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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-17 · Heft 1183 (17.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1183 (17.5.1922)
Date
1922-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer kbo Wien: Ziiiti Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 1700 Mit Pöstversand für Wie» u. Oesterreich monatl. K1700 Tsche ch o-S l o w akei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 700; Deutschland: Mon. Mark *45. F rankr e i c h: Monatlich Pres. 6 Tschttcho - Slowakei i tschech. Kl ItaHen: Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40;. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19» ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: »Morgenzeitung4, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 MH Nr. 1183 Wien, Mittwoch, 17. Mai 1922 4. Jahrgang Das Warten auf das Ausland. ~y. W i en, 17. Mai. Nach den Äepßerungen, die der Bundeskanzler Schober vor seiner letzten Abreise, nach Genua gemacht hat, ist die internationale Sanierungsqktjon über die einleitenden Schritte hinausgediehen, Frankreich und Italien haben die rascheste parlamentarische Erledigung der Kreditvorlagen zugesagt, die Londoner Verhandlungen über eine Anleihe haben die erhofften Resultate in ein günstiges Stadium gebracht, so daß man sogar von einem 10 Millonen Pfund-Kredit sprechenkann, d'e Tschecho-Slowakei will einen neuerlichen Vorschuß gewähren, die Rückstellung der Pfandrechte ist auf gutem Wege. Trotz dieser hoffnungsvollen Aussichten ist die Situation Oesterreichs durchaus trübe. Die Kredite tröpfeln in langsamem Tempo und sie kon'mcn imimr zu spät, um ihren Zweck, den durchgreifenden Umbau des Staatshaushaltes, zn erreichen. Der englische Pfundkredit, der bereits in die österreichischen Kassen geflossen ist, hat eben nur erreicht, daß eine noch ärgere Zerstörung der Wirtschaft vermieden werden konnte. Die ausländischen Zahlungsmittel halten sich in katastrophaler Höhe, der Banknotenumlauf ist schon an 400 Milliarden gekommen, die Ueberwertung der Sachgüter - hat ein Wahnsinnstempo , eingeschlagen. Das Kreditermächtigu ngsgesetz bedroht uns mit einer neuerlichere Papierwelle von 120 Milliarden, 70 Milliarden verlangen die. Beamten, Und es besteht werüg Aussicht oiuf ein Abflauen der Jndustriekrise, von der die österreichische Wirtschaft befallen ist. Der Bundeskanzler hat diese tristen Erscheinungen auf den inneren Mangel an Vertrauen zurückgeführt nttb zur Unterstreichung der Kontrastwirkung auf die freundlichere Haltung des >Auslandes .hingewiesen. Aber diese günstige Stimmung garantiertuns heute Geheimnis., daß die Situation der. Regierung-äußerte dentlich, gefährdet ist. .und daß die so noiwendlge' Arbeitsgemeinschaft der Parteien des Nationalrates an dein Einspruch der Großdeutscherl 'gegen den Kanzler scheitert, der ihrren.durch sein Festhalten andern österreichischen Kurs mißliebig geworden ist und dafür bestraft werden.soll. .Die Vereinsamung der Regierung übt ihre Wirkung.auf die in- und ausländischen Kreise, bic dem so lächerlichen und leeren Getriebe unserer Politik fernestehen und nicht wissen, daß die Parteien in der breiten Masse überhaupt keinen Kredit mehr besitzen. Das' Mißtrauensvotum gegerr den Finanzminisler, das merkwürdigerweise vom. Plenum des Nationatrütes nicht besprochen, nicht bestätigt wurde, hat die Bevölkerung gleichmütig zur Kenntnis genommen, nicht etwa aus Feindschaft gegen Giirtler, sondern aus Interesselositfteit gegen, das Zerrbild dieses Parlantents. - Eine auffrischende Wirkung wäre m