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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-18 · Heft 1155 (18.4.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1155 (18.4.1922)
Date
1922-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wien: Ztrai Abbolen in der Expedition, IL.Tabbrstr. 1—3, oder in einer Verschleißstefle (Trafik) monatlich K 1400. MitPostversand fürWien trari Oesterreich monatlich Kl-400. Wiener Tschecb o-Slowakel: Mon. Kronen 20. Ungarn: MonatL Kroueh 120. Jugoslawien: MonatL Dinar 20. Polen: Monaö. Mark 700. Deutschlands Monatlich Mark 35. Frankreich: MonatLFrcs.6. TscMocnw^iowaMi iSClt. K 1 Italien: Monatlich Lire <>/ Rumänien: MonatL Lei 40; Schweiz injd das übrige] Ausland monatlich Francs 3; Redaktion u. Adtuinistrattonj Wien 1L, Taborstrasse 1—3^ Telephone: 44-0-38, 43-3-löj ab 6 Uhr abends 17-9-33^ Telegrainmadresse:„Mbrgeh-' zeftung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150^39^ Nr. 1155 Wien, Dienstag, 18. April 1922 —s» Ein Vertrag zwischen Rußland und Außerordentliche Ueberraschung in Genua. Gestempelte Krone Auszahlung Wien ---- ^Jahrgang - —.07 Centimes. —.O6V10 Centimes. Genua, J8. April. (Intel) Gestern nachts wurde gwisdien T s c h i t s c h erj n a n d R a t h e n a u russisch-deutscher Vertrag unterzeichnet. Er tmtfaßt sechs Artikel. ' Im ersten Artikel wird gesagt, daß die beiden vertragschließenden Staaten gegenseitig auf den Ersatz ihrer Kriegskos'ten| sowie der Kriegsschäden Verzichten. Des weiteren wird beiderseitig verzichtet auf den Ersatz derZivil- Schäden, die den Angehörigen des einen Staates durch Sogenannte Kriegsausnahmsgesetze oder durch Gewaltmaßnahmen von Behörden des anderen. Staates verursacht wurden. Die durch den Krieg geschaffenen öffentlichen und privatrechtlichen Beziehungen* einschließlich der. Frage der Behandlung der in die Gewalt dies anderen Teils geratenen Handelsschiffe, wird auf Grund der Gege nsei tigkei t geregelt Die vertragsschließenden Staaten verzichten gegenseitig auf die Rückzahlung der Aufwendung für Kriegsgefangene. , iZwei ten's.y er zi ch tc tD e d t sch l a nd auf V^ivÄnsprücIie, die sich aus der ' bisherigen;'An** weÄiigi 'der Gesetze, und Maßnahmen der Sojvjetregierutfgauf deutsche Reichsangehörige oder ihre ’Reehte ergeben, sowie auf Rechte des Deutschen Reicjhes^ oder der deutschen Länder gegen Rußland* : vorausgesetzt, daß die Regierung Sowjet- 'ruilafiid-s auch ähnliche Ansprüche a n der er S t ä;a t e n » i ch t befriedigt. . ' . ./ Derdr i 11 e Artikel' erklärt, daß die d i p 16iin/ä’ii seh en, und konsularischen Beziehungen ‘zwischen Deutschland und1 Sowjetrußland wieder a u fgen.ora m e n /werden. Die __ DWls werden ditreh ein besonderes Abkommen ge« regelt' : . V , - * Der vier te Artikel stellt, fest,.daß effe beiden Regierungen-einig sind, daß fiffdie Rechtsstellung von Angehörigen des einen Teils itn Gebiete des anderen Teils und bei der allgemeinen Regelung der beiderseitigen Handels- und Wirtschaftsbeziehugen das Meistbegünstigungsrecht bestehen soll. , ’ .. Der fünfte Artikel regelt die wijtschaft- Neben Bedürfnisse in wohlwollendem und entgegenkommendem Geiste. Vor einer grundsätzlichen Regelung dieser 'Frage '/auf internationaler Basis werden* beide Staaten in vorherigen Gedankenaustausch treten. Die deutsche Regierung erklärt sich; ferner bereit, Personen, die beabsichtigen, mit Rußland Handelsbeziehungen anzuknüpfen, möglichst m