch übrigen. Stimmzettel das Verhältnis der bisher aus die einzelnen Parteien entfallenden stimmen sich nicht wesentlich ändert, folgendermaßen .verteilen. Sozialdemokraten 13, liberaldemokratis ch e Liste 7, regierungsfreundliche Fraktionen 6, Andrassh-, Partei 3? Christi ichsoziale Partei 1. Die übrigen Parteien, die Kandidaten aufgestellt'hätten, wie Nationale Bürgerpartöi, Wirtschaftspolitische .' Partei, Kossuth-Partei und die Vaterlandsverteidigungspartei, dürften leer ausgehen. - > ''? - -- - ^- - Budapest, 6. Juni. (Tel.-Comp.) Nach der neuestctt ^Berechnung dürfte die Regierung insgesamt. 167 und die Opposition 78 Mandate erhalten. Es wurden bisher 10 Sozialdemokrateu gewählt-, die Wahl weiterer 13. sozialistischer Abgeordneter wird erwartet. Das Ergebnis der Vu Kapelle r. Wah l e n dürfte Freitag verkündet werden Es kann bereits jetzt festgestellt werden, daß m Budapest die Sozialdemokraten und' nach ihnen die Demokraten die meisten Stimmen aus sich vereinigten, .und daß erst an dritter Stelle die Regierungsparteifiguriert. .Die. nationale Bürgerpartei sowie die Wirtschastspolitische Partei des Tr. Gracz wird voraussichtlich kein Mqndat erhalten. -; . Die Nationalversammlung wird durch eine Ansprache des Reichsverwesers eröffnet werden. ' London, 6. Juni. (Tel^ d. „Wr. Morgenzeitung".) Die ziönistische Föderät-ion Englands ver- /anstälW einest ' feierlichen. MLntlMn/ WMäng Mren Sir-M tfiVb. - | M o n d, Dr> W.e i tz m ä n st und.^x> 'Schmarja Lew i n i hielten längere Ansprachen, in demn sie Sir Herbert - Samuel aufs wärmste -begrüßten. Minister Mond besprach hauptsächlich die zweijährige Tätigkeit 'des High Eom- ' missioners und stellte fest) daß Man mit seiner Tätigkeit zufrieden sein kann.- In seiner Antwortrede überbringt Sir Herbert Samuel einen Gruß von Palästina. Er" stellt fest, daß sin den zwei Jahren in-Palästina viel N e u e s ' geschaffen, wurde. Das Eisenbahnnetz und das , Schulwesen-wurde um vieles erweitert.' Es wurden, auch zentrale Körperschaften für Muselmanen und Christen - geschaffen, wie auch das jüdische r e l i g i ö s e L e b e n organisiert. Die jüdischen Gemeinden wurden umgebaut- und sie werden gegenwärtig ^von einer - religiösen Autorität geleitet. Auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft und der Landbemessung wurde Bedeutendes geleistet. Man muß in Betracht ziehen, daß dies alles in einem Zeitpunkt durchgeführt' wurde, wo das P a l ä st i n amandatformell noch nicht vom Völkerbund. .ratifiziert war. Wenn auch das Mandat.im Prinzip gutgeheißen wird und England, seinen- Mandatsverpflichttmgen im Sinne der Weisungen des Mandatstextes nachkommt, - so müsse. man doch bedenken, daß, insolange die formelle Bestätigung des Mandats fehlt, ein Teil der' Bevölkerung, der der Meinung ist, daß er die Politik noch än-' dern könnte, unzufrieden sei. Es sei. auch u n m ö g l i ch, derzeit eine Anleihe,, die die Palästinaregierung aufzunehmen plant, durchzüführen, da die Mandatsftage noch nicht endgültig'erledigt worden sei. Sobald die Ratifizierung des Mandats erfolgen wird, wird man auch in einem anderen Tempo die Palästinaarbeit besorgen können^ ‘ Er hoffe, daß iyr. , ersten Jahre nach der Mandatsbestattgung in Palästina^ ftiel mehr wird gebaut /und; geleistet, werden als in den letzten Jahren..Im Verlauf seiner weiteren Rede meinte der High Commissioner, daß matt der z i o n i st i s ch e n O r g a n i s a t i o n für ihre kräftige Arbeit in Palästina g x o ß e n Dank schulde. Ihre Aufopferung verdiene wa-hre Bewund e r u n g. Man hat zwar in der