Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1199 (2.6.1922)
- Date
- 1922-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980279--11275-2997712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
$v w*?:»; </ l,[:1;fj.i ,j‘m t h.'^v , ‘ 'pV'v .‘l»i. 1 * i' ‘ f ,/*;"lJVv s #, < ' ' r i ~ ••,*'* einzslDonuner K70 KTie q : Zum Abbojeu in der Expedition, II.,Taboirstr.l-3, oder iy einerVerschlfeisstelie ’jTrafik) monatlich'K 2160 Mit Ppsbrersand für Wien u. Oesterreich mphatl. K 2100 Th che c h o* S 1 o?walc e i: Vjon. K20. UngarhYMon. <150. lugos,lawien: Mon. Dinar 25. P o 1 e n: Mon. Mark 800. Deutschland: Mbii. Mark 50. , Fr ankretch: Monatlich:Frca. 6 >,\,y^,,7 d'. Tschecho-SlownkQl > -- - i»«!ksck. K ^.Lv,':. Italien; Monat!. 6;; Lire Rumänieh:. Mon. 40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborslraäse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3*19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel,-Adr.:,Morgenzeitung*, Wien; . Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Ar. 1199 Wie«, Freitags U I>t«i 1922 4. Jahrgang Kredit mit —y. W i e n, 2. 5uni. Die Von der fratizösischen Negierung im Dezember, älsb voreinen: hälben Jahre zugesagte Kredit-Hilfe für Oesterreich ist auf-dem Wege zu ihrer parlamentq-. rischen Verabschiedung endlich bei der Bekanntgabe, des | Reserentenberichtes für den Senat angelangt.. Der so langwierig eingeleitete. Prozeß wird, demnach vielleicht 'schon in den nächsten Tagen bis zur'Bewilligung durch den Senat reifen, , woraus dann der Präsident der Republik seine Zustimmung zu erteilen'hat, die in diesem Falle nur mehreine Formalität ist. Der Bericht des Referenten empfiehlt die Auszahlung eines Vorschusses ' von 55 Millionen Frankem in einem 80; Seiten langen- Operat, widmet mithin der Sache eine erstaunlich eingehende Betrachtung. In England ist man etwas rascher in der Erfüllung'der vom' Friedensvertrag ausgesprochenen Pflicht gewesen. Der französisches Senator, stellt , die Sache in einem anderen Lichte har. Er sieht die Hilfe für Oestereich als ein Erfordernis der französischen Politik an, die daraus ausgehen' müsse, Oesterreich znm Eckstein.des neuen. Donaugebaüdes' zu machen. Diese Begründung ist ziemlich anfechtbar, weil sie sich an die gegenwärtige Linie der französischen Politik bin-, det. Bestehen die im Friedensvertrag gemachten Zusagen, denn nicht zu Recht, wenn etwa Frankreich seine mitteleuropäische Orientterüng ändert? Aber'.auch unter dem Gesichtspunkt der heute geltenden Einstellung, erscheint der Motivenbericht des Herrn Dausset im Gewände eirter Bedingung, die freilich sehr, verschleiert einherkommt. Wenn Oesterreich die Aufgabe des Ecksteins in diesem D.onäugebäude zufallen soll, so müßte doch auch vorher schon etwas Näheres über die Konstruktion dieses Lokales. gesagt fein. Die Ziele der französischen Politik sind in diesem Punkte sehr offen. . Frankreich B u d a p e st, 1. Juni. Heute fatzden kn Budapest und in den restlichen 74 Wahlbezirken, dies^usammen 105 Mandate M vergeben haben, die Wählest " in dfe Natipnalversämmlung statt. In Budapest «np Umgebung, wo auf» Grund des Listenskrutiniüms 30 Absteorduete zu wählen sistd/ sowie in den Provinzstädten, ist hle Wahl geheim, stuf dem fluHim. Lande' öffeuMch< 'In -BUKpest hat die Sozialdemokratische Partei mit Rücksicht ästf die Wahlen Hirte yälbtägige ArbeitseinstellunHverfngt. Das Ergo b Ui s der Büdapester Wahlen dürstö erst Mitte der nächsten