Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1202 (6.6.1922)
- Date
- 1922-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer K 60 Wien: Zuni Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelie (Trafik) monatlich K 2100 Mit l?oBtversand für Wien u. Oesterreich monatl. IC2100, Tschech o-Slowakei: Mon. K 20. Ungam: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Pol e s: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 50. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 rener Tschechoslowakei r tschech. K1.20 Italien: Monatl. 6. Lire Rumänien:, Mon. 40. Lei Sch w e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3, Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Morgenzeitung', Wien Oösterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1202 Wien, Dienstag, 6. Juni 1922 4. Jahrgang vtt IM Nach einer Meldung der »Korrespondenz Herzog" treffen die Vertreter des amerikanisch-englischen Finanzkonsortiums Ende der laufenden Woche in Wien ein, um an Ort und Stelle genaue Erhebungen über die für den Kredit derMorgangrupPe an'gebotenen Garantien zu pflegen. Die Experten werden Gelegenheit nehmen, mit allen in Betracht kommenden Stellen' zu konferieren, um auf Grund der erhaltenen Auskünfte und gewonnenen Eindrücke die Kreditverhandlungen in Wien fortzuführen und ihrssn Aufgebern Bericht - zu erstatten. Die Experten sind im Besitze weitgehender Vollmachten, so daß die Verhandlungen in Wien für den Fall, als die angebotenen Kreditunterlagen als, ausreichend erkannt werden, bis zum Abschlüsse geführt werden können, wobei naturgemäß die Entscheidung erst in London von dem amerikanisch-englischen Finanzkonsortium auf Grund der Vor- Ein Uebersall auf Scheidemann. Kassel, 5» Juni. Oberbürgermeister Scheidemann wurde gestern bei einem Ausflug nach Wilhelmshöhe von einem jungen Mann überfallen» der ihm eine Flüssigkeit ins Gesicht spritzte. Scheidemann schoß zweimal hinter dem Flüchtigen her und verlor d an« d a s B e w u ß ts e i n, konnte jedoch nach kurzer Zeit in seine Wohnung geführt werden. Er hat keinerleiVerletznngenerlitten. DerTüter ist entkommen. ' Moskau, 5. Juni. (Intel.) In der „Jswestta" vom 4. Juni erschien ein offizielles Bulletin über das Befinden Lenins, das u. a. auch von Prof. F örst t x und Prof, von Krämer unterzeichnet ist. ,Laut diesem Bulletin ist in dem durch die Operation und die allgemeine Ueberanstrengung schon geschwächten Gesundheitszustand Lenins eine gewisse Verschlimmerung mit Temperaturerhöhung bis zu 38,5 Grad eingetreten. Der Zustand des Patienten hat sich aber wieder schnell gebessert. Die Temperatur ist wieder normal, das subjektive Befinden sehr gut. Der Kranke, dem man absolute Rühe verordnet hat, befindet sich auf dem Wege zur völligen Genesung. Reparationen und Anleihe. Paris, 6. Juni. (Tel,-Komp.) lieber den Anleiheplan werden in französischen und amerikanischen Zeitungen Mitteilungen gemacht. Die Weigerung der französischen Regierung, eine Herabsetzung der Gesamtschuld Deutschlands zuzulassen, soll nach der „Chicago Tribüne" heute innerhalb der Reparationskommission besprochen werden. Man nimmt an, daß Belgien die Auffassung Frankreichs unterstützen wird, während England und Italien gegen eine Verminderung der illusorischen 132 Milliarden nichts einzuwenden haben. Die Ansicht Amerikas würde in diesem Falle von großer Bedeutung sein, da Amerika als der wichtigste Geldgeber ohnehin großen Einfluß ausüben kann. Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder erhalten die amerikanischen Delegierten die Vollmacht, als Schiedsrichter aufzutreten, oder die Lösung 'des;anzen Reparationsproblems wird v e r t a.g t. Der Kongreß der Völkerbundligen in Prag. Prag, 4. Juni. Heute wurde hier der Kongreß der internationalen Völkerbundligen unter dem Vorsitz des Präsidenten, Senators Ruffini, feierlich eröffnet. Der Präsident wies in seiner Rede auf die Freundschaft Italiens und der Tschecho-Slowakei hin und feierte die Persönlichkeit Masaryks. Hierauf besprach Ministerpräsident Dr. Benesch die Wichtigkeit des'Völkerbundgedankens für die Anbahnung des europäischen Wiederaufbaues. Ein tschechisch-russischer Vertrag ' abgeschlossen. Prag, 6. Juni. Gestern wurde im tschechoslowakischen Außenministerium der tschechischrussische Vertrag von Benesch und Mostowenko, dem Vertreter der Sowjetregierung in Prag, unterzeichnet. Der. Pertraa. der Mn seit gerauwer Zeit jertiggestellt schlüge der nach Wien entsandten Experten fallen kanck - -- - . - .