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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-15 · Heft 1153 (15.4.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1153 (15.4.1922)
Date
1922-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ fr' J V * *'■' eimeiHBiHwier K so Wien: Zum Abholen ia dar Expedition, IL,Taborstr. 1—S, oder in eiqerVerschleißstelle (Trafik) monatlich K 1400. MitPostversand fürWiemind Oesterreich monatlich Kl400., Ts ölte c ho«- S1 ow a k e i: Mon.' Kronen 20. Ungarn: Monati. ■ Krönten-120. Jugoslawien: Mouatl.- Dinar 20. Polen:. MohätLMark 700. Deutschland: Monatlich Mark ’35. Frankreich: Monatl.Frcs.6. xtntt Tschecho-Slowakei tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire Gj Rumänien: Monat!. Lei 40; Schweiz und das übrige, Ausland monatlich Francs 3,: Redaktion u. - Administration Wien II., Taborstrasse 1—3,1 Telephone:. 44-0-38, 43-3-19,1 ab ,6. Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: »Morgenzeitung", Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.M3« Nr. 1153 Wien, Samstag, 15. April 1922 4. Jahrgang Die Konflikte. /; ,; . . -y. Wie«, 15. Aprile Die Meldungen aus Genua stimmen darin überein, daß sich der' französisch-russische Konflikt zu lockern beginnt und daß: die russische Frage, die sich so bedrohlich anließ; auf dem’ Wege zur' Lösung begriffen isü Es mäg dies vielleicht einem zu rosigen Optimismus entsprechen, der ’ aus der Tatsache der Prüfung der Vorschläge - und Gegenvorschläge das endliche Resultat vorweghimoit - Die russische Frage kann nicht damit gelöst werden, daß Rußland1 die Schulden an Frankreich anerkennt und dafür die Anerkennung der Rechtjnäßigkeit seines Systems : eintauscht. An dem russischen Problemhängen sehr tiefgehende wirtschaftspolitische Lebensfragen - der mittel- und osteuropäischen Kleinstaaten, hängt das 'asiatische Problem in seiner ganzen,* heute fast unübersichtlichen Schwierigkeit und eia guter Teil der englischfranzösischen Streitfragen. Die Genueser Konferenz wird von der russischen Frage, deshalb so stark beherrscht, weil hier das Grundproblem Europas, um das sich alle anderen erst in, zweiter Linie gruppieren, zur endlichen -- Klärung hingestellt worden ist. Die Vereinbarungen von Cannes, die als die Basis der .Genueser Besprechungen zu gelten haben, es aber nur in sehr . eingeschränkem Maße geblieben sind, haben diesen Einfluß des östlichen Rätsels sehr-stark. Verspüren lassen, wenn sie es versuchten, den Interessengegensatz, zwischen der kapitalistischen und ’.bipK schewikischen Wirtschaftsordnung und ihren politischen Orientierungen so Weit zu formulieren, daß man wenigstens Ai einer Aussprache gelangt Die sechs Punkte dieser Resolution handeln von der Regelung des Besitzes, der wirtschaftlichen Ordnung^ der Acherheit der Nationen vor gewaltsamer" Propaganda und vor kriegerischen UebCrfiUlen; Das Arbeitsgrogramm. für Qentta wieder- ,^4:^et|^stiiö8|«lÄigen in präziserer Fbfln. f j 1 - .; j&h Gutes ist* bereits erreicht worden. Frankreich h'ai erklärt, däßl e& che KonfeiiCän?? nicht Mren wolle .MSWÄtziM..sichie: Delegation M6D'WDkzi^he.;Mie Wldung hierüber -berkvhtet - üMri^Mey^HJe«' MetnmHsaustaüschv im. Mhisterrat».. auf, -Äiind!-- dessen Poincare die.' ..Hvjiftn'-' Weisungen/ Mie8.