unterstüfeen. Der sechste . Artikel bestimmt, daß die Artikel zwei, drei und vier sofort nach Ratifizierung %t Kraft treten. Gtentia, 18. April . ^9 a -1 Die Nachricht von . dem Abschluß' eines9 deutsch-russischen Vertrages, der außerhalb der Arbeiten der Konferenz von Genua erfolgte, hat in allen Lagern außerorden11 i che Ueberraschung hervorgerufen. In offiziellen Comrauniquös geben die deutsche und russische Delegation die notwendigen Aufschlüsse. Das russische Communiqug, gleichlautend mit der Erklärung der deutschen Delegation, stellt fest, daß Ort und Zeit der Unterzeichnung nicht darauf zurückzuführen sei, daß die beiden Regierungen in Genua irgendwelche Sonder-, bestrebungen verfolgen. Seit mehreren Monaten bereits sind Verhandlungen über die völlige Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der russischen und der deutschen Regierung geführt Worden. Es sei nur natürlich, daß die Verhandlungen nwimehr ihreji Abschluß gefunden haben. Der Vertrag hat keine Spitze gegen irgendeinen Staat, wie überhaupt durch den Vertrag die Rechte eines dritten Staates nicht berührt werden. Die deutsche und russische Regierung haben sich nur von den Bestrebungen führen lassen, 4ine sichere Grundlage für die friedliche Z u s a ni m e na rib e i t der, beiden Staaten zu schaffen und darum jetzt einen Strich unter die Vergangenheit gesetzt, Berlin, 18. April Wie die Blätter aas Genua sind die alliierten Delegierten gestern nachmittags zu einer Sitzung zusammengetreten, um . zu der Tatsache des deutsch - r uss*isc h e n Wirts ch a f t s a b k o m m.e n s Stellung zu nehmen. R a k o v s k y erklärte Pressevertretern, daß der deutsch-russische Vertrag schon auf der DurcOeise in Berlin so gut wie fertiggestellt worden war. Es sei weder eine Rechnung noch eine Gegenrechnung aufgestellt worden. Irgendwelche Zahlen waren daher nicht genannt Es sei somit auch mit der schärfste» Lupe nichts zwischen den Zeilen des Vertrages zu lesen. Das R e u t e r s e h e Bureau meldet aas Genua: Die Nachricht, daß Deutschland und Rußland in Genua ein Abkommen geschlossen habe, hat wie eine Bombe gewirkt , •' Genua, 17. April. (Korn-Bur.) Die Ueberraschung und Err egung, die in alliierten Kreisen durch den deutsch-russischen Vertraghervorgentfen wurde, ist groß. Das Abkommen .wurde in dem von der russischen Delegation ,, aüsgegebenen Text in dem Augenblick bekannt, als die alliierten Vertreter und diesmal auch Japan sich bei de Facta versammelten, um über die Haltung zu beraten, die angesichts des russischen Standpunkts in der Frage; der V o r k r i e g s s c li u 1 d e n ' einzunehmen sei. : Die alliierten Staatsmänner traten sogleich* in Verhandlungen darüber ein, was angesichts des deutsch-russischen Abko mmens vofzukehren sei. Es! würde ein Komitee eingesetzt, das zif prüfen haben wird, ob und wieweit das Abkommen mit dem Vertrag von V e r s a 111 e s in Widers p r u c h steh e.< Ahschließdhd findet dann eine entscheidende Beratung der alliierten Vertreter statt. Auf Antrag B ä rth ous, 1 dem Lloyd George beitrat, wird zu*’ dieser, wichtigen Konferenz die k l e i n e E n t e n t e beigezogen. r. Die .Engländer zeigen Äch besorgt, Sir Greegh, der Kabinettschef Lloyd Georges/soll bei. der englischen Pressekonferenz. - das Abkommen i 11 o y a 1 genannt •haben, - . . . ■ ■ 1 . ' - ■ Ünterstüfeung festige deii ^sd^s^cK^nsM^Eer-'' 81 a n d gegenüber den Alliierten! Das Abkommen schaffe in Europa neue Interessengrüppiertfrigen