Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1163 (26.4.1922)
- Date
- 1922-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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April... j . iley' Pojncare nimmt. an den Beratungen der Genueser Konferenz nicht teil. * Er sendet nur wie, der..; zürnende Achilles ihr seine Wünsche -ans .der Fpme und erteilt Instruktionen an.die Delegierten seines lindes,' die keinen eigenen Willen mehr zeigen können und hilflos zwischen ihrem Ministerpräsidenten und der überlegene^ Taktik Llöyd' * ^Georges stecken. Poincare, der .sich den . pejsbrifichen Einflüssen und der Stimmung der Konferenz fernhält, hat das, leichtere Teil erwählt Er' bjeibt fest Nichts von Verträgen, nichts von. Ausgleich und Versöhnlichkeit Das Schwert soll wieder das Wort erhalten.: So -hat er. im .'Generalrat von Efar-Ie-Dtic gesprochen. Der Vertrag von Rapallo zwischen Deutschen t und Russen hätte die sofortige Auflösung der , Konferenz -zur Folge haben müssen. Frankreich sei nachsichtig gewesen, .bleibe 7 jedoch bei den Grundsätzen von-Qanftes,' welche,; alle Fragen' der' Wiedergutmachung und Abrüstung';ausschließen. Wenn Deutschland* bis zum .31; Mai;'das ' Programm der Repsrafionskommission „nichtausführe und Widerstand leisten . sollte,;' 'so würden; die Verbündeten Maßregeln -ergreifen* deren ,Be^ Schließung und Durchführung . im Einvernehmen der Verba«deten überaus ' "erwünscht, - wären. - Das. klingt sehr energisch ■ , und sicher. ■ , Aber*, die vorsichtige Ausdrucksweise ist verkennen! f Poincare steckt: die gepanzerte”Paust in einen Hand- <■ schuh. Er tenniniert zunächst 'ziemlich "weit. Bis zum 3!. Mai - hat Deutschland Zeit,- aber auch die vermittelnden Faktoren - erhalten Spielraum für Ihre Tätigkeit-Wenn Deutschland Widerstand leisten: sollte!, dann... Wenn*aber dieser Widerstand, ausbleibt, so wird wieder ein Einvernehmen gesucht Verden, müssen, ad "zwar außer mit* Deutschland " auch noch mit den - Die Konferenz von Genua. und zwar außer nijt* Verbündeten, und .'dieses :Einvernehmen ist heute strichen' .hat die . zur Sicherung; fäs „[Friedens, ihre Freunde Meh --unter andete^Öttnntfclsstrichön * wählen" würde. . ■ . , ■ u ' ' - ‘ - .'i ' , J . ► ,t Es ist klar, daß PorcarA iröte; Seifen Worien^rgie davor zurilckschreckt,. die Konferenz, vom-Geniia «durch direkte Aktion ,zu. sprengen oder .aiif Beschlüssen .zu verhindern. Aber hinter ihm steht der nationale; Block, geführt von den jeweiligen Gegnern des Minister-. Präsidenten,, und .vom Mr^ kommen r die ‘Antriebe zu diesem -Radikalismus,. aber auch,, die Unsicherheit der liaUüj3g der - nach' Genua) versprdftgteh, Delegation; die mit den Männern von.' heute , und.: Jenen von '''morgen •gut Fretmd -bleibdn .will... Die .französischer Politik' ist in'der Behandlung des Genul/Programms1 ials^ch instradiert Nicht; yach* Qenua; zu! gehen, war eine Politiknach' Genua 'zu [gehen, "eine ändere* Wäre Frankreich - nicht gekommen/, so ' hätte die Konferenz önferbleibcn müssen. Da . es. abfer verliefen trägt es mit die Verantwortung für ihr Gelingen - oder Scheitenii- Zieht;:es sich jetzt zurück, so * muß -daraus noch hiebt das Mißlingen -folgern. Es ist 'jaauch möglich,, daß .die Konferenzohne Frankreich weitertagF und ihr Programm unter ' der offenen'Führung Englands zu Ende führt, .die inofSziell schon, Jetzt besteht. Da sich Frankreich dafür entschieden hatj immer nieder die Prestigefrage atifzuwerferi, macht es eine. Politik der Negation und isoliert isich