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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-14 · Heft 1180 (14.5.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1180 (14.5.1922)
Date
1922-05-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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•«yxmrrrwj Tcoxtwct ATkvrgenzenung 14. Mai 1922 <üeite 3 Geistes. Ist es nicht bezeichnend für eine Stadt, wenn das erste Gebäude, das in ihr errichtet Wird, der geistigen Schulung und Erziehung gehört? Das mächtige, zweiflügelige „Herzl-Gymnasium" an dem einen Ende der Herzlstraße ist'tatsächlich als das erste Haus zst betrachten und dadurch die jungfräuliche Mutter des Saudwünders von „Tel-Awiw" geworden. Gleichwie null eine Henne glückend und warnclld die rings umher zerstreuten Kücklein unter die ausgebreiteten Schwingen ruft, so lockt das Lehrgebäude all die jungen Träger der Zukunft täglich zu sich heran, ttm ihnen die unentbehrliche Nahrung des Geistes darzureichen. Die gallze Neustadt steht unter den: Zeichen des geistiger: Fortschritts, den zwei bedeutende Eigenschaften kennzeichnen: der eherne Wille zum Leben, gepaart mit dem Aufblick zu den Glanzhöhen der Seele. Eirt vollendetes Musterbild, in dessen Person all die eben erwähnten tugendhaften Eigenschaften vereinigt sind, ist mir in Herrn Josua Gordön, dem Vorsteher des Einwanderungsamtes, begegnet, dem inan gleich auf den ersten Blick das Zeugnis ausstellen muß: jeder Zoll ein Mann. Als ich den vielgestaltigen Beruf dieses Ehrenmannes hinter dem Vorhang der Förmlichkeit kennen lernte, da packte mich nicht nur die Achtung vor ihm, vielmehr die Angst um stille Gesundheit, die mir bei so viel Allstrengung gefährdet schien. Um lrnr inl ffcirtcit ein Bild seiner Vielgeschäftigkeit zu entwerfen: Halb sechs Uhr früh war ich in: Pflegeheim aufgestanden, um ein Frühstück zu bestellen. Ta traf ich einen tadellos gekleideten Herrn tut Empfangssaal, der sich im Gespräch mit dem Heimbcsitzer befand. Bald verstand ich, daß es sich unl eine Dame handelte, die er dienstlich nach Jaffa begleiten wollte, um ihr beim Einschisstn behilflich zu sein. Später erfuhr ich, daß es eben -Herr Gordon war, den ich tags vorher suchte. Wann mußte e; also aufgestanden sein? Eine geraume Zeit später meldete ich mich in seinem Amte an. Mir wurde bedeutet, daß der Herr die Ankunft eines italienischen Dampfers in Jaffa zu erwarten hatte und voraussichtlich spät nachmittags zurückkehren werde, da er mehrere hundert Ehaluzini zu empfangen habe. Seine vielseitige Tätigkeit nach der Ankunft eines solchen kleinen Heeres spottet jeder Beschreibung. Oft ist er gezwungen, die Nacht auf einer Holzbank im Zollamt zu verbringelk, um jeder Art Vernachlässigung vorzuöeugen. Dabei verliert er das Heer von Chaluzim in Tel-Awiw nie aus dem Auge. Persönlich erkundigt er sich nach ihrem Wohlbefinden, sorgt neben der leiblichen auch für geistige Nahrung und ist, unermüdlich in seiner Art, die Masse geistig zu zerstreuen und tagsüber in natürlichen Dinger: zu beschäftigen. Rechnet man noch dazu die tausenderlei Kleinigkeiten der Amtei selbst, der er vorzustehen hat, so hat n:an ungefähr ein Bild dieses vorbildlichen Arbeitsriesen. Meine Erfahrungen sind — gottlob — nicht nur bei diesem schönen Auftakt stehen gebliebert. Erst in Tel-Awiw habe ich meinen ungarisch-hebräischen