Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1187 (21.5.1922)
- Date
- 1922-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980267--11155-2997580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Einzelnummer k-W *C .V:, . ‘ Wi/Bft':vZuitfÄbhölfeft in'der ".A * r;’v f ' j A..' 1 -\ > i'1 -'V i'; S''v".' , t/;V /'■ ■; i ^,' 1 -Ä L' 'M'-4 Er-'j J:,■(*¥''•'$ ’-'• *'£••;!* -j^H!;> .■,i:üj;/'t;: $ -.;V;V,t w, vfv ,>;/»’ Expedition, 13, ,T nborstr. 1 -3, oder in einer Verachleisatelle (Trafik) monatlich K 1700 Mit Postversand für Wien n. Oesterreich monatl. K1700 Tg c h e c ho-S1 o wa k ei Mon. K20. Ungarn: Mo». K£150i Jü g o s 1 awe h: Mon, Dinar 25. Holen:, Mon, Mgrk 700. ueutschland: %n. Mark; 45. J F r a n kr s i e h : Monatlich Frca. 6 TscnQe^o-si9waK«i t . tschec^u 'v: i t a I i e n: Mdns.il, 6. Ljro Ru m snicn: Moti. 40.# Ldi Schweiz und das übrige .Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19* ab 6 Uhr abends 16-301; Tel.-Adr.: ,Morgenzeituqg‘, . Wien , V Oesterreichisches Postsparj kassen-Konto Nr. 150.693 Sk. 1187 WK«j Sonntag, 21. Mai 1822 4. Jahrgang Die Slefuttote non ■;* —y. Wien. §1. Mai. In her gerührten ALschiedsstimmung der nun beendeten Genueser. Konferenz zog deren Vorsitzender, der sLalienffche,' MftiperprLsident.;Sie.''Bilayz:- kostbare Beschlüsse, doch nur von theoretischem Wert, wenn nicht die Herstellung des LWöMschen'-WWchastovgartismus'' gir-. lingt. Das heißt in die Sprache der ' gewöhnlichen Sterblichen übersetzt,- die Konferenz habe nur halbe Arbeit geleistet. Änd es geht wie emAufatmen der Befriedigung durch alle die Kreise, die nicht an den Frieden glauben, weil sie.die Stärke der'von ihnen erzeugten Hindernisse kennen.. Es ist eine Freude wie im Jahre 1,914, als es endlich, endlich gelang,- den Sichelwagen des Kriegsgötzen in ^Bewegung zn bringen. Die deutschen und . die französischen Kriegshetzer, die Organe der Sowjetregierung die Lenin leitet und Brussilow schützt —, die Blätter der englischen Opposition, sie alle sind einnmtig: haben wir's nicht gleich gesägt? Der freudige Hohn aller Hinterländler hat in Lloyd George ein dankbares. Objekt für seinen billigen Witz gefunden, für, diesen Schwärmer, der einen zehnjährigen Burg-, frieden hat durchsetzen wollen, für den heillosen Idealisten an der Spitze einer den Frieden und die Versöhnung anstrebenden Regierung, die sogar — am Öuar d'Orsay und im Vatikan knirscht Man vor Zorn -7den Juden ein Heim schaffen will, Pie mit dem von Bischöfen verhetzten Irland,mit dem von gallischen Agenten bearbeiteten Aegypten einen Äusgleich versucht. Alles lacht und jubelt und meint, Lloyd George verlasse als GeWagenerdasFelp und Mn könne weiter gemordÄ, ' geschossen, annektiert und sanktioniert werden. Man verE mn" düs deiner daß Lloyd George ein Volk vertritt, in welchem die Entwicklung so weit, hält, daß der Kamps um den Frieden^. bereitsWahl- Mqmyl. WeyigMHe rm?Hochß»wner MÄWWkWM'SekWt...Jn-Myn-Staat sanhM M- . nM?M MMve der^KaMMe ipürpm,')wMn |p;|te zujjffiüm.Hy-^ KurtEisner hutÄtzs gewagt'«ud" wchebtz-daM «munchet und jeH von eftrery Muntrer Gericht nach dem Tode durch .BsiMitvung; wie groß und rnachttg ÄHeMworüng gegen, Arbeit und Leben war. Sicherlich sind die Stacheldrahtzieher' dieser Mordpolitik nicht besiegt worden und geben ihr Werk nicht verloren. Die Notwendigkeit, mit