- Paris, 5. Juni. (Tel.-Eomp.) „New Aork Herold* meldet aus London: Der.rapide Verfall der österreichischen Krone auf allen.Plätzen, der insbesondere in den letzten Tagen, zutage trat, hat die Delegierten der Morgangruppe veranlaßt, der.österreichischen Frage näher zu treten und den Entschluß zu fassen, gegen Ende dieser Woche bereits in Wien einzutreffen, um mit den maßgebenden Stellen über die Gn^ndlagen einer Kreditaktion zu verhandeln. Es soll sich um ynen höheren Betrag handeln, als bisher angenommen wurde. Trotz, der Schwierigkeiten, die sich einH Anleihe an Deutschland entgegenstellen, glauben die delegierten, daß sie in der österreichischen Frage viel lei.cht er es Spiel haben werden, da sämtliche alliierten Staaten den Wunsch haben, Oesterreich wieder aufzurichten.:' und der Presse bekannt war, ist seinem Wesen nach ein Handelsvertrag, welcher jedoch' in seinem politischen Teil die Handelsdelegation der Russischen Sowjetrepublik in der Tschecho-Slowakei als die einzig befugte Vertretung des russischen Staates anerkennt. Die tschechoslowakische Regierung spricht auch im Vertrag den Verzicht auf jede offizielle Beziehung mit den der Sowjetregierung feindlich gegenüberstehenden Emigrantengruppen aus, ebenso mit allen Institutionen und Personen, die den Kampf mit Sowjetrußländ bezwecken. Dieser Verzicht trägt gegenseitigen Charakter ebenso wie die Verpflichtung, den Vertretern der vertragschließendLN-StgcüenMnüiL WnMstgliedew? - der Vertretungen - diediplomatischerr Rechte sichern.-' Den Vertretungen werden auch sämtliche Eigenschaften diplomatischer Gesandtschaften und Konsularrechte zugestanden. Der Abschluß von Post- und Verkehrskonventionen zwischen den beiden Staaten wird ins Auge gefaßt. Das russische Außenhandelsmonopol wird als Grundlage der - gegenseitigen Handelsbeziehungen anerkannt und kommerzielle. Abmachungen, die mit Privatpersonen ohne Vollmacht und Genehmigung der ruffi-. schen Regierung getroffen werden, werden als Verletzung des Vertrages betrachtet. Die Kündigung des Vertrages ist auf sechs Monate festgesetzt. Ein analoger Vertrag soll auch in nächster Zeit zwischen der Tschecho- Slowakei und der ukrainischen Sowjetrepublik zum Abschluß gelangen. Der englische Gerrossenschaftskongretz. London, 6. Juni. (Intel.) Gestern fand in London die Eröffnung des englischen Genossenfchaftskongresses statt. Zrun ersten Male in der Geschichte der englischen Genossenschaftsbewegung wurde eine Frau zum Vorsitzenden gewählt. Dies ist Frau Margarita Dawies, die in ihrer Eröffnungsrede erklärte, die Genossenschaften verfolgen nicht den Zweck, einige unbedeutende wirtschaftliche Erleichterungen für die Werktätigen Schichten der Bevölkerung herbeizuführen, sondern seien bestrebt, die Grundlagen einer neuen industriellen Organisation zu schaffen. Die Propaganda der magyarischen „Erwachenden". Belgrad, 4. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung"). Ein-Bericht der Defensivabteilung des Ministeriums des Innern weist darauf hin, daß in der letzten Zeit an verschiedenen Teilen der Landesgrenze eine große Zahl gefährlicher ausländischer Propagandisten verhaftet wurde, unter denen sich auch Personen serbisch-kroatisch-slowenischer Nationalität befinden, die im Dienste der Feinde des S. H. S.- Staates stehen. In jüngster Zeit gelang es, ein besonders gefährliches Individuum, den gewesenen Oberleutnant Stanko Matkowics, der ein agiles Mitglied der Erwachenden Ungarn war, unschädlich zu machen. Im Verlaufe der Einvernahme sind verschiedene Einzelheiten der Agitation aufgedeckt worden, welche von Ungarn ausgeht und. sich gegen Jugoslawien richtet. Die Erwachenden Ungarn legen bei ihrer Agitation das Hauptgewicht auf die Propaganda unter den Grenzmilitärmannschaften, in erster Reihe unter den Ruffen, Kroaten und Albanern. Wie einwandfrei festgestellt wurde, sind die Erwachenden Ungarn mit den gleichgesinnten Komitees in Italien, Bulgarien und Albanien in Verbindung getreten und haben Pläne für ein einheitliches bewaffnetes Vorgehen gegen den jugoslawischen Staat ausgearbeitet. Aus derselben Quelle stammt auch das mit apykrhphen Merschristen versehene Gestempelte Kroue ---- —.04% Centimes. Auszahlung Wien ---- —.0472 Centimes. In Zürich notierte die österreichische Kronr . . . -.04V-' (-.04% am 6. Juni) die österr. gestempelte. Krone. —.04% (-§4-/. am 6. Juni) die tschechische Krone .... 