Woche bekanntgegeben werden, dp der Wahlakt selbst zwei Tage in Anspruch nimmt und Pie Urnen dann versiegelt der Zeptxalwahlkommissiost überstellt werden Müssen, die zur Zählung der ungefähr 350.000 Stimmen mehrere Tage benötigen wird. Von den Ijeutiüjm Wahlen ist bisher bloß ein einziges Ergebn is gekannt. In St. Gotthard wurde Dr. Barga (Andrassy- Partei) einstimmig als gewählt erklärtda kein zweiter Kandidat ausgestellt war. Es ist dies der erste Kandidat der An- - drassy-Partei in der neuen Nationalpersammlung. auch E stegen" DMänd'/MwÄter^ ließet' In "biefc ZweA beslimmung darf'sich Oesterreich nicht einbeziehen lassen, lind es entsteht, schon jetzt fürdie österreichische Regierung die unbedingte Pflicht, alle politischen Bedingungen abznlehnen., I - ' " - ' , Oesterreich 'muß allen Lockungen widerstehen, seine Politik irgendwie zu binden. Es genügt vollauf, daß der Staat m wirtschaftlicher Abhängigkeit lebt, die seine freie Entwicklung ganz auf.die krisenhaften Spannungen des Weltmarktes stellt. Wird die, Kredithilfe so verstanden, daß. sie lediglich dem Aufbau des Staates dient, so ist sie zu begrüßen. .Wird sie aber im Züfammenhang mit dem europäischen Hegemoniestreit zwischen den Großmächten angeboten, dann verfehlt sie ihren, Zweck. Gibt es. in Frankreich Strömungen, die mit Oesterreich als Militärischem Faktor oder als Aufmarschterrain rechnen,' dann müßte sofort und sehr eindeutig davor gewarnt werden, solches. Phantasien nach- Zlchäugen.. Und'.versteht nian in. Paris unter Donaugebäude etwa die.politisch-staätsrechtliche Rekonstruktion der Donaumonarchie, so müßte Oesterreich, dem ein solcher Plan den blutigsten Bürgerkrieg und die Ueberschwemmung durch Horthy-Gardistgn sofort bescheren Würde, ebenso deutlich sein . Nein sagen. Wir wünschen den einheitlichen. Zollverband mit den Sukzessionsstaaten und in weiterer Ferne fehle Erweiterung auf ganz Europa, also die vielleicht nach Genua und trotz Genua nicht so utopistische Aufrichtung der Vereinigten ' Staaten von Eüropa. Die Selbständigkeit Oesterreichs würde sich, mit diesem Rahmen sehr gut vertragen, aber ihn zu überschreiten, dafür wären 5o Millionen Franken denn doch eine zu klägliche Lockung. ' Diese Fragen klarzustellen ist gerade in diesem Augenblick von Notwendigkeit. Die neue Regierung hat durch den Kanzler Seipel 'ihren Entschluß ausgesprochen, auf der Basis der Schoberschen Wirtschaftspolitik zu verbleiben. Die zweite Regierungspartei, die Großdeutschen, haben aber, in'der Progrämmdebatte die Revision dieses Kurses gefordert. Dies trägt schon, jetzt Ansicherheit in die Regierung. Oesterreich kann und y darf keine politische Bindung eingehen, weder nach der französischen, noch nach der deutschen oder magyarischen Seite. Ein Schwanken wäre verhängnisvoll und es' kämen außer, den Krediten auch die Grundlagen des ohnehin so schwachen Staatswesens.in das Antrum^ eines zerstörenden Erdbebens. Es kann für Oesterreich nur eine. Aufgabe geben: Wahrung feiner Selbständigkeit, Freundschaft und Loyalität.nach außen, Ordnung und Aufbau nach innen. Ob die großdeptsche.Belastung des Staatskahnes' ihn nicht dür, Gefahr des'. Kenterns aussotzt, wird die Zukunft lehren. Für 'alle Fälle ist für Herrn Seipel Vorsicht geboten, nun den österreichischen Kurs strikte eiichalten zu können, / Ministerprästdent Benesch über die ' WirtschaftspLLiLiü der Tschecho- .' SLmvakU^ ■ Prag, 1. JnnL In der heutigen KjPuW des Senats wurde Pas Expose des MwWiHräKp^ten.