Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-06-03 · Heft 1200 (3.6.1922) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1200 (3.6.1922)
Date
1922-06-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980280--11289-2997727
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

';©ett* 4, , Men, wamsrag ' ' Der Kreis 8 erwartet, daß der Herr Vorsitzende der reichsdeütschjrn Studentenschaft in allerkürzester Frist auf den Weg zurückkehrt/ d e r e S a l l e in mögli ch' macht, Vorsitzender einer deutschen Stnd entens cha ft zu s ein und zu b l eiben. Der ZVeg, der es allein möglich macht, Vorsitzender einer deutschen Studentenschaft zu sein und zu bleibest (man beachte das herrliche Deutsch dieser Ueberdeutschen) . ist also der Weg, den jene gehen, die in der unflätigen Besudelung des jüdischen Stammes das Heil der deutschen Kultur erblicken. Die österreichische Studentenschaft läßt sich von diesem Wege nicht abdrängen. Reue Eiflwanderungsbeschränkungen in Kanada. Montreal, 31. Mai. (I. U. B.) Das EinwanderungS« beparteistent der kanadischen Regierung hat soeben ein neues Einwanderungs-Regulierungsgesetz mit sofortiger Gültigkeit erlassen, daß die Einwanderung bis auf Landwirte, > landwirtschaftliche Arbeiter ittvfc Hausgehilsen empfindlich einschränkt. Das wesentliche an diesem neuen Gesetz ist das Erfordernis von Zeug- _ nisten, die die Eignung und den Beruf des zukünftigen Einwanderers kundtun, während der Nachweis genügender Geldmittel bei der Landung nur für Asiaten aufrechterhalten wurde. Demnach werden nur hineingelassen: Landwirte, die über hinreichende Mittel verfügen, um sich auf Grund und Boden ansiedeln zu können, landwirtschaftliche Arbeiter,Hausgehilsen, sowie Frauen und Familien kanadischer Einwohner, die imstande sind, für deren Unterhalt aufzukommen. Die Faszisten steSerr die Agitation ein. Rom, 2. Juni. (Stefani.) „Giornale d'Jtalia" meldet aus Bologna, daß auf Weisung des Führexs Missolini die Fascisten die Agitation eingestellt hätten. BelsgernngszNstanL in Oberfchlesien. Beuthen, 2. Juni. (Wolfs.) Die Interalliierte Kommission hat über Stadt und Landkreis Kattowitz sowie über die Gemeinden Frietzenshütto, Schwarzwaldkolonie und Eintrachthütte den Belagerungszustand verhängt. Die öffentlichen Lokale müssen um halb 9 Uhr geschlossen sein. Der Straßenbahnverkehr bleibt von 10 Uhr abends bis 4 Nhr früh gesperrt. lieber Stadt und Landkreis Gleiwitz, Kreis Hindert bu r g und Kreis .N y b n i k ist der Belagerungszustand ' verhängt worden. Die Zeitungen sind unter Pretzzensur gestellt. EiA Einheitsprogramw in China. Tientsin, 2. Juni. (Peuter.) Das im Jahre 1917 aufge- Toftc republikanische Parlament ist wieder zusammengetreten und hat ein Programm angenommen, das auf die Vereinigung ganz Chinas abzielt. ' Tokio, 1. Juni. (Reuter.) Aus Peking wird gemeldet, daß der Präsideitt der Republik Hsu-Sche-Tschang zurückgetreten ist. Lt-Man-Hung sei wiedereingesetzt worden. Bulgariens Antwort auf die jugoslawische Rote. Sofia, 2. Juni. Zu dem Schritte des jugoslawischen Ministers des Äeüßern wegen 'der' bulgarischen KöEütsWüüdest^ ' erkläre die bulgcrische TelegrapheUagentnr ai:s Grund einer. Erruächtigung von kompetenter Stelle, daß die gegenwärtige bulgarische Regierung auf bulgarischem Gebiete keine Aktionen ' dulde, die sich gegen Jugoslawien richten könnten, da es ihre, ehrliche Absicht ist, mit Jugoslawien in sreündnach b a rl i ch e n B e r h ä l t n i s s en zu leben. Der Umstand, daß einzelne Personen die Grenzen überschreiten könnten,, ist bloß darauf zurückzuführen, daß