ihnen auszüräumen, ist rroch nicht ti^ genug in das BewuMin der Masten gedrungen. Die WÄreusverträge, die . .von den SiegsriMorn der Entente konzipiert und diktiert wurden, lasten die Völker nicht zur klaren Erkenntnis kommen und verschleiern durch ihren sortwirkenden Appell an Haß und Rache das gesunde Urteil der Menschen. Die Internationale der Arbeit konnte gesprengt werden; die Internationale der Schlachseldhyänen blüht und sammelt. Triumphe. Trotzdem aber hat die Konferenz von Genua stattgesunden. Sie hat halbe Arbeit geleistet,, aber immerhin gearbeitet. Sie hat das deutsch-russische Einvernehmen gebracht, gewissermaßen .den Bund der Insolventen,, die durch ihre Vereinbarung den Weltsiegern bedeuten, daß auch ihre Macht Grenzen hat und, daß die Tendenz zur Errichtung des europäischen Gleichgewichtes' auch/ auf der anderen Seite ihre Wirkungen üben kann, Die Konferenz hat weiters die Gleichberechtigung Rußlands ausgesprochen und durchgeführt und' damit wohl für geraume Zeit die Aera der Interventionen abgeschlossen,' Wenn heute wieder ein Wrangel oder Petljura mit Pariser .Anterstützuttg''. 'einen' Mochzugunternimmt, sy wird man wissen, daß Frankreich die Rolle des Metternichschen Gendarmen einstudiert und' sich mit dem Abscheu der Welt belasten will. Als drittes Resultat kann man die Lockerung der großen Entente, die Selbständigkeit der mitteleuropäischen /Kleinstaaten und die - Suspendierung der; österreichischen Aktivenpfändnng büchen. Faßt man diese Ergebnisse zusammen, so erkennt mandoch einen Fortschritt in der europäischen Politik, die Bewnßtwerdung einer sittlichen und kulturellen Gemeinschaft, die sich in dem Beschluß der' Fortsetzung der Debatte im Haag und in der 'einstimmigen' Einberufung einer Konferenz der Wirtschafts- Praktiker, der europäischen Notenbanken kundtut. Bielleich werden /auch diese Konferenzen nur halbe Arbeit leisten, aber fie_ sind Teilstrecken der Beftejüngsärbeit, die, von EnglaÄ ausgehend,, dem Kontinent-den Frieden bringen will. Man wird zu einem neuen Völkerrecht und/zu einer 'neuen WeftorqänMiön .gelangen, deren Statuten' aus den Konferenzen" trotz des Spottes der Die Londoner BerhandluAgen. Generalrat Dt. R o s e n b e r g ist gestern in Wien eingetroffen. Er hat eine Pause in den Londoner Beratungen, die durch die Abreise /dis Chefs des Bankhauses Morgan' nach Paris zu der» Verhandlungen über die int eien ational.e Anleih-e für Deutschland, entstanden ist, zu seiner Fahrt nach Wien benützt. Heute wird er dem Kanzler über den Stand der Londoner Kreditverhandlnngen, die er als s ehr g ü y st i g bezeichnet und die sich bereits auf die Bestimmung des Zinssutzes erstrecken, referieren. Am Mittwoch dürfte er wieder nach London fahren, zu welcher Zeit auch Herr Morgan schon dort anwesend sein wird. Eine Vorlage an die serbische Shnpschtina. Was die Stellung Jugoslawiens zum Generalpfandrecht betrifft, so erfahren wir, daß_ Minister Nineie Herrn Schober die Znsagt gegeben hat, die bezügliche Vovr läge in kürzester Frist der Skttpschtina zugehM zn lassen. , Der Bericht des Bundeskanzlers. Nach den hier eingetroffenen J.N f y r m gt i onett ans Genua, die,gestern m parlamentarischen Kreisen vielbesprochen wurden, wird der Bundeskanzler am Dienstag im Ausschuß des Nationalrates nicht nur über die. prinzipiell erledigte Frage der G e n e