Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1175 (9.5.1922)
- Date
- 1922-05-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Dienstag Samuels Reise den Zweck, einerseits ärztliche Spezialisten zu konsultieren und andrerseits mit dem Kolonialamt.der zionistischen Organisation und möglicherweise auch mit der arabis chen Delegation Beratungen zu Pflegen. Eine arabische Orientliga. Kairo, 4. Mai. (I. C- B.) Eine Reihe prominenter Persönlichkeiten grüedete hier eine Orientliga, .die die Leitung der kulturellen Renaissance des Orients und die Wiederbelebung der arabischen Nation zum Zwecke hat. Die Liga steht auf dem Standpunkt, daß in der allgemeinen Renaissance des Orients die jüdische Kultur einen wrcyngen Faktor bildet, und da sie in derzionisti sch e n Bewegung das Ideal der kulturellen Renaissance sieht, hat sie anläßlich der Osterfeiertage eine Abordnung zum Präsidenten der zionistischen Föderation- Aegyptens, Mr. Josef Cieurel entsendet, um auf diese Weise freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. ' Der Abordnung gehörten u. a. an: Der gewesene Großrnufti*Aegyptens, Präsident der Liga, der gewesene Sekretär des Ministerrates Achmed Seki Pascha, der bekannte Dichter aus Mesopotamien, Sheik Abdel Mobson El Kazior. Eine Konferenz der Minoritäten- Kommission. . Paris, 8. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzcitung") Die in Brüssel tagende internationale Union der Völkerbundgesellschaftcn, die sich zur Unterstützung der Arbeit des Völkerbundes ans den in den verschiedenen Staaten wirkenden Ge-. scllschastcn für Außenpolitik konstituiert hat, beschloß, eine Minoritätenkommission zu bilden, die die Verhandlung der Angelegenheit der Minoritäten für die im Monat August in Prag statt findende Konferenz vorbereiteu soll. Die Prager Konferenz 'wird berufen sein, alle Fragen endgültig zu bereinigen, die als Gravamina der Minoritäten entstanden sind. Dieser Prager Konferenz wurde bereits in der im vorigen Monat in München abgehaltcncn Konferenz der internationalen Minoritätenkommission, über deren Verlauf wir wiederholt berichteten, vorgearbcitct. Cs wäre wünswenf-wer.'. duf das Komitee der jüdif ch o D e I egal i .i w * r oris alle Vorsorge träfe, damit in Prag auch die Vertreter der jüdischen Minoritäten zu Sv'OC f-iiir.u'ii. EisenbahrrkaLastrophe in Pisa. Rom, 8. Mai. sFunkspruch.) Unmittelbar, beim Bahnhof von Pisa ist eine über einen Kanal führende Eisenb a h n b r n ck e c i n g e st ü r z t, ass ein von Pisc? kommender Zug sie passierte. Mit Ausnahme der Lokomotive und zweier Wagen'stürzte der ganze Zug aus einer Hohe doil zehn Metern in bot Kanal. Es sind viele Tote und Verwundete zu beklagen. Ein Auswanderungsgesetz in England. Aus London schreibt man uns: Die andauernde Wirtschaftskrise hat auch in England das Problem der Auswanderung seit längerer Zeit in den Vordergrund des Interesses und der öffentlichen Erörterung gerückt. Da dem Staat die dauernde Unterstützung der mnundeinhalb Millionen Arbeitsloser immer größere Lasten verursacht, hat. man begonnen, aus Mittel zu sinnen, wie der Abstrom der* Beschäftigungslosen in andere Länder auf beste Weise zu bewerkstelligen wäre, und die Regierung hat ihre Geneigtheit ausgesprochen, irr dieser Richtung die Jnitiative.zn ergreifen. Der cnpHVic Auswanderer befindet sich hier in einer besonders guäckiicken Lage, denn das britische We'ltinrperiuin kann es ihm ermöglicym, fciiicit Wohnsitz»zu verändern, ohne sich in einen fremden Staat begeben und sich fremden Sitten und Sprachen anpassen zu müssen, weshals' man auch in diesen: Falle nicht von Emigration, sonbern bloß von Migration spricht. Solche Wanderungen hat es auch bisher schon gegeben. Aber ihre Resultate waren nicht immer befriedigend, weil die Bedürfnisse in den einzelnen Dominions und Kolonien vielfach durchaus verschieden sind und die einen