Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1198 (1.6.1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Juni Der Führer der österreichischen Ehristlichsozialen, Dr. Ignaz Seipel, wurde gestern mit 101 gegen 58 Stimmen/zunr Bundeskanzler der Republik Oesterreich gewählt, ^dem. vierten Kabinettschef' seit der Gründung' dieses Staates. Demneuen Ministerpräsidenten ist eine gewisse politische -Bedeutung nicht abzusprechen. Er war in den letzten Togen der Monarchie Mitglied des Kabinetts Lammasch, welches bei all seinen Vorzügen nur den einen Fehler besaß, dass es zu spät kam. Der Monarchie war bereits das Todesurteil gesprochen und die Negierung konnte riur mehr die Fassade bilden, hinter der sich das Drama voslzog, Von den Männern, die, dieser Regierung angehörten, steht nur mehr Dr. Seipel aus der politischen Buhns., ED ist sicherlich Ausdruck eines strengen Pflichtbewußtseins, wepn er heute so wie im September 1918 eine schwere Aufgabe auf sich nimmt. :;'r,v : '. . i 'Der Führer des Neuen Kabinetts. ist eine sestumschriebene Persönlichkeit von ganz bestimmtem Charakter mit streng abgestecktem Ziel.. Nicht so klar ist die Richtung des' neuen Ministeriums. Es setzt sich aussieben .Christlichsozialen, drei Großdeutschen und einem Beamten zusanimen, ist also ein Koalitionsministerium. Was die Christlichsozialen wollen, ist bekannt;. ebenso bekannt ist, was die Großdeutschen wollen. Die einen wollen Oesterreich, die anderen wollen es nicht. Wie man zwischen diesen Kontrasten, die einander aufheben, eine Resultante ziehen kann, ist schwer erfindlich. Bedenkt man, welche Hemmnisse und Fallen die Großdeutschen dem Kabinett Schober gelegt haben, so. werden die Zweifel, welche, die. Zusammerfietzung i der neuen' Regierung Hervorrufen. muß,- nur. bestärkt. So lange Dird, und - goujren/ Mahrynd Schobers fortgesetzt haben: leine attivistische Außenpolitik/ fondern eine reine^ Wirtschafis-- politik... bje dikfierstistJon dem, Msirehbu, der: .Frieden zu hasten und .'W^Pffeghn ünd'wie',Beziehungen 'nach allen Seiten äuszugesialten, ohne.'sich in europäische Kostflilte hmeknreistemzu lassend Voraussetzung einer Sieben Chrrstlichsoziale, drei Grotzdentsche, ein Beamter. Politik In der gestrigen Sitzung des Nätiönälrates wurde die neue Koalitionsregierung mit 101 gegen 68 Stimmen gewählt. Sie besteht aus: Prälat Dr. ,S e ip e l (christlichsozial) als Bundeskanzler, Dr. Felix Fra n k (großdentsch) als Vizekanzler' und Minister des Innern, Sektionschef Doktor - G r ii n b e rg er (Beamter) als Außenminister, , Doktor Ww b er (großdentsch) als JNstiWinister, Landesrät S e-' gur (christlichsozial) als Ftnariztyinister, Buchinger (christlichsozial) als Landwirtschasts- und Ernährungs- ' minister, Emil K r a f f t (grötzheutsch) als Handelsminister, Schmitz., (christlichsozial) als Minister für soziale Beri waltung, Vaugoin (christlichsozial) als. Minister für 'Heerwesen, Dr. O d e h n a l (christlichsozial) als Verkehrsministe < und Sch n e id e r (christlichsozial) als Lener des; (dem Ministerium des Innern unterstehenden) Ressorts - für Kultus und Unterricht. . j Der Bundeskanzler Dpi. S e i p e l entwickM das Siegierungsprogramm, in Welchem er sich für weitgehende < internationale Verkehrs- und Handelsfreiheit erklärte Er betonte, daß seine Negjerung an kein e N o tentinzjehung oder Notenabstempelung denke. Pas' MistträüÄiZ^ WW!es^OEerrtzi^M' Äuslgntze'entgegonwM, .zum eujMWden 'DMWqhin,^ d-disfep Staat' iu.'Men: WnktzsM-^egep^ple/WrderunM^ Mer solchen euröstäischsn PoMk Die Ae- (fierunoserkMitug^u.; bie/art MstoigemmgH äüßeu hin gesprochen werden/ sind' pMkvy)UeMerttiÄndfirm.''HMs^ obG'ihre AHfirhrungenobstrttW/sW sind die Tilckett, iye'lche'der'''.tzM.