Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1171 (5.5.1922)
- Date
- 1922-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einxanwimwr KW 'Wien: Zorn Abholeo in der Expedition, ILTaborstr* 1-^, pder in einer Verschleißstelte pTfafik) monatlich K 17M. MltPostversand fürWiea und Oesterreich monatlich K1700. E***-“*iechO-Slowakel:Moni en 20« Ungarn: Mona«, en ISO« Jugoslawien: MonatL Dinar 28. Polen: Monati. Mark 700. Deutschland: Monatlich Mark 45. Frankreich: Moaati.Frcs.6. rener tSCh« K 1 nmtrn: Monarch Ute L Rumänien: MonatL Lei 4C Schweiz tmd das übrige Ausland monatlich Francs L Redaktion n. Administration Wien Taborstrasse 1—P Telephone: 44-6-38,43-3-tt ab 6, Uhr abends 17-f Tdegramrnadresse^Mo: zcitung«, Wien. Nr. 1171 Wien, Freitag, 5. Mai 1922 4: Jahrgang Die jüdische Einwanderung i nach Palästina. * F. W ieni 3. Mai. Das Problem der Einwanderung nach Palästina kt das zentrale Problem für den Aufbau der jödischeö Heimstäte. Das jüdische Nätfonälheim kann nur errichtet werden, wenn die Bedingungen für eine, Ein- Wanderung von jüdischen Massen in wachsender; Zahl gegeben werden, wenn eine neue jüdische Bevölkerung die nötigen Positionen in Landwirtschaft und Produktion bezieht, welche den Angelpunkt des jüdischen;.Wiederaufbaues bilden sollen. Solange Palästina als' militärisch besetztes Gebiet galt (bis Ende 'Juli 1920), war .die Einreise ausnahmsweise nur palästinensischen -Rückwanderern, fachlichen Experten ünd anderen. Personen fn besonderen Fällen gestattet, wenn ‘sie für den wirtschaftlichen- Aufbau - des Landes 'von Bedeutung mnd von der zionistischen Organisation besonders empfohlen waren. Bald' mach de|‘ Einsetzung der zivilen Administration uiid des Oberkommissärs Sir Herbert Samuel wurden "neue, Emigrattonshestim.- titüngen erlassen, weiche von Grundsatz-'ausgingen, daß die Einwanderung .gemäß den allgemeinen Bedürfnissen der .^Entwicklung.Palästinas und gemäß den Bedürfnissen des jüdisch«ationaleu Heims geregelt und kontrolliert werden , müsse. Nach diesem Grund? satz .wurden die Einwanderer in zwei Kategorien, einketeilt: Leute, die auf eige n e Ver,a n t wo t t u ng pach Palästina gehen und .solche,- für deren Beschäfti- Puhd.Uiiterhalfeaig während einep bestimmten cZeit* s die ii o n i s ti s.c’li d^ Ö.'^ga n (S ati-o ü die Verantwortung übernimmt, Diese, letzteren mußten sich mit einem Z e r t i f .i k a l der zionistischen Qrgani: sation Ausweisen, und es wurde ihnen die Einwanderung ohne weitere Bedingungen gestattet, mit der alleinigen Frankreich wird den Friedenspakt unterschreiben. Die französischen Forderungen an Rußland. Erlaubnis m verweigern. palästinensischen Regierung aufgehqbep/;die Eiiiwaridefuh^ für einige Wochen gesperrt \tindi mehrere hundert Einwanderer,- die englische Visa 'besaßen, wurden nach Triest und Konstantiiiopel zurückgeschickt Am 3. Juni 1921 hielt Sir Herb;ert Samuel seine bekannte Rede, in der er neue zeitweilige Jmmlgrationsbestimmungen. .ankündigtp,,, die nachher von der englischen Regierung gebilligt Würden. Einreisebewilligungen würden fortan nur Touristen erteilt, ferner Personen, die im Besitz von mindestens 5Q0 Pfund Weiten oder die ein Monatseinkommen von mindestens L Pfund, haben, ferner heinikehrenden Palästinensern, Angehörigen freier,. Berufe <’ (Aerzte, Rechtsanwälte, Lehrer usw.), Personen, 1 die eine1 gesicherte Aussicht 'auf Beschäftigung hei einem namhaft jgemachten Unternehmet: haben, Personen, che aus, religiösen Motiven eiriwandem und den .Besitz' genügender Mittel mach? Weisen. Perspnen, die .das erforderliche Miniraalkapital pder Einkommen nicht' besitzen, würden von' der . Einreise.