Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1192 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■:rK* laztlnnminsr k 60 'Wi e n: Zpm'AbHoI^ in. <Jer Expedition, ÜMTabbrstril-j,« oder in einerVersehlejsjrteJle 1 (Trafik) monatlich K 2100 •Mit Postversand für Wien u. •Oesterreich monatl. K 2100 Tache dho-31owakei Mon.K 20. UngarnsrMpn. . K150. jugoalawien:.Mop» Dinar 25. Polen:, Mon. tMerk 800. D.etftschlancl: Mon., Mark :50. Frankr e i eh': Monatlich Frcs.’6 Tscheche Slowakei»' «schech. K l t a 1 i e n: Monatl. 6. Uro Rumänien: Mon. 40. Le* Schweiz und;das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38.43-3.19. ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: »Morgenzeitung*, Wien Oestcrreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Nr. 1192 . feien, Freitag, 26. Mai 1922 4. Jahrgang €xplo$fon$kata$iropbe in Bluthau. Bisher IS Tote und L4 Verwundete B ad en, 25. Mai.- Heütc Hgen3 Uhr nachmittags brach,in Blunrauin der Bettltzbsmspektionl ein Brand aus. -Infolge. W a s s e r m ange l s konnte der Brand nicht gelöscht werden und .griff jyeiter auf die Waschanstalt über, wo die E x plo f i vstoffe gewaschen werden, was zur Folge hatte, daß ein O b j^tt i n d i e Lus t f l o g. Die Zahl - der T o t e n n n d Verwund e t e n läßt sich zurzeit -noch nicht feststellen, döH ist sie sehr g. r o h. Mit hen Bergungsarbeiten konnte noch nicht begonnen werden, da man w e i t e r e E x p l o s i pn S n, wenn auch lokaler Artbefürchtet. Der Sach- Md MaLsrialfchaden, ist sehr be- Lrachtlich Die Häuser in der Umgebung wurden arg mitgenommen. Die W i e n e r F e u e rwDr entsandte nach einge-- Holter ErlanbMdes Bürge^DHeÄ den Fernlöschzüg nach Bluman. Schon wahrend der Wnzug auf dem Wege nkch Wumau war, kam an die FeueWeht eine zweite Meldung ans Blumau, derzufolge die KatMophe durch die Explosion von Dynamit und DtznamoWcrvorgerufen worden ist. Auch die Zentrale per Rettungsgeseltzchaft erhielt eine die Explosion betreffende Meldung. Sie besagte, datz z w e i Objekte in die Luft gefl-gtznstnd>datz der durch die Explosion entstandene Brand g ro'he Mn s de h.n u n g gewonnen habe, und datz weitere Mefahr bestehe. Auch die Re t ju n g.s g e s e lls ch a ft organisierte augenblicklich eine Wsßaktion. Sie entsandte Heei Automobilambülanzen nach Blumam . . / ' '-Die DyniLMitMMöftoW.'7-' -' : ' BXÜm ciu, 25. Mff.tz"WAenos. 'Der' Brand ist zwar'yöch, nicht gelöscht, doch iHM man, datz weitere Ex^ plosidtthn Nicht mehr crfolgM MrsM Der Herd, der Explosion ww R e u richsd o r f» wo sich eine Arbeiterkosonie befindet.' Hier brach nm 2 Uhr 46 Minuten ein Feuer aus, dem nM ungefähr 20 Mlnnken eine Explosion ohne 'sichtliche Wirkung Kr die umliegenden Objekte folgte. Erst die zehn Minutenspäter nachfolgende Explosion eines Werkes, in dem sich' D y n a w o n und D y n a m i t befand, richtete furchtbare Verheerungen an, deren Folgen noch nicht - zu iiberschLN , sind. Aus der /ganzen Umgebung sind im Laufe des Nachmittags freiwillige und Berüfsfeucrwehren heran-' geeilt auch, aus Wien traf die Feuerwehr der Stadt Wien ein: Den Bemühungen der Feuerwehren ist es zw danken, datz das Werk, in dem sich Nitroglyzerinbefindet, gerettet werden konnte. Bundeswehr mid Gendarmerie haben die Ümgebüngpön Blumau abgespertt und lassen nur mit Le-' tzitimatiönen versehene Personen in die Ortschaft. Ueber die Zahl drr ^pjer ist. noch nichts Verlätzliches bekannt. Durch die freiwilligen Rettungsgesellschaften wurden viele, namentlich durch Sprengstücke am Kopse verletzte Personen in das Spital von Wiener-Neustadt gebracht. - . . 