r a l p f a n d r e ch t § berichten, sondern auch Mitteilungen über die Fortschritte in den K r e d i t v e r h a n d l u n g e n machen. I t a l i e ft stellt Oesterreich einen Vorschuß ans den in Aussicht genommenen Kredit von 75 Prozent der Gesamtsumme zur Verfügung und wird diesen Betrag in den ersten Tage« der nächsten Woche überweisen. Von der T s ch e ch o- Slowakei liegt die prinzipielle Zusage aüf ErhpE h u ng d e s K r e d i t s aus das Doppelte vor, das ist von 60Ü auf 1000 Millionem tschecho-flowakische Kronen? ein Wal-» Balsour — Lloyd Georges Nachfolger? London, 20. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung"). - In politischen. Kreisen verlautet, daß Lloyd George sich auf längere ' Zeit vom politischen. Leben zurückziehen will. In diesem Falle würden im Herbst Neuwahlen stattfinden, bei besten di Konservativen den Sieg davontragen dürften. Als Kandidat für den Premierposten im künftigen' Kabinett wird^Hä bf o u genannt.. . London, 20. MaistWolsf.) Aus der Konsernz des natio- M-liberälen Klubs, hielt A s^q u i L h. vyr''etM 306l)' Zu- ■ ' Hörern eiste.Hede^'Äorin m bie 'MMtioWeegrerung.Wld^ ‘ Lloyd Georges Hemte^r Kdnse^yHo^^sHaA ungriff, ' Bnenos Aires, 17. Mai. ZusaUMenhang mit' der Frage der RaüsizÄMg des Palästinäwandales Und mit der wichtigen Rolleder lateinischen Repuhliken SüdamÄckas^M breser Frage Msandta die zkickistische OrganisaÜon- Argentiniens eine Abordnung zum Staatspräsidenten M.. J.rgoy en. Im Verlaufe der Unterredung gab der Präsident seiner- Sympathie mit den zionistischen Bestrebungen Ausdruck und versprach seine u nb:e.f-H-rÄ yck't'e -. Änterstützuug der schleunigen ' Ratifizierung des Palästinamandates. (Im Bolkerbundrat ist gegenwärtig Südamerika durch den Vertreter Brasiliens vertreten). Iüdisch-arsbische ZusaMMeNarbLit. Jerusalem, 19. Mai. (I. C. B.) Die jüdische Ar- Leitergenossenschast erhielt auf ihre an den Arbeitsrontrollor gerichtete Bitte, für die mohamracbanischen Eisenbah nbe dienst eien während der Dauernder Rmnadan-Feiertage die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren, den.Bescheid, daß der Generaldirektor der palästinensischen Eisenbahnen eingewilligt hat, hie Arbeitszeit für diese Angestellten Während des Ramadan auf fünf Stunden täglich zu reduzieren, soweit der Verkehr hierdurch keine Störungen erleiden würde. v Auf die Nachricht, daß der jüdische „Hadassa"-Arzt Dr. Gary -Safed verlassen soll, richteten die christlichen Arbeiter dieser Stadt an .die Herren Ussischkin und Dr. Rubinow . ein Schreiben, in welchem sie im Namen aller Christen ersuchen, Dr. Gary aus seinem Posten zn belasten. Der Brief ist rmterfertigt vom' christlichen Haupt der Gemeinde-und einer Anzahl arabischer Notabeln. Die Fremdenrechte irr Aegypten. London, 19. Mai (I. C. B.) Einer Reutermeldung zufolge hat das äegypsische Berfassungskomitee den Grundsatz angenommen, daß jder, der « Aegypten geboren und fünfzchn Jahre ununterbrochen rm Lande gewöhnt Hatz An-' spruch aus die ägypttsche Staatsangehörigkeit hat. Ueber die Fräge des aktiven und Passiven Wahlrechtes der Fremden Ivaren die Stimtnen des Komitees geteilt. Die Majorität war für das StsmMrecht der Fremden, jedoch mit emer . für jede Nationalität beschränkten Vertretung, im Parlament, Die Entscheidung dieser Fratze wurde schließlich dem; Plenum' Vorbehalten. . . : Ei« Ueberfall