-Und" der^ChäupimsWAs anwenden-/ um" das Killturleben/,die Verwalllmg Md'die. Rechtsprechung > Mgistem' TW Wabet^ dör'Uls Minister des Znnerst dktz)' Mchste^RWWäuduüg betriebenhat, ist jetzt FustiMiuister; Maß dies möglich 'wurde, ist ein Makel, der-bas-.uestpHMUett‘‘viel - schwerer beKlstet, als sich- - Herr Seipel, vvrstelleu wag.., Z Das neue MjNiste.riiin) hat die. Finanzen zu. ordnen l und die Beamienfiage zu lösen.^Das ist das ewignwue Progmmnc meiner jeden -RegWung und es/kommt ivMig auf. die rhetorische 'Art an,.-- in'sder bisse No.tnMdigkeiten.pMetragenZverden.^ .Me Art der Aus-.. siiHung ist?däs- Entscheidend^' ^We 'Regierungen, sind; iiber die Fragen gefallen mit " Ausnähme Schobers, der von den Größdeutschen von. hmien angeschossen wurde, österreichische Problem ist /so geartet, daß es.von Das den Fiihreru der -Parteien wohl verschlechtert. Eudes aber nur wenig gebesiert werben kaim. Es ist ein" Teil der europäischemWse^/stw die' Schuld der Siegerstaäten zuPDrägödl^Nrd^.^voU/. der kein Staat verschont bleibt. Trotzdemkann das Kabinett, das gestern gewähWvuwde/wielUnglirck stifiieik.' Daß ZwM parteieickäbinett entspricht nicht'der. Notlage des Staates, diß ein ZusfiMWnarbeiteU-ullep Mäsch..erfordert. Diese, syprderung ist,Wieder nicht .erfüllt. ,Herr Seipel, .dev sich, iü' seiger' Emsuhrtzugstiede,^it ^^cficicvcicf) äfl felbftr* (Ka chlschHilmMp, MihrungH^fMefitficheu AstMMÜ-‘ *'*'*■' als'' driiWwste. Forderung ^der Stunde. erWt^ 14*t4- 'A+i+ft* flc/wln»* rthtmmrfim .... .rrv,.^.r Muff n Schober ‘ wöm.'ouch 'auwesiMMsAtMuggedärtzb HM ,! 1 r?/*VTP * J v >.,CU,<f4 ,Sk\. Ein neuex Dreibund.' Die Tschricho-Slowakel, Jugöfiäwstn und Rumänien schließen ejnenn.eüen Pakt. Lo ndo n,^31 Mai, (Wolff-)/ „Morning Post" er- Mrt^MxlynigM Seite, .W /ein \ f h^mcllc t geni?der: T s ch e ch o - S t o w a I civ und I « g o^ t a* wi e Ä % abgeschlossen werden wird. K Dieses Patt werde - hie Entente, die augenblicklich ^wischest den beidep Lau-' dern.bestehe, zu einer viel .eng e/pen ... «mwandelm Es werde zuversichtlich erwartet/ tzah sich >Ru-' m ä.n ie-n diesem Pakte bald unschÜetzen Wörde. Diese, / Brief aus Marfchmr.. 'Z-' . , * .-'(Bon unserem r.-Korrestzöndentefl.) * .>{.: f‘:> . : «>;.• Ma rfch.au, den 29. MchhZ ^In der letzten Zeit fand hier,/wie bereits gemDety, eine -Konfetenz der jüdischen käüsmännischen Mzieiue styst./Seit 15 Jahren steht dre jüdische^Kaufmanuschaft von. Polen in bitterstenr Kum^umZhr Msejüs-Mr' - seit destl Jahre 1905 proktamiexls BohkottHül hie , Wirtschaftlichen Grundlagen^^ des 'jüdischen Kältfinannstäüdes zmn großen Teil erschüttert Infolge petDes-' orgamsierüng per jüdischen KaMettte war es her Böh- - kgttbewegung ein leichtes, den Kämpf gegen sichinit den ünlauterft^n Mitteln zu fiihreu.'Trotz dieser' -Boykött-! bewegunghat sich innerhalb der jüdischen Kailfmanilichäft der Gedanke, eines organisatorischen Ziisammenschlllffes schwer dnrchrmgen 'Mnen, Weil ein Großteil'! der jüdischen./Kauflelste dilrch die Schasfiing^einer. sol-; chett Organisation keipen Aulatz für die christliche Ge- - settschast geben ' wölltd/' ihnen aggressive Tendenzen zuznschreiben.-: Erst infolge. der unmenschlichen Kampfmethoden her äntPUlitischen. Wirischäftsorgürtisation „Ryzwof" muM die mdische Kaufmannschaft t-insehen, daß ' sie gegen diesen Kämpf geschlossen ' rMd organj^ . aüMekest müsse'. AlleMings hätten sich bereits früher in . einzelnen, - PÄVinzeU selbständige jüdische. .Organs-. satioftefi gebildet^Me' galizische^ Jüdenheit hat NoP vor, dM ' Kriege, durch Schaffung einzelner kaüfinännisch'er- Vereiste in 'den verschiedensten Städten /die Grundlagen/ L zMKgamfierung der Käufmäimschast gelegt ähnliche.'