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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-29 · Heft 1195 (29.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1195 (29.5.1922)
Date
1922-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer k sö Wi an: Zum Abholern in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 2100 Mjt Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K?100 Tschecho-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 50. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 1 schecho-StowakQl t tsehecha K 1 Italien: Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40. Lei Schweix und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3, Redaktion u. Administration Wien, fl., Taborstrasse 1—3 T clephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: ,Morgenzeitung‘, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1195 Wien, Montag, 29. Mai 1922 4. Jahrgang ♦♦ ♦♦ hvisiiw» ai* wirci< f Große Mehrheit der Regierung, Budapest, 29. Mai. Das U. T. K. V. meldet amtlich: Bis halb 2 Uhr morgens liegen aus 125 von den 141 Bezirken, in denen die Wahlen gestern durchgeführt wurden, Wahlresultate vor. Danach erhält die einheitliche Regierungspartei 82, die die Regierung, unterstützende christlichnationale Vereinigung ein Mandat; die Oppositionellen erwarben bisher insgesamt 10 Mandate, die sich auf sieben Lager zersplittern; die Sozialisten bekamen zwei Mandate, wahrend die legitimlstische Ändrassy-Partei bisher kein einziges Mandat erringen konnte. In 32 Bezirken kommt es zu einer Stichwahl, und zwar in neun Bezirken ausschließlich zwischen Regierungsanhättgern nnd in einem zwischen Oppositionellen. Deutschland kommt in den Völkerbund. London, 29. Mai. (Havas.) Nach den „Times" werde die im September abzuhaltende Völkerbundversammlung die Frage der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund zu prüfen haben. Der Völkerbundrat habe sich in der Maitagung.dem Beitritte Deutschlands geneigt gezeigt unter der Bedingung, daß es zum Fälligkeitstermin vom 31. Mai den Beweis seiner Aufrichtigkeit' und seines guten Willens erbringe. V . Englisch-französische Verhandlungen. London, 29. Mai. (Tel.-Comp.) Zwischen dem britischen Auswärtigen Amte und P o i n c a r e fand in den schafter ein lebhafter Meinungsaustausch statt. Als Ergebnis Jft' festzustellen, daß Poincare zugestimmt, hat, auf die Ergreifung irgendwelcher neuer Garantien gegen Deutschland, wie die Besetzung des Ruhrgebietes, vorläufig zu verzichten, um den alliierten Regierungen, dem Wiedergutmachungsaüsschuß und dem Anlerhekomitee Zeit zu geben, das Problem gründlich zu studieren und zu einem Abkommen zu gelangen. Lloyd George wurde über die Verhandlungen in Paris, die durch Lord Hardings und Sir John Bradbury geführt wurden, aus dem laufenden gehalten. Lloyd George erklärte sich bereit, das französische Verlangen nach Erfüllung der Wiedergutmachungen so weit zu unterstützen, als dies für Deutschland tatsächlich möglich ist. Blutige Streikterge in Ram. Rom, 29. Mai. (Tel.-Comp.) Den Unruhen in Rom sind in den letzten Tagen drei Tote und 40 Verletzte zum Opfer gefallen. Die Ruhe ist wieder hergestellt, auch der Verkehr ist re gelmäßig. Die Zeitungen erscheinen wieder. Infolge der blutigen Parteikämpfe hat die Regierung energische Maßnahmen ergriffen. In Rom und Florenz wurdest sämtliche Bewilligungen zum Waffentragen arjfgehoben. Generalstreik in Fiume. Triest, 29.. Mai. (Tel.-Comp.) In Fiume haben die Gewerkschaften zur Unterstützung der streikenden Arbeiter in den Quarnerowerften den Generalstreik erklärt, dem sich auch die Legionäre. d'Annunzios anschlossen. Faszisteuunruhen in Triest. Triest, 29. Mai. (Tel.-Comp.) Faszisten versuchten, in vas Triester Gewerkschastshaus einzudringen, um es, wie die Arbeiter behaupten, in Brand zu stecken. Der Versuch mißlang, bei den Zusammenstößen wurde jedoch ein Arbeiter durch Revolverschüsse getötet. Keine DeMoEilisieruAg Ln Rußland. London, 27. Mai. (Reuter.