Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1168 (2.5.1922)
- Date
- 1922-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr* 1168 Widn» Dienstag WTENER HC^GEW«rEITXmcr 2. m\ 1922 an der Wiener Horienzeiiüns P] Oesterreich—Ungarn 1:1 (1:0). Grandioser Kampf. — Glänzende Leistungen der Oesterreicher vor der Pause. Ueberlegenheit der Ungarn nach Seitenwechsel. — Heldenkampf der österreichischen Verteidigung. — Rekordzuschaueranzah! und Rekordeinnahme. — Ein gerechter und unbeeinflußbarer Schiedsrichter. — Interviews. (Von unserem Spezialberichterstatten) Der 49, Länderkarapf, dem man in Wien mit so viel Sorge entgegensah, gehört nun ebenfalls der Vergangenheit an. Selbst die größten Optimisten der österreichischen Hauptstadt hatten kaum gewagt, daran zu denken, daß wir diesmal einer Niederlage entgehen werden. Nach dem Debakel, das unser vermeintlich bestes Team gegen Deutschland erlitten bat, schienen unsere Hoffnungen für das Spie! gegen Ungarn gänzlich vernichtet. Als . weiters nach dem Probespiel die Namen unserer Auserkorenen bekannt wurden, gab es nur eine Stimme der Unzufriedenheit. Der Verbandskapitän wurde mit so mancher - wenig schmeichelhaften Kritik bedacht und seine Wahl fand allseits die Bezeichnung ^'„‘unbegreiflich*." Die große Erfahrung und das bedeutende Verständnis v Hugo Meiste hatten ihn aber das Richtige treffen lass Erließ sich von den Leistungen beim Probespiel we - beeinflußen und berief diejenigen Spieler ins Team, die einander verstanden und die' ihm auch geeignet erschienen, den schweren Kämpf auf dem heißen Budapest&r Boden erfolgreich zu bestehen. Das unentschiedene Resultat gegen Ungarn bedeutet einen Triumph unseres Ver- ' bandskapitäne, der es gewagt hatte,;’ sicsb gegen die *einmfitige Volksmeioung aufzulehnen. Schon Lange vor- Beginn-des Wettspieles war die Hungarla-Sportanlage bis zum letzten Plätzchen gefüllt, Und als Schiedsrichter Dr. Baumens (Köln) das Spiel an* ■ pfiff, waten 36.000 Zuschauer Zeugen des Wettkampfes. Diese7 Ziffer kommt ‘ für Budapests? Verhältnisse einem •Rekord gleich. -Die Bruttoeinnahme betrug rund 2'Millionen - tzsgarische Kronen. Zum ersten Male bekundete auch das ’ österreichische Auswärtige Amt großes Interesse für das sportliche Ereignis. Unter der Führung des Gesandten Knobloch waren Sämtliche Mitglieder der österreichischen ’ Gesandtschaft Zeugen des Spieles. Zur Pause besuchten sie unsere -Spieler in ihren Kabinen; beglückwünschten sic zu ihren Leistungen und ermutigten sie zum weiteres Aus- •harren. - ■ . Als die Oesterreichei* das Spielfeld betraten,'-wurden sie vom Publikum wohl ' korrekt, aber immerhin kühl empfangen* ‘ - ' , Der Spielverlauf.; Dem Schiedsrichter Dr. Bauwens aus < Köln •. stellten ^ch folgende Mannschaften: ' .1 ' ■ O e et« r r eich: Edl Katlohäuser (Sportklub); Golk (W. A. F.), Blum (Vienna); Kurz (Amateure), Brandstätter (Rapid), Nietsch (Rapid); Seidl (F. A. C.), Iszda (F. A. C.), Wana (Wacker), Fisch'era (W, Ä. F.), Wessely (Rapid). Ungarns Neuhaus (111. Bezirk); Mandl (M. T. K.), Takacs (F. T. C.); Blum (F. T. C.), Obit2 (F, T. C.), Kertesz II (M. T. K); Toih (F, T- C.), Seiden (U. T. S; E/), Orth (M. T. K.), Moinar (M. T. K.), Opata (M. T. K.). Wie man aus der Aufstellung ersieht, wirkte Vogel II (U. T. E.) bei den Ungarn nicht mit. Sein Fernbleiben war darauf zurücfczuftihren, daß er erst Samstag abends von der Schwedeafahrt seines Vereins gänzlich ermüdet in Budapest eintraf. ' Vom Spielbeginn an greifen die Oesterreicher in steiler Kombination an. Die ungarische Verteidigung begeht bedenkliche Schnitzer, die