400 Verletzte. Wst uns aus, Blumau nachts berichtet wird, beträgt die Zahl der - Verletzten über 406 Personen. Zahlreiche PeH letztebefmden sich noch inhäuslicherPflege. V/'.Der VrMH'poktzWert.' . Spät, nachts wird uns gemeldet^ datz der Brand durch die vereinigten Anstrengungen der / Feuerwehren lokalisiert wurde.. Die Gefahr einer weiteren Explosion ist aller Währfcheinlichkeit nach abgewendet. , Abgetragene Dächer. : Wiener-Mustadt, 25. Mas, 9 Uhr abends.' Die Explosion in Blumau erfolgte im Objekt 1. Der Schade ist sehr beträchtlich. An den Häusern in der weiteren Umgebung der/ Unglücksstätte sind 'zahlreiche/ Fenster zerstört und viele Dächer' abgetragen. P- - - - - - Nach den bisherigen Schätzungen beträgt die Zahl, dev Toten etwa 16, die der Verletzten -jeden Gradesmindestens 60, von denen 30 im Wiener-Nenstädter Spital untergehracht'worden sind. Zwanzig wurden durch einen sofort auS Wien yerbeigeeilttn Hilfszug ngch Wien gebracht.; v; Die Wiener Feuerwehr und die Wienet Freiwillige Rettungsgesellschaft sandten unverzüglich Hilfsexpeditionem Die Umgebung von Blumau ist durch Gendarrnerie- und herbeigezogene Äbteilüngen des Bundesheeres, Haupt-/ sächlich zur Verhinderung des Metallsammelns durch Unbefugte, abgesperrt. Das SchieMaumwollemagazin gerettet. Blumau, 25. Mai, 9 Uhr 30 Minuten abends. C wärtig sind weitere Explosionen nicht mehr zu beKrchten,' doch wagt man es noch.nicht, zur Explosionsstätte vorzüdringen. Ein gegen Uhr abends aus g e b r och e n e f Br and in einem Werke, Ivo sich S chieß bau.m wolle befindet, konnte g e l ö s ch t werden. Die Blumauer Fabrik besteht aus vier Objekten, in denen sich Nitrodynamon, Nitroglyzerin, Dynamit- und Ekras.it befinden. Das Objekt, in dem sich Nitrodynamon befand,- und in dessen unmittelbarer'Nähe die Arbeiterkolonie Neuritzhof (nicht, wie irrtümlich gemeldet, Neurichsdorf) liegt, flog in die Luft. Die'übrigen drei Objekte konnten gerettet werden.' Der Sachschaden ist beträchtlich. Fensterscheiben, Türstöcke, Mauerwände wurden zertrümmert.-Die Aspangbahn hat einen Sonderzug^iNgestellt, um Verwundete nach Wien zu transportieren. Die Verheevungetr in den Nachbarorten. Blumau^ Ä. Mai. (Priv.) Die. Orte Sollenau, Felix- -dorf und Lepberßyorf habe^n durch die Explosion stark gelitten. 'Zahlreiche Häusel würden'geschädigt) FenM^ztzr^ ' trümmert und, Möbelstücke in den Wohnungeü'.dürchein-» andergewörfen. Die BNoNtÜng' von" Sollenau' kampiert im Freien,' weil-sie,noch'weitere Explosionen befürchtet. Weitere Details über die Explosionskatastrophe. . Aus Blmnau wird uns berichtet: Die Wiener Frei«, willige Rettüngsgesellschast rückte mit drei .Ambulanzen unter Leitung des Chefarztes Obermedizinalrat Dr. L a m-' berg und seines Stellvertreters Medizinalrat.Dr. Hein und den Jnspekiionsärzten, Dr. .H a w r a n e k und Doktor^ Lind en b anm-aus. Sie traten die Fahrt im Auto um/ 3 Uhr 50 Minuten an und 'kmnen gegen halb 5 Uhr in die. Nähe von Blumau. Schon auf dem Wege'dahin hörten sie von wilden Gerüchten. Allgemein hatte man zwei Detö-- Nationen gehört; die Windrichtung trieb aber den-Schallmehr gegen das Semmeringgebiet. Je näher die Kolonne Blmnau kam, um so mehr konnte man die Wirkung, der Explosion sehen. In den Ortschaften in unmittelbarster^ Nähe waren Mauern der Häuser umgerissen, Dächer ab-/ gedeckt, Schornsteine umgesallen, Fenster zertrümmert. Ganz