selbst. ■ Nirgends, äu'Cb nicht bei der kleinen Entente findet diese Tendenz des Wöllens und NichtvvoÜens Unterstützung. . .Lediglich in Deutschland zeigt sich ein Widerhall ih den Treibereien der'Alldeutschen; die :den Aufmarschphantasien der französischen Säbelraßler die breiteste Publizität'geben , und damit wieder zum soundsovielten Male der Erfüllungspolitik -ihrer Regierung den Boden untergraben -wollen. Sie erzählen von einem frafizösisch-tschechisoheii Plan» der Nord-? -und Siiddeutschländ 'trennen soll;’Würzburg/ Nürnberg, Magdeburg, ja audh Hamburg sollen besetzt, Norddeutschland von" fliegenden Bombenfliegern in Panik versetzt werden. Es dürfte sich hier uiü: jenes französische:; Flugzeug handeln, das im Juli 1914 über Nürnberg vom preußischen Generalstab gesichtet: wurde. Jede' Verrücktheit ist dieser* Agitation. kommen, Uly den Frieden zu stören und auf „ die Geinüter.der. französischen Chauvinisten zu wirken. Aus dieser Hetze entstehen dann die unglücklichen Vorfälle,:,wie ip Gleiwitz :und,- Petersdorf, - und die, französischen Politiker erhalten die Anhaltspunkte für ihre Beschwerden über, die Kriegsrtistungen Deutschlands. So wirken die Patrioten zu beiden Seiten: des, Rhein einträchtig, mit verteilten Rollen . zusammen. Wenn dann die Konferenz von Genua: wirklich, scheitert, dann hüben sie-es. vorausgesagt und tun „sich ., beide auf ihren politischen Scharfblick, viel zugute., Den. Schaden tragen nicht die Poincarö und Reventlow, sondern dife arbeitenden.Völker. Die Sanierting Europas« Genua, 25. April. Das Subkomitee für Kredite frat gestern unter Vorsitz des englischen Ministers E vans zusammen, um 1 das L o ndo n er G u tächten der E x p e r t e n zu beraten. Das Gut* ächten beantragt, daß zur Erleichterung der Kreditvermittlung eine Spezialorganisation geschaffen werde, uni ohae Aufschub die Mitwirkung der wirtschaftlich starken Länder an dem Wiederaufbau zu sichern,. wofür die gegenwärtig laufenden .Verhandlungen zur Bildung .einer i n t e r n a 11 o n a.l e n Kor p-o.raff o n sehr geeignet erseh e inen. Die Länder, welche auf 'Kredite angewiesen sind,, hätten die nötigen Maßr nelimen* zu tteffen, um ihre Akt i v ^n als U n t e.rt a g e f ü r d i e Ki e d i t e zur Verfügung, stellen ’ zu könnet). Großbritannien,' Frankreich, Deutschland, Italien tfnd „Belgien ' sollen ein, Kapital von 20 1 Millionen Pfund ” Sterling ,aufbringen ,-unc! die Vereinigten Staaten von Amerika/ Japan, Holland, Dänemark,r ^ie -'Schweiz und die Tschechö^Slowäkei sollen .eingeläden-':werdenj sich darän zu beteiligen. Dazu haben die B eig i'e r .ein Memorandum überreicht, welches au das t e r .- M e u 1 e n - S c h e m a anknüpft., Danach soll diese. geplante zentrale Organisation als T r.e u h Z n d e r fungieren, welcher auf Grund der vön den kredifsüchenden Ländern zur'Verfügung ge-, stellten Sicherheiten Goldobiigationen auf - dem internationalen Markt placiert. " ' D)e 1t a H e n e r * haben Anträge, gestellt, welche auf die Festlegung gesünder B ud ge t i e r u n gsp r i n zip i e n abztelen. Danach soll* die Emission weiteren Papiergeldes sistiert' und . die N o 1 e n-; z i r k u I a t i o n b e g reu z Kwerdön. Ferner sollen die ordentlichen Staatsausgaben' durch ordentliche Staatseinnahmen v o 1 l-e .8 e d e c k u n g finden.; Die Unterstützung der A r b e ltslo s e n soll, soweit! es die ökonomische Lage verträgt, beseitigt werden. l Ferner wünschen die Italiener eitle Eviderizhältung und l Verfolgung der, Budgets•;der; eisi^;iÄn