10.10 (10.15 am tz. Juni) die Mark.. 1.87 ( 1.92 am 6. Juni) Slqrctm •••••••*•• 1.82 ( 1.85 am 6. Juni) SoftCt 3.85 ( 3.92 am 6. Juni) Budapest . ... . —.63 ' (-.63 am 6. Juni) Warschau . . . .... . . —.14 (-.14 am 6. Iunil , 11—1>. .——e——BpMaamwrrgrHT riiitPW»iwii«wüüMi»iwi«HMiiiijUBUJüiia»iuaMPi Memorandum an die Konferenz in Genua und auch der jetzt aufgedeckte Plan eines Attentates gegen führende Politiker des Landes, wobei auch bereits die Individuen bestimmt wurden, welche diese Attentate auszuführen hatten. Die Pogrom- und Hungeropfer i« der Ukraine. Paris, 30. Mai. (I. C. B.) Nach schwerer Mühe ist es gelungen,.die Mion für die Pogrom- und Hungeropfer in der Ukraine einheitlich zu gestalten und auf sicherer Grundlage auszubauen. Die Aktion wird in Rumänien von einer speziellen Kommission der jüdischen Welthilfskonferenz unter Vorsitz des Vertreters des internationalen Roten Kreuzes Dr. Baccilieri durchgeführt. An der Kommission beteiligen sich außer Vertretern der Exekutive der jüdischen Welt Hilfskonferenz auch solche . des „Joint" und der Londoner Föderation ukraini. scher Juden. Das Volkskommissariat skr jüdische ' KöwA,l2,'Hrmi. KÄ.'der- ,Mr. -Aorgecheitmig".) Auf Befehl der Moskauer Sowjetregierung. wurde das Volkskommissariat für jüdische Angelegenheiten in W e i ß r u ß l a n d, das vor kurzem Konflikten mit der Ortsbehörde zufolge aufgelöst wurde, reaktiviert und zum Leiter-Herr Lew in ernannt. Das RrrtherrDergsche Elektrifizierungprojekt. London, 2.. Juni. (I. C. B.) Ingenieur Ruthenberg, der gegenwärtig in Amerika weilt, um dort die nötigen Summen für die Ausführung seines Projektes zu sichern, tritt in den nächsten Tagen die Reise nach London an, um zur Zeit der Unterhausdebatte über seinen Plan bei der Hand zu sein. '„Times" druckt ein Interview ihres New-Aorker Sonderberichterstatters mit Ruthenberg ab, in welchem sich derselbe über die ihm gewährte Konzession ausspricht und wichtige Einzelheiten mitteilt. Danach wurde nach längeren Verhandlungen mit der palästinensischen Regierung zunächst festgelegt, daß dieser Regierung eine Kontrolle über das finanzielle und technische Gebaren der die Konzession ausführenden Gesellschaften zusteht. Ferner' beschränkt das Konzessionsstatut die Profite der Gesellschaft in der Weise, daß nur Dividenden bis 10 Prozent den Mitgliedern der Gesellschaft gehören. Von 10 bis 15 Prozent wird die Dividende gleichmäßig verteilt, die Hälfte gehört der Gesellschaft, die andere Hälfte wird dazu verwendet, die Gebühren für die Elektrizitätsverbraucher zu ermäßigen. Me Profite über 16 Prozent werden der palästinensischen Regierung zugeführt. Ruthenberg stellt in Mrede, daß sein Plan irgendetwas mit politischen Angelegenheiten zu tun hat; das Unternehmen wird allen Einwohne rn Palästinas zugute kommen und zu einem Wiederaufleben des jetzt wirtschaftlich unentwickelten Landes führen. Juden und Araber werden in gleicher Weise an der Arbeit beschäftigt sein. - Das Kapital für die Ausführung dieses Planes, sagte Ruthenberg, wird in erster Reihe' durch eine von der palästinensischen Regierung garantierte Landesanleihe, ferner durch Investitionen verschiedener Personen und Gesellschaften aufgebracht werden. So zum Beispiel haben der englische E c 0nomieBoard für Palästina, der Palestine Development Council in Amerika (Brandeis-Gruppe), Baron Edmund de Rothschild je 100.000 Pfund in das Unternehmen investiert. Ein weiterer Betrag' von 200.000 Dollar ist von der jüdischen C 0 l 0 n i a l b a n k für den Plan zur Verfügung gestellt worden, Ein Rembrandt gestohlen. Stuttgart» 5. Juni. In der vergangenen Nach würde in der staatlichen Gemäldegalerie das Bild „Paulus im Gefängnisvon Rembrandt gestohlen. Der Wert des Bildes wird aus 5 Millionen Mark beziffert. Für die Ermittlung des Täters und die Herbeischaffung des Bildes sind 50.000 Mark Belobnuna ausgeW.