auf Witos. Aus Pos e n wird uns berichtet: Vor einigen Tagett fünd hier die Parteikonferenz i dev HÄmschen'-Bolkspartei> (Witos-GruPpe) - statt, - an der Lme AmoÄ - varr Deleamrten teilnabm. Kox dem Saäle der. Konferenz sammelte sich eine größere Menschenmenge an, die Tafeln mit sylqenderr Anschriften trug: „Was machen bei uns die Kierniks und die, Bardels" (zwei Abgeordnete, gegen die,; wie seinerzeit ' gemeldet, der Vorwurf per Ansteckung erhoben wurde. Anmerkung der' Redaktion) nnd ähnliche Aufschriste'n,. die kriminelle Vorwürfe gegen die Witos-Gruppe ent-, hielten. Als am Ltachmittag Witos auf den Straßen von Posen-erschien, wurde er' von einer großen Meyschen- ' rneng^ üch e..r-ha.l'beM'' und'/ mnßte-W in ein ncche-- gelegenes Restaurant s bücht e n. Als .Wftps mit - einen! Autv Hurch die Straßen von. Posen subr, svrang ^plötz-' lich'Mf-das, TMLreft^.ssAss.<:AÄM-.- ein McnM>7där Witos mft einvm Etv.ck -bearbeitete.! Die um chasMito .tzeMmMett^^Menschenmenge bewarf ^hn." mit.Steinen. * Erst die Intervention der Polizei machte 'd.en Exzessen ein Ende. ■;j Die vftgMzische Frage. London, 20. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Wie die Telegraphenätzentur Polpres meldet, richtete der Metropolit Szepthcki an Lloyd George ein Schreiben, in dem er aus die Wichtigkeit, der o stgä11ztschen Frage Und aus die im Falle einer den Wünschen der Bevölkerung widerMechenden Lösung mögliche Bedrohung des europäischen Wriedens in Osteuropa Hinwerst. Der Brief soll aus Lloyd George einen starken Eindruck gemacht haben. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß Lloyd George mit Nachdruck die Behandlung der ostgalizische^n Frage in Genua ver-; langt hat. - Warschau, 19. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die polnische S o"z i a l d e m o kr a t j e hat ihren Standpunkt betreffs, der Autonomie für Ostgalizien endlich sestgelegt. In der letzten Sitzung , des Zenträlrates wurde beschlossen, daß man das. Autonomieprojekt nicht dem Sejm vorlege, jedoch den Wunsch äußern solle, daß die Regierung ein solches Projekt dem Sejm als R e g i e r u n g"s v o r s ch l a g i'lbermittle. Es wurdeauch beschlössen, in einer , der nächsten Sejmsitzungen einen D r in glich keit santrag einzubringen, in der. die Regierung 'ausgefordert wird, in kürzester Zeit ein Projekt über die Organisierung und Verwaltung jenes Teiles ' von» Galizien, der von einer ukrö.itttJchen B evölkerung bewohnt wird, einzubrintzen. Als' Grundlage des Projektes soll die Schaffung eines autonomen Territ oriums mit einem eigenen Sejnr und einer ihm 'verantwortlichen - Landesregierung dienön. Ebenso soll in dem Projekt die Entwicklungss.reiheit der übrigen, dieses Gebiet bewohnenden B e v o l k e r u n g sichergestellt werden. Ein neuer Komet entdeckt. Heid e l b e r g, 20. Mai. Die Universttätsfternwarts gibt bekannt, daß Prost Engel einen neuen Komet entdeckt hat, der sich in den Zwillingen und nordwärts gegen das Sternbild des Krebses bewegt. Der Komet sei derzeit noch sehr schwach zu sehen. Aufst«nd in Georgien. Konstantinopel, 20. Mai. (Tel.-Komp.) In Georgien ist nach hier eingetroffenen Meldungen ein Aufstand aus- . gebrochen. Zu den schwersten Kämpfen kam es in Ba tum. ESsind-zahlreiche Tote zü verzeichnen, der btzi'chM KäWpien anaerichtete SaLickade ist iär bedentend»