Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1199 (2.6.1922)
- Date
- 1922-06-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11,99 , , v Wien. Freitag * IißBleu versprochen hat, schlechthin glücklich die dritte, die den Mann ihrer Wahl ehelichen wird. ' ■ Die Jüngste gar, keck und edelrassitz, Lubmfrisch und" schönheitstrunken, weiß nicht nur Großvaters Stradivari Zu meistern und berückend zu tanzen. Sie führt auch mit einem kongenialen Jüngling (dieser Otto Kranz gehört zu Hanptmanns Vesten Schöpfungen) zweckdienliche, wenn arrch böse Streiche durch, die ber Zweitältesten zuihrem Geliebten verhelfen, dem ungeliebten Bewerber besagter Schwester hingegen gar grausam mitzuspielen. Dem Oberlehrer Dr. Nast nämlich, einem unerhörten Schulfuchs, an dem der Dichter seine beste Lustspiellaune verschwendete und den tüchtig herauszubosseln er derart beflissen'war, daß Handlung und Technik der Szenenführung bedenklich vernachlässigt wurden. Der außerordentliche Schauspieler Max Gülstorfs hat diese Gestalt noch aus eigenem mit zwerchfellerschütternden Pedanten-, Philisteruyd Kathedereigenschaften aus das Ergötzlichste ausgestattet. Seine Kleidung, sein Gang, seine.Erzieherwürde, seine Art, mit mokanten: Lächeln Ueberlegenheit zu zeigen, grammatikalisch eiMvandfrei über Kunstding'e zu reden, Weltanschauung zu entwickeln, Mores zu lehren, üben unbeschreiblich komische Wirkungen. Dabei hält sich Gülstorfs jede Uebertreibung vom Leibe, kleckst nicht possenhast-grell Farbflcck neben Farbfleck, sondern gestaltet wesenhaft den hochmütigsten und trockensten Dummkopf, der jemals auf Gymnasiasten losgelassen wurde. (Man fällte geplagten Abiturienten eine Extravorstellung-gönnen.) — Ein wohlgestimmter Äierklang die Schwesteruschar der Damen S i ms o n, Pauli, 2 v o v s k h (die einen ihrer besten Abende hatte) und Carola Toelle. Starallüren liegen der jungen Berliner Künstlerin ferne. Sie fügte sich klug und bescheiden in das Ensemble und war bezaubernd in ihrer reinen Jugendfrische. E r n st Stahl -- Nachbaur, der dritte Gast des Abends, hatte hie undankbare Aufgabe, den nicht sonderlich geglückten Liebhaber zu spielen. Er löste sie nach unserem Geschmack — nicht mit Geschmack. Eure große Freude der Otto Kranz Benno S My tt s. Die Herren U i b e r a ck e r unb Aicher sistd mit Respekt zu nennen, während Frau Brera und Herrn Lovric diesmal ihr Part mißriet. Wien hat ein gutes Hauptmann-Jahr hinter sich. Einige ältere, wenig' gespielte oder gar durchgefallene Werke fanden kräftigen Widerhall. Das Raimund-Theater hatte mit „Florian Geyer", „Peter Brauer" und „Schluck und Jan" großen Erfolg und „Die Jungfern vom Bischofsberg" fanden gestern gute Aufnahme. Trotz mancher Mängel, die sich beheben ließen, wenn sich der Dichter zu einer Umarbeitung entschlösse, ist dieses Lustspiel eine ebenso heitere wie warmblütige Dichtung, bald verwegen übermütig, bald wieder unendlich zart. — Und teuer vor allem durch die Liebe zur Jugend, die zu ehren der Dichter wohl dieses Stück Schrieb und die er symbolisch in der letzten Szene mit Windlichtern runden Händen und einem Tcnrzlredartf^den LiPPerr im -Mondbeglänzten Gürterr den Reigen schwingen'läßt. - Ott o Abel es. Für einen Dichter irr Hsft. Ernst Tvxller, der bei bcm. Versuch, eine Räterepublik in Bayern zu gründen, eine prominente Rolle spielte, sitzt seither in einer bayrischen Festung in schwerer Hast. Toller ist rin Dichter von Begabung und Eigenart, die namentlich in seinem Drama „Die Wandlung" zum Ausdruck kommt, das übrigens