Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1176 (10.5.1922)
- Date
- 1922-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer ttßO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Tabor str.1-3, ioder in einer Verschleisstelie '.(Trafik) monatlich IC 1700 Wit Postversand für Wien u. ■Oesterreich monatl. K1700 \mtx jTsche ch.o*S 1 öwak e i: Mon. K20. Ungarn: Mon. 'K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 700. Deutschland: Mon. Mark ^45. Prankreich: Monatlich - Pres. 6 Nr. 1176 Wien, Mittwoch, 10. Mai 1922 Tscheche» - Slowakei i tscheeh. K 1 Italien: Monatl. Lire 6. Rumänien: fdon. Lei 40. Schweif und das übrige Ausland ihoaatlich Pres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei—3 Telephone: 44-0-38,43-3rl 9, ob 6 Uhr abends 16-301, Tel.- Adr.: ,Morgenzeitung‘, Wien' Oesterreicnischcs Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang Die Kriegs- und Borkriegsfchalden werde« «bernomme». — Die Frage der Kompensationen und EatZchädigungen soll eine ExpertenLommWon feststelle«. Der Weg zur Ratifizierung des Pattistinamaydat s. W i e n. 10. Mai. , - >'Die politische Arbeit der.Ztonistischett-^.Führer hat einenneuen Erfolg zu Verzeichnen. Mhmn Sokolow, der: seit längerer - Zeit in . Amerika weilt, nur das ante- Manische Judentum für beit wirtschaftlichen Wieder- Gufßau des jüdischen Nationalheims in Palästina zu mobilisieren, ist, es mit Unterstützung der prominenten Vertreter des '.Zionismus in Amerika 'gelungen, die pffeittliche Meinung und die. politischen Kreise der Bereinigten Staaten'sür die Idee des'Zionismus zu geivintten. Schön fjeit längerer Zeit waren 'die zionistischen Bemühungen'irr'Amerika darauf gerichtet, die Regierung- -und diebeiden.gesetzgebenden Körperschaften zu einer klqren Stellungnöhme 'ztc veranlassen, und eine außerordentliche zionistische Konferenz wurde vor einiger Zeit ausschließlich zu' diesem Zwecke. abgehalten, ßretnäß der anrerikauischen Ordnung ist int Zusammenhang..mit dein in beiden gesetzgebenden.Häusern eingebrachten Antrag/' welcher eine. Zustimmungserklärung Amerikas zum 'Aufbau eines 'jüdischen NaLionälheims enthält, eine' Einvernahme Verschiedener Faktoren vortuisgegängen, imd her Senat' hat ' Wießlich mit StmjmeneinhelligkeiL sein Voturn für das jüdische Nationdlheim abgegeben,! und' es steht' zw erwarten, daß das' Repräsentantenhaus 'eine .gleichlautende ' Entschließung fassen wird.. °,. \ ’ ‘ Diese Stellungnahme des offiziellen Amerika kann' vonweittragender Bedeutung werden. . Die ablehnende Haltungder-Vereinigten Staateü zunü-Völkerbund war es, welche bisherdie - Ratifizierung - -hes'^ - Palästinantandats . verhindert nud einen provff.orischett Zustand derlWert/hat/ ' dessen Schädchi-MÄE-TtMehnrlng.^ dieses MovrsoÄums^ittünM offeükündtger'wiitdetv -Die-^ ' ser' Zustand 'hckt die-englische -BerwMÄd'd^ünas'. abgehalten, der -Jnangrifsnähme großzügiger Pröjrlte für die wirLschastliche Erschließung des Landes näherzutreten, . er - hat - die antizionistische Propaganda von verschiedenen-Seiten begünstigt und-VchWaräbisch-Mationaliftischen Agitatoren' ihre Arbeit erleichtert. '.. Die Schaffung-eines DefimtiVums -durch - den Völkerbund, welches die englische MaDatmacht dauernd' bestätigt, wird das jüdische Volk vör eine nette Tatsache stellen. Wie gemeldet wird, soll sich, entgegen den-bis-' herigen -Nachrichten, - die unmittelbür' 'bevorstehende Tagung des Völkerbundes auchnnit!''den'- Mandats-: fragen befassen. Wenn der 51t erwartende' Bechlnß' des lliepräsentätltetthauses rechtzeitig'gefaßt wird, so liegt für-die ‘ amerikanische Außenpolitik ■ eine eindeutige Marschroute vor, und dem Völkerbund ist die.Aiöglichkeit gegeben,.das Pälästinamandat zu ratifizreren, ohne' einen Einspruch von Amerikas - Seite besorgen zu uüissen. Für -das: jüdische Volk: ergibt' sich in diesem Augenblick: die dringende Notwendigkeit/ gerüstet zusein und sich von den Ereignissen nicht, iiberraschett zu lassen. Am -der ZionistMtzn-'Oraa-iilsatiott:'.