-MH.Pen E Stimmen der Mehrheitspartei zur Kenntnis genommen, Zn seinem Schlußwort in' iMH^atte über die Re-- gierMWrklärung erklärt der WnisteWäsident, die Tatsache, daß. -Deutschland heute 12st M 140 Milliarden und d^r AchtMMpnen-Nüchbarstaat 70 bis 80 MMardemun^ in dev Macht per Tschecho-Slöwakeieine Äenderüng Herb'eizuführen. Der Ministerpräsident verweist daraufdaß die Tschechö-Slywakei, obwohl sie- Bestandteil eines » Staates mit schlechter Valuta und schlimmster wirtschaftlicher Situation gewesen sei, in den letzten drei Jahren b e d e ütende Wirtschaftliche Fortschritte gemacht habe. Die Wirtschaftspolitik und die allgemeine Politik der Tschecho-Slowakei sei von allem Anfang an dahin gerichtet gewesen, wirtschaftlich zunächst den eigenen Staat zu. rekonstruieren und dann dem Nachbarstaat zu helfen, um so nach den bescheidenen Kräften der Tschecho-Slowakei Europa zu stützen. ' Im weiteren Verlause erklärte. Dr, Benesch: UUser Ziel war es, in Mitteleuropa eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zü schaffen. Der erste Staat, der nach dem Kriege einen Handelsvertrag mit Deutschland schloß, war die Tschecho-Slowakei. Die großen Differenzen, die wir mit Polen und Oesterreich hatten, sind beseitigt. Wir versuchen, zu einem Einvernehmen mit Ungarn zn gelangen. Hierzu tritt nun der Vertrag mit Rußland. Hiermit fallen die unserer WirtschastsPoMk gemachten Vorwürfe. Der Ministerpräsident kommt sodann auf die deutschen Anfragen zu sprechen, wie sich die Tschecho-Slowakei im Falle von Sanktionen verhalten würde. Er erklärt: Die Anfragen erfolgten zn einer Zell, als man von. der Gefahr des 31. Mai sprach. Die tschecho-slowakische Regierung hat über die Frage der Sanktionen nicht verhandelt, die übrigens heute g e g e n st a n d s l o s geworden ist. Herr Vethlen ist betrübt. ' Budapest, 1. Juni. (U. T.-K.-B.) Eine Äbordimng Heß ' ersten Wahlbezirkes vön Hod'mezö-Väsarhely . überreichte heute nachmittags dem Ministerpräsidenten Grafen Bethlen das Abgeordnetenmandat. Der Mnisterpräsident erwiderteauf die Begrüßungsrede, er sehe in dem Wahlergebnis des Bezirkes eine Stärkung jener Richtung, die er verkündet 'habe. Das ungarische Volk wünsche, daß im Lande Ordnung, .Friede und bürgerliche Arbeit herrsche, und das Bürgertum sehe ein, daß. die Nation ohne politische, gesellschast--; liche und konfessionelle Einigkeit' nicht glücklich.' werden könne. Seine Freude sei jedoch getrübt durch den 11 mst a n d, daß im zweiten Wahlbezirk von Kodmezp-Vasärhely, ein Sozialdemokr.at mit der Unterstützung der bürgerlichen Gesellschaft gewählt - wurde. Dies zeige die Notwendigkeit der bürgerlichen Solidarität, da sonst das Land wieder einer Katastrophe a^sgesetzt werden'würde, wie sie sich im Jahre 1918 ereignet habe, da ein Teil der bürger- . glichen Gesellschaft sich einer Richtung angeschlossen habe, die das Land in das "Verderben gestürzt habe. Dandenkämpfe an der bulgarischserbischen Grenze. Ein jugoslawischer Protest. , B e l g r a d, 1. Juni. (Avala.) Der Minister des Aentzern hat an den bulgarischen Vertreter in Belgrad ein Schreiben gerichtet, worin er darauf hinweist, daß fortgesetzt bm lg arische Bänden Ein fLlle ans serbisches Gebiet unternehmen, und sich stets, ohne daß die bulgarischen Behörvell eittschreiten, ungestört' wieder auf bulgarisches Gebiet zurückziehen könnten. Die serbische Regierung könne ein Fortbestehen dieser Lage, die dem freuttdnachbarlichen Verhältnis