d>"' letzten Zeit von den Perhandlungeu der Regierung mit , den Beamten zu erwarten gewesen. Es ist im Verlaufe dieser Besprechungen manches Zeichetr einer BesinNmlg zutage getreten, und die Beamten, die det' Nebel ihrer .Hypertrophie am eigenen Leib, vielleicht sogar stärker als andere Stände, empfinden, haben sich dem Abbauprobiern gegenüber, nicht zrirückhaltend' gezeigt. Aber die Parteien tun-weiter so, als ob sie diese Frage, die das Mark des Staates verzehrt, nichts anginge. In jedem halbwegs vernünftigen Staat hättetc Parteien sofort die Gelegenheit wahrgenommen, entweder mit der Regierung oder mit den Beamten oder mit beiden zusatnt n>n über den Abbau zu sprechen, tun ein rasches und leichtes Abwim ltk der Angelegenheit zu sichern. Aber die Christlichsozialen und die Sozialde'.iwlcaiea »inb desinterestierr, - tu Du Grotzwil der Beamtenschaft nicht zn ihrer Gefolgschaft gehört, die Großdentschen sehen in ihrer durch kleinliche Bosheit verschärften Unfähigkeit zu, wie der 'Krebs weiter frißt. Keine Partei will zugestehen, daß sich arr dieser Frage dir Kran der gesamten' Bevölkerung verblutet. Die Parteien scheinen sämtlich der .Hoffnung ßit leben, daß sich vielleicht eines Tages die Kredltstaaten zu einer ultiinativen Note entschließen, in der unter Garantie der Parteien der'Abbau, in kürzester Frist gefordert wird.. Einen solchen Druck würden alle diese Parteien begrüßen, weil er sie.der Notwendigkeit des eigenen Denkens entheben würde. Das Parlament hat sich, angewöhnt, das taleitlojc Abwarten m ein gewisses System^ zu bringen und überläßt dre Ordnung der öffentlichen Probleme der Regierung, den' Standesörganisationeu, den Gewerkschaften, kurz', jedem, der die unheimliche Teuerung zn einer furchtbaren Gefahr anwachsen,sieht nnd sie erkennt. Im K,.tionülrat gl jÄ nie etwas ÄMull h£ Amerikas im Haag. Washington, 16. Mai. Mvas.) In der Antwort der amerikanischen Regierung auf die vom amerikanischen Botschafter in Rom Child übermittelte Einladung der Alliierten, an der Konferenz im Haag teilzunehmen, wird erklärt, obwohl die Vereinigten , Staqten wünschen, bei dem wirtschaftliches Wiederaufbau Rußlands behilflich zu sein, halte matz es für unmöglich, in fruchtbarer Weise a n d e j: Konferenz im H a a g t e i l z u n e h m e n, die das Schicksal erwarte, in Anbetracht der von den Russen iyf. Memorandum vom 11. Mai eingenommenen Haltung M dieselben Schwierigkeiten zu stoßen wie jene von Genna. Die Antwort betont die Notwendigkeit für Rußand, sMbst die/ wesentlichen Vorbedingungen für seinen wirts ich a f t l i ch e n W i e der au f b an vo r z u b e r i i t c tt, ohne den die Schaffung einer ernsten Grundlage für Kredite nymöglich sei, f G e n n a, 16. Mai. Die amerikanische Note hat in allen Kreisen der Konferenz g-ro^e/ Enttäuschung hervorgerufen. Es ist anzunehmendaß auch der Botschafter der Vereinigten Staaten Child eine günstigere Antwort erwartete. Von englischer Seite wird erklärt: Es ist nicht zu leugnen, daß dize amerikanische Note eine hös» liche Ablehnung bedeutet. Gleichwohl läßt der Schlutzabsatz die Türe offen und verlangt geradezu neue Erklärungen, die vielleicht neue Entschließungen ermöglichen. Die Nöte zerfällt deutlich in drei Teile. Der erste Teil spricht die Bereitwilligkeit aus, dem russischen Volke in seinerBedrängnis zu helfen, der Hefte Teil rügt die scharfe Haltung der Sowjetregierung« der dritte Teil aber verlangt neue« deutlichere Vorschläge. Eine Antwort ist also geboten« ^yb^'dte.'