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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-03 · Heft 1200 (3.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1200 (3.6.1922)
Date
1922-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eifif8inuimerK7Q Wien: Zum Abholen jn der Expedition, lI.,Taborstr.l-3; oder in einerVerschleissttelle, (Trafik) monatlich K 2100 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich moriatl. K 2100 renrr Tb oh e eh o-81 owa k,e 1: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 150. Jugoslawien: Mon. Dinar ' 25.. P o 1 e n: Mon. 'Mark 800. Deutschland: Mon* Mark 50; F. r a n kr e i ch: Monatlich' Pres. 6 Nr. 1200 Wien, Samstags 3. Juni 1922 Tsch6cho>Slöwa^il ( tsWech.. K 1.20 Lt a J i-e n : Monatl. 6. Lir« Rumänien: Mon. 40. Lei S'C h w ei Z‘ .undtdas übrig' Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration \^ien, II., Taborstrasse 1— Telephone: 44-0,-38,43:3-19, .ab 6 Uhr .abends-, 16-301; Tel.r Adr.: »Mbrgenzeitung*' - Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nh 150.693 4. Jahrgang Unter den Augen des Auslandes. —y. 9B i c n. 3. Suni. In der nächsten Woche werden die Verhandlungen über' die österreichischen Kredite durch die' Ankunft der Morgan-Rothschild-Kommission in das aktuelle Stadium treten. Regierung und. Parlament werden sich und dem Ausland die genaueste Rechenschaft über die Belastungssähigkeit der Staats- und Volkswirtschaft geben müssen und nebst den materiellen auch moralische Pfänder herbeizuschaffen haben. Mit der Gewährung von Arbeitskrediten würde die Entente nur einen Teil ihrer Schuld an Oestereich abtragen. Hätte sie vor zwei Jahren die Tasche geöffnet, so würde die Konsolidierung Mitteleuropas viel weiter halten und es wäre in Oesterreich ein fester Ausgangspunkt siir die weitere Sanierung Europas geschaffen worden. Oesterreich hat sich, da es durch den Friedensvertrag von seinen industriellen Produktionsquellen getrennt und in den Besitz eines unzulänglichen, an. den Pulsstellen durchschnittenen Eisenbahnnetzes gesetzt wurde, an die neuen Verhältnisse nicht anpassen können. Auch Oesterreich fehlt zur Glückseligkeit nur Zeit. Die/ Lebensmittelversorgung kann es nicht aus. seinen eigen?« Miteln bestreiten, die Industrie ist noch in einem -Umschichtungsprozeß begriffen, dem ihre finanzielle und intellektuelle Kraft nicht; gewachsen ist. ' : Die Mantelnote zum-- Saint-Germainer Frieden spricht Oesterreich als das Sorgenkind Europas an. Aber um ein Svrgenkind muß sich im ihrem eigenen Interesse. die ganze Familie kümmern. Die Unterstützung' Oesterreichs ist eine dringende Pflicht der Staaten, die dem zurückgebliebenen Rest der aufgelösten Monarchie als Maat^VM^en/ühm die SeWstandMeit igaben^nd'dies Eine WiederherstelluNg der internationalett BeziehUngLN kann nichtgAiNgerst so lange * das-iM Zentrum liegende kleine Staatsgebilde allen Verwüstungen - der. europäischen iWrtschafiszyklone schutzlos preisgegeben ist. In Oesterreich und besonders in Wien ist ein Schatz international Kulturwerke aufgespeichert,, dessen Europa nicht entrateN kann. 