von der hohen menschlichen, allere Gewalt abholden Gesinnung des Dichters , zeugt. Alle Versuche, dem Dichter wie seinen Genossen Erich Mühsam ihr Los zu erleichtern und ihre Haft menschenwürdiger zu gestalten,'sind an der Härte der bayrischen Behörden gescheitert, die eine starke Seelenverwandt- . schuft Mit den Horthh-Leuten-verbindet. Nunmehr ist eine Eingabe an den deutschen Reich justizmimster gerichtet worden, in der es heißt: „Ernst Toller hat, da er seit dem Jahre 1919 in wird, noch niemals Gelegenheit gehabt, eines seiner Werke ans der bayrischen Festung Niederschönenseld gefangen gehalten der- Bühne zu sehen.- Jeder geistig schaffeude Mensch wird ihn: nachsühlen, wie sehr' er darunter leiden' uyd wie sehr dies seine weitere dichterische Entwicklung hemmen mutz. Urlaubsgesuche sind bisher-stets rundweg abgelehnt worden. Herr Toller hat nun den dringenden Wunsch, wenn schon nicht der Aufführung, so doch' wenigstens einigen Proben seines neuen Werkes in Berlin beiwohnen zu dürfen. Er ist selbstverständlich bereit, sich dabei jeder etwa für notwendig erachteten Ueberwüchüng oder - sonstigen.-behördlichen Maßnahmen zu fügen." Die Eingabe ist unter anderem von den Exministern Haenisch, Heine, Scheid cm an n, voy Gorh. Hauptmänn, Fulda, Prof. Klaar und dem Präsidenten deutscher Bühnenangehöriger unterzeichnet... Man kann gespannt sein, wie das Ansuchen erledigte werden wirtz, das die Unterzeichner als „eine Sache der Menschlichkeit und der Kunst" bezeichnen, und als eine, .bei der zugleich da§ Ansehen der deutschen Kultur aus dem Spiele steht. Alitz den Theatern. - 3m Burgtheater gehl morgen „K a i n" in ■ Szene. Im' O p e r n t h e a t e r wird . morgen „D i e B oh ö m e" gegeben. 3n der V o l k s o p e r gelangt morgen „Cavalleria fustican a" mit den beiden Gästen Fräulein Sonja Palm als Sonluzm und Herrn Anton Ludwig vom Naiionaltheaker in München als Turridu zur Aufführung. Die Lucia singt Fräulein Salinger, die Lola Fräulein Weiner, den Aifio Herr Tauber. Dirigent Herr Kraus. Hieraus gcht „Der Bajazzo" mit Kerm Sigismondo Ealescht als Tonio und Herrn Anton Ludwig als Cawo in Szene. Die Nedda singt Fräu Wagscha», den Silvio Herr Hagen, den Bevpo Herr Becr. Dirigent Herr Le Slermich: — Die nächste Aufführung von Puceims „Madame Butterfly" findet Pfingstsonntag den 4. Juni mit Frau Gerb als. Eho-chb-san und Herrn Rittersheim als Linkerton statt. den ü. Luni.wird Bkets^Carruen" mit.Lraw Wiener MorgetizMkg 2. Juni 1922 Seite 7 Gelter in der Titelrolle gegebew -ÄN diesem'Abend seht Herr' Sigtsmyydo Saseschi sein Gastspiel als. Escamillo fort; während Kert Anläir Ludwig vom.Ncmoncllthsaler in München als Don IojS gastiert. ' :; ' Im Drutichen Dolkstbeater spielt Alexander M o i s s t . mvrgew . den Oswald in den „Ges p e n st e r n". Sonntag den Franz in den j.R ä u b e r n" und! Dienstag den. 6. d. - den Johannes' Dockerat in.. Gerhart - Hauptmanns „Einsame Menschen". Im R a i m u n d - T h e ü l e r nimtNt morgen Max P a l l e n b e r g sein Gastspiel in i,W a u w a u" wieder auf. Im Fwsefstädter Theater findet morgen die Erstaufführung der dretakttcien Komödie „R i k i" von Andre Picard mit Frau Käihe Dorst vom Berliner Lessing- Theater statt. Neue Stücke. Arnold Zweig hat eine Komödie „Laubhen und keine Pleibe" geschrieben, die demnächst zur Abführung gelangt. — Eduard Stucken hat eine neue Komödie „Das verlorene Joch^ geschrieben, die er dem Drei-Masken-Verlag zum Vertrieb übergeben hat. 1 Heinrich der Beglücker. Im Neustädter Schauspiechaus zu Dresden führte man am Sonntag die Groteske ,Heinrich der Beglücker" von Julius Meier-Gräfe zum ersten Male ans. Es wurde eine Art Achtungserfolg.