.'geivimMW^MMmnge« werden im Namen der Konferenz von Geüüa ehestens nach Uer^Uortlaut der Note. 4 Wüua,tz16. Mai,- Heute stzüh hak deramerikanische Botschafter Child dem■ Präsidenten Faeta eine Note über- 'geben, Me die Antwort der amerikanischen Regierung auf die Einladung arr die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der Expertenkonfercnz im Haag enthält. Die Note , hat folgenden Wortlaut: v „Die Vereinigten 'Staten haben aufmerksam die Einladung -geprüft, die ihnen vom Präsidenten der Konferenz bon Genuas übermittelt worden ist, mit der Bekanntgabe der Bedingungen,-welche-in dem Schriftstück der einladenden Mächte dargelegt. sind. In diesem Schreiben bitten die'Mächte, sich mit..ihnen zu vereinigen, und an der beabsichtigten Tagung der Komission teilzunehmen, die am 15. Juni im' Haag zusammentreten soll. Die Regierung hegt den lebhaftesten Wunsch, aus . die praktischeste Art an ' der Prüfung der wirtschaftlichen Zustände, in Rußland teilzunehmen, und wünscht überdies, die 'tiefe Freundschaft zum Ausdruck zu bringen, die das Volk der Vereinigten Staaten für das russische Volk hegt. Sie betont das lebhafte Interesse für alle Maßnahmen, die sich ans die Wiederherstellung des wirtschaftlichen. Lebens in Rußland beziehen und die Rückkehr zu jener - Wohlfahrt', verbürgen, auf die die Fähigkeiten lind die Hilfsmittel Rußlands Anspruch haben. Das amerikanische Volk hat klare und deutliche Beweise seiner uneigennützigen Beihilfe zur wirtschaftlichen VZiedcraufrichtung Rußlands. gegeben, und die Regierung der Vereinigten Staaten ist weit davon entfernt, sich die Gelegenheit entgehen zu lassest, Hilfe, zn bringend Die Regierung der Vereinigten Staaten. hält es jedoch für. u n mögl ich, ich re Teilnahme an der'Verhandlung im .Haag für nützlich zn erachten, da ihr die Experten verein i> gung als. eine Fortsetzung der Konferenz von Gen na' un ter einem and e r e n N a m e n e r s ch e i nt, und weil, sie dabei denselben. Schwierigkeiten begegnen dürste, wcnn die von «bett Russen im 'Memorandunr vonr 11. Mai an den Tag gelegte Haltung nicht geändert wrd. Die wichtigste und letzte. Frage scheint jene der Wiederausrichtnng der russischen .Prodnknon zu sein. Die wesentlichen Voraussetzungen dieser Wiederherstellung sind erst zu schaffen, und müssen nach der Minx'der. Dinge in Rußland'selbst , gesucht und gesunden werden. Nachdenr die am' e r i k a n i s ch e R e ä i er n n g BerEäuchis ünternommelr worden; im Gegenteil, dort geschtebt alles,' um das Dogma von der Lebensunfähiqkeit des StaatesAinnwr ' tiefer zn -verankern - und die - Tendenz zur- Ablehnnnq des - österreichischen Geldes zu ' erstarken. Das altvsterreichisch> Mfttel des -Pröpisornlnts. dässchließlich -zum' Desimtivnm -wird, ist beide- > hakie.'. "wordene ' Ans der 'SWsthW - macht man das - Warten-'/auf-die Kredite,i aus - den schweren Finanz-, Problemen eine sekllndäre Abstimmunassache in einem - diese Voraussetzung für verständlich und klaA gehalren hat, ist sie immer bereit'gewesen, sich mir - den Regierungen zu' vereinigen, um eine Expertenkommission zu entsenden, die'die wirtschaftliche Lage in Rußland und die nötigen Hilssckittel studieren soll. Diese Kommission müßte-sich im. gleichen Maße mit den Wirtschaft-, lichen Erfordernissen für die Wiederaufrichtung der russischen Produktion befassen, ohne die eine wirkliche Grundlage für die Gewährung von Krediten nicht vorhanden wäre. Es ist noch nötig,, hinzuznfügen, daß unsere Regierung geneigtist, ernstlich jede Erwägung in Betracht zn ziehen, die von. der Konferenz von Genua oder von irgendeiner Konferenz herstammt, aber sie vermißt in den gegenwärtigen Vorschlägen, die offenkundig eine Antwort