- E8/ bestehen also in der .französischen verantwortlichen .Politik -zwei Strömungen; die; der; intransigenten ^Scharfmacher und die der gemäßigten; jWirtechäftspolitiker, die , sich aus allen .Kräften ' dagegen sträuben, daß Frankreich mit der moralischen Schuld für ein Scheitern der Weltkonferenz, belastet werde.: Diese Strömung macht - sich auch, in der iAntwOrtnote der - Reparationskommission an. Deutschland geltend. Die Note zeigt;, das Bestreben,, das jGesicht zu wahren, und verlangt im Wesen nur das formelle Zugeständnis Deutschlands* daß die Kommission zu ihren . Entscheidungen berechtigt sei. Erfolgt diese Erklärung, dann wolle die Kottiimission -jeden - praktischen Vorschlag , Deutschlands prüfen. Die Note vermeidet es auch, die Empflndlich-? «eit der deutschen 'Souveränität zu kränken. Sie entspricht. also ' keineswegs den- Hoffnungen der französi- ' 'sehen Säbelraßler, die. schon den neuen Tag des ‘Ruhtnes in der weiteren Okkupation des Saargebietes besangen, f aber auch nicht - den Wünschen der deutschen; Hurrahschreter, die für ihre Hetzredenneuen Stoff herbeischwimmen sahen. Es wird verhandelt; Das ‘ist die Grundtendenz dieser Note und sicherlich auch die Wirkung "der in Genua sich vorbereitenden Tatsachen^ ' - A ' : r '• Die Sachlichkeit Siegt über die Phrase und über die Interesselosigkeit. Wenn die Vertreter der Staaten nWr erst miteinander v sprechen und nicht durch den •Lärm ihrerVHinteriänäler, , der Unentwegten und bis Ms Messer Radikalen, gestört werden, ist schon viel gewönnen. Die Mauer des Schweigens wird durchbrochen.- Daraus hat auch Oestef&ich Nutzen ziehen ‘können, dessen -Kanzler durch, die persönliche Fühlungnahme mit den Staatsmännern def Entente güte - Resultate gefördert hat. Er hat es erzielen können, daß der italienische Kreditvorschuß auf 100 Millionen . Lire erhöht wurde, daß also Oesterreich die erste Etappe seiner Vorschüsse mit der Gesamtsumme von etwa 160,Milr Jiardeh Kronen abschließt. Es ist auch der Republik-ein Vertreter in der Wirtschaftskommission zugefstande« worden, der also: in die Lage'kommt, Oesterreichs Situation: authentisch darzulegen -und seine Aufnahme in den wirtschaftlichen Internationalismus zü erzielen. 'Die Erfüllung aller europäischen . Staaten mit gleich stark ipülsierendenBlutströmen ist ein zu schwieriges Werk; als daß es sofort gelingen könnte.: Aber wenn dieses Werk. in. Angriff genommen wird, zeigt' sieh sofort die Erkenntnis, daß der Organismus nur gesunden •kann, .wenn alle seine Glieder in die Heilung einbezogen werden. Das russische, das deutsche; das österreichische Problem, sie . alle sind nur Teiledes europäischen Problems, das; als .Ganzes behandelt .werden muß. Ein Hinweghuschen über Differenzen würde den Prozeß der Sanierung nur verschlimmern, ' Die Konferenz von Genua. Die österreichische Frage. Genua, 14. April. Wie > schon gemeldet, hatte der Österreichische Bundeskanzler. Schober gestern Unterredungen mi£ B a.rt h o u und L I o y d G e o r g e. Er sprach, beiden *den Dank für die bewilligten Kredite aus. Lloyd George sagte;; die. weitere* volle Ifater-' Stützung Oesterreichs durch' England zu. Bundeskanzler 8 c ii ober erklärte einem Berichterstatter, er habe bei der Konferenz vor allen) die. A ü f h e b u n g des Generalpfandrechtes zu erlangen.versucht. Der! t allen! s c h e K i e d i t werde, wie man ihm in Genua mitteilte, 100 Millionen . Lire betragen und ‘ in kürzester Zeit f flüssiggemacht werden. Der Finanzausschuß des Völkerbundes hatte neuerlich erklärt, Oesterreich auch'bei'-Beschaffung selbständiger Kredite neben den Völkerbundkrediten; behipeh sein zu wollen. , Ueber das bevorstehende Eingreifen Spaniens zugunsten' der Frau Zita, Habsburg hätten zwischen den beteiligten' Mächten; keine Bespr ec,h u;ifg.e n. .stattgefunden.- Er selbst messe der Angelegenheit ’ keine politische Bedeutung; bei. Er schloß seine Unterredung mit den Worten,' daß Oesterröich schon . am Vorabend der Konferenz einige gute Geschäfte abgeschlossen habe. — den Unterausschuß für-Kredite des. Fi nan za u s s ch us se s der Konferenz würde eih östert e i c h i sch e r V e r tt ei e r geWälilt,- da -von den ' übrigen Staaten besonderer Wert daraufgelegt wurde, daß Oesterreich in diesetii Ausschuß' vertreten - sei. Bundeskanzler- §*c h 6 be r trifft - Sonntag -v or mit t a g s wieder ih , Wien ein.