in der Nahe, wurden die Ambulanzen da und dort neben den Feldern angehalten, weil . ha. und dort Tote lagen, die auf dem Felde von Metallstücken getroffen und erschlagen'worden sind. Mit den Toten kannte sich die Rettüngsgesellschast nicht aufhalten, daihre Arbeit den hilfsbedürftigen Lebenden galt. - Der Ort '' Blmnau selbst war zu der Zeit schon ganz evakuiert und a b g e s p e r r t. Ueber der Pulverfabrik erhob sich eine schon von weitem sichtbare.Feüersäule. Die Bewohner in der weitesten Umgebung, hatten förmlich, den Kopf verloren. Den zufahrenden Ambulanzen-stellte sich z. B. ein Radfahrer, der von einem Feldweg kam und abgesessen war, sie äufhättend, in. den Weg und rief den AerzteZ zu: „Retten Sie, was Sie können!" Dann saß er auf üüd fuhr weg. Lastautömobile kanren der Rettüngsgesellschast entgegen,. vollgeMt mit, Menschen, Flüchtlingen aus dem gefährdeten Gebiete, die sich, wegbringenttießen,, um sicher zu sein. Auch Feuerwehrautoniobile der. Freiwilligen.Feuerwehren dien- Nach der Deinission. * x.' Wten. Mai. - . In Graz. beginnt heute dev grgßdeutscheMeichs- - Parteitag. Die Nation alratsmitglieder dieser-' Partei' rbringdn als Feiertägsgeschenk den Sturz: der Regierung -mit und es: wird ihnen Dank' und Vertrauen: votiert ^werden. Siechabeu sich die Anerkennung verdient, denn 'sie sind in Verfolgung der ihnen erteilten Aufgabe,, 'Rache' für ' Lana: zu' nehmen, ganz iin Rahmen der deütschnattonMn Politik geblieben, die seit' jeher sich -iin Bernädern und, in der Provokätton des, nationalen - Gegners erschöpft' hat. Die -Lösung der Aufgabe war freilich nur durch'düs mehr' als mysteriöse Verhalten der Christlichsozialen: / nioglich geworden. Die ' vom -Hinanzäusschuß vorgenornmene Herabsetzung der Kre- ''LtterNÄchtigüng 'von 430 auf 43 illWarden hätte, das -Plenum wieder korrigieren können, wenn dies die /ChrliMchsozialen 'gewollt Hätteni Diese Unterlassung ist - -die Tatsache/ über welche Herr Schobtzr./gefallen ist, und der bittere Ton seiner Rede beweist-daß ersich dieser 'Isolierung^ durch die. Regierungspartei, bewußt geworden isü Die von der „Arbeiterzeitung" herangezögenen -Pürallelismen in London und Prag stimmen -nicht. In 'keiüem dieser Parlamente ist es zur Kreditstreichung gelkommen itrtb selbstl wenn dies erfolgt wäre, so ist' es noch ennsehr. großer Unterschied, ob -gegen eine an allgemeinen Verhandlungen beteiligte Regierung oder den .'AUnisLerpräsidenten Sturm gelaufen, wird, der über die -Existenzfrage des.-Staates verhandelt. Hätte man ihn cholitisch-parlamentärisch werfen wollen, so hätte dies - -vor seiner Reise, , vielleicht nach seiner Rückkehr, nieanals aber während seiner Besprechungen, zü'denen er chen Auftrag erhalten' hatte, geschehen können.I ' Die Krise der abgetretenen ^egiepung ist ein Vkacheäkt, bör'dem die' VolKparLeien-Veir 'Großdeutschen -Assistenz geleistet haben. Wenn es sich um eine in'der -politischen LöM/Ue'KM - Äffär'e' hätte, so > anußie' die 'Regierung, > bie.