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat das Zentralexekutivkomitee einen Antrag angenommen, worin erklärt' wird, daß die Effektivstände der Armee nicht herabgesetzt werden würden, da es der Konferenz von Genua nicht gelungen sei, die Beziehungen zwischen der Sowjetregierung und den übrigen Regierungen sestzulegen. Die Einladungen nach dem Haag. Haag, 28. Mai. (Havas.) Der Präsident der Genueser Konferenz hat im Einvernehmen mit der niederländischen Regierung die Einladungen zur Ausammenkun.it im H a a g versendet« '' : ‘/ schwere Niederlage der Karlisten. Der Krieg in Irland. Belfast, 28. Mai. (Reuter.) Gestern abends sind sieben Fabriken in Brand gesteckt und durch das Feuer zerstört worden. Clemenceau will den Frieden. Nantes, 27. Mai. (Havas.) Anläßlich der Einweihung eines Denkmales für die im Kriege gefallenen Lehrer und Schüler des nunmehr seinen Namen führenden Lyzeums in Nanteshielt C l e m e n c e a u eine Rede über die hohen sittlichen Ziele der Jugend', worin er ausführte, daß zur Erreichung dieser Ziele nicht nur militärischer Mut, den die französische Nasse besitze, sondern auch bürgerlicher Mut notwendig sei. Bei dem der Eiuweihungsfeier folgenden Bankett stellte Clemenceau fest, daß vor dem Jahre 1914 sich gewiss e V ö l k e'r fürchteten, sich - an Frankreich anzu- ^schließen, und daß. dieselben 'Völker, die damals fürchteten, Frankreich 'sei nicht imstande, einen Krieg zu gewinnen, jetzt den Franzosen vorwerfen, daß sie den Krieg wieder beginnen wollen. Wir wollen, sagte Redner, den Krieg nicht, wir wollen den Frieden, aber wir sind imstande, Krieg zu führen.'Wir wollen keinen ehrlosen. Frieden. Wir werden unsere Verbündeten nicht verlaffen, wir wünschen im Gegenteil, ihre Verbündeten zu bleiben. Aber sie müssen uns verstehen, und dürfen nicht Unsere Jntereffen anderen Interessen opfern. Frankreich will das Aeußerste tun, um den F r i e d e n zu erhalten, aber, man muß wissen, daß es Die österreichische Aegierungskrise vor dem ÄbsWutz. Ein Koalittonskabinett unter Führung Seipels. Der Grazer Parteitag der Großdeutschen hat mit 307 gegen 58 Stimmen die Teilnahme, an der Bildung einer Regierungsmehrheit beschlossen. Die entscheidenden Verhandlungen beginnen heute und werden auf der Basis geführt werden, daß der Obmann der Christlichsozialen; Prälat Dr. Ignaz Seipel, an die Spitze eines Koalitionsministeriums tritt, in welchem die Großdeutschen drei Sitze erhalten sollen. Sie verlangen das Justiz- und das Handelsressort, während die Christlichsozialen die Ressorts für Finanzen, Aeußeres, Ackerbau, Unterricbr und svziaie Verwaltung besetzen. Das Auswärtige Amt soll von Dr. Grünberger geleitet werden. Als Finanzminister nennt man den Christlichsozialen Dr. O d e h n ä l, als Handelsminister den Großdeutschen Krafft, als ' Justizminister Doktor Frau k. Die Wahl der euen Regierung wird am Dienstag oder Mittwoch erfolgen. Sie wird sofort die Erhöhung der mit 41.3 Milliarden bemesseenen Kreditermächtigüng auf 130 Milliarden ansprechen. Da für die am 10. Juni notwendigen Auszahlungen an die Beamten große Summen erforderlich sind. Die Verhandlungen mit der Morgan-Ko mm i s s i o n werden in der nächsten Woche beginnen. Das Plenum des Nationalrates ist für morgen nachmittags zu einer Sitzung einberufen. Vormittags tritt der H a ü p i a u s s ch u ß zusammen, um den Wahlvorschlag sestzustellen. , Mittags zirkuliert in den politischen Kreisen folgende Liste: Bundeskanzler: Dr. Seipel. Vizekanzler und Inneres: Dr. Frank. Äeutzeres: Dr. G r ü n b e r g e r. Handel: Emil Krafft. Finanzen: Dr. O d e h n a l. Unterricht: Dr. Walter B r e i s k h. Ackerbau: Dr. H e n n e t. Heerwesen: Dr. Schürsf. Verkehr: Redler. Soziale Verwaltung: Pan er. Nach dieser Liste würde also das Kabinett aus drei Christlichsozialen, drei Großdeutschen und vier Beamten bestehen. Das Ernährungsministerium wird aufgelassen. Die SüdbahnLouserenz 1« Venedig. Wien, 28. Mai. An die Südbahuverwaltung ist heute aus Rom die Mitteilung gelangt, daß der Beginn der Konferenz in Venedig für den 10. Juni anberaumt worden ist. Gestempelte Krone ----- —.05'/» Centimes. Auszahlung Wie» — — .057» Centimes. 