^- erkt""Reihe rubt eine-' Verpflichtung von besonderer Schwere: sie wird in den- Abmachungen mit England in der Iorrtt der Jewish Agencydesseil Vertragßvartner nüt - besonderen -Rechten, gber - auch, .mit.besonderen. Pflichten.- Eswerden gewal". tige'Krastanstrenaitngen vonihrerfordeÄ mch sie wird. » - »eue. Unleruebmunaen aus. ergettetH^^- beginnen müssen. die für. die Erschließung * ValMnas '^notwendig . sind. ' Ein solches Werk kann nur. Mmaett/ Ivenn ein lebendiger -jüdischer. Einheitswilke 'in')Erscheinung tritt, Wenn die.Begeistpümg 'der-.-jü§»isch.erki AWen für die jüdische ZukmlftH'ache ihr platonisches '.-'Stadium verläßt und. Täten anslöst, die der .BedeUÜmg des Mo--' ments entsprechen. Die Aufgabe ist gewaltig, um so gewaltiger, als 'die Wirtschaft in - den - Ländern der jüdischen Massensiedelung in Europa zerrüttet ist und das jüdische Volksvertnögen -die gewaltigsten Einbußen erlitten l)at. 'Ans Verschiedenen Seiten ist 'bereits der Plütt erncs allj'nbischen Kongresses erwogen lvorden, den' die zionistische Wettorganisütion rmch vollzogeüer Mandatsratifizierung einzuberufeil. häÄ,- eine Frage, - die bereits vor zwei Jahren "ans-der - ■Konferenz von London angeschnitten wurde und durch die Organisaiiou des 'Keren Hujestvd, des PMstinckäusbausonds, nahegelegt wird, der dessen Ausgestaltung zu einem alljüdischen Fonds vorschwebt.' Aber was auch in diesex' Richtung beschlossen werden umg, eines sieht fest: die nächste Znknüft wird das jüdische^ Volk vor'seine größte Probe stellen und-cs wird zu erweisen haben, ob sein Lebeüswillb echt und stark genug ist, unr idre zionistischen Anstrengungen/ zu. rechtfertigen. Genua> 9. Mai. Von einer.der russischen Delegat r-on nahestehenden Se.ite wird. über die russische Antwor.tn o t e, die morgen überreicht werden sott, ungefähr folgendes mitgeteilt: Die Antwortstelle eine u mfangrei-che Schrift von ntehr als hundert - Seiten dar.und würde-von einem Briefe- Tschitscherms eingeleitet, der ausführc, daß die Sowjetdelegation, vom Geiste der Versöhnlichkeit geleitet,-sich ihrer Verantwortlichkeit voll .bewußt gewesen und mit ihren Zugeständnissen so weit gegangen sei, als mit der Souveränität der russischen Republik-vereinbar war. Die . Note, erinnert an die Voraussetzungen, ' unter denen - Rußland die Einladung der Mächte angenommen hatte.'Die- Note werde..ausführeu, daß dieDöwjetdelegati-on ihre Haltung zu den g roßen '.Fr.a g en,die den - Gegenstand der Konferenz Hilden'sollten, die ganze Zeit hindurch nicht geändert habe. Von. Anhegin:r habe sie als.Grundlage die Beratungen von Cannes und die Londoner Beschlüsse angenommen, müsse'aber zu-ihrem Bedauern feststellen, daß, je. weiter die -Arbeitender. Konferenz Fortschritten, -die ertvä'hnteu Prinzipien immer. mehr, von ihren eigenen Urhebern -verlassen - worden seien. Rußland allein sei ihnen treu geblieben. Die Sowjetdelegation-müsse diesfesthalten und - es sich als. besonderes Verdienst .anrechnen, denn , ob-. wohl den^-russischen Vertretern 'anMiW'ch ' die-- Gleichherechtigtttttt versichert worden war;-sei die. i^ywjechelega- --tiptt'DWWÄch-.Wtt den-wschtigW.