- Auch» Minister Di*. G r ü n b erg e r und die übrigen -Herren, die; ihn begleitet haben, "kehren nach Wien zurück, 'mit' Ausnahme des Selrtiöhsehefe DrU S e . Sonntag, abends begibt sich dann der Minister ünd^Leiter i desi; Außenministeriums Dr. H e n h e t in ^Begleitung der; Sektionschefs Dr. 8 :e Hw:a rw a ^Ministerium und-.L n d .^MKW^rÄMWiun / nadh Genua. Die heue österrMÄcheWßl^WM^wird; Äse* aus diesen drei. Funktionären und aus SWilonschek Dr. Schüller bestehen. . : . / ' Genua, April. Bundeskanzler Sc;hd;beruhd; Handelsminister Dr. G r ü.n b e r g e r sind heute abends , von Nervi nach Wien abgereist, nachdem Sie beide beim Präsidenten der Konferenz, Facta, und. dem italienischen Minister des Aeußern Schanker ihren Abschiedsbesuch gemacht hatten. Vorher hatten sie eine Besprechung mit dem holländischen-Ministerdes Aeußern Karnebeek und,dem schweizerischen Btmdespräsidenten Motta. Bundeskanzler . S c h ober empfing vor der Abreise die hier weilenden österreichischen Journalisten. ' Er sprach - sicli hiebei , befriedigt über den Verlauf seine? Besprechungen* aus und erklärte, schon die Tatsache, daß die maßgebenden Staatsmänner aller Staaten ' Europas in Genua versammelt seien und die oster-- reictiischen' Delegierten’ Gelegenheit haben,- mit ihnen i Fühlung zu nehmen und die5 österreichische Lage zu erörtern,,bedeute für Oesterreiclf einen großen Vorteil.- ' Der bisherige Verlauf der Konferenzverhändlungeii ' beweise, obwohl ■ - ein Urteil bei dem gegenwärtigen:; Stande keineswegsmöglich sei, daß sicherlich in den wichtigsten Fragen Erfolge zu erwarten sind, und jeder. Erfolg dieser Art, der für die Allgemeinheit erzielt wird, , ist . auch ein Erfolg für Oesterreich. Ein französischer Angriff gegen die Österreichische Postverwaltung, Die Telephonverbindung Genua—Berlin. Paris, 14. April. (Tel.-Komp.) „Cablogramme“ beschäftigt sich in einem Artikel mit der Tatsache, .daß die . österreichische Telephonverwaltung das Benutzungsrecht der Drahtlinie Genuas-Berlin auf der österreichischen Teilstrecke für die Dauer der Konferenz fast gänzlich den Deutschen überlassen und damit die direkte Verbindung Genua—Wien -zum einseitigen. Nutzen Deutschlands und zum Schäden der österreichischen Delegation in Genua und der österreichischen Presse nahezu unmöglich gemacht habe. Das Blatt beklagt es, daß solcherart die öffentliche Meinung der Republik Oesterreich ganz in die Abhängigkeit von Deutschland gerät, u::d drückt die Ansicht aus, daß die deutsche’ Besitzergreifung in Oesterreich auch vor der Genueser Konferenz zur ,Sprache gebracht werden müsse. , gegen diesen An t r a g aus, weil es sich, hier, nicht um die Regelung, der. Verhältnisse zwischen, den Nachfolgestaaten, sondern um eine, gesamteuropäische Frage.; handle. Auf : englischen Vorschlag wurde die •Entscheidung über diesen Antrag einem sp.äTeren 2 ei t p u n kt v or behält en. : Ferner wurden zwei Komitees gewähjt,, ein allge- : meinwirtsfchaftHches und . ein .wirtschaftlich-juridisches, ' in das auch Oesterreich nominiert wurde. Eisenbahnwesen. / ' Genua, 14. April. In der -V e r k e h r sk d m m Ls s i o nwurde ein Subkbmitee für Eisenbahn- :, angelegenheiten gewählt, das sich besonders: mit der Frage der direkten Transporte und der1 Abrechnung zachen; den Eisenbahnverwaltungen - sowie - der Aus- - rüstung der Bahnen mit Material beschäftigen soll. Es wurde * vereinbart; die- Beschlüsse von Bare e I o n a, - u n'd P o r t o r ose der Erörterung zugrunde zu legen,! Der - italienische Delegierte G a b e i l i - teilte -mit, daß die' in Wien bestehende Ständige Kommission in Wien für die Aufteilung des Wagenparkes in Zentraleüropa seit dem 1. 