letzten Zeit.ihre Tättgkeit kritisiert und es sei auch möglich, auf diesem Gebiet Kritik' -zu üben, aber wen habe man nicht kritisiert? Es ist eine alte Regel, daß Kritik, zu üben viel leichter sei als Arbeit -natürlichen Illustration der Wirkungen - der Friedens- ' vswträge, die sich aus ^der ,Gemeinheit der Kriegs-, ättnosphäre herleiten. Solange. '.eS'in DeutschlandM-.. ^.deu^He, in Ungarn Horthy-GesmLe! gibt, die Leide ihr; Treibstn mit einem Schein von Recht aus den Versailler . KriegWktaten erklären können, solange ist sogar die moraliMe Bedeutung eines von diesen Nationen beschickten.Kongresses in Gefahr,, .weil er sein Ziel einer ' xMWslöseir' Aussprache mM' j zu leisten. Bis,mm; find ü b e r 25,000 C h a l u z i m ins Land' gekommen, und obwohl inan sie mit Arbeit' versorgen . sttutzte Unst Piele^;-MÄtZP§:BeÄiebM^Md,-ift bis -nunvww - - d e r b r i t isch e n B e.r w a,l t u. %' zu ihrer Erhaltttng n icht ein Penny v erbr.au ch t worden..Die zionistische Organisation allein hat mit ihren Kräften und Mitteln diese Chaluzim erhalten. Die ins Land kommenden Chaluzim bilden einen wunderbaren Typus. Nach seinen eigenen Beobachtungen und nach den Berichten; seiner Beamten könne er feststellen, /daß die Chaluzim ein gutes Element, das sich ern jede§Landwunschen kö n nte, bilden. Sie sind arbeitslustig, fröhlich und'Menschen, die die schwerste; Arbeit nicht scheuen/ Viele von' ihnen verfügen über ein hohes Maaß von Bildung. Wenn auch ihre politischen Ansichten mehr nach links hinübergreifen, so finde man unter ihnen auf keinen Fäll Bolschewiken. In Palästina existieren keine Bolschewiken. Infolge der schlechten Valuta in Osteuropa bleiben für die zionistische Organisation dre -finanziellen Haupt-- quellen verschlossen und trotz dieser geringen.Mittel habe sie 'doch wunderbare Arbeit geleistet. Dank der jüdischen Arbeit in Palästina ist auch die wir t s ch a s t l i ch e Lage d e r A r a b e r v i e l b e s s e r geworden und durch den jüdischen Wideraufbau Palästings wird sich-auch ihre Lage in der Zukunft um so mehr verbessern. Palästina könne noch ein großes-Wort-auf dem Gebiete der Religion,. Soziologie, Philosophie, Kunst, wie auch aufanderen^ Zweigen des menschlichen Geistes sprechen, Er könne, zum Schluß seiner Ausführungen feststellen, daß wir.-in: Palästina einer glücklichen Zukunft Vorarbeiten. Zum. Schluß ' des Empfanges hielt der aus Südafrika zurückgekehrte S ch m a r j a L e w i n eine längere hebräische Rede, in der er die Tätigkeit Samuels würdigte. — Unter den eingelangten Dankschreiben befindet sich eine iZüschrfft des Kolonialministers Chur ch i l l,' in der,er die Hoffnungausdrückt, Herbert Samuels: Besuch in England werde zur Herbeiführung einer V e r st ä n d i g u n g in einigen noch . offenen Fragen Palästina betreffend beitragen. ' London. 2. Juni. Der High Conmnssioner für Palästina Sir Herbert Samuel wohnte gestern vormittags . einer Sitzung der Exekutive der zionistischen..Weltorganisation bei^ die im zionistischen Zentralbureau, unter dem Vorsitze. Dr. Weitzmanns stattfand.; Es wurden - mehrere wichtige Fragen behandelt, darunter hauptsächlich die Fraoe der Einwanderung nach Palästina. Kongreß der französischen Sozialisten. Papis, 6. Juni. Der Kongreß der französischen Sozia« listenpartei . hielt gestern seine Schlußsitzung ab, in der Generalsekretär Paul Faure die innerpolitische Lage ynd^ ' die außenpolitischen Fragen vom. Parteistandpunkte. aus-. Änanberjetzte. ' Redner trat für eine ANnäMung der Pattej

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