/ I Betsüche wurden inHuHtzten hier Jahren in MöNgrH-/ : polen gemacht/ '.ErstWH^mWfiiberh.fü.flF.bh^' ' Konferenz find aWBedenken, chie früher ■ gehen/' Mvy t Schaffung einer/ zeDWn Orgänisation derl,fildtsch.M' j Kaufnchnchchaft^yHßu-wuMn^-DMeW.'Di^ Mile: ' Kvuftrenz hat/ auch ^has' S t ä tst t eines/MMWer-^ Konsolidierung der kleinen Entente, soweit, die erst« genannten zwei Mitglieder in Betracht.kommen,»sei ein Ergebnis der Genueser Konferenz, denn die -beiden Regierungen hätten entdeckt, daß ihre Ansichten über die internationalen Probleme vollkommen identisch seien und ein engeres Zusammenwirken für beide Lstnder äußerst nützlich sein werde. Technisch gesprochen stehe her augenblickliche Pakt außerhalb der kleinen Enteyte, der er in keiner Weise in die Quere komme. Sobald jedoch pln- - Manien dem Pakt beitrete^ werde aus der kleinen Entente ein Dreibustd. Das neue Bündnis habe reinen PertKsdignngscharakter. Der führende Gedanke dabei.sei, daß es der Wächter des Friedens MitteleuroPas und der durch die F r i e d e n s v e r t r ä g e g e schaff eneu Grenzen sein soll. sGünstiger EiÄdruiA der deutschen NMe* - P a r i s, 31. Mai. (Havash Die Delegierten der alliierten Mächte bei der Reparationskommisstton sind heute morgens zu einer halbamtlichen Sitzung / zusammengetreten, um die gestern veröffentlichte deutsche Antwort zu Prüfe». Obgleich diese Beratung vertraulich war, scheint dennoch hervorzugehen, -daß die Note vom 28. Mai eher einen g ü n st i g e « E i nd r uck ans die Mitglieder der Reparationtzkommisfion gemacht! habet Da^ die Prüfung heute myrgeyßHnicht vollständig vorgenommen werden konnte, werden-die Delegierten , heute i nachmittags von neuem zusammentreten und Vielleicht heute abends en.e amtliche Sitzung abhalten, um den Wortlaut der^^IlächstestMoth W erörtern^ die pn die deutsche? Mix wM/MMit-/ Deutschen -Reiches? däs LMWand > gewährte Mw r äst.oi rium ausrechterhaltenWrdToder nichL Gleichzeitig ^werden, darin vielleicht7«8here?MlL«Leinm->m 7übet gewisse^ . Punkte ', verlangt w^den. Die Note der Reparations-? ykommission dürste in einigen Tagen endgültigMgesäßt. sein. ' ' ' - >>ihrer Volk^zrtgehörigleit ^rwußt.ist und ihren..Kfirstfist nur-W reinen top^'^äftUÄßjrt, sondern^äM, HlsZ ' cmett' n aii o n als po l i t i sch chst. .-.beirstchW' <Dje'- rkstein in-der Er 'Z-ches jjidffW^iKauf^ünn^ /ständes in ganz Polen ünd wird srchMW-)hie ' sta.MWast.>geM^pch-//'-WneffchästsanttseniMüW'-E7. \ polnffch^r. Gesellschast stärken, und - somstchdew wüsten..' ' KaMf dce Ro-i'.wi H'üsiE^ 'können. -- . , . .. .. Der polnische S e j nc steht in letzter Zeit Im Zel»" , chen des Tabakm on oP ols.?Sep?SeM?'.U'--tztzW^ wartig i'.lfvlge dieser Frage in zwei große Parreien?ge-7 teilt. Während der eine Teil für die Einsirhrüng des '?abakmynopöls eintritt,. bekämpft die' R e ch t e des. Hauses, die jä. eigentlich fiir den Regierungsc eintreten sollte, aus das. erbit'terste die van der Regierüyg eingebrächte Vorlage. Die.Abstimmung über diese Vorlage dürste .sich dramatisch gestalten/ und es gilt fast als'? sicher, däß/in dieser Abstimnmng die j ü d i sch t n A bge'ordneten, ähnlichwie in' der VerfässunK-''ünd Agrarfrage,das Zünglein an, der Wage bildew werden: der/fridischen Kaüfmännschaft inr zickünstigeD' pfilmschen ' Sejnt Mr jenen jüdischen Abgeordneten zwÄhörgeben, die.die. n.a tst.o.n.a l.i'ü dl s ch e. Plattform MexkettMlimÄl» lilit dem Kößten <Antisemiten' gegen' das - Tabak stMöjiÄ Minmen.Dieses^Mzige?. Äal.werden Heischel- NePräserrtLnten' nlist dM. größHn Gejsnern-der/polms'ch^ i/Judenheit, den - Mti^MMkräten/ $ Grünhe, die 6'te ^utS|^ie^^Sgcox^n^.eu ^M, Eistfuhrung liegen - . rfiw mm diese./häp^lst ^Mich- .jn? her