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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-08 · Heft 1174 (8.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1174 (8.5.1922)
Date
1922-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer k 50 Wien: Zum Abholch in'der Expedition, II.,Taborstr.l-l\ oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K- 1700 Mit Postveraand für Wien ü. Oesterreich monatl. K 1700 , T s c h e c h o - S 1 o w a k e i: ,Mon. K 20. Ungarn: Mon. X 150. J ugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. (Mark 700. Deutschland: (Mon. Mark 45. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Rr. 1174 Wien, Montag, 8. Mai 1822 Die Me in Genua. Tschacho - Süowakol» ischech. K % Italien: Monatl. Lire 6. Rumänien: Mon. Lei 40. Schweiz und da« übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 4-40-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.:' .MotgenzeitungV 1 > 1 ■ Wien- - Oesterreichisches Postspar-; kassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang Die österreichische Kreditsrage in Genua. Aerrtzevungeu Dr. Schobers. Der Herausgeber der Korrespondenz Herzog hatte Tut Laufe des gestrigen Tages Gelegenheit, mit, dem Bundeskanzler;© ch o b er.' über die Konferenz von -Genna, und die .dantst im Ztlsammenhattg stehenden Fragen, ein längeres Gespräch zu führen, wobei Doktor Schober u. a. erklärte: Schon von Gentta ans habe ich die Einberufung eines Ministerrcites verlangt und in diesem über unsere.Arbeiten 'in Gemta und unsere bis- .herigen Erfolge berichtet, der Ministerrat hat sich auch mit der Beamtenfrage beschäftigt. Was Genua, anbelangt, so kaust ich nur neuerlich betonen, daß wir an den Arbeiten der Konferenz den uns znkonnnenden Anteil genommen haben. Unsere Experten sind mcht ntlr gerne gesehen, sondern auch viel zu Rate gezogene Fachleute, die ' auch zu den Sitzungen jener Komnnssionen eingeladen wurden, in benot Oesterreich durch Delegierte überhaupt tticht vertreten ist. ■ Die', Arbeiten in Genua sind in den Kvmülissionetr für.' F i n a n zu n d T r a'n Z p o r t f x ag en bereits -abgeschlossen. Tie Arbeiten dev ökonomischen Kontmissioneu ttähern sich sichtlich - dein Ende. Es ist sehr interessant, das; in den Verhandlungen in Genua / die Meistbegüngigung eine große Nolle spielt tntb daß auch die Frage des Ab-, 'b au d e r A tt'sn it d E-i tt s u h rverbote - .zweifellos schon, in den; nächsten Tagen erledigt werden ■ wird. .. ■ : Die russische Frage ist eine solche,:der wir naturgemäß nur als. Zuschauer.gegen'ü'berste'hen. 'Wir sind zu klein, tun hier, ein'entscheidendes Wrt nntreden zu kön-. neu: Die russische' Frage .ist>hie:.HauPLschwiertgkeiL der- . IiAtfexenz^und ^es 7wirdsich' 'her obsticht vielleicht eine B e r t ag u.u g' dü e s e.r F ru'g e,W als einzig, pröglicher Äuslveg ergeben wird." ' Arir haben sin Genua unser Hauptgeschäft. sozu-' tagen u e b.e tt - d. er K ö n f e -r e n z zu - besorgen gehabt.'UusereHauptsrage ist die Nnckstellnng .; ' des GeperalpfandrechLes ' und. die Schäslüng einer günstigen Stimmung für die hoffentlich -re ch t; ha l d ei tt s etz e n d e Kredit- , a k"t i ö n des Völkerbundes. Ich möchte.schon, jetzt erwähnen, daß-von eumm Einspruch der Tschecho-Slowakei gegen die Rüäste'llnug des