der, Oesterreicher» sehr günstige Torchancen eröffnen. Vtana vermag aber die Situationen nicht auszunützen. Die österreichische Deckung läßt den gegnerischen Angriff nicht rur Entfaltung kommen. Immer wieder reißen die Gäste das, Kommando an sich. Ihre Verteidiger haben zeitweise die Mitellinie überschritten. Obwohl die österreichischen Stürmer hst ununterbrochen in Tornähe der Ungarn sind, könne? sie nicht zu Treffern gelangen, da ihnen jede D\rchschlags- und Schußkraft abgeht Das Feldspiel der > Gäste ist ausgezeichnet. Einmal vergibt der vollkomnen freistehende Wessely. Nun befreien sich die Ungarn vuf einige Zeit, doch bald werden sie wieder in die Vereidigung gedrängt ln der 44. Minute gelingt es Iszda, u einem Gedränge den Ball zu erlangen und ihn am Torwächter vorbei einzusenden. Oesterreich führt 1:0. Nach Seitenwechsel hat sich das Bild vollkommen verändert War die Ueberlegenheit der Oesterricher vor der Pause offensichtlich, so ist das nunmehrig^ Uejbergcwicht der Ungarn womöglich noch größer. B>,m, der noch vor Seitenwechsel verletzt wurde, kann nud nicht meto recht mit Die Anteilnahme des Publikums eracht eiM Höhe, wie sie selbst bei den heißblütigen Magyar noch nie zu sehen war. Angriff auf Angriff rollt gegt, das österreichische Tor und die Stürmer der Gäste ver stehen es nicht, ihre Hintermannschaft zu entlasten. In der 19. Minute endlich gelingt es Moinar, den Ausgleich herzustellen. Das Publikum rast und feuert seine Lieblinge zur Anspannung aller Kräfte an. Gold und Kannhäuser erweisen sich als unüberwindlich. Das Spiel wird zusehends schärfer, wodurch vorerst Kannhäuser und dann Kertesz 11 auf kurze Zeit spielunfähig werden, doch erholen sich beide sehr bald. Die Oesterreicher können mm da« Spiel etwas offener gestalten, da die Ungarn bereits entmutigt erscheinen. In der letzten Minute des Spieles hätten die Gäste den Sieg noch an sich reißen können. Mandl macht den einzigen Fehler während des ganzen Treffens, er verfehlt den Bali und Seidl segelt allein auf weiter Flur dem ungarischen Heiligtum zu. Er gelangt bis auf fünf Schritte vor das Tor der Einheimischen, zögerte aber mit dem Schießen derart lange, daß Mandl noch rettend eingreifen kann. Nach dieser aufregenden Episode ist der Kampf zu Ende. Betrachtungen. Das Resultat darf als vollkommen verdient bezeichnet werden. Das Spiel Stand sportlich auf ansehnlicher Höhe. Daß die Oesterreicher vor: der Pause absolut dominierten, war darauf zurückzuführen, , daß einerseits die eigene Deckung überragend spicRe,. andererseits die ungarische Hintermannschaft seht* unsicher/arbeitete. Das Tor der Oesterreicher kam ziemlich unerwartet, da ihre Stürmer eine Unzahl bedeutend, günstigerer Chancen ausgelassen hatten. , Der einzige Mann im .ungarischen Hintertreffen, der allen Ansprüchen gerecht wurde, war , Mandl. Die Deckung der Ungarn war während des. ganzen Treffens unserer Halvesreihe nicht gewachsen. Der beste Mann der Einheimischen war Orth,: der als Marke der ungarischen Auswahlmannschaft bezeichnet werden kann. Moinar und Opata kamen nie au ' Nietsch vorbei. Der linke Flügel Seiden-Toth litt an der; Unbeweglichkeit des dicken F. T. C-Maones. Bel den; Qesterreichern war Gold der weitaus beste Manu. Kanhbäuser hatte!n der ersten Spielhälfte mir wenig Gelegenheit ' einzugreifeti. Als sehr kombinatiöustüchtig erwiesen ■ sich die, Stürmer Seidl, Iszda und Wana. Der linke .Flügel > wurde ' dem gegnerischen Tor nicht so . gefährlich,:■ da Fischern meist In def>,Deckung.aushalf. Nach Seitenwechsel waren die Rollen vollkommen ' vertauscht. Von unserer Mannschaft sah man überhaupt nur mehr die Leuts des Hintertreffens. Der einzige \ Stürmer, der mit kolossaler Aufopferung kämpfte, war; Fischers. Unsere übrigen Angriffsspiele!