-nicht absolut ausgeschlossen;., jedoch mußte ihr Apsucheni|i (jehau Fall s^' daä Imtnigraßphsdeparfceinent der palästinensischen Regierung weitergeleitet werden, Wflchefn. che, schMlichc Entscheidung zufiel.;; Durch diese -als „temporär“ bezeichneten Eiiiwändörartgsbestimmungen, die noch immer in Kraft sind,1 wurde das liecht der zionistischenr Organisation auf Entsendung yon „ Einwanderern unter, eigener Verantwortung: und jjControlle fast gänzlich abgeschafft, hur in Fäiieh, in (denen1 „ die. Regierung eine gewisse Zahl vort Handwerkern bestimmter Fächer zufieß, erfolgte deren Ausr wähl durch die zionistischen Palästihä-Aemtert " Diese Bestimmungen, welche anfangs1 mild interpretiert wurden, Würden, immer rigoroser gehantihäbt, mit der. Begründung, daß' die Arbeitslosigkeit .solche Maßnahmen nötig mache, und in der letztejr Zeit wurde« hauptsächlich Einreiseerlaubnisse auf Grund Von sogenannten „Aufforderungen“, von VcrwaMch und Freunden in . Palästina erteilt,, die auf Grund ihrer Gesuche entsprechende’ Genehmigungen' ./ von der Verwaltung in Palästina erhielten. Anfangs 'April beschloß die palästinensische Verwaltung,' vorläufig . nUiGesuche von Frauen und Kindern von Palästinensern zu .genehmigen und vom \ 5. J an h e r 1 922 wurden Einwanderer, die den bestfehehden ' Be* Stimmungen nicht entsprachen; von den Men Palästinas z u r ü c k g e s c h i c k t, auch wenn sie ein ordnungsgemäßes Visum besaßen. Eine weitere Erschwerung. Bildet die Verordnung von'Ende März 1922, wonach die Erteilung, eines Visunfs auch für Angehörige freier Berufe, Verwandte und Personen mit gesicherter Beschäftigung nur mit Genehmigung des! m m igrafc^onsd e p ar te m e nts der palästinensischen Regierung erfolgen kann. Wie bekannt, steht die zionistische Grgänisätipn gegenwärtig mit der englischen Regierung in Verhandlungen, am eine Rückkehr zum ursprünglichen Zertifikatsi erwirke«. Genna, 4. Mär. Von französischer Heile wird hier bekarihtgegeb'Cnj Der Ministerratjiat.sich in Paris' heute 'vorniitis&s1 int MiniÄerium chs Aeußem unter dem Vorsitz Po i n c a r. e s. versammelt Der -Ministerrat hat den Entwurf des, F r i edenspaktes, der in Genua ausgearbeitet worden ist, geprüft und beschlosseh, diesem V e r tr ag bei z u 1 re teu, u'ntet dein Vorb eh alt daß die; Rechte Frankreichs aus dein Vertrag' von Versailles; ausdrücklich anerkannt und; garantiert . würden,' Einzeihe kleine Aehderurigen werden yin; der französischen Delegation In Genua' vorgeschlägen wätden.,.' Der Ministerj*at war aber einstimmig-. in Mn . Beschluß, daß Frankeich dem Friedeiispakt . ■. beizutreten habe unter - der Voraussetzung, - daß aiich , Rußland ihm beitrete. R u ßla n d sollst ch ve r p f l i chte n. s eine N a c h b ar n w ä h r e u d zehn J a h r e n n i e h l a n zugre i f e ri und während des gleichen Zeitraumes die G r e n ftn; a n zu er Ke nn eh, die im Vertrag von VsrsÄUeL, den es nictzt unierschriebeti hat, festgesetzt.worden sind.,. Auch, ^11 im Pakt ausdfrücklich vermerkt w'erden,. Haß..'erdie Sanktionen picht beeinträchtige, die den Mierten;aüs dehi .Vertrag von Versailles zustehen, Lm falle -Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Der Friedenspakt soll ferner ausdrücklich die gtoßen internationalen Uebereinkömmen' anerkennen, durch die jede Rückkehr der Familien ' der - Habsburger und Höhenzoflem .ausgeschlossen' ist. Desgleichen soll der Friedensvertrag die definitive«. Abkommen nicht stören,; die von einer Macht mit einer anderen abgeschlossen