'Seit Jahrhunderten.hat sich hier eine innige Mischung italienischer, spanischer, französischer, deutscher, jüdischer und slawischer'Kulturelemente vollzogen, deren Wert auf jedem Blatt der Geschichte Europas zu lesen ist und die Man aus der Politik, wenn sie'als etwas höheres als die Anhäufung von: Machtproblemen aufgefaßt wird, nicht ausschalten kann. Oesterreich ist eine geistige Brücke zwischen dem Westen und dem Osten. Es hcst aber auch als Transitland des internationalen Handels eine sehr wichtige wirtschaftliche Frmktion, deren Fortbestand in den letzten Jahren sich als bedeutender Aktivposten erwiesen hat. > - . Die Sicherung Oesterreichs ist eine internationale Notwendigkeit^ Ebenso notwendig aber ist, daß Oesterreich an dem Werk, das zunächst ihm selbst die Rettung verheißt, mitarbeitet. Es wäre ein Widerspruch in sich, wenn Oesterreich die internationale Notwendigkeit betont, selbst aber sine nationalistische Politik betreibt. Die Regierung und die Parteien müssen die Erinnerung an die einstige'Großmacht ins Museum stellen. Oesterreich kann nicht mehr so verwaltet und regiert werden, als ob es ein sich selbst genügender Wirtschaftskörper wäre. Man verliert'das Recht zur Anrufung der internationalen Solidarität, wenn man ihren Prinzipien im Innern widerspricht. Man kann ’ nicht das Ausland an seine Pflicht erinnern, und gleichzeitig im Innern durch 'kniffliche Auslegungen des- Frlensvertrages antisemitische Rassentheorie ist die Verwaltung hineinchangiren. Man kann nicht. die.internationale Kultur apostrophieren und gleichzeitig Gesetze äüsarbeiten, die jüdische Flüchtlingskinder aus der Ausspeisung, deren Mittel von Juden' stammen, hinausweisen..' ., Derne.üe' Bundeskanzler h,at gestern 'in einer..Petze au die Presse'-ausgeführt,'Oesterreich!.sei sich tzewW, daß es unter den Augen des Auslandes lebe. Man hat den.Eindruck-daß.Herr Dr. Seipel die, Pflichten, die ftd) daraus ergeben, genau kennt. Die Beachtung durch das Ausland, geschieht nicht alleinwohlwollend, ' sonhexn auch Kritisch. .Jeoer politische, -Mißgriff' findet, seine Beurteilung und. wirkt lähmend -auf die. 'Hilfsbereitschast .Her'^'Söipel^-ktzun.'sich'bei.dem ,/Jusftzminister' .fernes Kabinetts' darüber nähere 'Ausschlüsse ' holen/' und' '' es wird gut sein, wenn.erHpUmtsfiichrung, dieses^Kollegen und des neuen JünenüiinisterZ-instden interMjonalerl Paris, 2. Juni. (Tel.-Comp.) Der Morgan-Ausschutz der Reparationskommission hat seine Anleiheberatungen wegen der Pfingsttage auf eine Woche unterbrochen. Die französische Presse ist mit dem Fortgang der Anleiheverhandlungen nicht zufrieden, denn es wird immer klarer, daß die internationalen Bankiers durchaus nicht bereit sind, möglichst schnell' viel Geld aufzubringen, ohne sich weiter um die Bedingungen und Sicherheiten dieses Darlehens zu kümmern. Es. wird augenblicklich ein stummer aber zäher Kampf zwischen den Bankiers und Frankreich geführt. Die Bankiers wünschen das. Geld nicht unter lediglich. französischen Gesichtspunkten anfzubringen. Der Grund ihrer Anleiheberritschaft ist der Gesamtzustand Europas, her durch die Anleihe gebessert werden soll. Soweit Deutschland in Frage kommt, sind sie sich seit der deütschen Note vom 28. Mai 1922 bereits darüber einig, daß sie die deutsche Neparationsanleihe gewähren wollen, aber sie müssen von Frankreich das, Zugeständnis der, europäischen Sicherheit' dieser.ÄmeH.e'..«kWpsew. Die Verhandlungen werden am Donnerstag nach Pfingsten in der normalen Weise wieder ausgenommen werden. ... . Paris, 2. Juni. (Ael.