z. B. Landarbeiter, die anderen wieder ausgebildete Industriearbeiter benötigen. Nunmehr soll dem Unterhaus ein. Gesetzentwurf, die Empire Settlement Bill von Koloniatministzw E h u r ch i l l, vorgelegt werden, welcher die Bestimmungen zur Förderung und Regelung dieser Wanderung enthält? Die Regierung soll mit den Kolouiälregicrungen und mit anerkannten privaten Gesellschaften zusammenar beiten, zu den Kosten der Ueberfahrt beitragen und den Wanderern in der ersten Zeit in verschiedener Richtung behilflich sein. Eine Bestimmung besagt, daß die Regierung zu irgendwelchen derartigen Unternehmungen höchstens die Hälfte der Kosten beitragen kann, wodurch eine stete Zusammenarbeit mit den Kolonien erforderlich wird, in denen die Siedlungsfrage gleichfalls seit längerem zur Diskussion steht. So hat die kanadische Regierung ihre Bereitwilligkeit erklärt, Landbebauer in großer Zahl aufzunehmen, ebenso Neuseeland, und in besonders nachdrücklicher Weise fordert Australien eine systematische Ansiedlung von Wei ß en, für welche es gegenwärtig besonders günstige Möglichkeiten geben soll. In Australien weist man darauf hin, daß gewaltige Landstrecken sehr dünn Lut und billiu Wiener Morgenzeitung Mitteilungen ans dem PiMlum. Danksagung Wir sprechen hiedurch Herrn Hermann Frankfurter für seine, anlässlich der Erstickungsgefahr unseres lieben Kindes, betätigte edelmütige Hilfe den herz* liebsten Dank aus. Rubin Kurzrock und Frau Für gesunden alten Herrn wird bei kleiner Familie (Parterre oder l. Stock) volle, bescheidene Pension gesucht! Zuschriften unter „Qut bürgerlich 6338" an die Administration <3. Bl. bevölkert sind — so weist z. B. der fruchtbare Südosten auf einem Gebiet, das größer ist als Deutschland und Frankreich, im ganzen eine Bevölkerung von etwas über drei Millionen Einwohner auf — und daß dieser Erdteil Gefahr läuft, von den übervölkerten Ländern Asiens, in erster Reihe von Japan, gänzlich überflutet zu werden. Von dieser neuen Siedlungspolitik, welche einen Ausgleich zwischen der Bevölkerung Englands, wo auf eine Quadratmeile vierhundert Menschen kommen, denen sechs Menschen pro Quadratmeile in den Dominions gegenüberstehen, erhofft man sich in England die Schaffung neuer Absatzgebiete und eine wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. — Auch vorn jüdischen Standpunkt verdient diese Bewegung alle Beachtung und man wird abwarten müssen, ob sich eine entsprechende Zahl englischer Wanderungswilliger finden wird und ob sich durch die Jnaugurierüng dieser Siedlungspolitik nicht auch für gewisse Kategorien jüdischer Emigranten manche Möglichkeit ergeben könnte. Tagesbericht. Wiener Zionistische» Lokalkomitee. Mittwoch den 10. d. M., 7*8 Uhr abends findet im Bureau; des Zionistischen Landeskomitees. II.. Taborslratze 20 a die Sitzung des Lokalkvmileer statt. Tagesordnung: Besprechung über die Sommertätigkeit und Schekelpropaganda. Die Delegierten werden aufgefordert, pünktlich zu erscheinen. Keine Erhöhung des Gaspreisrs. I:n Ättneirr«.ir«.i.»'cki'tz für die städtischen Untern'hmi'.rtzvn wurde «eitern i.ber die Festsekung des Gaspreises für den fünften V,r»»üsr.no-^bschI,itt (Mai) berichtet. Die Dnel'.-.im der Gaswerke tnipstcle, daß infolge der gestiegenen Erzeugt. mMoften eine E.r.?v,.vg des GaspreifeS vorgefckiage» werden mußte. So ist xegenüber dem vierten Ver-, rechnangkübschnttt eine durchs tlmittliche Steigerung der tschechischen Krone von 141 cy| 357 und der Mark von 24 auf A» eingcrnele«. was m den Kotlenp^iien zum Ausdruck komm:. Es Hai auf Grund Mehr Berechnungen die Direktion der Gaswerke einen Preis für den Kubikmeter Gas von 136 K. GO £. füv Mal v-.'