wurden, ebenso. auc| das . | i ä n - z ö .818 c h - b e l g;| s c h e A b k o nf m e n und die Vor trage deri-k t ei a,ejjfr. Arr t eji t s. ^Ferner soll d©r: Friedenspakt dert keine anderen Verpflichtungen zur Abrüsiöng äüferiegen als jene, die im Artikel des Völkerbundyerrtäges enthalten sihd. V Ferner wird aus Paris offiziell und kategorisch die telegraphische Information dementiert, die aus 19(9 mobilisiert wordep seien, um bei den Operadoß«i im Rührgebiet verwendet zu werden, falls Deutschland am 31. Mai seine Verpflichtungen nicht erfülle. Die Verhandiungeti in Genna. Pessimistische Aussichten. Genua, 4. Mai. (Tel-Komp.) Die nach der Ab^ reise Barthous und1 der Fertigstellung des MemorandmnÄ 'an: die Russen eingetretene Pause in den Verhand* lungern Wird; noch /einige -Tage andauern, - bis La Pariser Besprechungen eine Erledigung nach dieses oder: jener: Richtung gebracht , haben. Inzwischen gehör aber die moWellen Besprechungen zwischen den Der legationschefs weiter,, die in .mandien * Spezdalfrageoi von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind Gestemj abends fand zwischen Lloyd Georges, Baitfere wndf den? belgischen Außenminister , Jaspar eine llpgere ' Konferenz statt, die sich' vor allem auf den ArtikS f des Memorandums ' ad die Russen' bezogt der dert Franzosen und Belgiern den Anlaß zur Verweigerung der Unterschrift gÄ. Barröre unterrichtete bei diese* Gelegenheit den englischen Ministerpräsidenten, übel ‘die bisherigen Ergebnisse <ter 5Beratitifgetf des främ^ sischeu Ministerrats. . . ' Genua, 4. Mai. (Intel) Neben den Verhandlungo* zwischen Lloyd George und Räthenau beherrschtedte; bevorstehende Rückkehr Barthous, die für morgen äbeodes erwartet wird, das Interesse. Man rechnet damit, dM Barthou gemäß den Instruktionen des französisch^ Kabinettsrats die Zustimmung« Frankreichs zu dem Memorandum an Rußland verweigern werde. In dstz französischen: Delegation ist man der Ansicht, dätz dapheh ,w(jer Konf^enz.kcin langes Leben beschiede» dchy-MÄVSclmet fest damit, ’daßs di^ Russen selbst das vorliegende Memorandum ^uriiekweise» und also nochweniger geneigt, sei«i werdea^ weiteten Verschärfungen' zuzusummem innerhalb 4m Delegation der .anderen Länder beurteilt mau die Aussichten auf einen günstigen Abschluß der Kcmferems sehr pessimistisch. Die erwartete Ablehnung durch Rußland' und die neuen Instruktionen Barthous. würden Ein ÜebeVblick Über die bisher erfolgte Einwanderung ergibt das folgende Bild: Seit der Einsetzung der Zivilverwaltung begann die Zahl der Einwanderer allmählich zu steigen bis auf zirka tausend im Monat und hielt sich bis kn Ende des Jahres 1920 auf dieser Höhe. Im Anfang 1921 beträgt die Zahl der Einwanderer bloß 500 bis1 600 int Monat und steigt im Aiärz und April wieder bis auf über tausend monatlich. Imfolge der Ereignisse ln Jaffa vom l . Mai sank die Einwanderung beträchtlich, um sich aber bald wieder zu heben. Im Jahre 1921 sind im ganzen nach den vorliegenden Zahlen 8617 Personen eingewandert, tatsächlich war deren Zahl jedoch etwas höher, da eine Registrierung nicht in allen Fällen erfolgt war. In den ersten drei Monaten des Jahres 1922 ^änderten 2715 Personen ein. Die Gesamtzahl der Juden, die seit Februar 1919 bis Ende März 1922 nach Palästina eingewändert sind, beläuft sich auf etwa 24.000, während: die jährliche Durchschnittszahl der jüdischen Einwanderung: in den letzten zehn Jahren vo r dem Kriege 2000 bis 3000 beträgt .Fünfundvierzig Prozent dieser neuen Einwanderer, kamen' aus Polen, . Galizien und der Ukraine übeFAVsrschau^'lVjen--TrieL^ fünfunddreißig