Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1182 (16.5.1922)
- Date
- 1922-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EtnzeinnmmerKeo Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1 -3, oder in TcinferVerscKmisitelle (Trafik), monatlich K 1700 Mit Poatyeraäiid für Wien n. Oesterreich monatl. K1700 Tsche chö-SloWakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K150.Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen:- Mon. Mark 700. Deutschland: Mon. Mark 45. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Italien: Monatl. 6. Liri Rumänien: Moni 4Ö. h.e! Schweiz und;dfys übrige Ausland monatlich F^cs. 3 Redaktion a. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19,: ab-;6'Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: ,Moreenzeitun?‘, . Wien. mal 1922 4. Jahrgang Dienstag- 16. Nr 1182 Die ruhelosen Konferenzen. —5. Wien, 16. Mal.. Die Konferenz von Genua beruft e'me Konferenz nach dem Haag. ein. Sie ist also zwischen den Gegensätzen zu einem Kompromiß gelangt. Die Absicht der Sprengung durch die Franzosen und Russen wird vereitelt, aber.auch das Bemühen Lloyd Georges, zu-- luutbcft eine zehnjährige Rüstungspause in Europa zu erzwingen. Die russische Frage wird einer Sachverständigenkommission überwiesen, die über die Schulden, das Privateigentum, den Schadenersatz und die Kredite an die Sowjetregierung zu beraten und in vier Mouaten ihren Bericht fertigstellen soll. In dieser Zeit soll kein Staat einen Sondervertrag mit Rußland abschließen dürfen. Die Berufung dieser Kommission und die Ansetzung einer neuerlichen Konferenz in der holländischen . Hauptstadt ist zweifellos ein Erfolg Lloyd Georges, , der gegenüber den ungeheuren Kraftansirengungen der F'riedensgegner doch ein nutzloses Aus-, einandergehen der Genueser Tagung hintanhielt. Es ist dies freilich ein schwaches Resultat, gemessen an den großen Erwartungen,'mit denen der englische Premier-' minister die Reise angetreten hatte. Die Konflikte, die seine 'Hoffnungen', enttäuschten, sind' nicht gemildert worden, ja', sie prägen sich heute viel schärfer aus und keine diplomatische Höflichkeitsformel kann darüber hinwegtäuschen, .daß die. große. Entente nur mehr dem Namen Nach besteht. Pie ist-noch beisammen. Das ist alles, was. sich von ihrsagen' läßt. , ' . . ‘ Die Staatskunst dieser Vereinigung stand schon int Augenblick ihres Sieges über' die Zentralmächte vor schier unlösbaren Probleinen. Die l verschiedenen seither erschienenen Publikationen; in ^denen.Teilnehmer des! Friedenskongresses. einen...BW .! hinter'die Kulissen' tun. ließenV-?HÄeivMMeü^lWnr.'"wie sich - fast in' Dem Punkt die Unmöglichkeit -der .FriedenLpeüHgenach der' rillgen nlnßten.s Der, Fehler deäl'ZWra'lntmyLe, M'.-en. Krieg ohne fest' abgegrenzte'S politische's 'ZU.begannen,' wurde' ' jetzt'-von den Siegern ausgenommen,. deren Einigkeit nur durch den Haß - und'das 'Mißtrauen gegen; den besiegten Feind erzielt werden konnte'. So Fragen sie zu lösen hatten, so viele Probleme sind offen geblieben und die vielen Konferenzen haben die Klärung nicht erzielen können. Es wurpe ich Gegenteil nur immer ärger und die Schicksale Osteuropas und der Kleinstaaten rings um die Donau sind .nur durch diese UnklarheiM,Wer Weg und Ziel' bis; zur Katastrophe getüeben worden. Es fehlte der gute Wille und die überragende Autorität, um alle divergierenden Eifersüchteleien niederzliha'lten und einen dauernden Frieden zu errichten. Die Fragen, die damals und in. der Folge immer wieder beiseite geschoben i und vertagt wurden, schreien nach einer Beseitigung. Es ist nicht nur Rußland und Deutschland zu bedenken.