-Lomp.) In der französischen so z i a l i st i s ch e n Presse wird der jüngsten Rede Poineäres in der Kammer die letzte Rehe Lloyd Georges gegenübergestellt. Es wiÄ di?.Feststellung gemacht,.daß Lloyd Dte Wahlen in Ungarn. ---*•\ d- Mch Mtz-bisher/be» kannten Wahlergebnissen ist die Z w e r d rsi t t e l m e h rh ertt^dEReÄ i/evunaSparte'i gesichert. In Butza- Der Kampf um die Dollaranleibe. Was die Morgan-Gruppe verlangt. — Französische Interpretationen. George die Absicht gehabt hatte, dahin zu wirkendaß. alle Lasten und Kriegsschulden annulliert würden; er sei jedoch durch die H a l t u n g der A m e r i k a n e r daran g e h i ndert worden, die auf der Zurückerstattung der vön England geliehenen einen Milliarde Dollar bestanden hätten. Infolgedessen habe sich Lloyd George wieder'gezwungen gesehen, mit Frankreich genÄrinsame Sache zu wachen» um die durch die Wiedergutmachungskommission festgesetzten deutschen Zahlungen einzubringen. Die ganze Rede Poincares sei ein Kampfruf gegen die Schwachheit gewesen. Man würde von Deutschland, das kaum angefangen habe, zu^ bezahlen, noch manche Ueberraschung erleben. Daher sei-es ' notwendig, festzubleiben, damit bestehende Vertrage respektiert werden. Die sozialistische Presse druckt die Hoffnung aus, daß Mäßigkeit und Festigkeit, zwei Richtlinien, die sich sehr gut vereinigen ließen, nicht bei Lloyd George in Schwäche und bei Poincare in Brutalität ausarten. . Paris, 2. Juni. (Tel.-Comp.) .Die kommnnistis ch e Presse g reift Poincare wegen stlyer Politik Ruß tan d gegenüber an. Es wird ihm vorgeworfen, seine Politik weise auf einen neuen Krieg hin. 'Gegenwärtig stünden drei Probleme auf der europäischen Tagesordnung, die von Poincare vollkommen ignoriert würden, nämlich der Wiederaufbau Europas, die Beziehungen zu' Deutschland Und die Beziehungen zu Rußland. , ständnisses: zwischen , England wveb WaMngton vorn - Ge egtrirung sp Pest werden Pie Wahlen voraussichttich heuje abends/beendet sein^ dlw Ergebnis wird/jedoch W am-10. d. per- , öffentncht werden. Es perläuiest /daß die oppositionellen Parteien sofort nach Eröffnung- Pie Nafiönalversammlmrg eine Koalition schließe«werden mit dem Ziele, die Ahndung der Wahlmißbräuche und die Verhinderung der Ablehnung der alten Hausordnung vom Jahre 1S18 durchzüsetzen und in der Jndemnitiitsfrage einheitlich vptzugehen. : VerpölchtME-K Wöllersdorfer Werk? Me.BerLLner M 'G. Der Hauptausschuß des österreichischen Nationalrates hat gestern die Uebergabe der Wöllersdorfer Werke an die Berliner Allgemeine Elektrizitatsgesellschaft. beschlossen. Die Verpachtung, die auf 60 Jahre mit zehnjähriger Option erfolgt, bedeutet, wie der Kanzler S e i p e l gestern in eiper Rede an die Journalisten hervorhob, eine Berringeruntz des. österreichischen Defizits um 15 Milliarden -Krönen. Vatikän und P-rLKstina-ÄrandaL. London, 31 Mai. (J. E. B.). Wi'everlautet,, übermittelte-.dep Vatikan an den Völkerbund einen offiziellen Protest.gegen einige Stellen de^ Palästina-Mandats. Aus Rom. schreibt man uns;; Wie bereits' gemeldet, hat sich der römisch-katholische/ Partriarch von Jerusalem, Monsignore Barlassina,. im Aufträge des Vatikans nach London begehen, um mit der englischen - Regierung bezüglich der > AngelWnheiteu Palästinas Verhandlungen anzuknüPfM. -Ds mutz anMA^ scheinen, daß der Vatikan den streitbäM PriMr K em'er-'. solchen Mission auserwählt hast / der nicht nur gegen' die jüdische Arbeit in Palästina,-sondern auch gegen die'engi is ch e Verwaltrrng daselbst tendenziöse und beleidigende Anpiürfe. erhoben hat, die übrigens im' englischen. Unterhaus' Wvm. Unterstatssekretär für .Kolonien als: „gänzlich fälsch jntzd Unbegründet" zurückgewiesen wurden, lieber die Misisiöy' BastlaWas'. .schreibt der gut unterrichtete kätholjsche »„Tempo": '„In ' offiziellen vatikanischen. Kreisen beobachtet;tnan ein strenges Stillschweigen., über die. Mission, welche 'der heilige.Stuhl-tztzm. lateinischen Patriarchen pön Jeru-' isalem,'-Monsignore Bärjassinq^ anverträut'.hat. .Dieser ist' »nach 'zahlreichen 'und langeri . Unterredungen, die ,er im »Vatikan .