Pfandrechtes tticht die Rede sein kann. Zer.tschecho-slowakische Ministerpräsident Bene sch .hat mich ausdrii.Ut.chermächtigt, - zu erklären, daß die/tschecho-slowakische - Regierung tticht das geringste dagegen ttnternommen'hat. In beiden Belangen steht die Aktion in Genua gut und ich hoffe bereits, in'den nächste)! Tagen Gelegenheit -zu haben, dem Nationalrat alle Details meiner diesbezüglichen Tätigkeit vorzu'legOt, 'Webei ich ans meiner Kenntnis der bei den entscheidendeit Faktoren in . Germa herrschenden' Stirmmmg, nur die eine ^Bemerkung machen mochte, daß - - , . " üinerPoliüschL Hemmungen hier auch Hemmungen tu der Durchführung der spezifisch österreichischest Ange'legenheitett tu Gentta mit sich bringen könnten. l - .Ich habe großen Wert darattf gelegt, daß Finanz- Minister Dr. G ü rtler als Fachminister unb Exponent der größten parlamentarischen Partei im Kabinette an den Beratungen in Gennas als Delegierter tcilninunt, ßnmal derzeit in Genua alle maßgebenden Finanzfaktoren , attweseud sind. Die Unterredungen mit diesen Männern sind v o l l k o m m e n z u s r i e d e n st e l len d ver- Taufctt. Ueberall bin ich dem Willen auch zur Tat begegnet, wobei ich. allerdings nicht vergessen darf, die Tatsache hervor zu heben, daß Wien nach wie vor der. Gegenstattd der. i n t e r n a t i o n a len B e o b a chtsit n g ist und diese BeoLüchttmg drückt sich Vielfach in der Forderttttg aus, daß sich'in Wien nichts ereignen soll und darf, was etwa, als ein Zeichen der beginnenden Zersetzt ' . gedeutet werden könnte.. . - - - > Bei meiner Abreise wurde mir gegenüber der bef stimmte Wunsch geäußert, ich Möge, so bald als. möglich wieder zum Abschluß der Beratungen.nach Gemra zurückkehren. Wenn keine besonderen Zlvischenfälle eintreten, so hoffe ich, E n d e d e r W o ch e wieder nach Gentta fahren zu können, um, wie schon früher erchahnt, die speziell Oestereich betrctwnden Frageit zu sjttalisiepeNr .ii.. Gemta, 8: Mat. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Heiden Reden,' die B a r t h o u vor englischen ttnd französischen Pressevertretern gehalten hat, haben die letzten Hoffnttngen auf das Zustandekommen eines Kontpromisscs zerstört. Alles ist heute der Ansicht,^daß die Konferenz nur noch wenige Tage dauern kann.- Barthou, der in seinen Redeit ein klares Ja der russischen Delegation auf das Memorandum als Bedingung Für die Fortdauer der Konferenz verlangte, ist am allerwenigsten der Ansicht, daß eine derartige Antwort der Nüssen im Bereiche der Möglichkeit^ liegt.- Man kann den Umstand, daß Barthou die russische Antwort ü'öerhattpt noch abwarten will, nur als Formsache betrachten. Es scheint den Franzosen nur noch daran zu liegen: die Antwort der russischen Delegation aus Gefälligkeit gegetmver 8 l ö y d: G e o r g e in Gemia abznwarten, um sich dann mit Hinweis auf die „Verschleppungstaktik" und „die hartnäckige Weigerttng" ,der Russen einen guten Ä^ang von der Konferenz zu sichern. Von verschiedenen Seiten.wurderr gestern noch Versuche unternommen, um den drohenden-Abbruch der Konferenz zu vermeiden.'Diese Vermittlerrolle hat hattptsächlich Italien -übernommen. S ch a n z e t hatte gestern eine Unterredung'mit Tschitsch crin, in der er ihn auf die Konseqüenzeit einer Alblehnung des Mentorandttms