aus.das russische Memorandum vom 11. Mai darstellen, nach der ihr mitgeteilten Fassung jene Präzision, die es ihr ermöglichen würde, zu dem vorgeschlägenen Plan ihre Zustimmung zu geben." Die Ueberreichung der amerikanischen Note machte in Genua großen Eindruck. In italienischen öffiziellen Kreisen er- ' blickt man darin' keine Weigerung Amerikas, sondern einen Versuch, Zeitz zu-gewinnen, um die Vorschläge, der Konferenz zu modifizieren. Tatsächlich bedeutet der Vorschlag, eine Untersuchungskommission nach Rußland zu entsenden, gegenüber den gestrigen Beschlüssen der Mächte in Genua eine bedeutende Abänderung. r Sofort nach de- Ueberreichung der Note trat Schanzer mit dem Präsidenten Facta und Lloyd George sowie dem amerikanischen Botschafter'Child zu einer Beratung zusammen. Cs wurde beschlossen, in Washington Aufklärungen zu verlangen, Das SchlußprograMM dev Konferenz. Zurückstellung'der ostgalizifchen und litauischen Frgge. Men u a, 16. Mai. Uw 5 Uhr nachmittags fand eine Sitzung der eMadentzen Mächte statt, um dM Programm dpr Mttrr Tage sestzlistcllen.' Zn deqr erste» Punkt dev Tagesordnung: .«,G st g a l i z i e n s ,» md Litauens", erklärte Llohl» George, er sei noch immer der Ansicht« daß diese Fragen eine große Gefahr für Europa bedeuten, u i ch t i n d i e s e m Iah r e , und nicht i m n ä ch st en, aber eine Re g e l un g sei d r i n g e n d g e b o t e n. Wenn die Russen das Memorandum vom 2. Mai befriedigend beantwortet hätten, wäre die endgültige Fixierung der Grenzen schon jetzt unerläßlich-gewesen. So aber könne damit bis zum endgültigen Friedensgarantievertrag gewartet werden. Unter den veränderten Umständen und während der provisorischen Treüge Dei sei die Behandlung dieser Fragen, überflüssig. Barthou gab seine Zustimmung. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung baten Ungarn und Bulgarien, ihre Anträge betreffend den Minderheitsschütz wenigstens schriftlich vorlegen zu dürfen. Die Konferenz möge diese Memoranden ^ur Kenntnis nehmen und dem Völkerbund empfehlen. Dies wurde angenommen, dagegen wurde entschieden, daß für die Frage des Zuganges zum Aegäischen Meer die Konferenz inkompetent sei. Ferner lag der Bericht der Warschauer Sanitätskonferenz vor. Es wurde beschlossen, einen Appell an die Machte zu richten. Das An-: suchen des Roten Kreuzes um Anerkennung als zentrale Organisation für die Bekämpfung der Seuchen und der Hungersnot wnrde gleichfalls empfehlend dem Völkerbund überwiesen. Nun wurde die Frage des Termines der feierlichen Schlußsitzung besprochen. Trotz deß allgemeinen Wunsches nach rascher B'eendigung will man von englischer Seite den Russen die nötige Zeit zur Antwort lassen. Nach englischer Ansicht ist der Schluß der Konferenz frühestens für Samstag, zu erwarten. Der unausgesprochene Zweck des Züwartens ist jedenfalls die Hoffnung, vielleicht doch noch eine Umstimmung Amerikas zu erreichen. Die Sitzsng Äer politische« Untertzienua, 16. Mai. Die Vollsitzung der politischen Unterkornmission begann nm halb 11 Uhr vormittags. Pie Nnsscn nahmen au dieser Sitzung teil,, die Deutschen,, die Ausschuß,- aus der Beamteusrage — gar nichts. - Und das Resultat ist, daß der Staat immer fester in die Macht der Bureaukrateukaste gerät und die verzweifelte Bevölkerung dein - Uebel durch einen Verein gegen Best'echuttq ävbetfen will, der -nach dem Muster des Vereins zur Förderung - des Briefmarkensammelns und Sie'rz-Essens 'konstruiert wird. Alles geschiehtum die Kolonisierung Oesterreichs zur Tatsache. werden zu lassA ' - -; '

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