-.g« sästagu!. Daber ist zu berücksichtigen, daß.m'nmh'.: alle Rrsmden brr Gaswerk aufgezehrt sind, so drß jede neue Steigerung der Aerriebsa,Klagen voll zur Geltung kommt. Uebtr Auftrag tc§ Di.zcbürgermeisterS En:-' m r r I i n # beantragte die Tiirkiün der Gaswerke trotzdem, daß für den fünften Verrechnung'» l-schnitt der G a s p r e i 8 under »i nd ct» mit lfO K. bel.'ssen werden und abgewartet werden soll, wie sich nt den nächsten Tagen die wirtschaftlichen Verhältnisse entwickeln. -Äit dieser Entwicklung.wird dann die Ge.ueindc Verwaltung sich bei Festsetzung des Gaspreises zur den sechsten Terr-chnnulsabschnitt (Juni) leiten lassen. Der Antrag wurde emsiin'mig angenommen, Die zionistische Arbeit in Amerika. Prof-. Dr. Otto Marburg aus Berlin, eines der Mit< glieder der zionistischen Delegation fiir den Keren Hajessöd, - ist-, wie, gemeldet, vor einigen Tagen aus Amerika zurnifgekehrt. lieber, die von der Tätigkeit der Delegation zu erwartenden Resultate äußert sich Prof. - Marburg durchaus optimistisch. Die Mafien des amerikanischen Indent,'ins. besonders der kleine Mittelstand, aus dem die Mehrzahl der Juden besteht, haben ein überaus starkes Gefühl für Palästina und die Erfolge der Keren-Hajessod-Mtion liegen hauptsächlich bei dieser Klasse. Prof. Marburg schätzt den zu erwartenden. Bareingang aus Amerika bis zur Mitte des Jahres 1023 aus etwa sieben Millionen Dollar. Insgesamt sind bisher anderthalb Millionen Dollar gesammelt worden. Größere Resultate sind vom New-Uorker Tansenddollqrklüb, von der Frauenaktion und der unmittelbar bevorstcheMn großen Kampagne in Retv-Uork zu erwarten. Um einen Erfolg zu erzielen, müßten jedes Jahr Expeditionen nach Amerika - gesö)ickt werden. Die unvermeidlichen Spesen dieser Aktionen sind im Verhältnis zum Erfolg sehr gering. Mas die Tätigkeit der Brau beiS-Grnpp e anlangt, so suche diese in der Oberschicht Erfolge zu erzielen, doch seien diese bisher sehr gering gewesen, da die Gruppe an die eigentlich reichen Juden auch nicht herankomme. Die bisher gesammelten Gelder der Grnppe sollen fiir Banken verwendet werden, eine Tätigkeit, die an sich nur zu begrüßen sei. Mit besonderer Wärme spricht Prof. Marburg von den Eindrücken, die Kalifornien auf Ihn gemacht habe, das die gleichen Bedingungen wie Palästina hat. Palästina könnte in ein gleich blühendes Land verwandelt werden, wenn das _9. Mai 1922__ Nr.. 1176 entsprechende Kapital und die organisatorische Kraft sowie die nötigen Absatzgebiete vorhanden wären. Er habe sich üben zeugt, daß eine der wichtigsten Pflanzen, die wir bauen müssen,' das Zuckerrohr sei, das eine der Hauptindustrien von Palästina entwickeln und eine unbedingte Rentabilität aufweisen könnte. Was die Frage der Universität in Jerusalem anlange, so ist die Vereinigung für die medizinische Fakultät definitiv organisiert, und es wurde ein Direktorium gewählt, das sich demnächst nach Palästina begeben wird, um die Arbeit-aufzunehmen. Eine ähnliche Gesellschaft von In- ' t«wessenten soll auch für das Technikum gegründet werden. ' Ein besonderes Komitee wurde zur Förderung der Univcr- ' sitätsbibliothek gegründet, für die hebräifch-orien- . talistische Abteilung ist Prof. G i n s b e r g, Vorsitzender der „Jewish Academy", gewonnen worden, der die führend-»». Männer der jüdischen Wissenschaft Amerikas angehören. DieVerfolgrmg der hebräischen Sprache in SowjetrußlanS. Das Organ der jüdischen Kommunisten in Moskarl. „Emes" enthält in seiner Nummer vom 12. April den Bericht über eine vor kurzem in K a m c n c tz - P o d o I s £. stattgefundene Strafverhandmng gegen eine Gruppe jüdischer Lehrer, welche beschuldigt waren, auf illegalem Wege hebräische Sprachkurse abgehalten und ihren - Schülern religiösen Unterricht erteilt zu haben. Diese Kurse'' waren organisiert, indem regelrechter Journaldienst und Kataloge geführt wurden. Ter Belastungszeuge Landau betonte in feiner Aussage, daß die hebräische Sprache die Sprache der Religion, der orthodoxen und reaktionären Macht sei und als Zeichen des Klerikalismus gelte. Der Verteidiger der angeklagten Lehrer