undt bringe' eine heue Spaltung. Von. europäischem Geiste könne keine Rede qein.: Frankreich werde kaltes. Blut bewahren und seine Haltung nicht ändern. Es werde den Sowjets , gegenüber weiter das Prinzip vertreten, daß die S c’h u Iden a n er kan nt *id konfiszierte Güter herausgegeben werden müssen. Die Erfüllung dieser Bedingungen sei die Voraussetzung Deutlicher wie privater Moral Nur auf dieser Grundlage könne Frankreich mit der russischen Regierung verhandeln. Wenn .im übrigen die Konferenz von Genua nur dazu dienen sollte, daß sich die Nationen gegenseitig' heimlich Schaden zuzufügen suchen, so würde sie der Aera von Eintracht und Frieden, die sie wieder bringen sollte, selbst hindernd im Wege stehen,’ Nachdem die erste Ueberraschung verflogen . ist, die das deutsch-russische Abkommen bei den Konferenzteilnehmern hervorgerufen hat, ist /auf allen Seiten eine ruhigere Beurteilung dpr durch das Abkommen geschaffenen Sachlage zu merken. Auch die Franzosen wünschen keineswegs, überstürzte Beschlüsse zu fassen. Der morgige Tag'wird die Klärung bringen. \y ■ ' Die Haltung Barthbus. ' Genna, 18. April. Barthon erklärt, daß er nicht weiter mit den Russen an offiziösen Verhandlungen teilnehmen werde, ehe er nicht Weisungen aus Paris erhalten habe, ln den kreisen der Allierten betrachtet man das Abkommen vielfach als Pressionsmittel, ln Zürich notierte: <fle österreichische Krone die österr. ge&t Krone . die tschechische Krone, die Mark „ « « ~ . Agram. *. •» « ♦ ** Bukarest « . „ * . Budapest . . . . . . Warschau.... . . —JO&Vt* (—15. April) —.07 103D 1.85 1.65 -.62 —.14 (—.07 (40.30 ( 1.72 (1^5 (-- (-.65 (-.14 Av 15. April) am 15, April)1 am 15. April) am 15. •April) am 15.. April) am 15. April) am 15.. April) plat; Eröl Der russisch-französische Gegensatz. , Paris, 18. April: Havas meldet aus * Genua: L1 o y d G e o r g e hat Freitag den Sowjetdelegierten erklärt, daß, fäljs die Russen unnachgiebig , wären, sich die Koüferenzmit anderen. Fragen 'als ..der . russischen Angelegenheiten beschäftigen würde; aber es zweifelt niemand, daß. die Konferenz, wenn diese Frage nicht nach den Wünschen der Alliierten geregelt würde, ..geg en stan d s 1 os sein, würde.> Es ist zwecklos, auf die Wichtigkeit der .Debatte hinzuweisen, bei der die Alliierten 'alle Bemühungen aufwenden werden, die r5ch miW. ihren Rechten und Wünschen vereindPtzn lasses Ein Ultimatum' werde an Rußland nicht gestellt, sondern man bat die Russen lediglich, ihre Sachversiändlfiren zu befracea. Hakoah. / Kr. V/ieri, 18.;April.: ~ Die am Ostersonntag erfolgte Eröffnungde& Spqrtes' der Hakoah — die öffizielm feierliche röffnung. wird ^anlfeich des Sportfestes: im jtüii ^vor./ sich, gehen?. — war mehr als bloß ein interessantes; efgnfs und seine Bedeutung. reicht weit .iitter dasjenige-1 einer neuen Etappe in der Besitzergreifung nriseits gesellschaftlichen Lebens, durch den Körpersport hinaus. Füu die große internationale Spprtgemeindd -bedeutet der neqe Sportplatz ein erfreuliches Zeichen/däfür/ daß der Körpersport täglith neuen; Boden ’gewiü!ft//dem seines Volkstums' bewußten Juden aber sägt dip'/^ät-- : säche, daß in' Wien der eiste jüdische Spprfpiatz der ’ Benützung übergeben wurde, viel meh^‘ M uns /ist sie ein nätionalpöiitisches Ereignis, ein Triunip^ des jüdischnationalen Gedankens, wie ihn der uiiveigeßliche Herzf zum ersten Male formuliert-liat.,‘ 1 . / /“ - ‘Es war kein leichtes Beginnen, der