Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1191 (25.5.1922)
- Date
- 1922-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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,."Vf \r<m^W':" )EinzBlnimni8rK66 %ien: Zum Äb^olen in der Expedition, lI.,Taborstr. 1-3, oder, in einerVer schleisstelle (Trafik) monatlich ,£.2100. Mit Postversand.für Wien u, Oesterreich monatl. K 2100 ^sche ch o-Slpwal^ei Mon. K 20. Ungarp:Mon, K150. Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen; Mpn, Mark 800. Deutschland:, Mon. Mark 50, Frank** l*eich: Monatlich ,‘FrcS., 6 Tschecho - sgowakftM tschech. K I t a I i e n: Monatl. 6. Lire Rumänien: - Moift 40. Lei Schweiz und das übr!; Ausland monatlich Frcs/3. Redaktion u. Administration Wien, II,, Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301.. Tel.- Adr.:,Morgenzeitung', Wien Oesterreichisches Postspaf kassen-Konto Nr. 150.693 Nr. .1191 Demission. —y. W i c Tt, 25. Mal. Der Rücktritt des Kabinetts Schober wird jetzt zur Tatsache. Der Bundeskanzler Hat dies selbst in seinem Referat über Genuavor dem Nationalratsausschuß für Aeußeres angekündigt. Den Parteien, die dem Chef der Regierung unter , den Augen des Auslandes ein Bein gestellt haben, erwächst nun die Aufgabe, die'Regierung zu übernehmen. Insbesondere werden die großdeutschen Abgeordneten tief in ihren Schatz an politischen Ideen greifen müssen, um zu beweisen, daß ihr Krieg gegen Schober außer persönlichen Motiven auch sachliche Elemente enthielt, und daß sie in der.Lage sind,, die Entwicklung Oesterreichs. von nun ab. auf die anfsteigende Linie zu überführen. Wie bekannt, sind in dieser Partei die besten Kräfte der deutschen Nation konzentriert, die, wie bekannt, auch schon bisher die österreichische Politik pnd Verwaltung .in der besten, dem Genreinwohl dienenden Weise beschwingt haben. Wie bekannt, hat diese Partei unaufhörlich für das Vertrauen zu Oesterreich gearbeitet-und den Aufbau des Staates durch Heranziehung aller positiv verwertbaren Kräfte gefördert. Es wäre, also nur recht und billig, wenn man dieser Partei zu. ihrer Selbstlosigkeit auch noch. die Möglichkeit eröffnet, im Sinne ihrer bisher bewiesenen Aufbaufähigkeit vom Sitz, der Regierung zrr" wirken. Sie hat das Kabinett Schober gestürzt, ihr gebührt nun die freie Bahn.!. 'Es ist — so scheint es — nicht so schwer, die Leitung des Staates fortzusetzen. Herr Schober hat gut vor- 'gearbeitet uEhie neue Regierung muß* das Werk daweiterführen,woer' es übergibt. DasGeneralPfand- Lecht wird suspendiert und in London wird über eine AWihe für Oesterreich verhandelt, ' die *7 der Deckung des; Defizits, der- Einstellung der Notenpresse und' der Gründung Mer.- öfterreichischerl Noteyhank dienen wird. Die internationale Bankenkonferenz, die gestern unter Anteilnahme Amerikas in Paris zusammengetreten ist, wird auch über Oesterreich sprechen und Informatonen aus Wien heranziehen, die sich auf die allgemeine Lage des Maates.- erstrecken. Es wird da vor allem die Frage gestellt, pH die. Parteien , des österreichischen- PaxlanreM -die Durchführung des Aufbauprygrammsaarantieren können, ob alle Teile derhBevölkerung von der Ueberzeugung durchdrungen sind/ . daß ihr geordnetes, in sichere Formen gebrachtes Zusammenwirken die Schwierigkeiten.wird beseitigen können, und ob alle den durch den Friedensvertragmit dem kostbaren Geschenk der^^ Unabhängigkeit ausgestatteten Staat und sein Gedeihen als Voraussetzung ihrer eigenen Wohlfahrt Nnsehen. ' ‘; Diese. Fragen sind, wie bekannt, -zu -bejahen. Die Parteien garantieren alles, was'man begehrt. Sie haben vpr einem' Iast zur Durchführung des Völkerbund- Programms . einen- Garantiescheinunterschrieben. Es ist - zwar nicht erfüllt worden. 