über. das. zionistische Palästin'aprqble.m.hatte, bereits nqch London abg'e.reist, bon wo. ex nä.ch iRöm. 'Lürück-- kehren wird, um dem Papst über das Resultat seiner Unt'er- Barlässma. veweistz daß' - die' Befyrqniffe> -des- .Heiligen Stuhles, die sich 'schonin' Mer eifrigen (Rede' / Benedikts'des Vierzehnten enthüllt' haben, unter' dem Pön-.- ' tifiküte. Pius - des Elften auchWylge. dep letzten' Erklärü'n-' :gßn-/des Prof Chaim WeitzMann g e w a ch s e n find;" // - Diese letzte Bemerütng des . katholischen 'Blattes ist -! um so unverständlicher, als Weitzmann im 'Vatikan erklärt? hastes! seien weder ein' Jüdenstaäti noch Mnteignüngen' : oder Privilegien zu fürchten. Er hat ausdrücklich religiöse ‘ und bürgerliche. Freiheit für alle Bevölkeruttgsklassen in' einem:freien Palästina, wo jeder"den verdienten' Plätz > behaupten könne,' als sein Programm bezeichnet,' eine Anschauung, bon. welcher. der Kardinäl-Staatssekretär Le- - friedigt schien. Durch/das plötzliche Eingreifen' Barla'ssinas, der,- wie römische Blätter melden, nach Rom b e stu'se n wurde, da der Vatikan in bezug auf die zionistische'-Frage schr beunruhigt sei, scheint die intransigente-'-RMung-int - Vatikan die Oberhand gewonnen zu haben! lieber den Inhalt der konkreten Forderungen, welche die Kirche an England stellt, wird nichts gesagt, doch dürfte es sich hier.um gewisse P r i v i l e g i e n für die. römisch-katholischen Organisationen handeln, welche die Einführung der gleichen.. Rechte für alle. Religionsgemeinschaften, wie dies.nament-. lich in den religiösen Gerichten. zum Äusirrück korumt, als eine Benachteiligung der römischen Kirche empfinden. '.Es bleibt nunmehr abzuwarten, welche Aufnahme.Monsignore Barlassina in London finden wird. . - . - Hie französische Presse meldet: Kardinalstaatssekretyr Gasparri.richtete an den Völkerbn.nd eine Nyte, worin er. gegen die Zuweisung des Mandats für-Palästina an England protestiert. Vom vatikanischen Standpunkt uns würde durch dieses.Mandat den Grundsätzen der reli-. PiöseN - Gleichheit Abbruch . getan werden, da den Zionisten in Palästina ' eirke'^p r i v ist e g Stellung eingeräumt würde. Die jüdische Autonomie in Wtaueu.^ Aus Kowno wird uns gemeldet: Einer der ange^. sehensten Rabbiner Litauens, A. E. FriedM'anN, veryssentlicht in der „Jüdischen-Stimme" eine.Erkläruntz/ in' der er gegen die Ablehnung desSprachenparagraphen str der Nationalautonomie durch den Sejm austritt. Rabbiner Friedmann stellt fest,' öyß - ohne die Sicherstellung - der Sprachenrechte - und ' ohne Schaffung eines' jüdischem Ministeriums die-jüdische . nationale Autonomiewertlos sei:'Die Sprachenrechtemnd 'das jüdische Ministerium-bilden . die Hauptgrundlage einer -nationalen Autonomie, uüd sie allein können die Juden Litauens böllig befriedigen infolge der Forderung NiMendigkeitsnM-denWHöKgön Wköödiwri'nA. Es--gö- ... _ ____ {HfÄ tt^t, boS -Rechte.zuerkennen., man .wuß,L^ den l wt. die Diskussion mber das englische Mandatsprojekt zu nach natMaler Autonomie unterstützt. Willen und den Mut Laben. eL ru tnn^< I heickleuniae^ ppd dieses miolae des erlanaten Einver- ~ L > und'/das., VerbrüderWgswer^stWt-dem litauischen BoH^ zülist Wohle des/Maatös vollmdest.^''Die MeWrIrMmch Rahbiners FrieÄä-nn/per in Mtchmi^eine -bsMoeMArW^ rität genießt, zeigt, daß auch die Orthodoxie die Forde-

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