* 'ließen Energie, und Aufopferung vermissen. Insbesondere Iszda, .der an- Körperkraft seine Gegner bedeutend überragte, legte eine merkwürdige'Vorsicht an, den Tag. Die Ueberlegenheit der, Ungarn war einzig Und allein ein Verdienst des Fußbaüphänomens Orth, der erst _ 'nach 'der Pause eine eminente Kampflust bekundete. Die Kombination des . ungarischen Angriffs war fließend, und da . unsere- Stürmer wenig f initiativ handelten, könnte sich "die Deckung der Eifthdlmischen besser durchsetzen als vor der Pause. Die Schwächen der ungarischen Hintermannschaft kamen fiun nicht mehr so zum Ausdruck wie vorher. Das größte Lob verdienten unsere Spieler des1 Hintertreffens. Kannhäuser überbot sich selbst und nach Aussagen der prominenten ungarischen Persönlichkeiten hat noch nie ein österreichischer Tormann auf ungarischem Boden ein ähnlich gutes Spiel geliefert. Unsere beiden Verteidiger kämpften mit grenzenlosem Heroismus, wobei Gold wieder der beste Mann unserer Elf war. In der Deckung boten die beiden Rapid-Leute Glanzleistungen,, die vielleicht noch höher zu werten waren als die Sp’ele, die die Hütteldorfer zurZeit ihrer Höchstform lieferten. Bedeutend schwerer arbeitet Kurz, aber auch er verdient uneingeschränktes Lob. Der aufregendste Moment des ganzen Spieles stellte sich nach der Pause sin. Orth übernahm in 16 Meter Entfernung vom gegnerischen Tpr einen Fankenball Opatas aus der Luft und das Leder sauste in nie gesehener Schärfe dem österreichischen Heiligtum zu. Mit katzenartiger Behendigkeit wehrte Kannhäuser den Ball zur Ecke ab. Der orkanartige Beifall, der dieser Episode folgte, galt sowohl dem ungarischen Stürmer als auch dem österreichischen Tormann. Schiedsrichter Dr. Bauwens war im allgemeinen ausgezeichnet, nur war er in der Beurteilung bei der Verletzung der Foulregein zu nachsichtig. Die Unienmänner erwiesen sich als parteiisch. Die Klasse Ungarns war Orth und auch Moinar überragte sämtliche Partner. Alle übrigen Ungarn sind nur Durchschriittsspleler, von denen wir Dutzende besitzen. Die drei Länder, weiters Takacs und Neuhatis waren ihren Gegenspielern weit unterlegen. Aussprüche. Hugo Meist; Mein Vertrauen zu den Spielern wurde im allgemeinen nicht getäuscht. Ich habe vor unserer Abreise erklärt, daß wir nicht hoffnungslos in den Kampf gehen. Unsere Mannschaft war von einem weit bessere« Kampfgeist beseelt als gegen Deutschland. Auf diesen , Umstand führe ich in erster Linie das ehrenvolle Abschneiden zurück. Von den neuen Internationalen schlugen sich Gold und Kannhäuser hervorragend. Auch Wana befriedigte mich. Wenn auch die Ueberlegenheit der Ungarn hach der Pause sehr groß jvar, so bezeichne ich das* Resultat dennoch als gerecht Wären die österreichischen Stürmer nur etwas schußkräftiger gewesen, dann hätten die Ungarn nach Seitenwechsel nie unseren Vorsprung aufholeu können. Schiedsrichter Dr. Bauwens: Das Spiel zerfiel in zwei Hälften, die vollkommen verschiedene Bilder böten. Vorerst waren die Oesterreicher, dann die Ungarn die Besseren. Das Resultat entsprach im allgemeinen dem Kräfteverhältnis. Angenehm überrascht war ich von der fairen Spielweise der beiden Mannschaften. Professor Snapper (Holland): Die Oesterreicher waren unvergleichlich besser als gegen Deutschland. Sie spielten mit großem Schwung und legten bedeutenden Kampfgeist an den Tag. Volle Bewunderung zolle ich der österreichischen Hintermannschaft, in der Kannhäuser . tiqd Qold Leistungen geboten haben, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Hätten die Oesterreicher ein ähnliches Spiel den Deutschen geliefert, dann wäre ihnen der Sieg nicht zu „nehmen gewesen. ..Orth: Ich war mit meiner eigenen Leistung und mit der meiner Mannschaft nur wenig zufrieden. Uneingeschränkte Bewunderung zolle ich dem österreichischen Tormann Kannhäuser. Das unentschiedene Resulat war gerecht. „ . 