Prozent -aus Rumänien, Beßaräbicn, Südrußland unddem Kaukasus über Kiscjiihew—-Cälate— Konstantinopel. Der Rest , verteilt sich M verschiedene Länder von Europa, aber auch Ferien, 'Amerika, der; ferne Qsfen, Südafrika usw, sind daran beteiligt. Die Zahl der F r ä n b.n unter den'immigräjitep beträgt zirka dreißig Prozent Die Mehrzahl sfahd im Alter vön. neunzehn bis. dreißig1 Jahren, fünfzig 1 bis sechzig Prozent können h e b r ä i!s c. h. Während anfangs die Zahl ' der; ledigen Einwanderer übejrwog, 'änderte sich, <fres \ in .den letzten* Wnstsir» 'hauptsächlich infolge der Erschwerutig der Einwanderung für Unbemittelte, so daß zuletzt fünfzig Prozent der Einwanderer zu übersieflelndeh Familien gehörten, hauptsächlich solchen von Handwerkern und Gewerbetreibenden aus Osteuropa.’ Unter den Einwanderern der letzten zwei Jahre waren fast alle Berufe vertreten. Nach der zahlenmäßigen Stärke ergab sich fQlgende Reihenfolge: Landwirtschaftliche Arbeiter, Tischler* Bauhandwerker, unqualifizierte’Arbeiter* Schneider, Schuster, Schneiderinnen, Kaufleute und Händler, Mechaniker, Lehrer, Ingenieure, > Aerzte und einige Repräsentanten der anderen Berufe. Der, Prozentsatz der qualifizierten Arbeiter ist sichtiich im Wachsen. Zu dem jüngeren Element gehören .et wa acht tau sen d Ohaluziki, che beereiß sind, die schwersten Arbeiten für den Aufbau Palästinas za übernehmen. Gegen Ende des Sommers 1921 waren von den Chaluzim beschäftigt: Etwa 2000 bei öfleMchch Arbeiten (Straßen-, Eisenbahn-, Brückenbau etp.), etwa 1500 in der Landwirtschaft, zirka 1300 beim Häuser* bau. Ihr Durchschnittslohn betrug bei öffentlichen Arbeiten sieben Schilling, in'einigen Fällen vier Schilling pro Tag. Wäjirend bis Ende, des, Sommers 1921 fast sämtliche Einwanderer. Arbeit Münden harten», verlöt ei» Teil mit dfeni Beginn des Winters seine-Beschäftigung infolge der Einstellung der Batiarbeifen und des größten Teiles der Sträßeribauten sowie der Regenzeit, Nach den letzten Berichten hat sich die Lage auf dem Arb'eitSrnärkt, namentlich infolge der Aufnahme der Bautätigkeit,' Widder gebessert. Ein Teil der EinWandeter kann in privatwirtschaftlichen Untere nehmungen Beschäftigung finden, ■ die : in de* letzten Zeit im ziemlich -großer Zahl entstanden Sind, voraussichtlich an Umfang- und Zahl zunehmen werden und in welchen in den'Jßtzteh Jahrett sphäJzöiigsweise eine Mil|ion Pfund investiert wurden« Es ist Jedoch ‘kaum, zu erwarten, daß. in den nächste» Seiten die Privatinitiative einen solchen Umfang. aynehmeti wird, daß dadurch jährlich Zehntausende vo» Einwanderern Beschäftigung finden können: Es wird nötig sein, für1 die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten 'in großem Ümfange* diirCh iMdWirtschaWche Kolorits'aiion, öffentliche Arbeiten und: stldtischen Häuserbau Sorge zu tragen. Hiezu sind große Kapitalien eiförderlich und darum wird es Sache der jüdische» Volksgesamtheit sein, durch“ erhöhte Opferwilligkeit für cHe Beistellung der nötigen Fonds Sorge zu tragen, um dem nationalen Kapital die' volle Entfaltung im Laude zu ermöglichen. Die Arbeit für den Keren H a j e s s o d in Amerika verspricht gute« Resultate. ES gilt jedoch, diese Tätigkeit allenthalben zu intensivieren, und jeden Juden an seine Verpflichtung gegenüber der großer» nationalen Aufgabe zu mahnen. Die zionistische Forderung nach Freigabe der Einwanderung kann nur dadurch gestützt werden, daß das jüdische Volk: durch die Tat den Nachweis erbringt, daß ei •willens ist, aus eigener Kraft die Grundlagen für den Aufbau des jüdischen Heims in Palästina m lesen.