- Hans Müller hat sein vollendetes fünfaktiges Schauspiel „Der Vampir" dem Deutschen Volkstheater, zur Uraufführung in der kommenden Spielzeit übergeben. Hagenbund. Die Frühja'hrsausstellung des Künstlerbundes Hagen wird morgen Samstag um 12 Uhr geschlossen. Am Sonntag und Montag bleibt bic Ausstellung von 9 bis 4 Uhr geöffnet. Jtt dieser Ausstellung wurden die Werke folgender Künstler käuflich erworben: Maler Josef Floch, Robert Klotz, Ferdinand Michl, Maximilian Reinitz, August Roth und Architekt Oskar Laske. Casanova, eine Tragikomödie des Lyrikers Ernst Lrssauers, der den- „Haßgesana auf England" dichtete, gelangte in Wiesbaden zur Uraufführung uno erzielte einen Achtungserfolg. Neue jiddische Bücher bei R. Löwit (Dr. Präger), 1. Bez., Roteuturmstraße 22, eingetroffen: Eh. N. Bialik: Zaar und Zorn. — H. D. Nomberg: In a pojlischer jeschiwe. — Z. Hirschkan: Nit hinter a plojt. -— Ernst Mach: Ziwos hat an mensch zwei ajgen — M. Wrschmtzer: Di jiddische zech'n in pojln nn lite. — Flanbert: Herodias. — Ricarda Huch: Dos jiddische kejwer. — Josef Steblitzki: Der gerzedek fun Schlesien (zu 3 Mk. pro Band). — H. N. Gnessin: Otelo, Sumuilowitsch. — I. Wagner: Majsses wegn seier un lichtigkeit. — I. Wagner: Majsses wegn erd (zu 6 Mk. Pro Bälrd). Van Schlägels epochemachender Bibelübersetzung ist der zweite Band des alten Testaments (Geschichtl. Bücher) erschienen und durch alle Buchhandlungen oder von: Bvrgverlag, 1. Bez., Habsburgergasse 7, zu beziehen. Volkswirt. Geftettipelts Kröne — —.04V« Centimes« Auszahlung Wien --- -.0475 Centimes. 'In Zürich notierte die österreichische Ärvnr ..1. . die österr. gestempelte Krone . die tschechische. Krone . . . . die Mark . . Agram.. . . . Sofia.......... Budapest. Warschau.. , . -.0475 (-.0475 am 31. Mai) ““•04 Vs , l- -.05 am- 31. Wat) 10,10 (10.05 - am 31. Mai) 1.92 ( 1.91 am 31. Mai) 1.86 ( 1.88 am Li. Mai) 3.90 ( 3.87 ain 31. Mir!» -.64 l- -.64 am 31. Mai) —.14 (—♦13 am 31. Mai) Devalvation,imd NoLeNabftempelung, Das also wären die Ergebnisse der Krise: eine neue Regierung uub ein altes Programm! Das Programm muß, weil es alt, nicht schlecht sein, die Negierung aber muß, weil sie neu, erst den Nachweis erbringen, daß sie gut ist.. Noch sind ihre Taten im Schoße der Zukunft verhorgen, daß sie aber die Schwierigkeiten nicht unterschätzt und vor allem die Tücke der Objekte (hoffentlich auch die der Subjekte) mit in ihre Berechnungen einstellt, das mag als ein gutes Omen hingestcllt iverden. Es ist eine ernste Zeit, ernster denn je, und es gilt zu retten, ivas noch zu retten ist. Aber ein Staat wie Oesterreich, der auf die Hilfe von außen angewiesen ist, weil er die Kraft nicht aufbringen kann, die notwendige Umstellung der Wirtschaft vorzunehmen, darf sich auch den Luxus häufiger politischer Krisen nicht erlauben. Ist der Partei, die sich jetzt mit den Ehristlichsozialen in die Regierungsgewalt teilt, die Erkenntnis aufgedämmdrt, daß auch R e g i e r u n g s k r i s e u Geld kosten? Ein Blick ans die Valutenkurse, wie sie seit dem Sturze Dr. (hürrlers — und sein Fall war auch der des Kabinetts — hinaufgeklettert sind, gibt Aufschluß darüber, um wie viel jeder und auch der kleinste Mann in Oesterreich durch den beschleunigten Verfall der Krone verloren hat. Man hatte es, wie es eben bei politischen Krisen die Regel - ist, mit psychologischen Faktoren, zu tun, deren Wirksamkeit