0 p r « (Präsident des ungarischen Fußball-Verbandes)? Durch das totale Versagen unseres Mittelläufers Obitz konnte sich unsere Auswahlmannschaft nicht recht finden. Auch Orth erreichte nicht seine Klubforni. Nach dem Mißerfolg gegen Deutschland kam die'ausgezeichnete Leistung der Oesterrdicher überraschend-?... Al o I n a r (linker Läufer .der Hakoah): Die Oesterrefcher haben sich glänzend gehalten, so daß das unentschiedene Resultat als dem Kräfteverhältnis entsprechend bezeichnet werden kann. Hervorragend waren Nietsch, : Gold und Kannhäuser. Mit großer Genugtuung erfüllt mich die Tatsache, daß die Oesterreicher einen derart guten Eindruck hinterließen; Fiscliera: Oesterreich hätte sich vor der Pause einen derartigen Vorsprung sichern können, daß uns der „Kies nicht mehr zu nehmen gewesen wäre. Nach Seitenwechsel waren die Ungarn die Besseren. Der Niederösterreichische Cup. Hakoah—Korneuburg 4: 1 (2 : 1). Erdrückende Ueberlegenheit der Hakoah nach def Panse. 4 Hakoah-PIaiz. 3000 Zuschauer. Schiedsrichter Haberleitner. , Hakoah: Halpern; Scheuer, Lewitus; Pollka, Drucker, Kohn; Häusler, Grlinfeld, Gansl, Grünwald, Katz. Korneuburg: Zöhrer; Nothelfer I, Ribaritsch; Dozel, Schwager, Ruffer; Nothelfer II, Mayer, Pritsche, Srabek, Molzer. Die Korneuburger konnten der ersatzgeschwächten Hakoah-Mannscbaft keinen entsprechenden Gegner abgeben. Am Anfang schien es zwar, als ob die Provinzmeister ernstlich gefährlich werden könnten, aber das Strohfeuer war bald verbrannt. Je mehr das Spiel fort- . schritt, desto mehr fielen die Gäste ab. In der zweiten Spielhälfte, insbesondere gegen Schluß, war die Ueber- legenheit der Hakoah erdrückend. Daß nicht mehr Treffer erzielt wurden, war zum Teil auf die Sohußunsicherheü der Stürmer,, zum Teil auf die Reserve zurückzuführen, die sich einige Spieler auferlegten. Bedauerlicherweise zog sich im Verlauf des im allgemeinen fair geführten Kampfes Katz bei einem unglücklichen Sturz einen Bruch des linken Daumens zu* trotzdem spielte er das Match zu Ende. Katz und Grünwald boten auf Seiten der Hakoah die besten Leistungen. Drucker, der als Mittelläufer debütierte, zeigte gute Anlagen, Die Korneuburger hatten an ihrem Tormann Zöhrer die Hauptstütze. Auch die Verteidiger konnten befriedigen. Sehr schwach war der Angriff. Die Hakoahner nehmen anfangs das Spiel nicht allzu ernst. Dadurch kommen die Korneuburger bei einem Vorstoß ihres linken Flügels durch den Halbrechten in die Führung. Noch in derselben Minute vergibt Gansl die Chance eines Elfmeterstoßes. Erst nach einiger Zeit kann Katz ausgleichen und bald darauf bringt Gansl den Stand Hakoah-Sportplatz Krieau, II., Prater (neben Meierei Krieau) Straßenbahnlinien A, Ak (bis Endstation AusstelUingsstraße), L, M, Hz, 4, J3 (bis Endstation HauptaUee), 80, J (bis ztir Schlachthausbracke), Ponauufetbahn (Haltestelle MiHtfirschwimmschnle) Sonntag den 7. Mai 1922, halb 5 Uhr nachmittags: Meisterschaft Wiener Sportklub—Hakoah Sitze «di Hakoafi Vorher die Reserven Stehplätze ab Mittwoch an folgenden Stellen im Vorverkauf erhältllch: Geschäftsstelle der Wiesingerstraß 2 II, Stadion,!!., Franzensbrückenstraße 24, Wiener Sportklub, XVII., Rötzergasse ma