8n Zürich notierte die österreichische Kronr . . . —.05'/» (—.05'/» am 27. Mai) die ösierr. gestempelte Krone . —.03'/, (—.0525 am 27. Mai) die tschechische Krone . . . . 10.02 (10.05 am 27. Mai) die Mark .. 1.86 ( 1.78 am 27. Mal) Agram .......... 1.87 ( 1.88 am 27. Mai) Sofia........... 3.92 ( 3.92 am 27. Mai) Budapest ......... —.64 (—.63 am 27. Mai) Warschau. —.13 (—.13 am 27. Mai) Der HanLelsverLrag Mit Polen. Wie die „Korrespondenz Herzog" aus handelspolitischen Kreisen erfährt, werden die österreichischpolnischen Handelsverträgsbesprechungen voraussichtlich bereits am 1. Juni in Warschau eröffnet werden. ... .:.V : Italienische Anleihe in Amerika. Paris, 28. Mai. (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus New-Dork verhandle die i i a l i e-, nische Regierung über eine Anleihe von 100 Millionen Dollar auf dem New-Dorker Markte. Der Zweck der - Anleihe sei der Ankauf amerikanischen Materials für die italienischen Staatsbahnen. Man nehme an, daß die Anleihe in zwei Abschnitten aufgelegt werden würde, und zwar 40 Millionen in kürzester Zeit, der Rest zu einem späteren Zeitpunkte. i Tagesbericht. - Die neuerlicheErhöhnng der ftlldtir Me» Tarife. Straßenbahn und Beleuchtung. Die bereits angekündigte Erhöhung des Straße,^, bahntarifs ist nun im Rathause endgültig bn schlossen worden. In der Wiener Konferenz der Arbeiterschaft, die Samstag nachmittags im Eisenbahnerheim stattfand, kündigte Vizebürgermeister Emmerling die bevorstehende Erhöhung des Straßenbahntarises an. Nach den bisher noch nicht abgeschlossenen Berechnungen ergibt sich ein Preis von mindestens 150 Kronen für den Tagesfahrschein. Vizebürgermeister Emmerling führte hiezu noch folgendes aus: „Es muß berücksichtigt werden, daß der heutige Tarif von 80 Kronen erst das Vierhundertfache des Friedenspreises ist, während der Aufwand für die Löhne schon auf das Sieben- bis Achthundertsache und die Preise für die Materialien gar schon auf das Fünfzehn hundertfache bis Zweitau sendfache gestiegen sind. Die Straßenbahnen hatten bis Dezember keinen nennenswerten Gebarungsabgang aufzuweisen. Die Tariferhöhung im Dezember war aber zu gering und mit der rasend fortschreitenden Geldentwertung vergrößerte sich das Defizit, ohne daß die neuerlichen Tariferhöhungen dem Einhalt tun konnten. Die neuen Belastungen, die sich aus der Lohnerhöhung für die Bediensteten und aus den Steigerungen aller Materialpreise ergeben, machen mit dem jetzt schon vorhandenen Defizit auf das Jahr umgerechnet, m ehr als 24 Milliarden M e h ra u s g a b e n aus, die bedeckt werden müssen." Aber auch eine zweite, jeden Haushalt schwer be- ' lastende Täriferhöhung wird aus dem Rathause angekündigt. Der Gemeinderatsausschuß für die städtischen Unternehmungen wird sich, wie die „Arbeiter -Zeitung" meldet, bereits morgen, Dienstag, mit dem Vorschläge der Direktion der städtischen Elektrizitätswerke beschäftigen, den Strompreis um 60 Prozent zu erhöhen. Der Preis für eine Hektowatt Lichtstr.vm wird' daher von 22 - .Kronen ans d r e i u n d d r e i ß i g Kronen und der Preis für eine Hektowatt Kraststrom von sechzehn Kronen auf v i e r u n d z w a n z i g Kronen erhöht werden. Es ist dies die erfte Erhöhung des Strompreises seit Jänner dieses Jaör?s. Dev neue Strompreis gilt für die Ableseperiode, die unge-- fähr von Mitte Mai bis Ende Juni laust, wird öljo noch rückwirkend sein. Die HsMwerbrstWerke. Me die „Arbeiterzeitung" meldet, wurde in dev Samstag abgehaltenen sozialdemokratischen Parteikonferenz nach eineyr Bericht des .Nationalrates E Iber sch der Be-

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