Bulgarien mit seiner gegenwärtigen geringelt Heeresmacht nicht imstande ist, die Landesgrenzen in entsprechender Weise zu überwachet!. Die bulgarische Regierung schließt sich dem Wunsche der jugoslawischen Regierung auf Entsendung einer gem i schien Unter such ungskommission an, da sie auf den Beweis ihrer bqna fide Gewicht legt. Die Iudenfrage Ln Lettland. Nach wie vor beschränkt die lettische Regierung die - Huden in ihren Natnralisationsrechten, namentlich aber die aus Rußland nach Lettland heimkehrenden Juden lettischer Zuständigkeit. Diese drakonischen Bestimmungen haben bereits über 40.000 Juden geschädigt. Wie bekannt, wurden von der alten russischen Regierung im Jahre 1916 anläßlich des Vormarsches deutscher Truppen gegen hie baltischen Provinzen sämtliche Juden diese Provinzen ausgewiesen, und ins Innere Rußlands gebracht. Den gegenwärtig aus Rußland heimkehrenden Juden macht nun die lettische Regierung Schwierigkeiten bei ihrer Heimkehr. Außerdem verweigert bje lettische Regierung Tausenden von Juden, die feit mehr als 20 bis 30 Jahren in Lettland wohnen, die Naturalisation. Lettland verweigert somit-die Durchführung jener Verpflichtungen, die in den verschiedensten Friedensverträgen enthalten sind. Die lettländische Regierung hat am 7. Oktober 1921 ein Gesetz erlassen, daß alle jene Bürger, die seit dem Jahre 18 93 in Lettland wohnhaft sind, die Staatsbürgerschaft erlangen können. Obzwar mehrere Tausend Juden, die seit diesem Zeitpunkte in Lettland wohnen, um die Staatsbürgerschaft angesucht haben, wurde ihnen erklärt, daß sie die- Bürgschaft nicht erlangen können. Die Lage der lettischen Judenheil Ist gegenwärtig viel ärger als zur zaristischen Zeitz wo ja bekanntlich die Inden ln den baltischen Provinzen/ speziell in den Städten, sich freier bewegen konnten. Aus diesem \.; r .'■> \ .V1 r ' >^! V*’' I^‘J.'"I•/'"* Mmrr Morgmzenuyg ' 3. JÜE19L2 ' ' Mitteilungen ans dem Publikum: NöbelkMUJ; Spira Feine W M, VII.. IltllMkUM 1~3 Wohnungseinrichtungen^ (Ecke Karl Sch\veighofer?tasse) Telephon 15-5-35 , DTlvfcD ' Telephon 15-5- Knisbacher & Windschauer, Wien, I.. »MM 6 hin ar's-.? Export,naoh allen Staaten! . «PanoohOtlptelBe Ohefarct Br. 8. ’W’jaiSS nur im bekannt soliden HerrenkleiderhauS HEINRICH WEINBERGER, I.. SING ERSTRASSE der H E RREN m 0 DE-ABTEILUNtt L.. SEIMFELD II», Ppaiepslra.se 23 (Huthaus) 9612 ,Üm meinen. P. T. Kunden Gelegenheit zu geben, ihren Bedarf in sämtlichen Herrenmodeartikeln, Krawatten, Stöcken, Schirmen etc. bei mir -günstigst zu decken, gewähre ich in der Zeit vom 29. Mai bis 10; Juni von den normalen Preisen k0 Fresewt Rabatt ERSATZ für'feine Masssrbelt Anzüge, Raglans von K 40.000 aufwärts, Knab enkleider, gfosse Auswahl, feinste Ausführung, beste Quälitjätsstoffe, im MlchWNAMMlsMLw II.Karmelitergasseß, HMnd hat. auch chas-. dev;:MWHN_ MHtzN-Aeit.Mrt.-RaGM^Lie.-Bsittvetttng-'de»jüdischen' Interessen in Lettland vor denkompetenten internaiionalen Faktoren übernommen. ' Tagesbericht. Brief eines Einbrechers an seinen Sohrr. In Abschrift mitgeteikt von Artur Fürst. Atem lieber Friedrich Wilhelm Heinrich! Ich schreibe Dir aus gepreßten: Vater-Herzen heraus. Als ich Dich vor zwei Jahren in Uebereinstimmung mit dein Willen Deiner guten Mutter zum Besuch unserer berussständischen Akademie in . . . . ... sandte, da war die Konjunktur für mein Gewerbe, das auch das Deinige werden sollte, so günstig wie möglich. Die Sachwerte, die das Fundament unseres geschäftlichen Handelns sind, waren an Zahl und Geltung'ins Ungeheure gewachsen, jeder Gegenstand eigentlich schien einer geschäftlichen