- Die Grenzen Polens sind nicht.definitiv bestimmt, über Ostgalizien- und - das' südliche Litauen, über Fiume, über Kleinasien, die Mtteluleerinseln steht die Entscheidung seit drei Jahren <m&: Ueberall schweben Menschenexistenzen in der Lust, regt sich Bürgerkrieg und.Anarchie. 'Der Fluch des Krieges wirkt fort.- Die Männer, - die all 'feinelu Beginn in veräUlwortlicher -Stellung sich befanden, -versuchen vergeblich, denn Bann des Blutes' zn' beschwören. Ihre Erkenütnis Von der Schwere dev großen' Katastrophe -treibt sie wie das böse Gewissen von Konferenz zu Konferenz. Nirgends können sie die Formel finden, die znm wirtschaftlichen Frieden führen kann und die doch Wilsdn so klar auf-, geschrieben hat, daßnämlich Völker keine toten Schachfiguren sind.' Die amerikanische Außenpolitik, viel, jünger und gesünder konstruiert als -ihre.europäische Mutter, haP sich -vöiü Kontinent zurückgezogen'-und nnr aus per Ferne geivarnt. Bei'ihr stehen jetzt die Hoffnungen, tlnd je schlinimer . ihre Anssichten werden, - das große Weltgeschäft an sich zu nehinen und die-.im Streit 'um die Beute verbissenen Schuldner zahlungsfähig werden zu sehen, um-so größer wird die'Wahrscheinlichkeit, daß auch'.in Washington die einfachen undruhigen Linien - der WilsonscheN Auffassung beschritten--werden. Mir-' ein amerikanischer Eingriff kann - die krafikeeuropäische Familie rette«. .. ...■■ y- : Ankunft der nrntk kritischen GendirrinPalSstW«.- - Am 30.- April sind aü Bord der^>Mtyof" Oxford" 750 ' Marnt-; der. neuen palästinensischeir: Gendarnterie im Hafen von-Haifa eingetrMn. Das Hauptquartier der Truppe wird-in L u d d ItWrkunst^ finden.. Die ÄZWüng des MffiMen ProtWs. G'.eMü-ch 15.' Mai. (TEKomjst)'' Dex Z w i f chonfa l 1* der Mich das P r y't eHs ch r e i jfc r {n S"hertzorgerufen wurde, W durcheine. Mündliche - Be-.. fprechüng zwischen Schanzer imd, TfchiMW 'ODEe'itz l. geleg t worden. Schanzer WgtedrmFiihrer derrussischest digen ko mmission ststA Hrn Haag entsenYen^ Kinne,' gegenstandslos gew^rbMi- Das System der dop-* pelten Kommission ergebe eine vollständige Gleichberech-' tigung. t Genna, 15. Mai. (Tel.öKoytP.) In den Vorschlägen, die heute von den MätzeWtpMächteN'' ansgdarbettet - Würden., Wd den Russen morgpG Wtechreitet werden sollerh willigen die einladenden WWe in, die Ernennung der Kommission ein, die die zwischen der russischen Sowjetregierst ng und den änderen .sWierüttgest bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu prüfen habe und die mit einer russischen Kommission zilsaMnenIreffeü soll, welche die gleiche Aufgabe hat. SpätestW am 20. Juni wiirden der Sowjetregierung die von den Mächwtt ernannten Delegierten mitgeteilt werden. .. Das Programm für Haag. Gen Na? 16. Mai. Ms MotöM über die Sitzung s der einladenden Mächte ,vM iE Mai lautet folgender-; matzen:' Die anwesenden DMMloNen' haben die - Antwort , gePrMHelche isieauf das Rretyotandum der Rüssen vom ui' Wk tzebett WWM, rmb -jtffti MisrWH.m.mertzWl-> - geM -'deWrsM" KomMissitzü i zu Mächeni die-o h ü e G e g e n w a t fr -ve t ID e ü t W e n und R u f s e n z«- s a m m c n L r e t in w i r d:; D« Mtschlag dex russischen Wleggtion.in ihrem Memorandum vom 11. Mai,: daß eine Expertenkommission zusammentreten soll, soll^angenommen werden in der