sich gerade im Verlause einer chronischen Währungskrankheit am stärksten geltend macht. Dieselben psychologischer: Kräfte haben nach der Kabinettsbildung eine kleine Erholung der Krone, den Stillstand der Devisenhausse, gebracht — die Kosten sind aber auch-? so noch ungeheuer. Sind sie zu berechnen? Ziffernmäßig, damit die eindringliche Sprache der Zahlen als Lehre dienen kann? Es ist klar, daß, was man den: alten Ministerium versagte, dem neuen ohne weiteres gewährt werden wird. . Die Regierung Seipel findet leere Kassen vor und ihre erste Maß. nähme — soll die Staatsmaschinerie nicht stehen bleiben — muß darauf abzielen, Vorsorge für die Zahlungen zu treffen. Die GüldMebMhle M WeDahtthof. -Nicht /weniger als 23 Personen hatten sich wegen der vor Jahresfrist im Westbahnhof verübten Massendiebstähle in einer atzf zwei Tage anberaüürten Verhandlung vor dem Straftandesgerichre -3-zu. vermüwortei^-Die L)eschuldigten brachen eine Unmasse von Sendungen, Kisten und Koffer, die in dem dortigen Postamte lagerten. Bei der Oeffnung von zwei großen Kisten, die mit Gold, Silber und Platin gefüllt waren, erbeutete sie Viele Millionen Werte. In später Abendstunde wurde gestern die Verhandlung zu Ende geführt. Wegen Diebstahls, beziehungsweise Dieb- . stahlsteilnehmung wurde verurteilt: Gustav Fickl zu zwei Jahren, Anton Rozza zu fünfzehn Monaten, Leopold Neck-, heim zu einem Jahre,' Heinrich Fickl zu ftinfzehn Monaten, Franz G anglbau er zu einem Jahre, -Karl Grazner und Johann Dorf st etter zu je sechs Monaten, Wilhelm Bill ich, Georg Reinel und Adolf Schwarz zu je einem Monat, Franz Snieek und Josef Breithut zu je drei Monaten, Hugo Sch allin ger zu .sechs Wochen, Johann Fürst und Leopold Weiß zu je einem Monat schweren Kerkers, ferner Heinrich S t r a u ß b e r g e r zu acht Monaten und Anton Harrer zu drei Monaten einfachen Kerkers, Julius Gaugusch zu eine Geldstrafe von 60.000 K. Rudolf. Psitz ak, Ferdinand Nowotny und.Marie Michalek wurden bedingt mit dreijähriger Bewährungsfrist zu je einem Monat strengen Arrests verurteilt. Das Strafverfahren gegen die zur Verhandlung, wegen Krankheit nicht erschienenen.^Angeklagten Markus Brill und Josef Singer wurde ausgeschieden. Der DerWalLuNgsgerichtshof über die Bemesiurrg der MietzinLSbgahe her ELgenhAuserrr. Die Mietzinsabgabe fürchie von der Zivnostenska Lanka, Filiale Wien, benützten Häuser wurde angesichts der Tatsache, daß alle Räume dieser Häuser bis aus die Wohnung des Bankdirektors und einen vermieteten Gassenladen ganz und einheitlich von der Bank benützt werden, gemäß § 2 und 4 des MietzinsabgabegesetzeL vom Gesamtmieiwert und nicht von dem inder Mietzinsabgabeerklärung einbekannten Teilbeträgen für jedes einzelne-Stockwerk bemessen, weil das ganze Haus als ein Mietobjekt zu gelten hat. Der Berwaltungs- - gerichtshof hat unter Anwendung des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Grundsatzes der Gleichstellung des sein Haus selbst benützenden Hausbesitzers gnit dem. Meter die Beschwerde mit ~ folgender Begründung abgewiesen: Im zweiten Msatz des §' 2 ist ausdrücklich ängeordnet, daß, wenn ein ganzes Haus in Bestand gegeben, ist, die Räume, die der Mieter nicht in Untermiete, gegeben hat, zusammen als ein Mietobjekt gelten. Dementsprechend . müssen aber dann auch, wenn ein Hauseigentümer sein Haus, selbst benützt, alle jene . Raume davon, die er nicht in Miete gegeben hat, zusammen als ein Mietobjekt gelten. Die.Bestimmungen der Vollzungsanweisung hinsichtlich des räumlichen Zusammenhanges mehrerer