-' üün'/dA> Mschaste'. zu übernehmen hat, schon bereitstehen. Wäü Schober der Schädling, als der er heute hin gestellt wird und nach den zwei Mißtrauensvoten .erscheinen muß,'so "hätten die' Partien ihr Arbeitsprogramm 'schon jetzt der Oeffentlichkeit vorlegen uni) gleichzeitig die Männerihres Vertrauens. präsentieren müssen. Das ist nicht geschehen und diese Unterlassung, ist die. zweite Tatsachedie 'die politischen und-administratweN Dualitätender Ministersttirzer beleuchtet. Alles' vollzieht fi r' im 'Dunkel der Geheimtuerei und es ist eine hübsche Pikanterie, daß sich an dieser Tätigkeit die- Sozialdemokraten- ' die geschworenen Berfeäsier der Oeffentlichkeit, die Ehristlichsozialen, seit neuester Zeit Gegner der Geheimdivlomat-'e, und die Großdeutschen, .'die Herrn Schober die Politik der vollzogenen Tatsachen zur Last legen, in glepb-"/ Weise belteiligen. Für die -weitere Fortspinnnng " des Fadens scheiden die' Sozialdemokraten aus,' weil nach getaner Arbeit..gut ruhen ist. Aus der Bühne bleiben die Christlich sozialen und Pie Großdeutschen, Pie durch den Kitt des Judenhasses - verbundene- Clnhe itsfront, die aber ckeine '-wirtschastliche., keine politische, noch weniger eine soziale, Brücke verbindet. Sie haben -den' Ministerpräsidenten, 'während er nicht da war, hi-nausgeworfen. Was nun? . War seine'Richtung falsch — und das soll doch mit seiner Verabschiedung gesagt-werden— so müssen sie. eine andere -Richtung einschlag'en.- Sie müssen den Vertratz mit der- Tschecho-Slowakei kündigen,, nach Rom und Paris Absagen' senden. Sie müßten »die Zollaufschläge zurückzieh'en und in' der- Weineinfuhrftage das Diktat Horthys akzepiieren. Sie mühten -schließlich 'auf dem Gebiet, auf demdank ihrer Techtelmechtelpie Energie der Regierung versagt-hat, auf dem Gebiet der Besteuerung'der Bauern und der Extensivierung der Landwirtschaft, Reformen.zumindest versprechen. - ' ' Aber hie^^ Bundesgenossen mißtrauen/ einander. Der ' Haß ist kein- Positiv braüchbaresMittel? Und den Christlichsozialen Mag Hute' schon die -Erleuntnis von der' Un- - zulänglichW'.'- aW/ Irdischen - pymmerm Waren die Großd'eütsHn /imstciyde, 'dex HeAe^ttrg Schober, einen Knüvpel VorPie'!Füßö zu' werfen, wex. garantiert denn,' daß diese -Pärtcsi p'er.-^"S' dtzx- Unverlä"^ ^eit.-, nicht morgen dEpeuen 'Negierüngsnmnnerrt den . gleichen Streich.spielt? In der Politik,-wie uw Peben überhaupt-' läßt sich HerUraunt nicht 'yr^VerträMkn«"'-^^ uivängen. Die GroßdeutsHn haben Schober , gebracht, die Hroß- Veutschenchaben ihn genommen; sie können jetzt deck von Wep - Freund"//,, einaeletzten Medi^rr-- - - im ottentzri Parlament, sterben'lassend ' - - r . Ju wenigen^Tagen werden die Experten der Morvan Rothschild-Muppe,' begleitet' von den Völkerbund-. delegierten Glucksiad und Avenol nach Wien kommen, ' ürw. -ie '.Kredttgrundlagtzn von.simem zupriifen,, Sie tverdeN wieder die' .BMüng.; eineß. Änfibauplanes ,.för-; dertculnd für" desseti Realisieruttg auf der 'Bürgfchast der Parteien hestehen."Sie werden 'sich, auch^ diesmal üMczu der Rolle des Diktators/bekennen w,ollen, auf bßtt-; unsere Parteien -'in / der 'Feigheit ihres Herzens WarteN. Sie kommen - aus parlamentarisch; regierten- Ländern und-wissen, daß ein Völk Lasten und Sorgen nur dann auf sich-,nimmt,:wenn es sie versteht und in ihrem Zweck billigt. Wir sindM -den KriegsjähreN durch die Schule/des AbsMtiMus gegangen und haben " das . Parlament wieder, eingesetzt,' um zu dokumentieren, daß alles, was geschieht,.durch die Vertreter des'Volkes kontrolliert werden muß Mich daß sie nichts von ihrer Pflicht entbinden kann.'.Es wird also den' Parteiführelit nichts nützen ud sie. werden. den Beamtenabbau, die Restringierung der-.Budgetausgaben, die Hebung der Produktion garantiere^ müssen. Ob sie,! /noch'' die innerliche - Kraft zur' positiven Leistung haben, ob-sie ihre Unterschrift einlösen können,.das werden siezu beweisen haben. Sie haben' deck Schober gestürzt,-jetzt nmssen sie regieren. *