-Verhandlungen.ays- HeschaMhWdenr^JttLbesonpK)hM Wlitjsche Ilnteti- MMmWöü/Me-?' ^-Arrgelegenheitme hefcchip-ntnd. der^ die russtschM BM^tev als Mitglieder aügehör'ten, die wichtigsten ÄrbeitM ohne Zuziehung der Sowjetdelegationerledigt.- Die- Antwortnote werde hier den Protest wre d erh 0 l e-n,-der gleich -bei.Beginn der ersten Sitzung der offiziösen- Subkommisswn an den Präsidenten gerichtet worden, war.- Gleichwohl habe .die Sowjetdelegationoh»-e. Vorurteil und mit redlichfteru Willen/das: . Memorandum der - Subkömruissiou Punkt für PuirA dnrchstudie-rt. - Siebedauere,- daß die- Unterschriften zweier- Wachte die-an der Wiederaufnahnte' der Beziehungen z^^:,Rußland /besonders interessiertseien,, fehlen. Die Sowjrtregierung glaube, gerape -daraus-schließen zu sollen, daß das. Memorandum der Subkommission - nur Äs Grnudlage'Pir -neue- Verhandlungenzu -betrachten sei., 1.! Die?' r.'u.s ßi s cy.e - A n t-W o-r-t n o.tvgeht sodann auf die -emMüen Artikel über und', führt ans, es-seien zahlreiche Besttetküntzen ztt. machen, ^da ^einzelne Artikel dunkel, andere ihrem Inhalte nach bedeutende Verschlim-- ülerrmgen' gegenüber den'Beschlüsfm - von Cannes-und London'Gedeutelt.: : ■: - - '. - ZurAMel' 1 werde benlerkt,:daß das-, Verbot der politischem uüd.- territorialen Propaganda in cinemrein wirtschaftlichen, Abkommert nichts zu-suchen habe.'Der Gegenstand ' sei besser - in. einem Fried.ensgarantievertrag gu behandeln. Ferner werde der schau bekannte Einwand er-, hobelt, -.daß die Verpflichtung, .auch innerhalb Rußlands jdde, auch;das Auslands betreffende Propaganda zu unterdrücken, zu schweren itttleren. Konflikten führen rnüßte. Die Sowjetdelegation glaube, sie habe denr Auslande -gegen-- über genüg getan, indem sie.die- Prinzipien von -Cantus' angenommen habe,-von denen Artikel 1 des Memorandtunsherrühre.- r- .. Die Artikel 2,-3 und 4werden ütt. Prützip.^ angeüow-i men. Die Kriegs- und Borkriegsschulde-n werden also, zwenn man den Darstellungert - von dieser Seite glauben harf, überyonuyen, jchoch mit. Vorbehalten, z. P.-,j daß der'.Schlll^ttachlatz 'genau festzttstellen'ser.' Auch werde netterlich-' betont, daß - dieser Schritt, der ein großes Zuge-- ständuis Rußlands bedeute, von der GÄvährüng alliierter Kredite abhängig sei. Ferner wcrdedabei neuerlich darauf hingewiesen, daß mit Exportkrediten, die von einzelnen-Regierungen ihren StaatsangehörWr zwecks Wiederatstuahme her 'Peziehung^u; zst Rußlmtd: gewährt, würden, das' Aps-. langen, nicht. gestnrhen werden kpütte. Die Antwort betone^ s Häher die Rotwerchjgkeit.von. Regierüngskrediten, bie hin-? länglich' erwiesen sei, ttnd erkläre -den Abschluß der Gesavlt-»' ' berettlbarüllgen für unmöglich,'. - wenn nicht münistelbarg- Zttsicherungett^ über Kreditg.ewahrung erfolgen. , Zu Artikel 6, betreffend die Auseinandersetzung ntrt Heu Besitzern von . Gütern, die von' früheren russischen Regierungen ausgegeben, oder, garantiert -worden sind, erhläre dio Sowjetdelegation ausdrücklich, sie sei bereit, das MkoMMN Mr die/ Wiederaufnahme des ZinseydiensteZ sogleich abzuschließen. Es handle sich hier aber um ungeheure Summen, die die Sowjetregierung unbedingt anfbringen wolle, damit die kleinen Rentenbesitzer keinen Schaden erleiden.', Rußland, lege Wert darauf,'hier seinen Verpflichtungen gauz-uachzukommen, aber auch an dieser Stellewerde uochmÄs betont, daß-so große Zählungen, nur möglich seien, wenn Rußland Kredite bewilligtz und ausgefolgtwürden. ... - -; . Das hauptsächlichste Interesse wende sich dem Artikel 7 zu (Pr iva leigen tu nr). Die russische Antwortnote. werde, dieser Quelle