Geistesbruder Avigd or Feuerstein von nächster Nähe kennen gelcrilt. Er war cs auch, der mich.in die geistigen Werkstätten aller-Kunstgattun gen einführte. Au der Seite einer jugendlichen, verständnisvollen und liebenswürdigen Gattin verbringt er den Großteil seines Lebenstraumes mit geistiger Arbeit und dichterischem Schaffen. Er übersetzt viele Meisterwerke fremdsprachiger Literatur in sein geliebtes Hebräisch. Augenblicklich ist er mit der Uebertragung von Dran:en morgenländischen Inhalts beschäftigt, wie z. B.: „Der Zionistische Bezirksorganisation Brigittenau Dienstag den 16. Mai, halb 8 Uhr abends, findet im Fo3tsailc des Hotel „Bayrischer lief-', Wien, II., Taborsttasse 39, ein „Lag - B’o mer- Fest” r*? n.ran verbunden mit TANZKRÜNZCKEN statt.- F(lr gemütliche Unterhaltung der Nichttänzer wird bestens gesorgt Restliche Karlen an der Abendkasse eues letzte Omajade", „Belsazar", „Haremspiel", „Ben Sina" und „Die Tänzerin von Fayum". Nebenbei findet er Zeit, eine halbmonatliche, weitverbreitete Zeitschrift herauszugeben, deren bezeichnender Titel „Das Neue Herz (Lev-Chadasch)" zur Geyüge verrät, wie es dem Dichter-ernst ist, alls gemeine, stümperhafte, aufgeblasene und unlautere Wesen zu bekämpfen'. Zu gleicher Zeit wirkt er eifrig für eine Verständigung zwischen Arabern und Jilden, ein Umstand, der geeignet ist, ihn in den Augen aller wahren Vaterlandssreunde höher zu stellen. Sein innerstes, von jedem Makel irdischen Daseins befreites Seelenleben stellt er teils in dem dreiteiligen Drama „Moses", teils auch in dem tieffinnigen und geheimnisvollen Roman „Die Wega" dar. . Einen seltsamen Gast von europäischem Weltruf besitzt Tel-Awiw zurzeit in dem liebenswürdigen Tondichter Gnessin, von dem zwei Sireichorchesterstücke während meines Besuches in der rühmlich bekannten Musikschule „Sulamit" eingeübt wurden. Ich hatte das Glück, einer Probe beizuwohneu. In einem kleinen Saal, dessen Hintergrund durch eine einstufige Enrpore erhöht ist, fanden sich die tüchtigen Mitglieder der oberwähnten Musikschule samt ihrem Vorsteher Herrn Hopenko zu einer Uebung ein, bei welcher Gelegenheit sich die Geigenspielerin und Lehrerin Fräulein Margerit Bentvich.hervortat. An der einen Wand hing zwischen den vergrößerten Aufnahmen der Meister Liszt und Mozart das schöne Bildnis der Sulamit Rnppin, der Gründerin der blühenden, nach ihr benannten Musikschule. Aus der Ernpore stand vor dem Flügel der Tondichter selbst, dessen edles Gesicht mit den Leidenszügen mich gleich in seinen Bann geschlagen, und leitete die Proben seiner beiden Stücke: „Leviathan" und „Vor der Bibel". Das erste Stück überrascht durch seine einfache, aber herzgewinnende Kunst. Das Ohr schwelgt in dem altmorgenländischen Melodienreichtum, der im tanzartigen Tonschritt an unserm Geist vorbeirauscht. Dagegen entzückt das zweite Stück oft durch seine ergreifende Andacht. Augenblicklich arbeitet Herr Gnessin an einer jüdischen Oper großen Stils mit dem Titel „Abraham". Den Text schreibt er selbst. Was die Halbschwester der Musik, die Schauspielkunst, betrisst, so kann ich der unermüdlichen Schauspielerin Miriam Bernstein-Kohen nur anerkennendes Lob spenden, zumal sie sich mit ihrer theaterfreudigen Gruppe sogar an Ibsens „Gespenster" und Strindbergs „Vater" heranwagt. Leider steht ihr kein hebräisch-morgenländisches Repertoir zur