Transaktion von unserer Seite würdig. Dieser erwünschte Zustand, der die Ergiebigkeit unseres Geschäftes Und den-Zulauf zu ihm in so erfreulicher Weise gehoben hat, besteht heute noch. Die Preise für alle Sachwerte auf dem Hehlerweltmarkt sind seitdem" sogar noch gestiegen. Aber allmählich macht sich immer starker eine Erscheinung geltend, die auch bei dem schweren Kampf unseres teuren Vaterlandes gegen die verbündeten Großmächte häufig zu beobachten war. Nachdem wir durch unseren in aller Heimlichkeit vorberechneten Großangriff erheblich an Boden gewonnen hatten ^--- übrigens schade, daß Grund und Boden, der heüte zum Wertvollsten gehört, nicht fortgetragen werden' kann v-, begann allmählich die-Gegenwirkung des Feindes. Es-sind nicht eigentlich die Soldaten!an/ der gegnerischen Seite/ die uns hindern, unsere mit den Symbolen des Dietrichs und des Schneidebrenners geschmückte Fahne weiter so-rasch vorwärts zu tragen, wie in den glorreichen' Tagen unmittelbar riach ^Erringung der Freiheit durch die RevirlMöm Auch wir haben, wie einst das geliebte Vaterland, einen Materialkrieg zu führen. Die Technik ist mit großem Aufwand an Gerät gegen uns mobil gemacht worden, und wirHrohe'tt ihr zu. unterliegen. : Es ist Wstperständlich, - daß Du auf der AkadeWdurch die ausgezeichnetenin. Theorie und Praxis^ gleich erfahrenen Lehrer'eine Ausbildung erhältst, die xs D)Vermöglicht, jedes Kunstschloß, alle Vorjetzgitter und' Geldschrankpanzörplatten mit Leichtigkeit zu überwinden. Auch wirst Du Dich gewiß von keinem Wächter oder Polizisten, jenen auf lächerliche Art noch in die Ge^enwarj hineinrägestden Gestalten aus dem Mittelalter Mserer Beruss- ^geschichte, sangen lassen, Und Du bist gewiß, heute schon so weit, best plumpen Zugang zur Ware durch. öine Tür oder ein Fenster mittels eines klassisch aüsgeführten Deckendurchbruches vermeiden zu könnest. Aber der Femdbund, durch immerwährende verwerfliche Propaganda zu höchsten . Taten angespornt, bedient sich nun in immer.steigendem Maße der Schwachstromelektrizität >als Llbwehrwaffe. Und diese haben wir heute hauptsächlich au siechten. Da ist insbesondere das Elektrische Auge, ein tückifcheS Mittel, das aus ethischen Gründen ebenso verboten werden niüßte wie die U-Boöte und die Fliegerbomben. Hat man schon alle Gegenmaßnahmen sorgfältig überdacht und ihre Umgehung auskalkuliert, dam: genügt am Ende das Einschalten der mitg^ührten Laterne, um dei: Alarmwecker auszulösen. Du wirst im einschlägigen Kolleg gehört haben, daß das Selen der wirksame Teil im Elektrischen Auge ist, dieser geheimnisvolle Stoff, der bei Belichtung seinen Widerstand gegen den elektrischen Strom verringert und hierdurch einen Relaisschalter zu bewegen vermag. Gerade aber in den Räumen, in denen ein Elektrisches Auge böse blickend sich befindet, brauchen wir Licht für unsere-Tätigkeit, da diese Zimmer von ihren Besitzern in raffinierter Weise völlig verdunkelt gehalten werden. W«m schon das bloße Aufleuchten unserer treuen Begleiterin, der Laterne, Alarm erweckt, dann steht es wahrhaft schlimm um uns. Es sind weiter die losen Kontakte, durch die wir in unserer Berufsausübung so stark gehandikapt,^ das heißt /u > unserer Muttersprache verhindert sind. An den Gdldschränken, die noch immer zu den stolzesten Kriegszielen der Kämpen unserer Art gehören, hängt fast immer solch ein. Ding mit einer Spitze, . die den verräterischen Strom einschaltet, sobald sie erschüttert wird. Wir können üns gegen sie. nicht wehren, indem wir sie fortnehmen oder etwa die Leitung durchschneiden, denn auch bei jeder dieser