Form, welche die Beilage ansüyrt,' und es soll als Dätnm ihres Zusammentvittes der 26. . Zunl bestimmt Werden. Die in Henna Vertretenen Mächte,' ausgenommen D e ust schlau d und R n tz l a n sollen vom Präsidenten der Genueser -Konferenz eingeladen werdenihre Vertreter am 15. Juni dieses Jahres im H a ag zusammentreten zu lasten, um zu prüfen, unter welchik« Bedingungen die; Expertenkommission mit den Russen verhandeln könne. Der Präsident soll, gebeten werden,, eine gleiche Einladung an die Bereinigten Staaten von Amerika zu richten, damit sie erklären, ob sie bereit sind, eine solche Einladung aüznnehmen. Die Vertreter im Haag werden die Zusammensetzung der.Koynüistwn beschließen, die beauftragt sein wird, die BerhäNdlungen Hit der russischen KomMistiov zu führen. .Die bei dem vorhergehenden Meiungsanstausch vertretenen Regierungen sollen von diesen Besprechungen unterrichtet werden, und, wenn es nicht schön geschehen ist, dann erklären, . ob sie an der Kommission teilnehmen wollest oder nicht. Die Weigerung einer Regierung wird! den ZnsammentritL der KowMistion von seiten der anderen Heg.iörustge«- nicht 'hirchem., --\,;; -' i | Wenn irr einem Zeitpunkte von drei Monaten von der lim Absatz 4 des,beigeschlossenen Dokuments zitierten Zeit .aü...reist-'.-Mmmjer Börschläg unterbreitet werden könnte,! olöCK 'Vtiemt die unterbrefteten Vprschläge von. den.-inter- - essiertest Pestsernygen inr folgenden Monqt nicht angenom- - Men werd,ech, fvird es jeder Regierung sreistehen, zu einem S ö n der a b k o pr m e n mit der S o w j e t r e g i er u n g über die -im Absatz 3 des beigeschlossenen Dokuments erwähnten Fragen zu. schreiten. Djst- ÄorgKnge in der SGung der :; Genua» 15. .Mgi. Die Sitzungder politischen.. UnterkomnnssiyN.-'wird nm .11 Uhr---- vormittags - vom Präsidenten Facta exosstret, Minister SchäMr: verliest.das Protokoll der gestrigen W der emladen'öcn Staaten-'in der Villa Alb.erti. '■;..}[■ Bürthou .-verlangt, * ..daß .die Protestnote -Tschitscherins: an i-Faeta. verlesen werde. Diesem.Antrag wird stattgegeben»'; : - ■...-Schanzer berichtet über - die ^lange Unterredung, die er heute - -..vstrmst-^gs mit Lschitschcriil gehabt hatte.. Witscherin-fest e r- ^r.e/gtz Leistesstü/ ErMabe ihm aber aüsEtander.gesetzt-..-'däß die' Msftn keineswegs, von wer .CxpertenMnnisstön' aü'sge- ' schlosseiv .seien/ da.-.ihre'. iDelegatioü' gleichzeitig 4M Haag 'tagen' werde. Weiters habe.Hch.-Lschitschcrin wegen der/Trensta Der chffltzrgt geDht. Schanzev' aber hÄe nMgewiesen, daß die [ rn s f i s ch erS o nde r a n i t ä t ni ch-.t. -v e r l etz L w erd! denn ein-beschränkter Friedensgarantievertrag stelle Wechsel-' lüge;Pflichten! ans.. Schließlich habe- .Schanzer versucht,-! Tschitscherist wegen,, der von den .Mächten übernommenen Ber^. i psüchtn^lg zu beruhigen, während vier Monaten keinen Sonder,^ [ ver-t-räg-mft"OHlMdM.schließen, Dieses-Verbot binde nur die- -. Mächte.?Rltßlastd stehe es frei. Anknüpfungen-, zu suchen, wo. es' ' ihm beliebe.