attfmerksam gemacht Haben soll. Ein konkretes-Ergebnis hat diese Unterredung nicht gehabt. : : -'■■■■■ " ’ :Die kleine Enlente hac-in den letzten Tagen eine gewisse' 'Schwenkung vollsührt - und sich scheinbar dem itali enis ch - ettglis ch en Standpunkte? genähert. . Es ist bezeichnend, daß der rumänische Mmisterpräsident B r at i a n u-gleichzeitig mit seiner gestrigen Note an Tschitscherin' auch am.de-Facta eine Note gerichtet hat^ worin ansdriiMch - ..versichert lvird/ - daß die Ntechttlügert;^^£>0^ ^cr^a'nb^i^^gclt; Rumäniens Mit W r a n tz el-imwähr seien und die ruma- ' nischä'RegietüNg alles tue,' iM'Ae Feindseligkeiten der russischen^ Eruigrante'n gegen die -Sowjetregierung zu ver- . hindern. ... ' ' VerLagrrrrg der Gemueser Korsserenz. ' Paris, 7. Mai. „Echo de Paris" meldet aus London, man rechne damit, daß die Konferenz, von' Genua am Dienstag geschlossen und. auf einige Monate' vertagt werde. In der Zwischenzeit werde eine Kommission von F i n awz s a ch v e r |t ä nbitjen nach Rußland entsendet werden. Ossizielle Kreise hätten die Hoffnung' auf die'Zustimmung Frankreichs und Belgiens ^um Memorandum noch nicht aufgegeben, wenn in Artikel 7 einige Vorbehalte ausgenommen würden, so daß die einheitliche Front der Alliierten wiederhergestellt werden könnte. Allgömein werde jedoch anerkannt, daß die ganze r ussische. Frage in einigen Monaten neuerdings aufgerollt werden müßte. Spaltung der kleineu EuLenLe. Paris» .7. Mai. „Excelsior" berichtet, die kleine Entente sei in ihrer Haltung Rußland gegenüber geteilt. Einzelne Staaten seien geneigt, ihre S o l id ar r t 8 t mit Frankreich und Belgien zu erklären, wenn die russische. Antwort. vorliegen würde. Rumänien und P o len indessen müßten ihrer geographischen Lage Rechnung tragen. Die baliischen Staaten seien entschieden auf seiten jener Staaten, die, koste es, was es wolle, ein Uebereinkommen mit Rußland zu schließen wünschen. B e n e s ch s e i n o ch u n e n t s ch l v s s e n, denn ec fürchte durch eine zu offene Stellungnähme für Frankreich und Belgien die heikle Lage der Tschecho-Slowaker zu verschlimmern. Poincarv fährt nicht nach Gentta. 1 1 Pmris, 7. Mai. ..Eclair' »fährt an oWeller Stelle,- dah Poincare, der sich bekannllich nach der Rückkehr Millrrands nach, Genua begeben tovttte, diesen Plan vollständig fallen gelassen hat.; RkkÄttd kraucht drei Milliarden v : ^.. Goldrubel. Genua, 8. Mai.- (Tel.-Komp.) Der russische Delegierte Räkowski hat m einem amtlichen Memoryndum bestätigt, daß die Räteregierung 3 .Milliarden Goldrubel oder 8V* Milliarden Goldfranken als den für den Wiederaufbau Rußlands innerhalb drei Jahren benötigten Betrag bezeichnet habe. Die Kreditforderüng ist von Tschitscherin auch Lloyd George.und Schamer gegenüber genannt worden. Rückkehr Schobers. . Bundeskanzler Schober unb Bundesmimster Finanzen, Dr. Gnrtle r, sind gestern früh, aus Genua nach Wien zu rn ck gekehr t. Im Laufe ^es Vormittags fand ein Mini st errat statt, der sich nnt laufenden Aage'.eg«'nheiten beschäftigte. Oesterreich und Sowjetrrrßlaud« Wie wir erfahren, erschien dieser Tage der neu« ernannte bevollmächtigte Vertreter der russischen Sowjetrepubik m Oesterreich, Schlichter, in Begleitung des russischen Generalkonsuls Koslowski und des Sekretärs der ukrainischen