Verfügung, was sie bitter empfindet. Auch fehlt's an allem, was für ihre Kunstbetätigung nötig iftx am Bühnenzeuq sowohl wie an der Ausstattung. Hoffentlich wird sich noch der vermögende Kunstfreund finden, der in großzügiger Weise diesem Uebelstand abhilft. Er wird an der teilnehmenden, kunstfreudigen Oestentlichkeit die wirksamste Unterstützung sinder:. / . - Etwas besser steht es um die andere Art darbietender'• Kunst, um den Tanz. Hier wirkt der jugendliche, noch'am Anfar:g seiner hoffentlich recht glänzenden Laufbahn stehende Künstler und Tanzmeister Herr Baruch Agadatü In Ryß-, - land in der Hofballettschule ausgebildet, hat er später in Je-; rusalem einige Jahre hindurch die BezalelschUle besucht, wo : er mit gutem Erfolg den ausübenden Künsten oblag. In ' Tel-Awiw hat er allmählich einen Grundstock von jüdischen , rmd arabischen Tänzern.herangebildet. In -en letzten Jäh- ' ren hat er während der Tanzübungen in seiner Schule viele. V verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den. altüberliefer- ' ten morgenländischen und den jüdisch-euvopäischen Ghetto- ' tanzen entdeckt, obwohl seit Jahrtausenden keine gemeinsame Verbindung die Bevölkerung beider Erdteile miteinander - verknüpfte. Bisher hat der jugendliche Meister weit über zwanzig neue Tanzarten ausgearbeitet und tritt seinen Schii- ' lern eingeübt, was seiner eigenen Aussage nach der schlagendste Beweis für den unerschöpflichen Börn der hebräischarabischen Tanzkunst ist. - ’ ’- Meine Beschreibung möchte ich mit der Erwähnung ' eines in den Dreißigerjahren stehenden Künstlers namens ' I. D. Gordon beschließen. Der junge Meister, der in Anterika so viele Erfolge erzielt hat, und nun sein kärgliches tägliches Brot durch die Herstellung von Reliefarbeiten für' das Haus Pächter verdient, könnte meines Erachtens im Verein mit anderen gleichgesinnten Geistesbrüdern einen einheitlichen, jüdisch-morgeuländischen Stil schaffen, dev den ' schönen Häusern von Tel-Awiw besser anstehen würde als die ' Willkürlanne, die zuweilen bei den Bauten zur Geltung kommt. Gebe Gott, daß die Behörde aus den Künstler aufmerksam wird, und seine Bestrebungen würdigen lernte in- . dem sie ihn entsprechend. seiner Begabung verwendet. Nur, wenn alle diese jungen Kräfte zusammengesaßt werden, känns aus der keirnenden Großstadt die erste herrliche Vorstufe entstehen, die zu dem noch zu bauenden Tempel auf der Burg Zion führen wird. Vor nahezu 25 Jahren berichtete., eine chrstiliche Zeitschrift in England, „The MoriimgSkär",1 daß eine englische Dame die Künstlerwerkstätten in Italien bereiste und zwei große, schöne Säillen in zwei verschiedenen Städten sah und bewunderte. Als sie sich erkundigte, wofür . diese denn bestimmt seien, erhielt sie zur Antwort: „Für beit . neuer: Tempel in Jerusalem." Sollten wir jetzt, nach so viel Jahren, ferner von der Erfüllung jenes göttlichen Traumes sein als dazumal? Die sich vermehrenden Bauten dorr Tel-Awiw versichert in:s das Gegenteil. Die Frage der Einwanderung in Palästina. Jerusalem, 10. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnng".) General Deedes, der in Abwesenheit des Sir Herbert Samuels die Leitung der Verwaltung Palästinas inne hat, hat für die nächsten Tage eine Konferenz zur Beratung über die B e s ch w e r d e n, die von den Juden gegen die Einschränkung der Immigration nach Palästina erhöbe:: werderr, einberuftn. Ai: der Konferenz Werder: außer den Vertretern der Regierungsbehörden auch jüdische und nichtjüdische Delegierte teilnehmen. Regenmäntel K14.900 aaBBgBB engl. Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen-und Strickwaren, alles erstklassig und billigst bei ietSchiffmanri >!., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detah Artur Schnitzler. <Z u seinem 60. Geburtstag a m 15. M a i 1922.) Bon Prof. Dr. Wilhelm Stein. Schon heute haben wir genügend Distanz gewonnen,' Am das Lebenswcrk dieses Vielgeseierten rückblickend überschauen zn können. Seit langen: liegen die Hauptmotive seines dichterischen Schaffens deutlich erkennbar vor uns, denn alle die großen Erwartungen, die auf ein immer gewaltigeres Aufsteigen gesetzt wurden, sind seit dem „Weg ins Freie" langsam zusammengebrochen. In scheinbar unerschöpflichen Variationen hat immer wieder Schnitzler vom „Anatol" an, also 1893, das Thema von der Unzuverlässigkeit und Ungewißheit der Werte an einzelnen Lebensausschnitten mit hoher und höchster Kunst abgewaudelt: von der „Frage an das Schicksal" im ersten Einakterzyklus bis zu- „Fink und Fliederbusch". : Dabei werden nur ganz enggesichtige Chauvinisten etwa. eine „Neigeu"-Aussührung zum Anlaß nehmen, Schnitzlers Lebcnsleistuug anzuzweifeln. Es mag demgegenüber Genugtuung bereiten, neben Gerhart Hanptmann als den: repräsentativen Dramatiker des Deutschen Reiches zum Protagonisten des österreichischen Theaters gestempelt zn werden. Und die Entscheidung hätte der Wiener Dichter keineswegs zu fürchten, vielmehr wären starke Qualitäten zn seinen Gunsten anznführen. Gerade diese reichen Vesitzti'uner Schnitzlers aber sind von der kaum zählbaren Literatur über ihn in Kritiken, Aufsätze:: und ganzen Büchern innner wieder'gerühmt worden: das feine Stilgefühl, die ei>:zig schöne Form, der bis in seine letzter: Möglichkeiten ausgestaltete Dialog, : die scheinbar/absichtslose und doch so zielsichere Szene:Führung, dann das Erlauschen auch, her leisesten seelischen.Vorgänge bis hinab ins dämmernde Unterbewußtsein ' und schließlich jene wunderfeine, duftige Wiener' Stimmung; all das. ist Schnitzlers eigenstes Eigeniuut. . Aber der wirkliche Dichter gibt im Grunde doch mehr als bloße Mittel mrd Formen seiner Kunst. Er gestaltet Müschen mtb Schicksale, indem er das Leben mit seinen Augen sieht. Kein Wunder also, daß der Dichter, der Jr:de ist, in den tiefsten Schichten seines Wesens — das sind seine jüdischen — die Welt erlebt, aus der er seine Konflikte schöpft. Darin:: ist es recht gleichgültig, daß Schnitzler nur zweimal an jüdische Stoffe herangetreten ist, ein „Weg ins Freie" und im „Professor Bernhard:", weil eben beinahe alle seine Menschen trotz aller Aeußerlichkeiten eigentlich Juden sind. Freilich, die assimilierten, hochkultivierter: Wiener Inder:, deren Dichter Schnitzler ist, deren Philosoph Otto Weiniger war. Schon feiert mar: den Dichter des „Grünen Kakadu" als den, der das sanfte Abendrot, in dem daS Oesterreich der Vorwelt verglomm, am reinsten zu spiegeln scheint. Hermann Bahr rühmt ihn so. Aber daß Schrritzler gerade dieses Sterben gesehen und gestaltet hat, daß er die altösterreichischen Vorzüge und Fehler viel tiefer oder wenigstens schmerzhafter erlebt hat als etwa Grillparzer, trotz dessen bitteren Leidensweges gerade diese Disposition.und