-'Schanzer schlägt nun vor, in die Debatte einzu< >- treten. Morgen. solle dann. - eine Vollsitzung der'. politischest ' Kommission stattfinden. - , .. In diesem Augenblick fragt B a r-t-h o u, -. ab' .Schayze^ - ■ gegen die letzten Zeilen der Note Tschitscherins protestlert chabe, : die ungerechtfertigte Vorwürfe gegen Frankreich enthaltet^ ' Frankreich habe den besten Willen.gezeigt, um sich von versöhnlichem Geiste leiten lassen. . - -; Präsident Jacta erklärt, die italienische, Mlegation sei i von der -"loyalen'-.Haftung und dem guten Willen Barthous; und der französischen Delegation überzeugt. Er. bittet nun, in die Debatte-einzütreten. . . . . .......! Der polnische Außenminister SkirmuüL. führt > <ms^! daß die Frage der Grenze zwischen Polen und Rußland durch den Frjedensverträg von Riga geregelt sei, daß man also nicht, mehr von de sacto-Grenzen sprechen könne. Bratranü .wünscht, daß in die Antwortnote die Verpflichtllng Rußlands aufgenommen werde, .das von Rumänien. - ist Moskau deponierte Geld zurückzuerst'atte'n.' Motta beantragtes daß die Stellung Deutschlands angesichts' des beschränkten. FriedcstsgaEkievertrages präzisiert werde. Barihou^ertvidert, Deutschland habe sich durch best ’; Vertrag v on Rapallo s elb st ausst es ch alt et. - Art. 10 des Bölkerbundverträges verpflichte übrigens auch'; diese dauernde Verpflichtung hier als eine beschränkte neu aufzunehmen. .' - - " - - Motta stellt nun fest, daß die Treuga Dei lediglich eine- ' Ergänzung der Verhandlirngen mit den Russen sei upd den Völkerbundvertrag nicht berühre. - ' ' - ' - Hierauf wird der Mtwurf der Note an die russische. Delegation einstimmig angenommen.-und beschlossen,- daßdie Vollsitzung morgen vormittags, halb . 11 Uhr, stattfinden soll, ' Barthou erklärt, er -werde nicht an der-Vollsitzung der. politischen Kommission üeilnehmen, weil Frankreich, der .Note', vom 2. Mai nicht beigetreten sei -und, nicht durch Ergebnisse gebunden sein wolle, , die durch die russische Antwortauf diese ' Note vielleicht hervorgernsen cherden. . Barthou versichert indes, mit dem Textvder Note, die jetzt den Russen werde überreichL werdeu, vollständig einverstanden zu sein. In der morgigen Sitzung, arr der die Russen teiU trehmen, werden diese gefragt werden, ob sie die Vorschläge annehmen. > . Wie Verla,Uet, wird auch Belgien der Sitzung fernbleiben.^ Amerika wird zur Haager Konferenz eingeladen. - Genu a, 15. Mai. Nach der. Sitzung der Politischem UuierZovtmission begab sich Lloyd George persönlich in den Universilätssaal, um den Vertretern der englischen und der amerikanischen Presse das Ergebnis mitzuteilen. Er fügte hinzu, daß er. gestern ahends, nachdem die einladenden Mächte das'Protokoll sertiggestellt hätten, dieses sofort dem' amerikanischen Botschafter in Rom, Child, mitgeteüt und gebeten habe, es nach Washington zu kabeln. Selbstverständlich sei die telegraphische Einladung der Bereinigten Staaten nur als provisorisch zu betrachten, denn die Konferenz von Genna werde die Bereinigten Staaten noch offiziell e i n l a d e n, einen Vertreter in die Expertenkommission nach dem Haag zu ent- . senden. Ans die Frage, ob Deutschland auch im Haag vertreten sein werde, antwortete Lloyd George, D e u t s chla»d habe seine Beziehungen zu.Rußland im Sondervertrag von Rapallo geregelt, werde also nicht mehr am d en B e rhan dlu n geu inr Haag 'teilnehmen. Die Politik der „freieu Hund". . London, 15. Mai. (Wolfs.) Wiüham Steed weist ^in. der „Times" darauf hin, daß die Delegationen iF r an! r p i chs und- B e l g i e n s. sich wohl bereit erklärten, ihren Regier«"■in anzuempfehlen, die in Genua -abgeschlossenen Verriur^rungen auzunehHeu, jedoch ''k'eiyßcge0;.$ii-.k»«nten, daß sie angenommen werden würden. Zwischen deM' 15. -und 26. Juni könne jede Regierung auch ihre V e r tr et e r von der Kommission zurückziehem, ohnesich dem Verdacht ansznsrtzen, in einem nnftettndlichen Miste