zufolge, eine Uebersicht über den Hergang der' Beschlagnahmen und Nationalisierungen -in Rußland geben und erwähnen, daß die französische Revolution Expropriierungen' gegen Entschädigung Worgeno.mmen habe, daß aber nach. Wiederkehr des" Königtums die zuerkaimteu Entschädigungen nicht ausgezahlt worden seien. - Hierbei erkläre die Antwortnote, ' Sowjetrußland könne ru 'Fragerr' der Enteignung, keine unmodernere Gesetzgebung befolgen, als sie seinerzeit Frankreich hatte, dessen Gesetzgebung für, die Expropriation Rußland anzunehmen bereit, sei. Die Sowjetdelegation wolle ferner die französischen Porschriften stir Kompensationen und Entschädigungen übernehmen. Wenn indessen eine allgemeine Einigung über den'Artikel 7 nicht möglich sei, schlage Rußland vor, daß die Unterhandlungen über diesen Punkt ausgesetzt. werden und daß nach Schülß der Konferenz eine Expbrtenkörnmission nach Rußland entsendet werde, um die tzesmitive''Fassung -.dr^er 'MftirnWngeu^ . .Die Sowftwetchfltioü spreche sich gegett die SchiedsgerichtskoLvmsswnen aus und wünsche, diese durch die erwähnte Expertenkommission zu ersetzen. , i Dies seien die wichtigsten Punkte der Entgegnung. Zahlreiche sonstige Einwände dürstet: unschwer auszu-. gleichen sein. , . i Was der Papst verlangt. Genua, 9. Mai. Monsignore Piccardo, Substitut ün ptipstlichen Staatssekretariat, hat heute früh Bärthou nüd den anderen Delegierten jener Mächte, zu denen der päpstliche Stuhl diplomatische- Bezichitngen unterhält, ein Meworandinn überreicht, in dem verlangt wird: 1. Für alle - russischen Staatsangehörigen und alle in Rußland lebenden Ausländer wird die volle Gewissensfreiheit garantiert.' 2. Die Möglichkeit der privaten und öffentlichen Re- Wonsübüng. wird gewährleistet. (Diese zweite. Bestimnntttg entspricht den Erklärungen, die der russische Delegierte Tschitscheritr in Genua abgegebert hat.) 3. Grtmdstücke und Gebäude, die religiöser Art welcher Konfession tmütex' wären, werden ihrer Bestinnnung znrückgegeben und -genießen besonderen Schutz. . - ' DerKongreß der PeLrolerrwdirekLorerr.; Genua, 9. Mai. (Tel.-Komp.) Wie die Blätter berich-- teu,. sind bereits über 100 Direktoren als Vertreter von' Petrol'enmgesellschasten aus aller Welt' irr Genua beisammen, um die Verhandlungen - ihrer Konkurrenz mit der Sowjetregiernng aus der Nähe zu Verfölgen. Der ^Pariser Vertreter der.- Standard Oil Company ist ebenfalls irr - Gc-- mtL''angekommen. Er scheint über keine Geschäfte mit der ' Sowjetregiernng abzuschließen, sondern nach dem Grund- ■ satz' der amerikanischen Regierung nur die offene Türwahren zu wollen. Er wird sich jeder Monopolisierturg der! russischen Petrolemnquetteu widersetzett. Die Wünsche -er Bulgaren. " "Gelma,'9. Mai. (Lel.-Komp.) Die bulgarische Delc-" gatton hat der'Konferenz eine genaue Darlegung der" wirt- : schaftlichen und finanziellen Lage Bulgariens überreicht,; in der folgende Wünsche angeführt werdet:: 1. Bulgarien; möge ein lattger Aufschub seiner im Friedöttspertrag vor-; geschriebeneit fnmtrztcllen VerPslichtttngen gewährt werden,! '. 3. Bulgarien solle wieder einen Zugang' zrnu -'Aegäischen.' Meev erhaltest, ' damit es seine Handelsbeziehungen -mit' : Europa wieder aufnetintcu könne, 3. die Bestnnmüngeu der ' Friedensverträge über den Schutz der Minderheiten mögen - auch Praktisch zur Anwendung kommen,., wodurch-einer großen Zahl bttlgarischer Flüchtlinge die Rückkehr in ihtlefrüheren Heimstättetr erniöglicht und daZ bulgarische! Bitdget eine Erleichterung erfahreu würde, 4. wünscht -Btt^.. garten eine uroße internationale Anleihe,