Mietobjekte in einem Hause konnnen daher hier, wo nur win Mietobjekt als vorhanden gelten Hatz . nicht in Be- Die neue Kr editerm ä ch t i g nng ist eine unbedingte Notwendigkeit. Schober-Gürtler wollten sich nur mit 120 Milliarden begnügen. Seipel-Waber verlangen 160 Miliarden, die 41.6 Milliarden, die Schober erhielt, sind aufge-. braucht, können als die Berlüstbilanz der Krise gebucht werden. S-and das dafür? Nur damit die Großdentsche Partei drei Regierungsmänner stellen kann! Denn das Programm der neuen Regierung (und auch der großdeutschen Minister, soferne sie., das Sanieren nicht' als Sabotieren auffassen) ist alt und es ist nur die Frage, wie es verwirklicht werden kann. Die .Kreditaktion muß dort fortgesetzt werden, wo sie vom alten Kabinett hingeleitet worden ist. Das gleiche gilt von der Sanierung des Budgets mit Hilfe von Ersparungen und der Abstoßung unrentabler staatlicher Betriebe. Ist von Ersparungen die Rede, geraten die Kostgänger des Staates, die unübersehbare Schar der Beamte::, in Unruhe. Noch gewaltiger sind aber die psychischen Erschütterungen, wenn von Krediten, von einer dauernden Sanierung» der Währung die Rede ist; die Angst greift auf die gesamte Be-- völkerung über, als ob man diese um ihr letztes Gut, die von ihr selbst -als wertlos verschriene Krone, bringen wolle und die daher die Krone wegwirst, um sichere Werte, Valuten, Effekten, Lebensmittel und Waren zu erstehen. Es ist rein Zweifel, daß Schreckbilder, wie Noteneinziehnug und Noienäbstempelung, nicht dazu beitragen können, das Vertrauen zur Krone Hebern Der Run auf „sichere" Werte nuitz M Situation der Krone und damit jedes Notenbesitzers verschlechtern. Darum war es gut,, daß Dr. Seipel einen deutlichen Strich zwischen. Devabvcntion. und Notenabst e m p e l n n g zog. Devalvation bedeutet nichts anderes. als die Festlegung eines bestimmten Wertere der Krone, der odiose Zug einer solchen Maßnahme besteht nur darin, daß er jede Mühe, um eine Hebung der Krone, über den festgesetzten Kurs hinaus, aufgcben will. Aber die Devalvation als solche entscheidet noch.nicht über die Höhe dieses Kurses, sie kann die gegebenen Verhältnisse berücksichtigen und sich mit dem derzeitigen Tiefstand bet Krone beruhigen, sie kann aber auch einen günstigeren Kurs ins Auge fassen. Jedenfalls haben die Erfahrungen, die stets bei einer Devalvation und einer Währungsänderung 'gemacht wurden, gelehrt, daß eine Devalvation sich in der Regel auf einem etwas höheren Niveau zu vollziehen Pflegt ■ als dies nach den augenblicklichen Kursverhältnissen berechtigt wäre. Daß' un.ter solchen Umständen jeder, der aus Angst vor der Devalvation (die er fälschlich mit der Noteneiuziehung und Abstempelung verwechselt) die Krone von sich wirft, sich nur selbst ins eigene Fleisch schneidet, ist klar. Diese Verwechslung bringt dem NotenLesitzer gerade jenes Uebel, vor dem er sich durch die Flucht vor der Krone zu schützen sucht. Darüber ist kein Wort zu verlieren, daß Noteneiuzrehuna oder Notcnabstempelung nichts anderes bedeutet als eine Zwangsanleihe bei den Notenbesitzorn, eine nackte Ver" mögenskonsiskation durch künstliche Verminderung der Notenpresse. Davor fürchtet sich die Bevolkerumg mit Recht, es fragt sich nur, ob die Angst begründet ist, ob man deü regierenden Männern solche Pläne zumute:: darf. Es ist charaktersitisch! daß rrch jede Regiernngskr.ise, jede Möglichkeit eines Wcchstls'. in.der.Leitung des Finanzamtes, <vo^ lohLssN .GeriiAen begleitet ivar. Daß Dr. Seipel solche „sinam * #oiavteitea&aäGä