7 Aber -därüber' setzen sich große Geister hinweg'. Sie haben für Herrn Schober eine Arbeitsgesteinschäft gebildet. Sie ist zwar rncht zur Arbeit gegangen, sondern hat in den Halbdunkeln Couloirs Ringkämpfe aüfgeführt Aber das ist für unser 7 politisches, Kraststeiertum irrelevant: Änd was' die. ÄWchten der Bevölk-erüng anbetrifft, so ist es bekannt daß jede Schichte für' sich ,den Staat ansieht-und ihre grundsätzliche Auffassung.auf dem Bestreben aufbäut,' so viel als immer möglich für sich in Sicherheit zu bringen. Die Hälfte der Einwohnerschaft ist agrarisch, betrachtet aber die Staatskasse und die Steuerkraft aller als ihr.Eigentum.. Sie selbst will nicht zustn Äeuerzahlenden Plebejern gehören. Die Arbeiterschaft, bezw., deren Führer behandeln Oesterreichs Zwergwirtschast als das Experimentierfeld für angewandten. Marxismus, die- Bureaukratie nimmt Rache für den Äntergaftg der. Monarchie^ 7 stäs 'fönst - übrig bleibt, flucht wer Zeit,- her Geschichte, den Juden, der Entente und' .allem, was eben zrw Verfügung steht. Es bliebe also nur noch die Frage/zü. beantworten, ob für die Zukunft der Wille und' die Fähigkeit' zur Selbsthilfe vorhanden ist. Mit diesen beiden Dingen scheint es, nun nicht gar so gut zu stehen. - ... 7- 7 . Voraussetzung, Bedingung.M, Mp Besserung, für Kredituiw Bstbgetreform ist die Herstellung -eines geschlossenen. Staatswistens, die Msigung aller Parteien auf ein'kartier.^tttc{§^ro.qramin^ . :äu§: den Erfahrungen von drei Fahren die. Resultate ziehst Sparsamkeit, Arbeit, Freiheit - und. strengste' Kontrolle. der Verwaltung wären die'Grundprinzipien einer. solchen Reform. Aber.-wie steht, es damit? Es wird ein Rettungspsan,kolportiert,- der' die Wichtigsten Aenderungen im Stäatsbau - im..Verordnungsweg durchführen und dem Parlament entziehen M, Mn hat mgn mit diesem ÄNen, DonnerstH» 28. Dtai 1922 4. Iahrgä«x ■A ■ : ■ ... SGobxr provisorisch mit der Führung betraut. Die Regierung Schaber Hai gestern mit Rücksicht auf die Abstimmung übe« düs Kredttermächtignngs.qeseß dem Bundespräsidenten Estnisch die Gesamtdemission überreicht. 7 ' - Der sBUndeskanzler Dr. Schober wurde bis zur Bildung einer neucn Regienchg provisorisch mit der Führung der Gekäste betraut. Wie Schober von den Christlichsozialen behandelt wurde. > Int Ausschuß für Aeutzexes gab gestern Bundeskanzler' S ch o b e x zuerst eine .umfassende Darstellung seiner Tätigkeit in Genua und erklärte schließlich an die Adresse des Herrn Dr. S e i p e l und der Gro tzdeutschen: In meiner Abwesenheit ist es. zu einer Abstimnrung im Finanz- und Budgetausschutz gekommen, in der die Kreditermächtigungsvorlage der .Bundesregierung abgelehnt wurde.