Erlebniswilligkeit verrät, daß er eigentlich doch der Gestalter des untergeheuden, in überreifster Kultur dahinsterbenden Assimilationsjudeninms ist. Daß seine Menschen nach außen hin und auch seine Konflikte so wenig jüdisch aussehen mtb scheinbar ganz der kosmopolitischen besseren Gesellschaft der oberen Zehntausend angehören, ist nur ein Beweis mehr, daß es sich um durchaus assimilierte Juden handelt. Das Wesen dieser Entnationalisierten besteht ja nicht einzig im Fehler: konkret jüdischer Kulturelemente, sondern in der Anslösung jedes Volkszusammenhanges; die Gemeinschaft zerfällt in ihre Atome, die Individuen, lind Schnitzlers Menschen sind solche bindnngslose Individuen, besser noch, hennnungslose Individualisten, unter welchen so edel-vornehn:e Charaktere, wie etwa Professor Bernhardi, in verschwindender Minderzahl sind, wogegen die egoistische'.: Genießer mit ihrer ahnungslosen Selbstverständlichkeit weitaus überwie'gen. Das nur auf sich selbst gestellte Individuum aber, .das keine anderen Maßstäbe und Werte als die eigenen kennt, wird entweder von einen: blindwütigen Willen zur Macht erfaßt, oder ein weher Zweifel läßt ihm alles Große und Ehrwürdige in seine-" beschränkten Endlichkeit erkennen. An dieser skeptischen Gebrochenheit des Willens leiden alle Gestalten des Dichters, des „Jungen Medardus", da sie stolze, starke männliche Tatkraft kann: ahnen. Und was bleibt solchen wurzellosen, völlig ungebundene:: Dekadendm von der Wirklichkeit, die sie umgibt, die sie leise überlegen lächelnd betrachten, so wie sie sich, selbst beobachten und darüber des Handelns vergesset Alles wird ihnen Spiel, was sie tun; aber auch, was sie erleiden: Traum und Wachen stießen.ineinander, Wahrhe:t und Lüge; sie wissen nichts Gewisses von anderen, nichts Sicheres von sich; denn sie spielen immer, und wer es weiß, ist klug. - Ju einer solchen Welt gibt es nur noch zwei feste Pole: Liebe und Tod. Freilich nicht die Liebe, die ein gesundes Bo'k kennt, die stark ist wie der Tod, und Unerbittlich wie das Grab, sondern der konzentrierteste Lebensgenuß des flüchtigsten Augenblickes, der nur Gier ist, weil hinterihm nichts anderes kommt als der Tod, das restlose Zuendesein, das von keinen: Fortwirke:: über den Tod hinaus weiß, die ewige Macht. Es ist doch kein'Zufall, daß diese Schnitzler-- scheu Grund themen, Liebe und Tod, neben der melancholisch' lächelnden Skepsis stehen. Sie deuten ans die völlige Sinnlosigkeit des Lebens des Assimilatronsjuden hin, der' als einzelner zusammenrafft, was das Leben ihm, nurihm selbst zn bieten vermag,' weil nach ihm"das grauenvolle Nichts kommt.' Der Schöpfer: des „Schleiers der Beairiee" oder des „Rufs des Lebens" erlebt keine Menschen, die das sinnvolle Dasein führen, eingestellt zu sein irr einem Volke, drin sie wollend oder ahnungsfremd dienen bis die Fackel ihrer Hand entsinkt, Um von dem Kommenden weitergetragen zn werden, weiter in die Zukttnst hinein. Einer war es, der in dieser Schnitzlerschen Welt, des Wiener Cvttagejudentuuls ganz gelebt hat, in ihrer reifen, klugen Vornehmheit-/aber auch, ihrer üefsten Sinnlosigkeit. Und als er dieses Todgeweihtsein ahnte, da reckte er sich, in seiner Sünsonkrast,,zerriß.die‘Panden, lvie manWerg.zerreißt, und ging heim zu seinem Volke, einem Sinn eiüaeaen: Es war Theodor Herzl.

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