ForderüngHerzlsf' . entsprechend^ das Buch- und Häbdhljudeiikumm :einem Muskeljudentum t umzuformen, allmählich das Gleichgewicht zwischen' Hirn,' -Herz' und - Muskeln', des jungen Juden herzustellen. Zaghaftigkeit iin .Lager, des: dampfe .noch kleinen-Kreises',der Jüdischnatiönaiien,! Spott: una Hohn, mitunter. auch-:offene . Verfolgung, von seiten .der •um ihre kostspieligen .Ehrenäinter. in - den :Sportv'ereinen .besorgten ^ssimilanten -und-die Uoehmütkje,: brutale,Abs /siMhlttMdett/MtzgeuoMA M-'. vollen .Weg, - den: die kleine, tapfere Schar von. Kämpiei n lim Dienste' ihres Volkes von der.-Gründung f derdHakoäh .bis zu dem Tage,' da'sie:als;Herrin;auf^igeiiera.Spörfr •boderi nicht nur ihre eigenen; zu Tausenden, angewachsenen Mitglieder, sondern auch die .Mitglieder, der stattrlichen Zahl, von . jüdischen Sportvereinen, die. aus: ihr .hervorgegangen sind und denen sie zum Musterbild ge- ' worden ist, :abbr auch diejenigen, die. ihr,-; auf. ihrer, •holperigen Laufbahn. so oft grinsend ein Bein (gestellt .hatten, als Gäste zu sehen.. Das 'Spießrutenlaufen zwischen Mißgunst, Unverstand und Roheit war für die Hakoahner genau so. wie die. Verfolgungen - für das jüdische Volk ‘ im allgemeinen:. nur /einanfeuerndes, schweres Training für den körperstählenden Kanipf mit dem doppelten Zwecke: muskelstarke Pioniere für den Aufbau des jüdischen Nationalheims Tn Palästina und lebensfreudige, als Sportler wie als nationalbewußte Selbstschutztruppe in der- Galüth - gleich achtunggebietende junge Juden zu erziehen." . > •r Die Hakoah hat die-Erwartungen., die an sie bei ihrer Gründung geknüpft wurden,; iibertnoffen.f Sie. wjrljt heute auf allen Gebieten der Körperkultur erfolgreich .und erzieherisch, sie zog nicht nur die jüdische Jugend in ihren Bannkreis, sondern wirkt durch die lebensbejahende Jugend auch auffrischend auf die Alten, die der Resignation zu verfallen drohten. Zwischen dem •Zionismus und der Hakoah hat sich auf solche Weise eine Wechselwirkung herausgebildet, dte zur, Gesundung des ganzen Volkskörpers führen muß. Der Zionismus ist heilte ohne Hakoah, ohne die .der körperlichen Ertüchtigung dienenden jüdischen Sportvereine nicht piehr denkbar und der jüdische Sport hätte niemals zu? seinen heutigem Blute gelangen können, wenn er nicht von der Gesinnungstüchtigkeit’der Zionisten, vom, Volksbewußtsein der Jüdischnationaleil' getragen wäre. ** Die Mannschaften der Hakoah’ zählen• heute, zff den führenden Teams ihrer Klasse. Die jüdischen Sportler haben heuteinternationalen Ruf .als fäire Mannschaft, die den Sport nicht professionsmäßig,, nicht brutal betreiben. Es ist das ein überaus hochwertiges' Lob, wenn man bedenkt, welch schwere Kämpfe diese Mannschaften zu bestehen hatten, wie gegen sie buch1 stäblich „auf den Mann“ gespielt wurde,, um ihre nur durch den Enthusiasmus, des selbstbewußten Juden erklärliche Zähigkeit durch brutale Kraftanwendung einzuschüchtern. Aber noch immer ist. aus dem Urteil . der zur Anerkennung gezwungenen Fachpresse ein hämischer Unter ton hörbar;, nofcfr immer' hört man, die kleinen schmächtigen jüdischen Sportler seien behende, geschickte Spieler, die oft der körperlichen Ueberlegenheit der Gegner nicht gewachsen seien. Die Stärke der jüdischen Sportjugend liege in ihrer Zähigkeit und ihrer Koinbinationsgäbe. , Zähigkeit und Kombinatiönsgabe haben das jüdische Volk durch die Fährnisse der

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