-Wenngleich mich nun die bei dieser Verhandlung zutage getretenen Beschwerden nur insoweit belasten können, als sie sich gegen die Amtsführung eines Mitgliedes des Kabinetts, an dessen Spitze ich.siehe, richten und ch! daher aus der Ablehnung einer am'Tage meiner provisorischen Uebernahme des Finanzressorts bereits fertiggestellten Gesetzesvorlage persönliche Konsequenzen zu ziehen an sich nichtbemiißigtwiire, so muß ich doch , den politischen Hintergrund dieser Abstimmntzg.Poll ins KallKi'zieyetz. " 7^/fV - . Ich bemerke, daß'ich. auf-dek Rückreise aus Genua -in Udine aus Zeitungsüachrichteü vpNt Stürze der Regierung- Schober las und mich hierbei Nür gefreut habe, daß die Verbindung Wischen Wien und Genua nicht so vorzüglich funktioniert wie die Berichterstattung der österreichische Delegation in Genua für die Wiener Oeffentlichkeit übet den Verlauf des Kongresses. Denn sonst hatte es mir Passieren können, daß ich just in dem Augenblick,'in dem ich mit bewegten Worten als Sachwalter Oesterreichs und . seiner Note in Genua ausgetreten bin, von einem besser informierten Staatsmann^ des Auslandes verständigt worden wäre, daß ich moralisch nicht mehr berechtigt bin, hier im Namen Oesterreichs zu sprechen« Diese R ü ck sich 1slosigkeit glaube ich nicht verdient zu haben. Da ich dieses Amt vor elf,Monaten nach zweimaliger Ablehnung früherer Berufungen nur übernommen habe,- weil mir versichert wurde, eine Einigung der bürgerlichen Parteien wäre nur möglich, wenn ichmichzur Verfügung stelle, so war für mich bereits am 26. Jänner, als mir eine von mir sehr beachtete Gruppe dieser Parteien, die mich gewählt hatten, durch ihre Abstimmung ihv Vertrauen entzogen hat, der Anlaß gegeben, die Bürde eines österreichischen Bundeskanzlers abzulegen. Ich habe dies auch getan. Nur auf dringenden Wunsch der christlichsozialen Partei, deren Führer mir die Pflicht meines Verbleibens an der Spitze der Regierung; im damaligen Augenblick bitterster Not vorgestellt haben, und der Wunsch der Deutschen Bauernpartes, die wich nie im Stiche gelassen hat, haben mich veranlaßt, meine Zustimmung zu der am 27.. Jänner erfolgten Wiederwahl zugebey.Jch würde den hohen Ausschuß mst diesen-meinen wenigH ' Beme^rmsienmicht b.elMgstWW^HLtteM4ttymdEst^rst anderes Parlaureütaxisches' Forüm.^ -Ich werde auch das. weitere, was ich in diesem Pünkte noch zu sagen habe, einer späteren parlamentarischen oder außerparlamentarischem Gelegenheit Vorbehalten. Die Pariser Konferenzen über die deutsche AutzenanMhe. * - Paris, 24. Mai. (Havas.) Der von der- Reparatiönskommisiion ins Leben gerufene' Ausschuß 'zur- Prüfung der Verwirklichung einer Deutschen Außenanleihe ist unter dem Vorsitz Deläeroix' zusammengetreten. Bekanntlich sind die anderen Mitglieder dieses Ausschusses, d'A me gl i o für' Italien, Sergent für Frankreich, Sir Robert Kinde r sl e h. für England, S e k ibä für Japqn und B e r gmann für Deutschland. Außerdem werden die von der Neparatiovskommission. bezeichüeten Finanzleute den Beratungen des Ausschusses beiwohnen, nämlich John Pierpont Morgaü für die Bereinigten Staaten und Vissering für Holland. ' . ' Nach den ersten Meldungen über die Vormittagssitzung, die um halb 1 Uhr nachmittags noch nicht zu Ende War, ist 7diese Sitzung nur dem ersten Meinungsaustausch mtd der Organistttiön der Arbeiten'des Komitees gewidmet gewesen, das zweifellos im Laufe des Nachmittags eine zweite Sitzung Äbhalten wird. .' ' , Paris, 24.• Mai. (Tel.