Mäßnahmen tritt die Alarmauslösung ein. Mt Apparaten ähnlicher Art schützen die Geschäftsleute die Türen von Warenschränkey, sie bringen sie sogar an einzelüen Tragbügeln an, die dann die. verdammte (verzeihe meinem Verdruß das harte Wort!) Klingel schalten, sobald der daran hängende Gegenstand herabgenommen wird./ Aber alle diese Einrichtungen sind, weil siesehr empfindliche, feinmechanisch h^rgerichtete Teile enthalten, aus die Häuser dergroßen Gesellschaften beschränkt, die int Gelbe schwimmen, ohne daß es unseren Bemühungen bisher gelungen. ist/ hierin einen gerechten Ausgleich zu schassen. Bisher war das weite und durch die vorerwähnte Steigerung der Sachwerte ungemein ergiebig. gewordene Fbld der Privativohnungen für uns frei. Daß gerade sn per "letztest Zeit auch hierin eine Äendtzrung zum Uehel ÄM- : treten, ist, daß die elektrischen Trutzwaffen so . wett .verMigtz; worden sind, daß auch der gewöhnliche Bürger sie be-"^^ kann,, ist. die,. Hauptyeranlassüng^füx diesen rychtey. au Dich. Ich habe iu der letzten Zeit mehreremale persönlich erfahren, welche Wirkungskraft solche Privateinrichtungen besitzen. Sie verwehren unsereinem den Eintritt in die fremder: Wohnungen, äls wäre ein magischer Zauberkrejs' dar>:n: gezogen. Das raffiniert ausgesonnene Baupa- System uinunt den, aus dem Gesichtswinkel unserer Gegner gesehen, sehr richtigen Standpunkt" ein, daß Flnrtürm, Balkontüren und Fenster von Wohnungen nicht detailliert gesichert werden können. Wollte man jeden Einzelteil der Türfüllung gegei: Ausschneiden, jede Fensterscheibe gegen Eindrücken und jeden Fensterflügel gegen das Oeffnen sichern, so würde.die Anlage viel zu teuer werden. Statt dessen fand ich nach jenem System über die Türen je drei ganz eilifache senkrechte Drähte gespannt, die nicht einmal Strom führen,- und.czuer über alle Flügel der großen Fenster und, wenn eine Balkontür eingelassen ist, auch über diese je einen einziger: Draht gezogen. Verwünscht! Es ist bannt eine, ich kam: wohl sagen, gemeine Und, wie ich anerkennen muß, unumgehbare Falle in dißser schlichten Form uns gegenüber aufgestellt. Als ob wir eine'Ratte oder ein Wild wären! Alle diese Drähte, die, soweit sie om- Tage hinderlich sind, vor:. jedem Kind abgeuommen und abends wieder pyrgelegt werden können, halten gcinz eu:- fache Schwebekontakte, Kupferblechstreifer:, die zwischen zwei Arrschlagen liegen. Wird dev Draht durch eine energische Berührung angespannt oder, zerreißt man ihn bei dem Versuch, sich' durchzuzwängen, dann berührt das Kupferblech unter allen Un:ständen einen der Anschläge und. rrrrrr tönt ein fürchterlicher Alarnttvecker durch die Nacht, dakr . alles im Hause zusammenlaust. Wir dürfen auch die Flurtüren nicht n:ehr öffnen, was. bisher trotz des Einbaues der sogenanstten Kunstschlösser (na ja, Du weißt schon!) ^.-einfach war, denn dann gibt es ebenfalls Krach. Eingeweihte können aber. trotzdem nachts in. aller /Stille nach dem Hanse kommen, weil eine Abstellvorrichtung angeordnet ist, die nach den: Eindrehen ans eine bestimmte Nummer den Kontakt im Türfalz untätig macht». Sie wechseln die Abstellnünnuer fortwährend, weshalb'man auch durch sorgfältiges Ausbaldowern nie sicher ist, die richttge zu wissen, und ausprobieren kann man nicht. Das Allerschlimmste ist, daß der feiste Sicherungsdraht an den Fenstern für den .von ln pänRMLlsinvch SIktiÄ^udli/ üsttrübtz,!; Woliuäkl- VIriicklÄMtz, '»«rreyünü Vsmsn^Esölt» »owle sämtl. v/lrkvarea ■ni Wäschehaus JosefBergep XX., Kiosterneubtirffersttasee Nr. S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.