'Jänner ihre Tätigkeit für. alle: auf den Verträgen Unterzeichneten. Staaten begonnen habe.1 .1 Die Geldsituatiöh Europas. ' Genua, 14. April. Das Expertenkomitee-der Finanz-:/ ‘ kommission für den Geldverkehr versammelte sich heute , vormittags. unter Vorsitz Sir B I a c k :e i t s. Es j^urdenr eingehend die allgemeinen Prinzipien der Wirtschafts-.; läge bezüglich der G e l.d s i t u a t i o n Europas geprüft und mehrere Vorschläge in Beratung gezogen, unt den staatlichen. Bedürfnissen der. Länder zu 'begegnen, indem man sie nach ihrer Währurigsjäge : itt > verschiedene Klassen gruppiert. - . fussisdie JVl^oraudurti. l; f. /•-//tMuL,'-M/-ApriL( ".Die' .rüssjM^^^MWnDEW-M 'ihr M^noräridunl in einigen Ta^W'Tberrekc!iE' :unrt^ ':1 zwar - in5 der Sitzung der politischen Kommission,. * der T s c h i t s c h e r i n seine Rede zu : hätten- Genua, 14. April. Die. für heute naclnnittägs: ah-: ■beraumte Sitzung 1 des Subkomitees der politischen Kommission, in der die Russen ihre Antwort auf das Rotbuch der Londoner Experten,; betreffend die-russische Frage, überreichen sollten* wurde auf Wunsch den Russen neuerdings vertagt. ' . ■ ' : : Das Personen- und Privatrecht in Sowjetrüßland. Genua,;• 141 April. , Der -politische' Teil. . den russischen Denkschrift, ..der. mit einiger Spannung' er-j wartet wird, weil; es ’.von ihm, .abhängt, ob .den ’Zwischenfall ■ der ersten Sitzung 'als .erledigt,.zü:be-i Machten ist: - öder' ob er neu äufleben . wird, ist rfochi nicht .festzusetzen-'seL .^Drte' Mmorändum.Mrd.-.' iy...ded; politischen .Kommission von T&chitscherln,: ■;verlese« . werden, keineswegs., aber vor MohtagV. odeir Dienstag^ Heute überreichte die russische Delegation indessenv ein ausführliches Memorandum über das P e r s. o r\. e ti-j u n d. P r i v.at r e*cht i n S o w-j et.r.u ß 1 a n dj , das darzutun bemüht ist,, .daß , dieses im Zuge sei/ die volle rechtliche Ordnung wieder herzustellen/ r Die Denkschrift weist zunächst daraufhin, daß. nach dem äußeren und dem inneren Kriege alle Autorität und jedes staatliche Gefffhl, untergraben gewesen-, seienJ Es sei . deshalb - notwendig, gewesen, außerordentlich« 1 Maßregeln zu ergreifen. Die Revolution habe daher, das Prinzip der Demokratie verworfen u;;d die stcengste^ »'Militärdiktatur eingerichtet. Die. . NatiönaHsierungj von' Handel, und Industrie sei keinsozialistisch^ Experiment, sondern eine zur : Rettung . notwehdigo politische und militärische Maßnahme gewesen. Sobald; die Gefahr der Gegenrevolution beseitigt gewesen .sei,' habe eine neue Wirtschaftspolitik eingesetzt.' Öie Note ‘der französischen Regierung an. Großbritannien vom! Februar 1921 behaupte, daßes in Rußland kein Privatrecht gebe. Dies sei falsch auch für die .ersten drei, •jähre. Die gewaltsame Beschlagnahme , sei nur v,,eina ‘Ausnahmsmäßregel gewesen, gegen die seit Beginn 1920 die Zentralregierung den. Kampf ausgenommen habe, um Uebergriffe lokaler Behörden' zu verhindern. Die Nachfolgestaaten* Genua, 14. April. In der WirtschMtskom-, miS si.o n wurde heute vormittags die. Bildung' mehrerer ’Subkomitees beantragt, darunter eines für die ,N a c h f o.l g.e.s Fa a t e n. Die, jugoslawischen Dele-1 gierten sprachen sich im eigenen Namen sowie im < Namen der Polen- Rumänen und Tschecho-Slowaken Raköwski über das Londoner Memorandum. ■Genua, 14. April., (Intel.) Das Mitglied der russischen Delegation Raköwski schilderte die Stellung der russischen Delegation zum Memorandum beim Empfang von Journalisten folgendermaßen: Ich muß v/nerst bemerken, daß das Londoner Memorandum üur

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