-Konrp.) Der „Petit Parisien^schreibt zu den Verhandlungen über die Reparationsanleihe, daß der volle Betrag dieser Anleihe der Reparationskommission ausbezählt werden müsse und von den Reparationen abgezogen werden könne. Deutschland hätte nur die Bezahlung der Zinsen zu besorgen. Nach , denvorliegenden Meldungen.sei vorauszusehen, daß Holland und die. Schtyeiz.der . Anleihe eine gute Aufnahme bereiten svürden, da diese Länder große Markkäufe getätigt haben. Man beschäftigt sich auch mit der Frage, inwieweit die südamerikanischen Banken die Anleihe unterstützen könnten. , * Regierungskrise in Deutschland - Berlin, 24. Mai. (Intel.) Die Dena will aus gut» unterrichteter Parlamentarischer Quelle erfahren haben, .daß in der deutschen Regierung vor zwei Tagen eine Krise aus-, gebrochen sei. Diese habe gestern abends eine vorläufige' Lösung dadurch erfahren^ daß Wirth seinen Rücktritt bis zur Berichterstattung durch den Reichssinanzmstnster Her-. Mes verschoben habe. Zwischen Wirth und Hermes seiest große Differenzen entstanden. Das italitnisch-russische Handelsabkomme« ««terzetchvet. Genua- 24. Mai. (Stefan:.) Heute ist das italienisch russische Handelsabkommen unterzeichnet worden. Eine neue Konferenz der balttscheu Staaten? Warschau, 25. Mar. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In hiesigen diplomatischen'Kreisen verlautet, daß in der . ersten Hälfte Juni in Warschau eine neue Konferenz der b a l t i s ch e n Staate n stattfinden soll. Für de« Auschlutz OstgaUziens. Warschau, 24. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".)' Heute ist nach Warschau eine Delegation des Bundes dep Verteidiger von Lewberg ersDienen, um beim Staatschef, dem Sejmmarschall, dem Mimsterpräsidenten und den ein^ zelnen Klubvorsitzenden den Anschluß Ostgaliziens a n P o l e n zu verlangen. .. - - . Mtronalrat keine guten. Erfahrungen gemacht. Er gleicht dem Ertrinkenden, der, statt zu schwimmen, immer^ nur schreit, er sei lebensunfähig. Der Nationalrat ist schlecht, also wähle man einey neuen. Ueberläßt man aber den Staat einem, nquen § 14, so spielt mqn düs SchWal und das Vernrögen von Millionen wieder - ist hie Häirdeder/Buxeäukratie/, die sich von der. Mentalität. des 1 KriegsüberwachustgsMtes näch nicht.freigemastt^häL und dies änch' gav. nicht will. Die pärla- - inentstrisch kontrolliertest Kreditstaaten würden^ ein System,' dessen Grundlage die Judikatur des Wiener Verwältungsgerichtshofes bildet, kaum für tragfähig in ihrem Sinne ansehen, . '7 ' Die. österreichische.Staats-, und Wirtschaftskrise ist als. Folge.des Weltkrieges.7 keine, spezifisch österreichische KranrheiL. Auch gesünder organisierte Staaten leiden unter den. Krämpfen dieses FriedeNszustandes. Aber die Mittel, die sie zur Heilunst ihrer inneren Schäden , ergreiM,- sindWeM die al^ichest. die.sich auf dst einfach» Formel des Sparens und Arbeitens komprimierest lassen. Oesterreich müßte sinngemäß kopieren. Aber kein Staat hat von. der Autorität, von der starken Hand, von der gewaltsamen Löstmg innerer Probleme sein Heil erwartet und selbst das imperialistische Frankreich schreckt vor einer Isolierung zurück. In Oesterreich besteht eine tiefe' Sehnsucht nach der Militärherrschaft, die'der Monarchie (das .Grab gegraben ' hat, und nach einer starken . Hand, einest Begriff, unter, dem sich niemand etwas Rechtes.vorstellen kann, weil mgn auch die landesübliche, Milderung -durch die Schlantperei cinkalkuliereN nurß. Mer' da etwas geschehen iuuß, geschieht überhaupt nichts. Lediglich Herr Schober muß zurücktreten,- weil er den Schützengraben der Isolierung überwunden hat und weil die große Gefahr bestand.-' daß er, Gott.behüte, das Progranun des Sp.-rcns,..deZ Arbeitens und des Selbstvertrauens in Angriff nahm. Das darf nicht sein.