zuwiderlause und den Frieden bedrohe, n i ch t dulden, und müsse die Beräntwortnng für die eventuellen Folgen neuerlicher Angriffe aus serbisches Gebiet ablehnen. Die Regierung hat^von den Vorfällen an der Grenze die Verb And e t e n Re gier n ng<rn und den Bölkervnnd verständigt. Jerusalem, Ende Mal. * Kürzlich fand in Haifa die Konferenz der Kooperative ' . jüdischer Arbeiter bei den öffentlichen Arbeiten statt. Die' Konferellz zeigte in überraschender Weise die großen Fortschritte. welche das Prinzip.deMooPerattven Arbeit, und der Se'tbsrvcrantwortung unter den jüdischen Arbeitern Palästinas gemacht hat. Die 'Kooperative- (Misrad laavodot ' zibnriöt) umfaßt heute, gegen 1500 Arbeiter^ die an Straßen . .und. Bauten' nrbeitM^ Sie^hMehHnurr. achtzehn Monate. ^de'nkban üngunstigsterck En'k angekommene Arheiter, "Mi-' lechnisch geschultes.Personal, keine Vorarbeiter, keine Grundlage für Berechnungen. Die ersten Monate des Straßenbaues waren denn auch , von einem erheblichen Defizit begleitet. Seither hat sich die Lage »vollständig geändert. Die Erfahrung der Arbeiter ist gestiegen, es ist ihnen gelungen, sich einen Stab-von Ingenieuren anzugliedern, die Buchführung, die anfangs im argen lag, ist nunmehr die eines großen industriellen Unternehmens. So konnte die Leitung der Kooperative der: Konferenz eine Bilanz vorlegen, die mehr als erfreuliche Daten aufwies- Die Kooperative für öffentliche Arbeiten hat danach im Laufe von achtzehn Monaten Arbeiten im Gesamtwert von 224.400 Pfund fertig gestellt.und hat derzeit Arbeiten für 92/.800 Pfund in Arbeit. Folgendes sind die größeren Arbeiten, die während der . achtzehn Monate 'fertiggestellt wurden: ' Straße Tiberias—Zemach für 59.7OÖ Pfund, Straße Liberias—Tabcha_ für 40.000, Straße Haifa—Dschedda für 36.200, Straße Afule—Nazareth für 21.400, Straße-Liberias—Achusat für 3000, Straße Dschenim für 2400, Betonstraße Tel-Awiw für 3000, Straße-Neve Schaanan für 2000, Straße Sichron Jakob für 2000, Straße am Karmel für 1500, Eisenbahn Sarafend—Ludd für 6500, Häuserbau yfiir Jemeniten und. Petach Tikwa für 4600, Häuserbau Rischon für. 3200, Friedhossbau für englische Soldaten, Beer Schewa, für 6000. . . . Folgende.größere Arbeiten sind derzeit in Durchführung: Straße Rischon Rechoboth 13.000 Pfund, Straße in Nahalal 5000, Straße tu Ejn tabun 4000, Häuserbau in Jaffa 25.000, Häuserbau im Boruchowviertel 9000, Erweiterung des Rothschild-Spitals in Jerusalem 3300, Häuserbau in Sedschera 5000, Bau des Regierungsgeländes in Ramleh 1000. Eine andere Institution der Arbeiterschaft, die Arbeiterbank, veröffentlichte dieser Tage einen Bericht über ihre Tätigkeit seit Anfang Dezember. In vier Monaten hat die Bank Kredite gewährt: Für öffentliche Arbeiten 20.075 Pfund, an Kooperativen 5398, für landwirtchaftliche Arbeiten 5682, an verschiedene Anstalten 2605. Insgesamt wurden 33,761.893 Pfund verliehen, von denen 17,090.048 Pfund zurückge- ' zahlt wurden. - Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die Arbeiterschaft sich mehr und mehr gewöhnt, in Ziffern'Rechenschaft von ihrer Arbeit zu' geben. Eine neue uud wichtige Institution veröffentlicht soebenihren ersten Bericht: die D a rl e h e n s k ä s's e.' Sie wurde vor einigen, Monaten in den Tagen der schwersten Krise auf dem Arbeitermarkte ins Leben gerufen, als infolge^Einstellung der Straßenarbeiten und des Eintrittes der Regenzeit Htrndcrte von Arbeitern ‘ heschaftigungsloZ. wurden. Damals wurde die Arbeiter-