Staaten, um die Einhaltung dieser - Prinzipien Unter eine . interna t i o n a 1 e K o n kr o 11 e zu stellen; Beratung der Zolltarife. Genua, 25. ApriJ.. (Stefani.) Die erste Unterkommission der wirtschaftlichen - Kommission trat heute vormittags unter dem Vorsitz .C-ol r a t s zusammen^.;Die Unterkominission genehmigte zunächst den von einem in der vorhergehenden Sitzung gewählten Komitee, vorgelegten Text, der die Artikel 41 und 42 des Londoner Sachverständigenberichtes ersetzen soll, und begann sodann die B e r a t u n g d e r Z o 11t a r i f e. Die deutsclre und die italienische Delegation gaben zu den eingebrachten Vorschlägen ihre Erklärungen ab, worauf die Unterkommission beschloßp in der morgigen Vormittagssitzung die Österreich! sehe und die «ungarische Delegation, die in der Unterkommission nicht vertreten sind, anzuhören. Sodann wurde beschlossen^ den Londoner Sachverständigenbericht als Grundlage .der Beratung, anzunehmen. Joffes Erklärungen. , Genua,: 25/April. (Intel.) Dem Korrespondenten der „Vossischen Zeitung“ in Genua . erklärte J p f f ©>, daß die Sowjetdelegierten unter keinen Umständen vo» den konkreten Vorschlägen abgehen werden, die sie gestern den Experten übergeben haben, auch nicht auT die Gefahr eines völligen Verhandiungsabbruches, wie der Korrespondent'weiter meldet, scheinen die Russe» diesen Abbruch als unvermeidlich anzusehen und zu erwarten.' Die Erklärung- Joffes hab% den Eindruck gemacht, als sei sie wirklich aufrichtig und ernst gemeinL Wie das Pressebureau der russischen Delegation neuerdings mitteili, sind die Grundlagen, um: die es sich'dabei handelt, nach wie vor die Forderung nach der. sofortigen Anerkennung Rußlands, nach der unverzüglichen Gewährurg einer ausgiebigen Anleihe und nach-Annullierung der Kriegsschulden samt Zinsem Die-österreichische Delegation. Nervi,, 25. April.. Heute früh, sind Bundeskanzler S c h ober, Finanzminister Dr. G ü r 11 e r, Sektionschef O p p-enhe i m er und Ministerialrat D uff eÜ hier eingetroffen.. Der Minister des Aeußern Doktor Hennet reist heute .ab, ■ 8 Ein deutsches Weißbwehv Berlin, 25. April. (Tei.-Kömp.) Die xieiitseftä Regierung gibt ein, in vier Teile und einen Anhang gegliedertes Weißbuch .heraus, das sämtßche Akten? / stücke zur Reparationsfrage vom Mai .1921 bis Mär? 1922 enthält -Im-' drsten Abschnitt isirjl ehta Uebersichi über-die-Durchführung desTondenei* sÜltlmatums .von^ 5. Mai 1921 gegeben. Der ^zweite .Teil enthält die« in der Folge zwischen der deutschen Regierung und der Reparationskommission gewechselten Schriftstücke. Teil 3 behandelt die Konferenz von Cannes. In diesem Teil ist auch die Erklärung des deutschen Außenministers Dr; Rathenau vor dem Obersten Rat wiedergegeben. Im vierten Teil ist der Notenwechsel nach der Konferenz von Cannes verzeichnet Im Anhang zu dieser Denkschrift befindet sich eine Aufzeichnung des Reichs- finanzministeriums über die Aufbringung von einer Milliarde Goldmark, ferner eine Aufstellung der Sachleistungen in der Zeit vom 1; Mai ,1921 bis, 15. März 1922. ' ,;; Deutsche Justiz. Es gibt, bekati-n.tlich noch Richter tn Deutsch-1 fe^dy.’,Das• beweisen die zahlreidiien skandalösen Vor* fälle“ inm-crhalb der de^itschön Justiz ' der letzten Zeiten, da. gegen Arbeiter oder sozialistisch Gesi-n-ute i\*egen politischer .Vergehen die härtesten Strafen ausgesprochen wurden, während Monarchi-str^he Umstürzler m einer Weise behandelt -wurden, dal» mao nicht einmal sagen -kämm, sie wären mit einem blauem. Auge -.dlav.on-gekor.umem.. An* deutlichsten aber wird der Gbairakter der Hohenzöller-n-republikr.ni'schea deutschen Justiz^ wen»n ■ sie. übi,r antisemitische Exzesse zu .urteilem hat, u.nd: wir ha-ben. öfters Gelegenheit gehabt, so manches Skandalstöckdhon an den Pranger zu steilem. i N-mimebr wird ein -neuer Fall bekannt, der die Gesrnimong deutscher Richter illustriert: -Am Gymnasrttro in Fra n k e n s t e i m in Schlesien besteht eine Wan-d'ervogelgrufppe/'ki der der deutsdfrvölkische Radaii-Antisemltis-nrus gepflegt vwird. Ende vorigen Jahren ‘durch2pg’: eine, Anzahl mit Namen heka-mnter 'umd benannter Angehöriger dieses Bunde« die Stadt ^ufntesr A>hÄ.ngum>g eimes Liedes, dessen Kehrreim (»nadv <j«ew abgeänderteb Refrain des Heckerliedes) lautete:; ' »Sdlirn-iiept die'Giiiiltotpne ein. mit J u den fett, . . Blut muß fließen, J u d e n b 1 u t!« Auf. Gruttd dieses Sachverhalts erging eine Anzeige wegen Aufreizung' zum Klassenh “ß, insbesondere gegen den mit der Aufsicht über.den Bund be- ■ trauten S t u d i e « r a t, dessen- '.Söhn dem Bunde Mgehört, und dem B u n d e s I e i t c r. NunmeÜir hat der Oberstaatsanwalt in, .Glätz dem folgenden Bescheid erlassen: »Nahh dem neuerdings vom den Gerichten vertretenen Sta.n-dnunkt stellen Deutsche und juden i-nnerha'b des Deutschen Peich-es nicht verschiedene Klassen, sondern verschiedene Rassen dar. Auch selbst wenn man in dem bemängelton Kehrreim schon eine. Aufreizuaig. erblicken wollte» . so kömitenadurdh höch&tern'S die RassengegensatzO: verschärft, nicht aber zum Klassenikampf aufgefoK dert werden. Dieser Umstand würde allein -scliouäus Rechtsgründeti ein Einschreiten venbie'tedi'.«* . Der OberstsBtfcsäw'walit m“ Gl-ate" IRefbät .fekrd U-nterscheidumgen imd Asm zu ,seinem^ Bescibeiid. zifl gelange«, kümmert' er sidli 'gar ’niiiciht '-diämm,;d{a# iu de-u Ent&ph-eidtmgen des. deutschem' hödli-sitcm ridhtshofs. die Juden “wiederholt Äl'Z• »Bevölfkettuings^ k l a s s e« bereifohiret wend'en^' Die Konsequieaiize^g' zu denen die famose -Eutseiheiduing verkiitet, setvl in der Tat verliockeßid: In: Hihkitmft wirdm®n siisölü -auf sic beruf ein köti<n>en, te-emm man zur Tötumg, dei* Juden aufford’ert, däe ja nachder Weirih-eit ,d-eä Oberikads vom Gl atz keine Kkass-se, sondern eim-e Rasse bÜdem. Deifn daß es sich hiöboi autdi Aufreizung äu Gew;?.(lttäi;i|gkei'ten bamdel-n kMy, •> dairam denkt ein detitsdher Ri-cßiifcer.rnidit genns wehrt:, es um Juden geht. Der Zentra/i verein' der deutschem?>. Juidten hart gegen dßi? Urteil des Ofoer$ta>a>teanwail'tyi> Eki-sipnuidl: edlhobön und: die Oberb-efliörde - bat. ,d!?< Neua'u-fm ahme tes Verfahren« verfügt,'.. man dnsuLV: ■nutnmehr ab war fern, was in der Sache weiter ge^, sdbefh.em wird. BözeteFfnend ist aiirdli ein äimd'eflreri; FaiH: Im 'Breslau fand vor eiuttger Zeit einu Vor*1 saimrolumg dt-s. detatschvölkis-chea Schutzmidi' Trutabumdes staitt, «i weloher der V-orsitzeutde sr--' klärte,'. daß eine Ortsgruppe des »Zenitra-livereiins } ■ deutsclher Siiatsbürger iüdiscfrien Gtefbonjs.ä eüisini; Konimuiniistcn zur Frmorditung -des Redaktteuirs okier,- amtisemiti-schcn ZeiRiug' drn-gea wctiliöe. Der Pra«|-. dient der genanntem Ortegtutpipc Wogte. ■ und der Ves^' leuui'der enkläite nadh verschieoioncu Ausflüchte»,' er habe die Bescthiuldigum-g, die m einer Zeiitiusig ges-t:?ri'den ’ra'he, wiedödlwlt. um die Utiterlß'SSUJigf! einer öffe-ntliehen Anzeige über die Veirsammhang zu bemänttelu, das heißt, er nahm die Wahrung bcreditieter lut ©rossen lü-c sich bi AuMZMcjz.. y&os