versuchte die Auklage mit dem Hinweis darauf, abzuschwächen, daß die/, hebräische Sprache in Sowjetrußland sozusagen legalisiert sei,, da auch die Räteregierung sehr viel von B-ial.rk, Tschernichowski, Brenner und Perez halte ' und dem hebräischen Theater Habima" in Moskau-Üie^- Konzefiion erteilt habe. Der Vertreter der Anklage wies diese „Anschuldigung" - zurück und erklärte, daß sich .die , Näteregierung wohl ^auf wirtschaftlichem Gebiete zu Kon-. Zessionen herbeiließ, auf kulturellem-Gebiete dies.jedoch . niemals tun werde. Jeder Angriff auf das Prinzip der. .. Kindererziehung muß als Angriff auf die Grundlagen,des Staates angesehen und in schärfster Weise behandelt werden. Nach zweistündiger Beratung des Gerichtshofes tvird . der Leiter der hebräischen Kurse Findel manu zu sechs Monaten Körtzentrationslager ver- , urteilt. Zwei Lehrer wurden freigesprochen. Interessant ist null, daß am selben Tage bei demselben Gerichtshof ein ähnlicher Prozeß gegen eine Gruppe polnischer Lehrer wegen Unterrichtes in polnischer Sprache .uud ' ' polnifchnationalem Geiste sowie wegen Religiönsunter- \ richtes geführt wurde. Hier wurden die Angeklagten zur . Landesverweisung und zwangsweiser Ueberstel- < hing an die Grenze der Räterepublik verurteilt. * Danksagung. Jeder, der nur einigermaßen mit dem Scbcit der ärmeren jüdischen Volksschichten vertraiü ist, weiß/ mit; welcher Innigkeit und Anhänglichkeit gerade von dieser Bevölkerungsschichie das Peßachsest gefeiert wird. In den jüngsten-./ Jahrelt war es der „Joint" oder andere auswärtige jüdische In- ■ slttutionen, die daran gedacht hatten, der ärmeren jüdischen Bevölkerung die Abhaltung des Befreiungssestes zu ermög- , lichen. In diesem Jahre regte sich niemand. Die hierzu einzig berufene Jnstilution, die Kultnsgemeinde, kämpft schwer um ihre Existenz, nrid der größte Teil der reichen hat cs lange schon verlernt, sich rmr jüdische Allgelegenheiten zn külllinern. Jir dieser kritischen Augenblick griff der Oberrabiner Dr. Ehajes ein, nnd seinen Beiiüihllll.qeu gelang cs, die arrne jüdische Bevölkerung mit. Alazzoth rrnd Fett zu versorgen. Er allein empfand die Schluach, . die. cs bcdcmet Halle, wenn Tausende der Tradition mit affen ./e^:H'.'sascrn cmhöira.'ndcil Jliden aus Mangel an Mitteln nicht in die Lage gecornnleu wärcl«, sich Atazzoth anznschaffen. Tor «-eser.ig.e Bere'ut „Machjike Hadath" und der ihm äuge- .' jchlosjene, ans V Bethansrmd. Wohltätigkeitsvereineu bestehende Verband „Ageidälh Ehärndinl" betrachtet cs als ihre Ehrenschuld, Herrn Overrabiner Dr. Etmjes für diese Tat, die nickst uur Miitoucnsilmmeli. sondern auch einen Ziiesenailfwand rou Ntül": ltnd Ariieit erfordert hat, Dank zn sagen, wenn sie sich auch durchaus nicht verhrt>tcll, daß sie in diesem Falle den Jnielltioneil des verchrlcn Oberrabilters nicht entsprechen, der jeder Tailkscgung abhold ist. Sie m ü s s e n ihm hierfür b'mtfCH, daß er es dem Verein ermöglicht hat, 400. arme Juden in feinem Ansspeiselokal während des ganzen Peßgchfestcs zu berköstigeil nnd viele,l vörschäurlon Annen das Esseil zn Hause, zu schicken. Sie sind ihm aber auch für eine größere Geldsubvenlion z>t Danke verpflichtet,durch die sie iudie Lage versetzt wurden, eineinhalb Waggons Kartoffeln an ihre Schützlinge gratis zu verleileil. Nicht unerwähnt dürfen auch die besonderen Bemühungen des technischen Leiters der. Aktion, des Herrn Tr. Abraham. K r a u t h a m >n e r, bleiben, dem eS'zst danken ist, daß sich die schwierige und verautoortitugsvolle Aufgabe der Durchführlmg der Aktion und die Verteilmtg von Mazzoth und Fett a,lch klaglos und zur allgemeinen Zufriedenheit abwickeln konnte. Verein „Machsike Hadath". Verband „Agudath Chareidiln". HnÄsr mtn mgi, Hnrrnn- und Damanstoffli, Kamm gsrn«, Co yarcoaf ■vSald«nstolf a. Etamin«. tMmm*** fikllMse. lutisrwBren übt in dir t VI., Windmühl- 462 gasse Nr. 2