Sowjetmission B o g om o l o w beim Außenminister Dr. H e n n e t, um ihm seine Beglaubigungsurkunde zu überreichen. Bei dieser Gelegenheit ist auch die Frage der gegenseitigen Beziehungen zwischen beiden Staaten zur Sprache gekommen. . Kutholikentag. Gestern hat hier eine Tagung der Delegierten der katholischen Vereine der Wiener Diözese stattgesunden, an welche sich ein demonstrativer Aufmarsch vor dem Rathaus anfchloß. Die Beteiligung war sehr stark, die gehaltenen Reden kündigten eine Verschärfung des Kulturkampfes an. In einer Rede wurde die Bildung eines H i l f s f o nds füröic katholischc Presse gefordert. Neue Verh andlungen mit den Beamten. Der Zentralverband der Staatsaugestellten-Vereinigungen, und die Gewerkschaftskommission der Akademiker "in ossenttichen Diensten haben bekanntlich der Regierung am 29. April; e i n Ultimatum gestellt, worin die Angleichung der Gehälter an die Friedensparität gefordert wird. Der Mmisterrat hat sich gestern nach der Rückkehr des Bundeskanzlers und des Finanzministers mit den Forderungen der Beamten beschäftigt und beschlossen, heute die Verhandlungen mit den Beamten aufzuuehmen. Damit ist die Gefahr der a ngekündigten Beamtenrevolte abgewendet. Witos gegen PouiKowsKi urrd Skirmunt. . Warschau. 7. Mar. (Wolff.) Im Landtagrichtete Abgeordneter W i t o s (Volkspartei) heftige.! Angriffe gegen die Beamtenregrerrmg P o n ikow ski, die der Erledigung wichtiger Fragen ausweiche. Er machte daraus aufmerksam, daß dem deutsch-russischen Wirtschaftsvertrag unbedingt ein politischer Vertrag folgen werde, wozu die Regierung Steklung nehmen müsse. Durch die Politik des Ministers des Aeußern S k r r m u n t habe sich auch das Verhältnis Polens zu Ungarn verschlechtert. Der Redner griff den Minister S k t r m u n t auch wegen seiner Nachgiebigkeit gegenüber der Tschecho- Slowakei an. i Abgeordneter Glornbinski (Nationaldemokrat) schloß sich den Ausführungen des Vorredners an und^ vezeichnete die unparlamentarische Regierung.Ponikowski als ein Unglück für Polen. Er erklärte, die Grundlage der polnischen Politik müsse die Freundschaft und ein Bündnis m i t F r a n k r e i ch sein. Polen drohe nicht nur von Rußland sondern auch von Westen her Gefahr. Irische Zustände. Belfast» 7. Mai. (Neuler.) Zn der Grafschaft wurden verschteöene Anschläge ocrübt. Ein junger Mann'' und sein Onkel wurden aus ihrer Wohnung entführt und Man fand beide bald darauf in einem «traßengradeit e rschaffen auf. Der Pächter einer Bar wurde in seinem eigenen Hause durch A e v o l v e r s ch ü s s e gelölet. Ein Farmer wurde schwer verlegt. Die amerikanische Anleihe für Deutsch- . Land. Paris» 7. Mai. (Wolff.) . .Chicago Tribuna" meldet aus Wafhiugtvn, daß die Regierung der Veremigteu Slaalen keine Einwendung erheben werde gegen eine Anleihe amerikanischer Banken an deutsche Unternehmungeu, die über den Beirag der Aeparationsverpflichiungenhjnausginge.' Die Regierung siehe auf dem Standpunkte, daß Anleihen, wie sie die Moxgan-Gruppe vor- - geschlagen haben soll, der geeignetste Weg seien, den die amerikanische Unterstützung Europa gegenüber einschlagen müsse» und sie' würde jeden durchführbaren Plan einer Scoaierung'der Finanzen^, l Deutschlands begrüßen-

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